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Hintergrund zum Gedicht

 

Veronika Litz geb.Willeke, Schwester von Peter und Ludwig Willeke

 

"Als sich im Frühjahr 1945 die Amerikaner der Deutschen Grenze näherten, flohen viele Bewohner vom Rhein und Ruhrgebiet ins Weserbergland und zum Harz. Auch mein Mann und ich kamen auf Umwegen in das Dorf Erkeln Kreis Höxter. In dem Dorf lag eine Kompanie Deutscher Soldaten. Somit erlebte ich, als die Amerikaner in den ersten Tagen des Aprils des Nachts um 1/2 zwölf in Erkeln einzogen. Scheinwerfer leuchteten auf und die Jagd auf die Deutschen begann. Jedes Haus wurde vom Boden, bis zum Keller, Scheunen und Ställen durchsucht. Es dauerte nicht lange, da sah ich einige Deutsche Soldaten an unserer Hausmauer mit erhobenen Armen stehen. Es kamen immer noch welche hinzu. Sie standen dort bis morgens um fünf Uhr und wurden dann mit einem Lastwagen fortgefahren. Am 10. April fand man im Walde am Teufelsberg dreizehn deutsche Soldaten mit Genickschuß. Der Bürgermeister sorgte für die Beerdigung, es wurde ihm aber jegliche Ehrung untersagt, niemand durfte mitgehen. Nach Abnahme der Erkennungsmarken legte man die Toten ohne Särge auf einen Düngerwagen und bedeckte sie mit Stroh. So fuhr dann der Wagen, getarnt mit Stroh beladen, durch das Dorf bis zum Friedhof. Einige mutige Frauen des Dorfes waren vorher schnell mit den Fahrrädern zum Friedhof gefahren und machten sich an ihren Gräbern zu schaffen, somit waren sie zugegen, als man die Toten in das Grab legte. In der Nähe des Friedhofs stand eine Schlehdornhecke in voller Blüte. Die Frauen schnitten die Zweige der Schledornhecke ab und warfen sie in das Grab der Helden. Das war die einzige Ehrung, die ihnen außer dem Segen des Pfarrers zuteil wurde. Genau ein Jahr später brachte mir mein Mann von einem Spaziergang einen Strauß Schlehdornblühten mit. Während ich sie in eine Vase ordnete erlebte ich dieses schreckliche Erlebnis noch einmal, ich fing an zu formulieren und es entstand daraus dieses Gedicht:"

 

Den gefallenen Soldaten bei Erkeln 1945 zum Gedächtnis

Jedes Jahr wenn der Schlehdorn blüht
denk ich an dreizehn Soldaten
Traurigkeit befällt mein Gemüt
karg war der Lohn ihrer Taten
Sie kämpften für ihr Vaterland
setzten ein ihr junges Leben
im Wald traf sie die Feindeshand
sie mußten ihr Herzblut geben
Schlehdorn warf man ihnen ins Grab
Schlehdorn statt Lorbeeren
da die Natur nichts andres gab
mußte man sie damit ehren
Kleine Schlehdornblühte schneeweiß
wie lieb bist Du mir geworden
Du bist für mich ein Edelweiss
den Helden der schönste Orden

 

14 tote Soldaten

 Am 10. April fand man auf dem Waldwege, dem sogenannten "Neuen Wege", der von dem Borgholzer Wege in Richtung Vogelsang führt, ungefähr 70 m von dem Wege nach Tietelsen, 13 tote deutsche Soldaten. Alle hatten Kopfschüsse. Weil der Wald mehrere Tage wegen andauernden Schießereien nicht betreten werden konnte, wurden sie nur durch Zufall gefunden. Ein junges Pferd hatte sich auf dem Felde losgerissen und war in den Wald gelaufen. Als man es einfangen wollte, stieß man auf die toten deutschen Soldaten. Ein weiterer Soldat wurde in der Nähe der sogenannten Teufelsbrücke gefunden. Nachdem man dem amerikanischen Kommandanten Meldung gemacht hatte, gab dieser Befehl, die Personalien festzustellen und die Beerdigung sofort ohne Särge, nur in Gegenwart des Geistlichen, auf dem Friedhof der Gemeinde vorzunehmen. Trotz des Verbotes gaben viele Einwohner des Dorfes den toten Soldaten das letzte Geleit. Es wurde festgestellt, daß die Soldaten am 6.4.45 ihr Leben hingeben mußten. Ihre Nachlaßsachen wurden auf dem Gemeindebürgermeisteramt in Verwahr genommen.

 

Ihre Namen sind folgende:

 

1. + Werner Hilgenböcker, evgl. geboren am 9.9.1927 in Bischofshagen bei Herford, Erkennungsmarke 12079.

 

2. + August Meyer aus Obermögersheim bei Wassertüdingen (Mittelfranken) Evangelisch, Erkennungsnummer SS 6069.

 

3. SS-Schütze Günter Humpa, evgl. geboren am 22.12.1926 in Brieg (Schlesien) Briegsdorfer Str. Nr. 27. Erkennungsmarke 2477.

 

4. +  Pionier Herbert Antoine, kath. geb. am 3.8.1927 in Köln - Nippes, Schüler, Erkennungsmarke 10426.

 

5. SS-Schütze Albert Leidenberger, geboren am 5.6.1921 in Mestbach, Kreis Neustadt (Westmark) Erkennungsnummer 5 E 66 L A H.

 

6. Pionier Franz Lempio, kath. geb. am 17.4.1927 Essen - Katernberg, Erkennungsnummer 10539. Grab wurde von Eltern besucht.

 

7. + SS-Soldat Richard Pooth, geb. 14.8.25 in Bieslich (Rees) Erkennungsnummer 10787.

 

8. SS - Untersturmführer Joh. Kamer, geb. 6.6.22 in Raumber, Kreis Pölten, Schüler, Erkennungsnummer 10 SS (Stab) I.R. 14 (mot) 43, wohnhaft in Kefermarkt Nr. 8 Ober Donau. Vater geantwortet.

 

9. + SS-Schütze Wolf Langermann, evgl. geb. am 5.9.1928 in Gladbeck, Erkennungsmarke 6293 SS Pz.Aufklärungs-Ersatz Abtlg., wohnhaft Gladbeck Rossheide 41 a.

 

10. Gefreiter Peter Issel, kath. geb. 5.4.1903 in München-Gladbeck, Erkennungsnummer 14773 A, wohnhaft München-Gladbeck, Luriper Str.Nr. 254. Grab von Angehörigen besucht.

 

11. Anton Schüller, kath. geb. 20.7.09 in Algenbach bei Eitorf, Erkennungsnummer 10507. Wohnhaft Honnef-Sieg, Bonner Str. 79. Grab von Angehörigen besucht.

 

12.+ Wilhelm Volmer, kath. geb.7.4.1903 in Geseke. Orth ab Hagen 20.

 

13. Unteroffz. Werner Tietzel, evgl. geb. 12.7.1920 in Quedlinburg, wohnhaft Langenbilau, Kreis Reichenbach (Schlesien) Eduard Wagener Str. 23. Erkennungsmarke 737.

 

14. Herbert Wessiken. Ohne Soldbuch gefunden, etwa 40 m von der Teufelsbrücke in Richtung Erkeln. Erkennungsnummer 124 1 Al AA 5 Waffen SS, Unterscharführer. Auf einem Postabschnitt war vom Jahre 1941 die Anschrift Else Wessiken, Buchta-Wien-Hadersdorf, Adolf Hitler Str. 49 I. Mutter auf Mitteilung geantwortet.

 

Sämtlichen Angehörigen wurden trotz größter Schwierigkeiten sobald wie möglich Nachricht gegeben. Die mit + bezeichneten Gefallenen wurden von den Hinterbliebenen in die Heimat überführt.

 

 

Nachtrag 1954

Die auf unserem Friedhof bestatteten Krieger, die am Kriegsende im Walde an der Straße nach Tietelsen gefunden waren, wurden am 9.4.54 durch ein Gräberkommando auf dem neuen Ehrenfriedhof bei Brakel beigesetzt. In dieser schönen Anlage ist ihnen im Kreise ihrer Kameraden ein ewiges Ruherecht gewährt.