Schuleinweihung 1927

Der 17. November d.Js. war für Erkeln ein Tag von besonderer Bedeutung. Es war der Tag, an dem unsere Jugend in das Schulgebäude feierlich eingeführt wurde. Mit einem Festgottesdienst wurde die seltene Feier eingeleitet. Herr Pfarrer Schulte gedachte dabei der Bedeutung einer Schule und zeigte recht anschaulich, was eine Gemeinde, was besonders die Jugend der Schule schuldet. Er wünsche, daß Gottes Segen immer über dem neuen Gebäude und ihren Bewohnern ruhen möge. In Prozession zog dann die Gemeinde zum alten Schulgebäude. Durch ein eigens für diesen Tag geschaffenes Gedicht nahm man Abschied von jener Stätte, an der fast 100 Jahre unsere Jugend unterrichtet und erzogen ist. Ein kurzes Abschiedswinken und unter dem Gesang Veni creator spiritui bewegte sich der Zug zum festlich geschmückten Neubau. Nach einem kurzen poetischen Gruß öffnete sich das Portal und zum erstenmal zog unsere Jugend ein. Herr Pfarrer Schulte nahm die kirchliche Weihe vor. Herr Kreisbaumeister Schöningh -Höxter- übergab nach einem kurzen Überblick über die Entstehung des Baues die Schlüssel dem Gemeindevorsteher Herrn Johlen, welcher der Bauleitung für gewissenhafte Ausführung der Arbeiten und allen Beteiligten dankte und sodann den Schlüssel an den Schulleiter, Herrn Hauptlehrer Meyer überreichte. Namens des Lehrerkollegiums versprach dieser, den schönen Bau zu hegen und zu pflegen und auch im neuen Heim das alte christliche Erziehungs-Ideal nie aus dem Auge zu verlieren: die Kinder zu braven Christen und guten Staatsbürgern zu erziehen. Nach dem mehrstimmigen Gesang "Lieber Jesu" beglückwünschte Herr Landrat v.Droste die Gemeinde zu dem wohlgelungenen Bau. In einem Festspiel "Um die Palme" wurde den Teilnehmern der Kampf der Wissenschaften und Künste um den ersten Platz vor Augen geführt. Jede von ihnen behauptete - zum Teil in recht humorvoller Weise - die erste Stelle einnehmen zu müssen, bis der Genius das Diadem und die Palme der Religion überreichte. Es war ein überaus schönes und wechselvolles Bild, als die mehr als 30 Vertreter der Wissenschaft und Künste zum Schluß der Religion den Vorrang einräumten und ihr huldigten. Ein mehrstimmiges Loblied beendete das Spiel der Kinder. Herr Schulrat Ries sprach sodann über die Bedeutung der Schule. Er führte aus, wie der Fortschritt in Kultur und Zivilisation immer mehr von dem Menschen verlange. Und so hieße es für die Schule diesen gesteigerten Forderungen gerecht zu werden. Aber neben der Aneignung der Kenntnisse und Fertigkeiten sei die Schule auch eine Stätte der Erziehung. Er mahnte die Kinder, die Zeit der Schule gut zu nützen und die Stätte der Ausbildung in gutem Gedenken zu behalten. Nur dadurch, daß der Staat einen sehr großen Teil der Baukosten getragen habe, sei es möglich gewesen, daß wir in Erkeln jetzt dieses schöne moderne Schulgebäude hätten beziehen können. Darum sollten wir auch dem Staate und seiner Vertreterin, der Regierung, in Dankbarkeit gedenken. An die Vertreter der Gemeinde richtete er die Bitte, auch in Zukunft der Schule ihr Interesse zu bewahren. Ohne eine gute Schule sei ein Wiederaufstieg unseres Volkes unmöglich. Die Ansprache klang aus in ein Hoch auf unser Vaterland. Nach dem Deutschlandliede zogen die Festteilnehmer unter Vortritt des Schüler-Trommler- und Pfeiferchores zum Saale des Herrn Wulf, wo die Kinder mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Das neue Schulgebäude liegt südlich vom Kirchplatz in besonders ruhiger Lage. Im Erdgeschoß sind drei Lehrsäle und ein Lehrmittelzimmer. Das erste Stockwerk ist als Wohnung für den Hauptlehrer ausgebaut. Im Kellergeschoß liegt die Kesselanlage für die Zentralheizung und neben den Kellerräumen ein großer Raum für ein Gemeindebad (6 Brausen und 3 Wannenbäder). In seiner ganzen Anlage ist es ohne Zweifel für unsere Gemeinde eine Zierde. Der Grundstein wurde am 18. Mai vergangenen Jahres gelegt und in 50 Arbeitstagen stand das große Gebäude gerichtet fertig. Eine schöne Leistung der Baufirma! Die Erd- und Maurerarbeiten wurden von der hiesigen Baufirma Ferdinand Meyer ausgeführt. Die Zimmerarbeiten lieferte die Firma Josef Wittrock,Erkeln, die Dachdeckerarbeiten die Firma Rehrmann-Ewen,Erkeln, die Tischlerarbeiten die hiesigen Meister Zimmermann, Pult und Balke, die Klempnerarbeiten V.Tensi,Brakel, die Anstreicherarbeiten Berghane,Brakel, die Zentralheizung Raulf,Holzminden, die Lichtanlage das Kreis-Elektrizitätswerk. Ihnen allen wurde von berufener Seite die verdiente Anerkennung zuteil. Zwei Drittel der Baukosten wurden vom Staate übernommen. Besonderes Verdienst um das Entstehen des neuen Schulgebäudes erwarb sich unser Herr Amtmann. Ohne sein zielbewußtes tatkräftiges Eingreifen wäre der Bau nicht zustande gekommen. Dafür sei ihm auch an dieser Stelle der Dank der Gemeinde noch einmal ausgesprochen. Auch dem Kirchenvorstand gebührt für sein verständnisvolles Entgegenkommen in der Platzfrage gebührender Dank. Mögen alle frommen Wünsche für die neue Schule in Erfüllung gehen, möge sie auch viele Jahre für unsere Gemeinde eine Quelle reichsten Segens sein ! "