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Hermann
Kümmel in Erkeln 1909 - 1926
Lebenslauf
Hermann Kümmel, Pfarrer von 1909 - 1926 - Curriculum vitae. Ich bin geboren
am 22.August 1856 in Lüchtringen, besuchte von Ostern 1869 bis Herbst
1892 die i.J.1892 eingegangene kath. Selekta in Höxter, von Herbst 1872
bis dahin 1873 das damalige Progymnasium, jetzige Gymnasium in Warburg,
von Herbst 1873 bis dahin 1875 das Gymnasium in Paderborn, wo ich im Sommer
1875 das Abiturienten-Examen bestand. Es war die Ziert des Kulturkampfes.
Der Bischof Conrad Martin war am 4. August 1874 ins Gefängnis zu Paderborn
und von da auf die Festung Wesel gebracht. Von hier entfloh er nach Belgien
und starb am 16.Juli 1879 in Mont St. Guibert. Die bischöflichen Anstalten
in Paderborn waren geschlossen. Die Theologen unserer Diözese waren genötigt,
ihre Studien auswärts zu machen und sich im Auslande weihen zu lassen.
Ich absolvierte das academische Triennium in Münster von Herbst 1875 bis
Herbst 1878, diente dann 1 Jahr als Freiwilliger beim 2. Westfäl.Artillerie-Regiment
Nr.22 in Münster (1.October 1878 - 1. October 1879) -(auch die kath. Theologen
wurden zum Militärdienst herangezogen, - es war Kulturkampf - eine traurige
Zeit) - , suchte und fand Aufnahme im Priester-Seminar in Eichstätt (Bayern),
wo ich von Bischof Franciscus Leopoldus von Leonrod am 18.Juli 1880 zum
Priester geweiht wurde. Meine Primiz feierte ich, trotz der Maigesetze,
öffentlich und feierlich in meinem Heimatorte Lüchtringen am Feste des
hl. Liborius -25.Juli 1880-. Wo nun bleiben? Angestellt konnte ich in
Preußen nicht werden und in's Ausland mochte ich nicht.Ich blieb also
zu Hause und half in meinem Heimatorte und den Nachbargemeinden den Geistlichen
aus, bis ich durch Gottes Fügung in die verwaiste Gemeinde Bleiwäsche
Kr.Büren kam - 14.November 1880.Bleiwäsche war seit 2 1/2 Jahren verwaist.
Kirche, Pfarrhaus,Schule - der ganze Ort bot wenig Anziehendes, aber die
Not der Leute bewog mich, die Seelsorge zu übernehmen. Wegen der Maigesetze
durfte ich dort nicht einmal die Hl.Messe lesen, geschweige dann pfarramtliche
Funktionen vornehmen. Allein Bismarck hatte "die Waffen auf dem Fechtboden
niedergelegt", und ich blieb unbehelligt volle 6 Jahre in Bleiwäsche -
nur einmal hat die Regierung wegen meiner bei dem Amtmann Brunstein in
Fürstenberg angefragt, es ist aber nichts danach gekommen. I.J. 1883 lernte
ich meinen Vorgänger Fecke, der auf das 40stündige Gebet in Alme (Pfingsten)
zur Aushülfe gekommen war, in Alme kennen. Die cura primaria über Bleiwäsche
hatte der Pfarrer Wacker von Wünnenberg, Mitverfasser des Sursum corda,
bis 1885, wo sie mir übertragen wurde. Von Bleiwäsche wurde ich im November
1886 als Kaplan nach Körbecke bei Soest versetzt und von dort im April
1893 als Pfarrverweser nach Burg b. Magdeburg. Bald darauf wurde ich dort
Pfarrer. Die Pfarre Burg umfaßt die beiden Kreise Jerichow I und II. Ich
war in diesem großen Bezirk der einzige kath. Geistliche. Die Verhältnisse
waren so schwierig, daß ich mich nach 4 Jahren ausser Stande sah, die
Pfarre weiter zu verwalten. Auf königl. Präsentation hin erhielt ich die
Pfarre Brenkhausen a.1897, welche ich bis Ende 1909 verwaltete. An Kämpfen
hat es dort auch nicht gefehlt. Meine Einführung in Erkeln geschah, wie
schon erwähnt, rite et solem niter durch den Dechanten H. Köhne in Bellersen
am 29. Dezember 1909. In den Ruhestand versetzt 1. Juli 1926.
Abgesang
Die Gemeinde Erkeln schenkte mir zu meinem Abschied von Erkeln einen Klubsessel.
Pro quo gratias habeo. Ab nach Blankenau. Wegen des Mieterschutzgesetzes
war es schwierig, eine Wohnung zu bekommen. Die Hauseigentümer hatten
nicht die Macht, beliebig zu vermieten. Das Vermieten besorgte das Wohnungsamt.In
Blankenaus a.d.Weser, Pfarre Amelunxen, ist ein zwar kleines, aber schönes
Kaplaneihaus. Das Kaplaneieinkommen ist infolge der Inflation (der Kaplanei-fonds
betrug ca. 28.000 M) verloren gegangen. Die Stelle kann also nicht besetzt
werden. I.J.1922 hatte sich dort der Professor a.D. Wilhelm Haken aus
Geseke niedergelassen u.die cura übernommen. Er verließ Blankenau im April
1926; somit wurde das Kaplaneihaus frei. Mit Genehmigung des Pfarrers
und des Bischofs ziehe ich darein am 23. Juli 1926. Ich brauche für das
Bewohnen der Kaplanei nur an den Sonn- und Feiertagen die hl. Messe zu
halten u. kann jederzeit wieder abziehen. Vale Erkelnum, vale Bellerum.
Dominus sit semper vobiscum. Omnibus sucecessoribus meis salutem in Domino.
Erkeln, 23. Juli 1926 H.Kümmel, par.i.v. Deo gratias.
Die
umfangreichen Kümmelschen Aufzeichnungen gepaart mit seiner persönlichen
Sicht zum Dorf-und-Zeitgeschehen in den Wirren der Zeit um den 1.Weltkrieg
werden später an dieser Stelle einige Sonderseiten erfordern.
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