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 Die Anekdoten als PDF Dokument

 

 

 

Das Hakemännchen

 

 

Noch bis in unser Jahrhundert hinein hatten die Menschen eine gewisse Furcht dem Wasser gegenüber, zumal sich bei Überflutungen durch die Nethe immer wieder zeigte, wie verheerend deren Auswirkungen auf die Existenz der ländlichen Bevölkerung sein konnten, die manchen Schaden erlitt und sich häufig in höher gelegene Ortsteile flüchten mußte. Auch Todesopfer waren zu beklagen. So ertrank 1849 ein Schneidergeselle in den Fluten. 1869 fand bei einem Brückeneinsturz ein Knabe ein nasses Grab.

Diese Furcht der Menschen vor der unberechenbaren Gewalt des Wassers fand ihren Ausdruck sogar in der Kindererziehung. Wenn ein Zögling besonders ungeraten schien oder seinen Eltern Verdruß bereitet hatte, so konnte es durchaus geschehen, daß der erboste Vater oder die erzürnte Mutter schließlich ausrief: "Warte nur, gleich holt dich das Hakemännchen!" Man benutzte diesen Ausspruch auch häufig, um die Kinder möglichst vom Wasser fernzuhalten. "Dort wohnt der Hakemann, der zieht euch zu sich in sein finsteres, nasses Reich hinab unter den Weiden am Wasser."

 

 

 

Das Lausekreuz (nach W. Winkelmann, wahre Geschichte)

 

 

Zur Zeit der napoleonischen Herrschaft über Deutschland wurden auch Erkeln Kontributionen auferlegt. Bei einer solchen Gelegenheit setzte sich der Bauer Heinrich Spellerberg gegen die Steuereintreiber zur Wehr. Er wurde verhaftet und nach Kassel geschleppt, der Residenz des Königs Jerome, eines Bruders des Kaisers Napoleon. Auf die Fürsprache des Barons von Mengersen hin ließ man ihn jedoch bald wieder frei.

Zu Fuß wanderte Spellerberg nun den weiten Weg von Kassel nach Erkeln zurück. Als er nach mehrtägiger und mühseliger Wanderung erschöpft aber glücklich am Teufelsberg den Waldrand erreichte, sah er sein Heimatdorf nach langen Wochen wieder vor sich im Talgrund liegen. Er soll an dieser Stelle gerastet haben und -so erzählt die Sage- seine Kleider nach Läusen durchsucht haben, die sich in der Gefängniszelle in Kassel reichlich eingefunden hatten.

Später errichtete Spellerberg an dieser Stelle vor dem Wald ein Kreuz. Es heißt bis auf den heutigen Tag "Das Lausekreuz".

 

 

 

Die Erkelner Heinzelmännchen

 

 

Ach wie war es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem".
Dieses, so erzählt man noch heute, beklagte der alte Schuster Groppe, nachdem die Heinzelmännchen wegen der Neugier seiner Frau vertrieben worden waren.

Es geschah so: Schuster Groppe hatte immer so viel in seiner Schumacherwerkstatt zu tun, dass er die Arbeit kaum schaffen konnte. Dieses war den Heinzelmännchen, die in der "Duipekuhle" wohnten, zu Ohren gekommen. So beschlossen sie, dem ehrenwerten Schuster Groppe, wenn er und seine Familie schliefen, so gut und viel wie möglich zu helfen. Des nachts, wenn alles ruhig im Haus war, kamen sie und besohlten Schuhe, erneuerten abgelaufene Absätze, putzten die Schuhe und machten alles sauber. Dieses ging eine ganze Zeit so. Schuster Groppe war jeden Morgen immer wieder erfreut und erstaunt, was die Heinzelmännchen so über Nacht alles getan hatten. Nur Frau Groppe war doch so neugierig, sie wollte so gern mal sehen, wer die unbekannten Helfer sind. Sie stand des nachts auf, aber jedesmal, wenn sie die Tür des Schlafzimmers öffnete, hörten dies die Heinzelmännchen und Husch, Husch waren sie verschwunden. Dann hatte Frau Groppe eine Idee. Am nächsten Abend, als schon alle schliefen, ging sie hin und verstreute überall dort, wo die Heinzelmännchen herlaufen würden, Erbsen. Danach ging auch sie zu Bett. Plötzlich hörte man es Poltern, Wimmern und ein grosses Wehgeschrei. Frau Groppe sprang aus dem Bett, denn sie ahnte, was geschehen war. Aber bevor sie an den Lichtschalter kam, hatten es die Heinzelmännchen unter grossen Schmerzen und Mühen geschafft, das Haus des Schusters zu verlassen.
Seit dieser Zeit haben sie aus Angst vor den Menschen ihre Behausungen in der Duipekuhle nie mehr verlassen. Kein Mensch hat sie seither mehr zu Gesicht bekommen. Schuster Groppe und seine Frau mussten nun ihre Arbeit wieder selbst verrichten, worüber der alte Schuster Groppe besonders traurig war.

 

 

 

Eisglatter Waldweg

 

An einem frostigen Wintertag in den 1950er Jahren, fuhr Bauer Wulf in den Wald um einen Haufen Braken zu holen. Als er den Wagen voll hatte und mit diesem den Borgholz'schen Weg hinunter fahren wollte, band er zunächst eine sogenannte Riemekette in die Speichen des eisenbereiften Wagens, bevor er mit dem Pferdegespann den abschüssigen Weg befuhr.

Trotz dieser zusätzlichen Vorsichtsmaßnahme, kam das pferdebespannte Fuhrwerk so in Fahrt, daß die Pferde auf das Hinterteil fielen und dabei der Schwanz eines Pferdes unter das Vorderrad des Wagens kam. Unter diesen Umständen kam das ganze Gefährt zum Stehen.

Bauer Giefers, der ebenfalls mit seinem Pferdegespann Holz aus dem Walde geholt hatte und hinter Bauer Wulf den gleichen Weg hinunter fahren musste, kam zu diesem, um das „Malör“ zu begutachten. Als er sah, was geschehen war, gab er Bauer Wulf folgenden Rat auf Erkelner Platt: „Anton, hol da Äxen und kopier ne".

 

 

 

Der Buhmannspump

 

 

Ein Bauer aus Erkeln befuhr, nachdem er sein Pferdefuhrwerk mit Holz beladen hatte, den Waldweg in der Schäfertrift im Oberholz. Plötzlich machten die Pferde vor einem großen Wasserloch, auch Pump genannt, welches hier im Wege war, halt. Als der Bauer sah, warum die Pferde ohne sein Wollen stehen geblieben waren, versuchte er alles, um die Pferde wieder anzutreiben. Es gab keine andere Wahl, die Pferde mussten mit dem beladenen Fuhrwerk durch diesen Pump. Nach rechts ausweichen ging nicht, da dort eine tiefe Böschung war. Nach links ausweichen ging auch nicht, da dort ein Dickicht war. Aber alle guten Worte halfen nichts. Die Pferde scheuten weiter, sie wollten und wollten nicht durch den Pump auf dem Waldweg. Da hatte der Bauer eine Idee. Er verkroch sich in das Dickicht und kam kurz darauf mit einem lauten „Buh, Buh" Geschrei aus dem Dickicht gesprungen. Die Pferde haben sich so erschrocken, daß sie, ohne an den Pump zu denken, das mit Holz beladene Fuhrwerk hierdurch zogen und der Bauer somit seinen Heimweg mit dem Pferdegespann und Fuhrwerk weiter fahren konnte.

Seit jener Zeit nennt man diese Stelle des Waldweges „Buhmannspump".