Kirchenchronik der Pfarrei Erkeln: (Pfarrer Anton Fecke anno 1902) (bearbeitet von Josef Wulf für die Heimatstube Erkeln) Eine Verordnung des Hochwürdigsten Bischofs Hubertus, Amtl. Kirchenblatt No. 7 von 1896, verlangt daß in jeder Pfarrei der Diözese eine Chronik angelegt und geführt werde, welche als notwendige Grundlage eine Beschreibung und Geschichte der Diözese dienen solle. Zugleich sind als die ins Auge zu fassenden Haupt- Punkte bei der Beschreibung und Geschichte der Pfarrei angegeben I. Pfarrort und Pfarrbezirk; Allgemeines II. Bauten im Pfarrbezirk: Kirchen, Kapellen etc. III. Die Pfarrstelle und andere Benefizen, IV. Klöster, Bruderschaften, Vereine und karitative Einrichtungen V. Die Schulen der Pfarrei. Diese Punkte werden die Einteilung der hiermit begonnenen Chronik bilden und so im Buche angeordnet werden, daß eine Fortsetzung und Vervollständigung meinen Nachfolgern leicht und möglich ist. Leider ist aus früherer Zeit keinerlei Aufzeichnung vorhanden, welche über frühere Verhältnisse und Geschichte der Pfarrei zuverlässige Auskunft geben könnte; das Pfarrarchiv enthält keine dergleichen Aktenstücke und Urkunden die als Quelle dienen können. Vorhanden ist nur das Folgende: a. Das älteste Kirchenbuch, welches die Eintragungen der Taufen, Trauungen und Beerdigungen vom Jahre 1644 bis 1803 enthält. b. Ein Status Parochiae vom Pfarrer Hoberg (1762 - 1782) in welchem spezifiziert die Einkünfte der Pfarre aus Heuern, Lieferungen und Kapitalien nebst den auf Stiftungen beruhenden Verpflichtungen des Pfarrers aufgeführt sind. Dieses Buch ist zweckmäßig angelegt, enthält aber Nichts über frühere Zeiten und ist auch von den folgenden Pfarrern nicht weiter geführt worden; es bildete aber immerhin die Grundlage des Lagerbuches, das ich einige Jahre nach Übernahme der Stelle angefertigt habe, nachdem ich das Material aus den vorhandenen Kirchenrechnungen, Schuld- Dokumenten, Neues an und auf Zetteln gemachten Angaben mühsam gesammelt hatte. c. Außerdem habe ich nach und nach Abschriften einzelner Urkunden aus ältester Zeit mir verschafft, aus denen Einiges über die Verhältnisse jener Zeit zu entnehmen ist. Die Umfrage bei den ältesten Einwohnern der Gemeinde hatte fast gar keinen Erfolg, weil die Bauerngüter durch Unmäßigkeit der Besitzer und schlechte Wirtschaft, namentlich im Anfang des vor. Jahrhunderts (es waren im Orte selbst mehrere Schnapsbrennereien im Betriebe) aus einer Hand in die andere übergegangen sind und dadurch alle Tradition in der Gemeinde verloren gegangen ist. Das städtische Archiv in Brakel und das der Hinnenburg dürfte wohl Manches über die Verhältnisse der mittleren Zeit enthalten; ich hatte aber bisher keine Gelegenheit, darin zu forschen. Die Darstellung der kirchlichen und Gemeindeverhältnisse der ältesten und mittleren Zeit kann daher nur dürftig und lückenhaft ausfallen, ich muß es meinen Hochwürdigen Nachfolgern überlassen, dieselbe zu vervollständigen; mir kommt es hauptsächlich darauf an, daß mit Anfertigung der Chronik überhaupt ein Anfang gemacht wird. d. Das Dorf Erkeln gehört wahrscheinlich zu den ältesten Kultur-Stätten des Westfalen-Landes. Nach dem Urteil des Sprach-Forschers Friedr. Wilh. Grimm's entstammt der Name Ercli, der in den ältesten Urkunden vorkommt (später Ercluon und Erclon), aus dem Keltischen, der Sprache eines Volksstammes, der in vorgeschichtlicher Zeit hier seinen Wohnsitz hatte (vielleicht die ersten Einwohner), vor den nachdrängenden germanischen Stämmen, besonders den Sachsen, immer weiter nach Norden und Westen vertrieben, nach dem nördlichen Frankreich und über den Kanal nach England geschoben wurde (Herzogthum Wales).- Das Dorf liegt am rechten Ufer der Nethe in dem Thal-Kessel, der durch die umschließenden Höhen: im Osten Steinberg und Osterberg, im Süden Oberholz, Teufelsberg, Todtenköpfe, Mühlenkamp, Bangern und Mittelsberg, im Westen durch das Diepholz, Hampenhäuser Berg (Stubelit) und Sudheimer Berg, im Norden durch den Hoppen Berg gebildet wird. Der Ort ist durch die beiden in demselben sich kreuzenden Kreis-Straßen von Brakel nach Beverungen und von Rheder nach Beller und Hembsen mit den Nachbar-Orten verbunden. Der Gemeinde-Bezirk hat an Flächen- Inhalt 5046 Pr. Morgen, wovon 13051/2 Morgen Wald ist. In diesem Bezirke lagen in ältester Zeit außer Ercli oder Erclüon noch die Villen (=kleine Dorfschaften): a, Benessen oder Beronhusen südlich vom Dorfe vor dem Teufels-Berge. Die Villa bestand noch im Jahre 1290, denn in einer Urkunde von diesem Jahre gewährt der Abt Henricus dem Plebanus (Pfarrer) von Erkeln Abgaben-Freiheit für einen Meierhof, den dieser in Benisson apud Molendium " gekauft hatte. Der Wassergraben, welcher das Wasser aus dem Vogelsange nach Erkeln führt, bildete früher den Weg zu der Villa, bis im Jahre....... die Kreis-Strasse nach Tietelsen gebaut wurde. An diesem Wege stand bis zum Jahre 1896 am Eingange von Erkeln eine Klus, eine kleine gewölbte Kapelle, welche früher als Station bei der Frohnleichnams-Prozession diente.Dieselbe war uralt, die Inschrift auf dem Balken über der Thür war nicht mehr zu entziffern.Wahrscheinlich ist dieselbe bei der Übersiedlung der Benesser nach Erkeln erbaut. Auf dem Platze der Villa am Wege stand früher ein Kreuz, das nach der Separation der Feldflur, der frühere Besitzer des Ackers auf den neuen Plan am Walde versetzte. Jetzt erinnert an den Ort Bensen nur noch der übliche Name der dortigen Feldflur: Steiner-Bensen. (Prof. Dr. Giefers verlegt irrthümlich Benisson hinter den Hoppen-Berg, wo ja eine Mühle unmöglich war. b Elend, Aland, Villa auf der Höhe zwischen dem Strange und Oberholze. Dort standen noch im Anfang des vor. Jahrhunderts einige Häuser mit Landbesitz; dann ist die ganze Flur durch die Hände der Juden an Einwohner von Tietelsen verkauft worden. c, Winkhausen, Villa nördlich von Erkeln an der Nethe. Diese Ortschaften sind wohl während der Kriegswirren und endlosen Fehden im 14. Jahrhundert verlassen worden. Eine Urkunde Kaiser Carls IV. d.d. Bautzen 1371 führte den ersten allgemeinen Landfrieden für Westfalen ein: Es sei ihm vom Erzbischofe von Coeln, dem Bischofe Florenz von Münster und Heinrich von Paderborn (dem sehr kriegerischen Frhrn. von Spiegel zum Desenberg) berichtet, in wie großen Unfrieden sich das Land Westfalen befinde, so daß Niemand es darin ertragen könne; deshalb ordne er an für ewige Zeiten........ Achterklärung gegen Jeden, der den Frieden bricht. -Zur Pfarre Erkeln gehört auch die selbständige Gemeinde Beller, darüber unten im Besonderen. Geschichtliches. Aus vorchristlicher Zeit gibt es über das Dorf Erkeln keine Nachrichten. Als Carl d.Gr. das Sachsenland eroberte, dort das Christenthum einführte, fand er die Gau-Verfassung als Eintheilung des Landes vor. Erkeln lag im Nethegau (Nithega). Dieser Gau umfaßte das ganze Flußgebiet der Nethe bis zur Weser und war begrenzt im Osten durch den Au-Gau, im Westen u. Norden durch den Huetigau, im Süden durch den Hessengau (pagus Auga, pagus Huetigo, pages Hessiga genannt in den alten Urkunden). An der Spitze des Gaues stand ein Etheling (Adliger) als Gaugraf. Der Gau war in Curien eingetheilt, größere Güter, mit denen Freilinge belehnt wurden, die dadurch Vasallen des Grafen wurden: Ministeriales. Neben der Besitzung der Ministerialen, den Haupthöfen, gab es in der Villa kleinere Güter: Meier-Güter: Mansi, welche dem Inhaber des Haupt-Hofes heuerpflichtig waren, auch Spann-Dienste zu leisten hatten und Hörige, Liti oder Litones, welche ähnlich, wie die Kötter im Münsterlande, die Arbeiten zu leisten hatten, ohne gerade Sklaven zu sein. Abgesehen von den Höfen der Freilinge müssen sich schon zur Zeit Carls d.Gr. größere Guts-Komplexe herausgebildet haben: Mansi dominicati. In einer Schenkungs-Urkunde Ludwigs d.Frommen. an Corvey d.d. 845 heißt es: In Villa Amplidi mancum dominicatum cum casis, aedificies et cum atüs mansis viginti ibidem deservientibus = also Haupthof mit 20 anhängigen Meier-Gütern und Hörigen. Ein solcher mansus dominicatus wird auch der Besitz der Herren zu Erkeln gewesen sein, dem die kleineren Meierhöfe (Huben,Hufen) leistungspflichtig waren. Bei der Ablösung der Heuer, wodurch letztere freier Besitz wurde, gab es in Erkeln in der ersten Hälfte des vor. Jahrhunderts, drei Klassen: Vollmeier = Vierspänner Halbmeier = Zweispänner Viertelmeier= die noch eine Kuh hielten. Einen befestigten Burgsitz scheinen die Ritter to Erclen nicht gehabt zu haben; es findet sich daran keine Spur in der Erkeler Gemarkung. Wo der Haupthof in der Villa Erclen gelegen hat, ist auch nicht sicher festzustellen; wahrscheinlich an der West-Seite des Dorfes vor dem Abhange des Sudheimer Berges. Es finden sich dort nämlich im Frühjahre beim Abtrocknen des Acker-Bodens Abgrenzungen von Gebäuden, verursacht durch darunter liegende Fundamente. Übrigens blieben die mansi nicht immer mit dem Haupthofe vereint; sie bildeten in jenen unsicheren Zeiten das sicherste Kauf- und Tausch. Object und gingen als verhältnismässig sichere Einnahme-Quelle aus einer Hand in die andere. Vielfach wurden mit denselben Klöster und Stifter dotiert. z.B. führe ich im folgenden einige betr. Urkunden des Corveyer Archivs an. 1).Nach Angabe der Traditiones Corbejens hat ein Graf aus dem Nethegau dem Stifte durch Urkunde vom Jahre 840 die Einkünfte der Curia Ercluon geschenkt. Die Schenkung war ziemlich reichlich; die Register aus dem 12. Jahrhundert gaben an: jährlich 60 Malter Weitzen 10 Malter Erbsen 120 M. verschiedenes Korn 1 Topf Honig 30 Denare auf Palm-Sonntag für 1 Salm 5 Malter Käse 10 Messer und Scheren 4 Stricke von 8 Ellen 1/4 Scheffel Senf 1 Scheffel Grütze. Für den Abt und Vogt wurde in Erkeln ein Pferd von Martini bis Petri-Stuhlfeier den Winter hindurch unterhalten und mit Sielen und Halftere zurückgebracht. Außerdem erhielt der Probst Weihnachten, Ostern und Pfingsten je 8 Malt. Weitzen, 6 Malt. Roggen, 4 Malter Gerste und Hafer. Aus der Mühle waren jährlich 2 gute Schweine zu liefern. Zu welcher Familie dieser Graf Marcboda gehört hat, ob der Gaugraf, ist nicht bekannt. 2).Tradidit Bruno comes pro patre suo Luidolfo IV. mansos et XXXX juera et XIII mancipia in Ercli. Trad. Corb. pag 602. Graf Bruno, Vogt von Corvey lebte um 1020. 3).Papst Hadrian bestätigt dem Kloster Corvey seine Besitzungen, darunter Decima de curia Erclen - anno 1155. Erkard, reg. 4. Henricus Longus de Erclen, Ministerial von Corvey, Zeuge in einer Urkunde vom Jahre 1189 - bei Erkard,reg.rist.Westf. 5. Karulus de Erclen, miles (Ritter) Zeuge in einer Urkunde vom Jahre 1190 - 96 - bei Erkard. 6). Ludolfus de Erclen, Ministerial von Corvey, Zeuge in einer Urk. des Abtes Thetmarcus um 1209 - Trad. Corb. pag.304. 7). Das Kloster Hersuntehusen (Hardehausen) kauft von Friedrich de Istincthorpe (Istrup ?) den halben Zehnten zu Erclen, welchen dieser vom Ritter Conrad von Erclen gekauft hatte, der ihn vom Grafen von Schwalenberg zu Lehen trug. Der Ritter Thegenhard de Erclen verkaufte genanntem Kloster die andere Hälfte. Urk. von 1238, Wigonds Archiv Trad. 8). Abt Hermann von Corvey verkauft dem Kloster Hardehausen für 8 Mark Denare sein Einkommen aus dem Zehnten des Hofes zu Erclen, nämlich 7/4 Frucht. Im Jahre 1248. 9) Im Jahre 1311 verkauft Burkhard von Asseburg dem Johannes Plebanus zu Erclen das jus advocatiae über Erclen für 40 Mark Denare.(Ein reicher Pfarrer - übrigens brachte dieses jus gew. Einnahmen und Strafen). 10). Im Jahre 1312 nimmt das Stift Corvey dieses Vogtei-Recht mit welchem die Grafen de Peremunt (Pyrmont) und von diesen die Asseburger belehnt waren, zurück. Trad.Corb.603 11). Urkunde von 1296, durch welche Abt Henricus zu Corvey den Pfarrer von Erkeln die Freiheit von Abgaben für ein von diesem angekauftes Haus in Benessen nebst mansus gewährt. "Henricus Dei gratia Corbejensis ecclesiae Abbas omnibus Scriptum visusis Lacutem ! Notum ecse cupimus proesentibus et fuluris, quod cum dilectus noster Hinricus Laserdos plebanus in Erclen domum unam sire Curiam sitam in Benessen et unum mansum cum sius proprius denariis de Hermanno dicto apud molendinum et suishaeredibus emptionis titulo comparsset, nos domum et curiame andem Liberavimus hoc modo videlicet, quod praefatus Hinricus plebanus de Erclen ad tempus vilae suae his omnibus libere perfructur - ipso antem sublato de medio mansus sobus cum suis redditibus pro zemedio animae ipsius Hinrici ad nostrum conventum libere convertetur; porro domum praedictam sive curiam in ipsa villa Benessen, quiounque plebanus fuerit in Erclen, libere poshidebit, ut propder hoc solvendam singulus annis de praedicto manso annonam nostro conventui eo diligentius et fidelius expetat et requirat. Nom si ex negligentia ipsius plebani staret quo minus praedicta annona de manso eodem nostro conventui solveretur, extunc carebit et privari debet eodem curia et domo, quae sicut ipse mansus vacabunt nostroe ecclesiae libere et solute, in cujus testimonium praesentem litteram nostris sigillis Mediums sobortam. Datum anno Dei MCCXC (=1290) sexto feria 3tia post festum beati Joannis Baptistae 12). Nach einem um1350 aufgestellten Lehensregister war Albertus de Messenhosen prope Borkholte (oberhalb des Teufelsberges gelegen) von Corvey belehnt mit IV. mansis in Bensen (prope Erclen) et tosidem casis ibidem, und Tydericus de Brockhusen mit III mansen in Erclen 13). Nach einer Urkunde von 1367 ist Ludolf von der Molen Priester und Kirchherr in Erclen und Besitzer der Hälfte der Mittelmühle in Brakel. 14). In einer Urkunde von 1353 wird eine Clus to Erclen erwähnt . 15). 1567 entscheidet Reinhard, Abt von Corvey, daß von den beiden der Pfarre gehörigen Meierhöfen in Erclen: Goßmann (später Borchers) und Tiller (später Coßmeyers) 50 Malder Markt gemäß dem damaligen Pfarrer Nicolaus Lips und dessen Nachfolger soll gegeben werden. Der letzte Ritter von Erclen, der in Urkunden genannt wird, ist Ludolf von Erclen. Derselbe hielt 1331 mit den Knappen Johann von Asseburg im Namen des Ritters Hermann von Brakel das Holt-Ding zu Brakel ab. Dann ist diese Familie wohl ausgestorben und deren Besitz, der Haupthof zu Erclen unter die Meier dismembrirt worden. Gutsherren blieben bis zur Aufhebung des Fürstenthums Paderborn 1802 die Herren von Brakel und deren Rechts-Nachfolger, die Herren von Asseburg. Als solche hatten sie die Gerichtsbarkeit, Jagd, Fischerei und die Mühle und das Obereigenthumsrecht über allen Grundbesitz. Letzteres wurde in den dreißiger Jahren des vor. Jahrhunderts von der preußischen Regierung durch das Ablösungsgesetzt aufgehoben, so daß die damaligen Besitzer freie Eigenthümer wurden, die Ober- Eigenthümer durch die Rentenbank entschädigt wurden. Zum Eigenthum der Gaugrafen gehörte, wohl schon von heidnischer Zeit an, der schöne Erkeler Wald und die Mühle. Im Walde hatten von jeher die Einwohner von Erkeln uneingeschränktes Holzungs- und Huderecht. Da auf diese Weise aber der Wald nicht bestehen konnte, wurden beide Berechtigungen eingeschränkt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde behufs Erhaltung des Waldes festgesetzt, daß die 8 Meierstätten je 6 Klafter, die 16 Halbmeier je 4, die 22 Kottstätten (Viertelmeier) je 2, und die 47 sonstigen Hausbesitzer je 1 Klafter erhalten sollten, dafür aber den Hauer-Lohn bezahlen mußten. Die Pfarre bezog nach dieser Bestimmung 4 Klafter jährlich. Ähnlich wurde über die Benutzung der Hude bestimmt. Es stellte sich aber bald heraus, daß der Wald, wie er damals bestanden war, das Quantum nicht liefern konnte, nicht einmal das Gehalt des Försters übrig blieb. Es entschloß sich deshalb der damalige Gutsherr Graf von Asseburg den Wald an die Gemeinde zu verkaufen. Am 14. Juli 1827 wurde der Kaufvertrag abgeschlossen; die Gemeinde zahlte für die 1305 1/2 Morgen Wald die Summe von 1150 Thalern (a 3 Mark). Die Gemeinde-Verwaltung hob dann auf Andringen der Regierung die Natural- Holzvertheilung ganz auf, und von da an wurde der Wald als Gemeinde-Vermögen verwaltet, die Erträgnisse desselben zur Abstoßung der Communal-Lasten verwendet. Die Pfarre ist dabei in so weit benachtheiligt, als sie keine Com.-Lasten zu tragen hat und doch die Lieferung verlor. Für Schule und Küsterei werden dagegen zum Ersatz für die Lieferung jährlich 60 Thaler aus der Gemeinde-Kasse gezahlt. Eine Beschwerde darüber seitens des damaligen Pfarrers ist von der Königl.Regierung jure abgewiesen, ein Prozeß deshalb aber nicht angestrengt. Jetzt ist die Sache längst verjährt. Der Wald hat sich bei guter Pflege erholt, hat inzwischen große schlagbare Bestände. Die Mühle an der Nethe wurde im Jahre 1819 von der Gutsherrschaft an den Müller Armbrecht für 6.000 Thaler u. 50 Thlr.Canon ebenfalls verkauft. Zur Pfarrei Erkeln gehört das am rechten Nethe-Ufer liegende nahezu 2 Kilom. entfernte kleine Dorf Beller. Wie Erkeln, so hat auch Beller nie zum Stifte Corvey gehört; die Corveyer Grenze läuft über die Höhe der Beller Burg über die Nethe und dem Itterbach hinauf. Auf der Burg werden die später ausgestorbenen Herren von Beller ihren Rittersitz als Lehen gehabt haben und das Dorf mit seiner Gemarkung als ihre Curie. Guts-Herren waren die Herren von Brakel und als solche im Besitze der Gerichtsbarkeit, der Bannrechte, des Waldes und der Mühle. Der Beller Wald, 187 1/2 Morgen groß, ist um dieselbe Zeit und aus denselben Gründen, wie der Erkeler Wald an die Gemeinde für 300 Thaler verkauft. Die Einwohner von Erkeln und Beller haben im Pfarr-Bezirke nie eine Industrie betrieben; sie lebten vom Ackerbau; wer dabei zu Hause keine lohnende Beschäftigung fand, suchte sein Fortkommen im Auslande, in Holland und sogar in England als Arbeiter, und viele kehrten dann nicht zurück. Seitdem die Industrie sich im Bergischen entwickelte, wanderte die Arbeiter-Bevölkerung dort hin, namentlich die jüngeren Leute, und fand dort Beschäftigung im Bergbau. Jetzt sind diese meistens Maurer und Zimmerer. Sobald im Frühjahr die Bau-Arbeiten beginnen, wandern sie aus und kehren im Winter zurück, so daß es der Landwirtschaft hier sehr an Arbeitern fehlt, diese nothgedrungen zum Maschinen-Betriebe greifen mußten. Bis jetzt ist die junge Bevölkerung im Ganzen noch nüchtern und brav geblieben; haben ihre Ersparnisse dazu verwandt, hier das Heim baulich besser herzurichten und etwas Land oder einen Weidekamp zu erwerben. Die Ländereien stehen deshalb hier in außergewöhnlich hohem Preise; für den Morgen Wiese wurden über 6000 Thr. bezahlt. Im Winter bringt der Holz-Einschlag im Walde und der Steinbruch, welcher gutes Chaussee-Material liefert., den Wander-Handwerkern lohnenden Verdienst. Entsprechend den Ernährungsverhältnissen hat die Zahl der Einwohner im Laufe der Jahrhunderte nicht sehr geschwankt, hat erst in der letzten Hälfte des vor. Jahrh. zugenommen. Der Status parochiae des Pfarrers Poelmann im alten Kirchen-Buche gibt an: 1644 - 375 Commanicanten, dem entspricht die Einwohner-Zahl 500; Anno 1673 nur 300 bis 330, also E.Z. 400. Der von Pfarrer Schmitz aufgestellte Status gibt an rirciter 500 Com., also E.Z. etwa 750. Anno 1864 hatte Erkeln nach der Volkszählung 779, Beller 189 Einwohner, anno 1900 dagegen Erkeln 850 und Beller 162, unter diesen in 2 Juden-Familien 14 Personen und in den beiden Mühlen 8 Protestanten. Im Jahre 1901 gab es in der Pfarre Erkeln 40 Taufen, 23 Beerdigungen und 9 Trauungen. Während des 30jährigen Krieges wird das Dorf Erkeln sehr mitgenommen sein. Pastor Polmann sagt darüber in einer Bemerkung des alten KIrchen-Buches: "Als ich, Gerhard Polmann anno 1644 nach Erkeln kommen, habe nur im Dorf Erkeln 26 Häuser funden; übrige sind wüste Stätte gewesen und mit der Zeit bebauet." Kein Pfarrhaus, eine exurirte, baufällig Kirche, keine Paramente und hl. Gefäße ! "1646 sind die Schweden erst nach Brakel kommen und Alles verdorben." Auch scheint das Luttertum und Calvinismus in der Gemeinde ziemlich stark Eingang gefunden zu haben, denn nach dem Jahre 1644 führt fast jedes Blatt des Kirchen-Buches eine Anzahl Wiederaufgenommener an: "conversus a Lutheranismo". Nach den gelegentlichen Bemerkungen im alten Kirchen-Buche ist die Gemeinde im 17ten u. 18ten Jahrhundert durch elementare Unglücksfälle ungewöhnlich oft heimgesucht worden. "1625 auf Mai-Tag soll zu Erkeln der große Brand gewesen sein, da die halbe Dorfschaft ist abgebrannt ad orientem". "1666 d. 11. Januar Montag Abend ist zwischen 10 u. 11 Uhr eine Feuersbrunst entstanden und in 1 1/2 Stunden die besten Häuser abgebrannt. 20 Häuser." Öfter sind verwüstende Überschwemmungen bald durch Wolkenbrüche, bald durch Schnee-Abgang in jener Zeit vorgekommen z.B. "1672 d. 19.August große Überschwemmung durch Gewitter. Und weil 2 Wagen mit Roggen beladen oben im Benser Graben und nit entweichen können, als sein beide Wagen mit Korn und Pferden durch das Dorf geflossen." Wahrscheinlich hat bei dieser Überschwemmung der Durchbruch des Grabens durch das Dorf stattgefunden; vorher floß der Bach an der Ost-Seite des Dorfes vorbei über die Thie- Gärten, trieb dort eine Mühle, deren Radpfahl dort noch zu erkennen ist, und ergoß sich dann durch die Hoiken-Wiesen in die Nethe. Wie verwüstend solche Überschwemmungen für die Feldflur gewesen sein müssen, ist aus den gewaltigen Gräben zu erkennen, welche in der Umgebung von Erkeln sich finden. Die Wasserscheide umzieht das Dorf auf 1/2 Meile Entfernung und das ganze Wasser eines Wolkenbruches muß daher das Dorf passieren. Bei der Separation der Feldflur hat man darauf Bedacht genommen, wenigstens das Wasser des Rheder-Thales an der Westseite des Dorfes vorüber in die Nethe zu führen. Die Einführung des Christenthums. Die Einführung des Christenthums im Westfalen-Lande und so auch in hiesiger Gegend knüpft sich an den Namen Carl's d.Gr. und dessen Sachsen-Kriege. Missionare aus Franken folgten den siegreichen Heeren, zunächst unter der Oberleitung des H. Abtes Sturmi von Fulda, dann des Bischofs von Würzburg. 795 wurde das Bisthum Paderborn gegründet, nachdem dort die erste Kirche bei Abhaltung des Reichstages im Jahre 777 erbaut war. 797 hielt Carl das Winterlager in Herstelle an der Weser, von wo aus die Verwaltung des eroberten Landes in politischer und kirchlicher Hinsicht organisierte. Zur Dotierung des Bisthums Paderborn wurde der Zehnten eingeführt und das Bisthum in Archidiaconatsbezirke eingetheilt; der Ort Erkeln wurde nicht zum Bezirke der nahen Iburg, später Brakel, sondern zu dem von Huxar, Hoexter gelegt. Die Söhne der mächtigeren Geschlechter der Sachsen sandte Carl nach Franken in dortige Kloster-Schulen zur Erziehung. Dort hatte am Bache Corbie, der in die Laore fließt, die Königin Bathildis 660 ein Benedictiner-Kloster gegründet. In der Schule dieses Klosters nun war der Sohn eines sächsischen Großen, Theodrat ausgebildet und als Mönch im Kloster verblieben. Dieser bewog seinen Abt Adelhard, in einsamer Gegend im Gebiete seines Vaters ein Kloster anzulegen. Adelhard reiste mit ihm dorthin, fand aber bei der heidnischen Bevölkerung Widerstand, erst sein jüngerer Verwandter Adelhard nahm den Plan wieder auf und erlangte vom Kaiser Ludwig den Frommen die Genehmigung zur Ausführung desselben auf dem Reichstage zu Paderborn 816. Er gründete dann im selben Jahre noch in solta Soligo (Solling) in loco derserto dort, wo jetzt Neuhaus liegt, am Orte Hethi das Kloster (Neu) Corbeja, wozu der Bischof von Paderborn seine Einwilligung gab. "Placuit accessere Episcopum nomine Hathumarum, ad ejus disecesim pertinebos, ubi construendum erat monasterium, ut cum ejus fieres imperio et volantate", wie die Francl. sti Viti angibt. Da aber das Kloster in der unwirthlichen Gegend sein Fortkommen nicht fand, bat Adelhard mit seinem Bruder Wola den Kaiser um Anweisung eines anderen Platzes. Kaiser Ludwig überwies nun für das zu erbauende Kloster das Gebiet an der Weser durch die berühmte Schenkungs-Urkunde vom Jahre 823. Die Abtei blühete dort unter Begünstigung des Kaisers rasch auf und gelangte bald zu großer Macht. Schon im Jahre 840 schenkte ein Graf Markboda aus dem Nithega das Dorf Erkluon dem Kloster. Zu jener Zeit ist sicher in diesem Orte das Christenthum schon durch Missioniere eingeführt gewesen, aber wahrscheinlich ist, daß die Errichtung der Pfarre Erkeln um 840 stattgefunden hat, und zwar von Corvey aus. Urkundliche Nachrichten darüber liegen freilich nicht vor, aber es ließe sich daraus erklären, daß Corvey über die Kirche zu Erkeln das Patronats-Recht hatte. Juiorgorirt ist die Pfarre Erkeln nie gewesen, gehörte auch nie zur Guts-Herrschaft des Klosters; der Abt von Corvey hatte aber das Präsentations- und Collektions-Recht, während die Investitur durch den Bischof von Paderborn erfolgte, war ihm oder in seinem Auftrage dem Archi-Diacon die Vicitation, Consecretion der exeirieten Kirche, überhaupt die Jurisdiction wahrgenommen wurde. Über diese Rechte sind vielerlei Streitigkeiten entstanden, da die Äbte ihre Macht immer mehr auszudehnen suchten. Schon unter dem Bischofe Meinwerk von Paderborn brach ein ärgerlicher Streit aus, da der Bischof, als er das Kloster revidieren wollte, Widerspruch beim Amte, beim Bruder Küster sogar thätlichen Widerstand fand. Doch wahrten die Bischöfe ihr Recht, auch unter Corvey und dessen Gebiet, bis 1779, um die Streitigkeiten zu beendigen, der Fürst-Bischof Anton von Asseburg und der Fürst-Abt Theodor von Brabeck einen Vertrag schlossen, der von Papst Pius VI. und 1780 auch von Kaiser Joseph II. bestätigt wurde. Nach demselben soll der Abt haben "in clerum et populum jurisdictionem, ordinariam privatere et quasi episcopalem, nurusque ex speciali titulo sire alio quocunque exercitam". Erkeln gehörte nicht unter diese Ortschaften, wenn auch die Äbte in ihren Urkunden von villa uoctra Erclon, ecclesia aostra etc. reden, auch vor der Präsentation zur der Pfarrstelle sich litteras serersoles geben ließen. Das Weitere siehe unten: Pfarrstelle. Nicht lange erfreute sich der Convent zu Corvey dieser Errungenschaft. Der Nachfolger des Abtes Theodor wurde Ferdinand von Lüning, unter dem 1803 die Fürst-Abtei säkularisiert wurde. Dieselbe kam durch Kauf in den Besitz des Landgrafen von Hessen-Rothenburg, welcher sie später dem Herzog von Ratibor, Victor von Hohenlohe übertrug. Pfarr-Kirche. Über die früheren Verhältnisse und Schicksale der Pfarre ist mir urkundlich Nichts bekannt. Erst der Status ecclsiae des tüchtigen Pfarrers Polmann vom Jahre 1673 im alten Kirchen- Buche gibt Aufschluß darüber, wie traurig es zu jener Zeit mit der Pfarre stand. Status ecclesiae parochialis in Erkeln ex mandato Beverendissimi ac Celsissimi Principis Ferdinandi, Episcopi Paderbornensis a Gerardo Polmann pastore descriptus, Anno 1673, VI.X. cr. 1. Anod sit initium nujus ecclesiae A qui fund atores non constat. 2. Patronus ecclesiae est stus Petrus Apostolus et Beller est filia nujus; festum Patroni celebratur 1.Augusti. 3. Dedicutio templi incidit in Dom. post festum sti Galli styli veteris, id est Dom. post 26. diem 8 bus. 4. Altare fuit violatum sed anno 1656 in visitatione episcopali a Bermo ac ill o principe Theodoro Adolpho piae mecae reconciliatum et consecratum. 5. Suggestum, confessionale, tabernaculum et Baptisterium sunt loco satis apto. 6. Paramenta ecclesiae - (sehr dürftig und mangelhaft.) 7. Pastor pro tempore est Geradus Polmann Braculensis aetatis 53 ann. Praesentationem et Collationem a Beverendissimo Ablate et Principe Corbejensi Arnoldo piae memoriae, Investituram a Revenr.Alardo ab Imbsen Archidiacono et Camerario summi templi acceie. (Polmann war Pfarrer zu Erkeln von 1644 bis 27.12.1694) Schlimmer noch stand es im Jahre 1637; aus einigen Notizen geht hervor, daß Beichtstuhl, Kanzel, Tabernakel gar nicht vorhanden waren, daß der einzige Kelch im Grunde ein Loch hatte und daß zur Darbringung des hl. Meßopfers fast alle Paramente fehlten. Wann die alte Kirche erbaut worden ist, darüber findet sich nirgends eine Angabe; schon Pfarrer Poelmann weiß darüber nichts anzugeben. Wahrscheinlich war es noch die erste hier erbaute Kirche, die erst während der langen Krieges-Jahre in ruinösen Zustand geraten ist. Sie stand etwa 50 Schritte von der jetzigen Kirche entfernt. Neben derselben nach Süden befand sich der Feuerteich, der seinen Zufluß aus dem Bache, den Abfluß durch den jetzigen Pfarr-Garten nach Westen hatte. Neben der Kirche nach Norden lag der Kirchhof. Die Restaurierung, welche unter Pastor Poelmann geschah, scheint nicht durchgreifend gewesen zu sein, denn schon der Nachfolger Joh.Detmar Schmitz ließ diese Kirche abbrechen und die jetzige schöne Kirche erbauen. (In der Kirche befindet sich eine menschliche Hand, schmal und wohlgepflegt, die unversehrt geblieben ist. Die Tradition in der Gemeinde gibt darüber folgendes an: beim Abbruche der alten Kirche sei in der Mauer ein Kästchen mit dieser Hand und einigen in Staub zerfallenen Papierresten gefunden. Eine schriftliche Notiz darüber findet sich nicht. Die Hand ist am Handgelenk mit recht scharfem Geschirr abgeschnitten (Ordale ?) Es ist sonderbar, daß über den Bau der jetzigen Pfarr-Kirche der Pastor Schmitz, der so manche unbedeutende Angabe im alten Kirchen-Buche machte, keinerlei Aufzeichnung hinterlassen hat. Es finden sich dort an verschiedenen Stellen, wie zufällig eingetragen, nur folgende kurze Angaben: Anno 1722 d. 30. Mai ist der erste Stein gelegt worden an unserer Kirche. Anno 1723 d. 3.August: Structurae imposuimus. Anno 1744 die 13 Juli celebrarimus dedicationem nostri templi Erkelensis sti Petri ad vincula Patroni. Während des Baues der Kirche wurde der Gottesdienst abgehalten in Behmen Hause (jetzt Johenning). Das Holz zum Bau lieferte der hiesige Wald, größtenteils Ulmen- Holz. Die Steine zum Bau sind auch im hiesigen Walde gebrochen, im Strange oder Thyschlage, die Anfuhr zur Baustelle leisteten die Einwohner an den Sonntagen, nachdem in der Frühe der Gottesdienst abgehalten war. Die Mittel zum Bau hat Pfarrer Schmitz zum Theil ex propriis, zum Theil durch Collecten, auch im Holländischen, beschafft. Der Name des Baumeisters ist unbekannt, sein Bauzeichen findet sich an mehreren Stellen; so in der Sacristei am Goßensteine. Wahrscheinlich haben am Mauerwerk Maurer aus Tyrol gearbeitet. Die Kirche war bis Juli 1744 nur benedizirt, am 13. Juli 1744 aber wurde sie unter großer Feierlichkeit consecrirt vom Abte Meinwerk Kaup des Klosters Abdinghof zu Paderborn, zugleich Weihbischof der Diözese Paderborn in honocem Sti Petri in vinculis (auch die alte Kirche war eine Petri- Kirche). Der Hochaltar wurde subtit sti Petri, die beiden Seiten-Altäre subtit Sti Bosaarii B.M.V. und sti Joannis Nepomuceni consecriert. Für die Feier des Anniversariums dedicationis wurde der 4te Sonntag nach Michaeli festgesetzt. Mit der Feier der Consecration wurde die des 50jährigen Priesterjubiläums des Pfarrers Schmitz verbunden; tags darauf wurde die ebenfalls vom Pfr. Schmitz (auf seine Kosten) erbaute Kapelle zu Beller vom Abte Joseph Zurmühlen von Marienmünster benediziert in nom.sti Josephi. Pfarrer Fleckner schreibt im alten Kirchen-Buche die Notiz: " Am 18.April 1749 morgens um 1/2 5 Uhr ist dahier eine schädliche Feuersbrunst nahe bei hiesigem Kirchhofe und Pastorat- Hause entstanden; 17 Häuser. Item ist zeitiger Pastor mit dem Sanctissimo herumgegangen und die dreimalige Benediction ertheilt. B. post dastam benedictionem Sanctis himi sopitum est incendium. Fleckner, parochus." Nach diesem Brande sind die Häuser wieder aufgebaut; im Jahre 1828 aber vernichtete der Brand die Häuser um den Kirchhof wieder, und damals wurden diese nicht wieder aufgebaut. Sie standen im Osten und Norden der Kirche so nahe, daß kaum der Umgang um die neue Kirche möglich war. Der Kirchhof wurde dadurch im Osten und Norden bedeutend erweitert und mit einer Mauer umgeben, der Weg und Wasser- Graben um den Kirchhof und nach Norden durch das Dorf geführt Die Kirche und der Platz um die Kirche (nebst Mauer) ist eingetragen im Grundbuche von Erkeln Flur 49 von 164 Ruhten 60 Fuß Hypotheken-Schein vom 10. März 1848 in actis. Die Kirche hat außerdem eingetragenen Grundbesitz von 5 Morg. 133 Ruth. Acker. resp.das Aequivalent aus der Separation, gelegen an der Straße nach Rheder. Woher dieser Besitz stammt ist unbekannt. vide Lagerbuch. Im Jahre 1901 ist die Kirche und Thurm nebst Glocken bei der Westfael.Provinzial- Feuer Societaet gegen Brandschaden versichert zu 55.000 - fünf und fünfzig tausend Mark für eine 10jährige Periode versichert. Bei derselben Societaet ist auch das Inventar versichert zu 16.200 - sechzehntausend zwei hundert Mark-, ist aber wohl das Doppelte wert. Die Praemien zahlen die beiden Gemeinden. Die Policen befinden sich bei den Gemeinde-Acten des Amtmannes. Als ich im Jahre 1885 d. 10: Februar die Verwaltung übernahm, war die Kirche und die Umgebung recht verwahrloset, es ist dann aber zu deren Herstellung und Ausschmückung fast in jedem Jahre eine größere Arbeit gemacht, so daß sie jetzt - bis auf die Bodenbeläge - würdig hergestellt ist. Über diese Arbeiten siehe unter: Bauliche Änderungen und Anschaffungen während der Verwaltung des Pfarrers Fecke. Pfarrei. Darüber, wann die Pfarre Erkeln ecipiert ist, findet sich keine Nachricht; jedenfalls bestand sie aber schon im Jahre 1296 in ihrem vollen Umfange. In gen. Jahre verleihet der Abt von Corvey dem Plebanus Henricus zu Erkeln die Freiheit von Abgaben für ein von diesem gekauftes Haus nebst zugehörigen Lande in der Filiale Benessen (Benison, später Benenhuson). Der Titel sacerdos plebanus läßt darauf schließen, daß zu Erkeln auf dem adligen Haupthofe ein Burgpfarrer angestellt war. of Urcunde von 1296 vorn pag. Die ursprüngliche Dotation der Pfarre wird bestanden haben in zwei Meier-Gütern, die gegen eine jährlich zwischen Michaelis und Martini zu liefernde Heuer in Erbpacht gegeben war. Im Jahre 1567 entscheidet der Abt Rheinhard von Corvey als Ober-Eigenthümer in einer Streitsache, daß die Meier Goßmann und Tiller (spätere Pächter Borchers und Coßmeier) jährlich nicht mehr, als "fünfzig Malder Marktgemaess gutes Korn an dreierleggen, als Roggen, Gersten und Habern, jedes gleichviel", dem Pfarrer Nicolaus Lipps liefern, und bei Neuverpachtung 20 Thaler Weinkauf geben sollen. of.Lagerbuch des Pfr.Schmitz. Weitere Ländereien sind dem zur Pfarre-Dodation im Laufe der Zeit hinzugekommen durch Meßstiftungen. of.Lagerb. von Schmitz u. Hoberg. Nachdem durch die Säcularisation von 1803 das Fürstbisthum Paderborn unter preußische Regierung gekommen war, wurden durch das Ablösungs- Gesetz die Erbpächter der beiden Meierhöfe gegen eine jährlich an die Tilgungs- Kasse zu zahlende Rente freie Eigenthümer. Das Kapital zur Entschädigung der Pfarre schoß der Staat vor und zog dasselbe dann mit Zinsen und Armotisation durch die Renten wieder ein. Die Meßstiftungen aus älterer Zeit sind durchweg sehr gering nach jetzigem Geldwerthe dotiert. of. Lagerbuch des Pfarrers Fecke. Pfarr-Haus. Pfarrer Poelmann schreibt im alten Kirchen-Buche darüber: "Als ich 1644 nach Erkeln kommen, habe kein Haus, sondern eine Wüstenei funden; Hof und Hausstatt mit Disteln und Dornen bewachsen, bis anno 1655 die Pfarr-Kinder ein schlecht Wedem-Haus von Buchen-Holz aufrichet." Da dieses Haus aber bald ganz ruinös und unbequem geworden sei, habe er für ein neues Pfarrhaus einen Platz gekauft, auf dem daß selbe auch größtenteils stehe. Dieses Haus hat wahrscheinlich hinter dem Chore der alten Kirche, da, wo jetzt die Schule steht, gestanden,denn der große Brand 1749 hat nahe beim Pfarrhause und bei der Kirche begonnen. Das jetzige Pfarrhaus ist von der Gemeinde Erkeln und Beller anno 1819 für 2.400 Thaler erbaut und mit 2.620 Thaler bei der Prov.Feuer-Sozietät versichert. Die Prämie zahlt die Gemeinde. Als ich 1885 die Verwaltung der Pfarre übernahm, war das Haus recht verfallen, wurde aber mit einem Kosten-Aufwande von mehreren hundert Thalern restauriert. Bei dem Pfarr-Hause war damals, als ich die Verwaltung übernahm, kein Garten , nur ein schmaler Streifen Landes, der als Holzhof benutzt wurde. Den trocken gelegten Feuer-Teich hatte die Gemeinde auch der Pfarre überlassen. Das angrenzende Feld, etwa 6 Morgen, war als Acker benutzt. Ich ließ, um einen Pfarr-Garten zu haben, den Teich planieren und nach und nach ausfüllen, schnitt von dem Felde so viel ab, daß der Garten ungefähr 3/4 Morgen enthielt, und friedigte ihn im Osten durch ein Stakett, im Süden durch lebendige Hecke, im Westen durch eine Mauer ein. Um Grenzstreitigkeiten für die Zukunft zu vermeiden, ließ ich die gewundene Grenze im Osten für Garten und Feld durch den Kataster-Controleur berichtigen, das Ganze vermessen und darüber eine genaue Karte anfertigen (Im Archive). Der Weg zum Garten und der Gellenbreite, im Westen, ist früher streitig gewesen, unter Pfarrer Gaucksterdt aber gerichtlich festgelegt (in Actis). Die Gellenbreite, etwa 5 Morgen, habe ich in 20 je 1/4 Morg. große Garten-Plätze eingeteilt und als Gärten an kleine Leute verpachtet. Als Pfarrgarten hat früher der große Thyhof (im Osten) gedient, der aber jetzt verpachtet ist. Über die übrigen Pfarr-Grundstücke siehe mein Lagerbuch. Die früheren Einnahmen der Pfarre aus Heuer, Wechselheuer, Eiern, Hähnen, die theilweise auf Grundstücke eingetragen waren, sind durch Recess aus den Jahren 1878,79 und 82 abgelöset und auf Grund des Ablösungsgesetzes von 1850; Zahlung ist durch die Rentenbank geleistet (ebensogen. Abgaben an die Küsterei. (Im Archiv). Series Parochorum. Die geschlossene Reihe der Pfarrer läßt sich nur nachweisen bis hinauf bis 1644, dem Beginn des ältesten Kirchen-Buches. Aus früherer Zeit wird in Urkunden genannt: 1. Henricus, sacerdos plebanus in Erclen. Ihm wird von dem Abte Henricus von Corvey durch Urkunde von 1296 die Freiheit von Abgaben für ein Haus und Ländereien in Benessen, die jener angekauft hatte, verliehen. of. Abschrift der Urk. pag:Von dieser curia et mansus in Benissen ist später keine Rede mehr. 2. Nicolaus Lips. Durch Urkunde von 1567 entscheidet Rheinhard Abt von Corvey, daß von den beiden Meierhöfen der Kirche dem Pfarrer nicht mehr als je 50 Malder Roggen, Gerste und Hafer geliefert werde. 3. Johannes Schroeder. Jubilarius, starb zu Brakel am 7. August 1646. Von ihm ist nur der Todestag bekannt. 4. Gerhard Poelmann. 1644 - 27.12.1694, Sohn des ludimagistri zu Brakel, feierte am 10. Mai 1694 in der Pfarr-Kirche zu Brakel das 50jähr. Jubilaeum, ein richtiger Pfarrer, der in jenen schlimmen Zeiten Vieles geleistet hat. Er war Kaplan in Brakel, wurde dann gleichzeitig auch Pfarrer in Rheder, dann Pfarrer in Erkeln. Er selbst schreibt in seinem Status ecol. paroche in Erkeln: Anno 1644 die 25 Dec. ex mandalo reverendissimi Luffragnei D. Bernardi Fricken et rev. ei praenobilis Dei Johannes Alardi ab Imbsen anevidiaconi missas Ercelenum ad officia ibidem ob cunda nihit inveni in templo desolato. nisi missale Mogentinum, altare violaum, argentum calicem in fundo perforatum et potenam exiqui pretrie et coseclam entiquam sine stola, manipolo et alba, nei ec Pastore meo Joanne Lorodero inhailie propster senium allam informationem extorqueri posnie, mec de redditibus ecclesia nei custodis." Dazu kam, daß er statt eines Pfarr- Hauses eine wüste Stätte voll Disteln und Dornen fand. Gewiß ein schwieriger Anfang! 1646 d.22 Donuar wurde ihm Erkeln conforirt, nachdem er schriftlich dem Abte von Corvey Reversalien ausgestellt hatte; Michaeli 1652 resigniert er auf die Pfarre Rheder, Ostern 1659 auf die Kaplanei zu Brakel. Poelmann starb den 27. Dec. 1694, nachdem er 51 Jahre die Pfarre Erkeln verwaltet hatte. Sein Grabstein fand sich bei Abräumung des Kirchhofes, ein einfacher mit seinem Namen bezeichneter Sandstein. Zu bewundern ist der Mut und die Ausdauer des Pfarrers. Trotz der Armut der während des Krieges zerstörten Gemeinde - nur im Ganzen noch 26 Häuser - säumte er nicht, die ruinoese Kirche herzustellen. In dem von ihm angelegten Kirchenbuche gibt er darüber kurze Bemerkungen: Juni d. 25, 1656 Visitatio Episcopi Theod. Adolphi principis, et altare ecclesiae Erkelensis violatum reconcilistum est. 1659. "Zu Erkeln den Beichtstuhl und Tabernakel machen lassen". 1660 "Den Thurm mit Holz unterbauen und die Mannsbühne beschießen lassen, den Predigtstuhl und 2 neue Kirchenthüren machen lassen". Fast auf jeder Seite des Kirchen-Buches finden sich Namen mit dem Zusatze: conversus a Lutheranismo - oder Calvinismo. Welch ein Arbeitsfeld ! Die mittlere Glocke unter Pfr. Poelmann umgegossen. Aufschrift: "In honoran Dei, B.V. Mariae et santi Petri patroni sumptibus ecclesiae et comunanitatis in Erkeln et Beller refusa 28 qbris 1673 O".Im Kriegsjahr 1917 ist diese Glocke für 2.803,50 Mark zu Kriegszwecken an den Staat abgegeben. 5. Johann Detmar Schmitz 1695 bis 1747 setzte das Werk des Vorgängers mit demselben Eifer fast eben so lange fort. Er ist geboren zu Münster als Sohn des Hermann Schmitz und Anna geb. Branthey am 14. September 1664. Die Pfarrstelle wurde ihm conferiert vom Abte zu Corvey, die Investitur erhielt er vom Archidiacon zu Paderborn. Am 13. Juli 1744 feierte er unter großer Theilnahme das goldene Priester-Jubiläum und starb am 8. September 1747 Nachmittags während der Rosenkrenz-Bruderschaft. Sein Grab hatte er sich schon bei Lebzeiten vor dem Rosenkranz-Altare der Pfarrkirche anfertigen lassen, sein Leichnam wurde dort auch beigesetzt. (Als ich anno 1886 dort den Bodenbelag aufnehmen ließ, fand sich das überwölbte Grab.) Die dank-bare Gemeinde hat später an der Wand daneben ein schönes Epitaphium setzen lassen.Pastor Schmitz verwaltete die Pfarre in ruhigerer Zeit,aber er hat für die-selbe auch überaus viel gethan. Sicher hat der Mann, der eine zierliche deutliche Handschrift hatte, der im Kirchenbuche so manche unbedeutende Nachrichten einstreuete, über die großen Stiftungen, die er gemacht, schriftliche Nachrichten hinterlassen, namentlich über den Bau der Kirche und der Kaplanei, aber im Pfarr-Archive findet sich darüber nur die Abschriften seines Testamentes und der Stiftungs-Urkunde der Kaplanei. Sein Nachfolger schreibt im Kirchen-Buche: " Nach seinem Tode ist schrecklich gehandelt mit seiner Nachlassenschaft, auch sogar die Zäune eingerissen." Entweder ist damals, wo keine Aufsicht vorhanden war, von diesen Verwandten, die durch das Testament in ihren Hoffnungen sich getäuscht sahen, auch der schriftliche Nachlaß des Pfarrers mitgenommen, oder aber derselbe ist während der unordentlichen Verwaltung des Pastors Fleckner während der Unruhen und Trubel des 7jährigen Krieges abhanden gekommen. Nur ein Heft in quarto ist vorhanden, welches die Introden des Pfarrers und des Custos enthält und als Hebebuch desselben diente, aber beweiset, wie genau er in solchen Dingen war. Pfarrer Schmitz bauete zunächst die schöne, durchaus zweckmäßig eingerichtete Pfarr-Kirche sti Petri in vince etwas abseits der alten Kirche, schaffte das Inventar derselben, als Orgel, Altäre, Bänke, Glocken hinüber, verbesserte das Gehalt des Pfarrers, stiftete die Rosenkranz- Bruderschaft, und dotierte sie. Gegen Ende seines Lebens errichtete und fundierte er das Kaplanei- Beneficium, nach dem er an Stelle der alten Kirche aus den Bauresten ein Haus gebauet hatte, das im Erdgeschoß als Armenhaus, im Obergeschoß als Kaplanei diente. Fast gleichzeitig bauete er die Kapelle zu Beller. Im Entwurf eines Gesuches um Genehmigung dieses Baues erklärte er, daß er dieselbe ganz auf eigene Kosten ohne Beiträge der Gemeinde baue; er dotierte sie überdies zur Unterhaltung für die Zukunft mit einem Cap. von 94 Thalern, und 100 Thaler gab er zum Pfarrfond, damit für deren Zinsen der Pfarrer darüber die Aufsicht führe. Der Pfarrer muß von Haus aus vermögend gewesen sein, sonst hätte er in der damals armen Gemeinde und bei dem kärglichen Gehalte solche Bauten und Stiftungen nicht leisten können, wenn er auch noch so sparsam und genau wirtschaftete. Er verwaltete die Pfarre 52 Jahre mit großem Segen, darum steht sein Andenken auch jetzt noch in großem Segen und Ehren.Abschrift des Testamentes und der Stiftungs-Urkunde der Kaplanei in Actes. 6. Christian Fleckner 1746 bis 21. Mai 1762. Von diesem Pfarrer ist wenig zu sagen. Seine Verwaltung fiel in die Zeit des 7 jähr.Krieges, während dessen die Gemeinde oft hart heimgesucht wurde ("Schanze" am Hopfen-Berge, Lager der Gegner vor dem Stein- Berge). Das mag manche Unordnung in der Pfarre entschuldigen. Auch von ihm sind keine Aufzeichnungen, kein Lager-Buch vorhanden, nur das sehr nachlässig und unordentlich geführte Kirchen-Buch. Spuren seiner Wirksamkeit in der Gemeinde, die wiederholt schwer heimgesucht wurde, finden sich nicht. Er bemerkt im Kirchen-Buche: "1749 den 18 Aprilis morgens um halber fünf Uhren ist da hier ein schädlicher Feuersbrunst nahe bei hiesigem Kirchhof und Pastorat- Hause entstanden, also daß17 Häuser dahier völlig dadurch eingeäschert, und wenn nicht Gott dafür gewesen und solches nicht ferner bewahret, mithin durch sonbahre Mithülf deren P.P. Capucinern und brakelschen Bürgern und Hembschen Einwohnern so schwer Feuersbrunst gerettet, so wäre das ganze Dorf im Feuer verblieben. Item ist zeitiger Pastor mit dem Sanctissimo ebenfalls herumgegangen und die dreimalige Benediction ertheilt. Post datam benedictisnem sanctissimi soppitum est incendium." Fl.p.t.par.Verschiedene Streitigkeiten mit der Gemeinde waren der Wirksamkeit des Pfarrers auch nicht förderlich.In einer Entscheidung des Archidiaconats- Gerichtes d.d. 7 März 1760 werden ihm verschiedene Bruchten-Strafen auf "viele für ihn geschehene Intercession und in Anbetracht des mühseligen Zeitlaufs" zur Hälfte erlassen. -In einem anderen Schriftstücke weigert die Gemeinde sich, das ruinierte Pfarrhaus herstellen zu lassen, weil der Pfarrer selbst dieses verschuldet habe dadurch, daß er während des Krieges seine Pferde in Stuben und Kammern verborgen habe - u.dgl.m. Er starb am 25. Mai 1762 und wurde zu Erkeln begraben. 7. Johannes Everhard Hoberg 1762 bis 4. Juli 1782. Wiederum ein tüchtiger Pfarrer, der wieder Ordnung in die Seelsorge und Pfarrgeschäfte brachte. Er zuerst legte ein noch vorhandenes Lagerbuch an, in welchen er den Etat der Pfarre und die Meßverpflichtungen des Pfarrers genau angibt. Urkunden der Letzteren sind freilich nicht vorhanden, auch scheinen sie nicht von der Behörde genehmigt zu sein. Hoberg ist geboren zu Beckum im Stifte Münster am 2. Februar 1730. Er gibt an: "Bei Jesuiten zu Münster habe ich studiert, absolutis studies wurde mir anno 1754 die Pastorat zu Bosseborn vom Abt Caspar Boeselager gnädigst conferiert, wo ich in den betrübten Kriegsjahren bis ad annum 1762 als Pastor gewohnt habe". Abt Phil. von Spiegel conferierte ihm 1762 die erledigte Pfarre Erkeln und Conrad Bard, Commissar des Archidion zu Paderborn ertheilte die Investitur. Er klagte, er habe in Erkeln alles in größter Unordnung gefunden: die Pastorat kaum bewohnbar, die Ländereien verödet, die Wiese ein Gemeinde- Anger; kein Etat über Verpflichtungen und Stiftungen. Den im Lagerbuche dargestellten Etat hat er erst nach 12jähriger Wirksamkeit verfaßt wegen der Schwierigkeit, darin Klarheit zu schaffen. Von besonderen Ereignissen in der Gemeinde berichtet er nur durch ein paar eingestreute Notizen im K.-Buche, so: 1765 den 30. August hat das Gewitter in unseren Kirchthurm geschlagen, das Schieferdach und auch die Kirchthüre verletzet; darauf folgte eine dem Feld und Dorf sehr schädliche Wasserflut". Ferner : "Am 7. Octob. 1769 ist das erste mal die neu angeordnete fahrende Post von Paderborn auf Brakel hier durch Erkeln passieret (nach Cassel) .Er verwaltete die Pfarre 20 Jahre segensreich. 8. Josephus Tillmann 1782 bis 1819 d. 20. Januar. Er war ein Jahr Kaplan zu Erkeln, wurde dann zum Pfarrer ernannt. Auch von seiner Hand finden sich keine Nachrichten über die Pfarre vor, er ist aber bekannt geworden durch das von ihm verfasste Gesang-Buch der Diözese Paderborn, welches bis in die 70ger Jahre im Gebrauche war. Viel beschäftigte er sich mit Unterricht und Fortbildung der Söhne von Gutsbesitzern der Umgegend, deren ich mehrere gekannt habe. Gegen Ende seines Lebens wurde das jetzige Pfarr-Haus gebauet, während dessen Bau er in der Kaplanei wohnte. Er starb am 20. Januar 1819 und wurde zu Erkeln neben der Kirche beerdigt. 9. Ignatius Stricker 1819 bis 1.Dez. 1842, gebürtig aus Brakel. Er war oft durch die Krankheit gehindert und mußte sich vertreten lassen. Viel Verdrießlichkeit bereitete ihm die Beleihung des Waldeier'schen Meiergutes mit Pfarr- und Kaplanei-Kapitalien.Das Gut mußte subferstiert werden, und der Pfarrer mußte es ankaufen; nach und nach konnte es dann in kleinen Parzellen wieder verkauft werden, wobei die Fonds noch einigen Nutzen hatten. Wegen seiner Gutherzigkeit waren seine Pfarrkinder säumig im Bezahlen, blieben 6 bis 8 Jahre Zinsen und Pächte schuldig, worüber er öfter klagte. Er starb an Auszehrung nach langwieriger Krankheit im väterlichen Hause zu Brakel am 1. Dec. 1842, wurde aber in Erkeln beerdigt. 10. Ferdinand Gauksterdt von März 1843 bis 8. Aug. 1879. Er studierte nach Absolvierung des Gymnasiums einige Jahre in Rom, war dann Kaplan in Neuenkleisheim und wurde am r. März 1843 Pfarrer zu Erkeln. Auch von ihm liegen keine Aufzeichnungen vor. Während seiner Verwaltung wurde die Separation der Grundstücke der Erkeler Flur und daran anschließend die Ablösung der auf derselben ruhenden Reallasten, als Heuer, Wechselheuer, Eier, Hühner etc. Da der Grundbesitz aus vielen kleinen Parzellen bestand, war die Zusammenlegung für die Pfarre von großem Nutzen, machte aber für den Pfarrer viele Schreibereien notwendig. Durch Recess vom Jahre 1867 wurde die Separation der Grundstücke und durch die Recesse von 1882 die letzten Ablösungen vollzogen. Die Recesse befinden sich im Pfarr-Archive.Vom 2. - 3. October 1858 entstand in der Scheune des Besitzers Watermeier (jetzt Pott) ein Brand, der durch starken Wind angefacht, in kurzer Zeit 58 Häuser, den westlichen Theil des Dorfes, einäscherte. Der Pfarrer stand an der Spitze eines Comite's zur Unterstützung der Abgebrannten, die Collecten brachten aber verhältnismäßig wenig ein. Bei Anfertigung des Retablissements- Planes der Neubauten wurden die Kreisstrassen nach Titelsen und Beller festgelegt und demnächst nebst Brücke, ausgebaut.Gauksterdt wurde geboren in Stukenbrock 1. Januar 1806, starb am 8. Aug.1879.Nach dem Tode des Pfarrers Gauksterdt trat zunächst ein Interreium ein, da die Stelle wegen der Mai-Gesetze von 1873 nicht wieder besetzt werden konnte. Die Pfarrkinder mußten den Gottesdienst in Brakel aufsuchen. Die Kirchen-Bücher wurden von Pfarrer Wille zu Brakel geführt.Als die strenge Durchführung der Gesetze etwas nachließ, hielt der Rector Huckemann von Brakel heimlich den Gottesdienst und spendete die hl. Sacramente. Er fand die Anhänglichkeit der verwaiseten Gemeinde und wirkte recht segensreich. Randvermerk: Die große Glocke umgegossen. Umschrift: "Im Jahre 1854 umgegossen auf Kosten der Gemeinden Erkeln und Beller von H.L. Lohmeier in Gütersloh."Aufschrift: Unter Paulus Schutze mit ehernem Munde lad ich die Herzen zur Andachtsstunde rufe die Erdenpilger zur Gruft bis die Posaune zum Weltgericht ruft.Nach der Gemeinde-Chronik ist die größte Glocke i.J. 1724 gegossen - 1684 Pfd. schwer - umgegossen am 30. October 1816 von Caspar Weber aus Brilon für 300 Th. - beinah 16 Zentner schwer -; wieder umgegossen samt der Kleinsten in Dringenberg i.J.1844 - 1870 Pfd. resp. 906 Pfd. schwer; - zum dritten Male umgegossen i.J. 1854 ca. 19 Zentner schwer. 11. Anton Fecke 1885 bis 18. April 1909- Ich bin geboren zu Germete im Kreise Warburg am 14. Juli 1835, absolvierte zunächst das Progymnasium zu Warburg (die Fortsetzung der Klosterschule der Dominicaner) mußte aber das Studium wegen Kränklichkeit (mehrmaliger Blutsturz) aufgeben und lernte und betrieb die Landwirtschaft auf dem väterlichen Gute. Nach 3 Jahren, hinlänglich gekräftigt, begann ich das Studium von Neuem, absolvierte 1858 das Gymnas. zu Paderborn, studierte 1 Jahr Philosophie zu Münster, 2 Jahre Theologie zu Paderborn und trat dann in das dortige Priester-Seminar. Ostern 1863 wurde ich vom Hochw.Bischofe Conrad zum Priester geweihet und erhielt an demselben Tage den Auftrag zur Gründung und Verwaltung der Missionspfarre Bad Oeynhausen. Nachdem ich dort bis Herbst 1867 in Seelsorge und Schule gewirkt, war ich gesundheitlich so reduziert, daß ich die liebgewordene Stelle aufgeben und um dauernden Urlaub nachsuchen mußte; der Bischof verweigerte mir den Urlaub und sandte mich auf die leichte Kaplanei-Stelle der Altstadt Warburg, die ich bis Herbst 1869 verwaltete.Im Juni 1869 erhielt ich vom General-Vicariate die Verfügung: ich sei vom Patron Grafen Bogoltz (ohne mein Ersuchen) für die erledigte Pfarrstelle zu Alme präsentiert; da ich aber das Pfarr- Examen noch nicht gemacht hätte, könne und wolle man mir die prov. Verwaltung übertragen, bis ich das Examen gemacht hätte. Ich machte das Examen folgenden Frühjahr, erhielt darüber ein Certificat mit dem Prädikate "Gut", aber durch ein Versehen des Generalvik.-Secretairs Bade (wie er mir später gestand) nicht die canon. Anstellungs-Urkunde und es unterblieb auch die Investitur. Kurz nach Inkrafttreten der Maigesetze im Juli erhielt ich die Urkunde ohne mein Nachsuchen zugesandt, aber gleich darauf auch die Verfügung des Ober-Präsidenten Kühlwetter: "Die vom Bischofe ihm eingesandte, mir zugestellte Urkunde sei ungültig, weil nicht unter Beobachtung der Maiges. geschehen; ich habe mich jeder Ausübung Pfarramt. Verrichtungen zu enthalten."Ich protestierte dem Landrat gegenüber in einem Protokoll gegen diesen Eingriff, ich sei auf Präsentation des Patron nach Erfüllung der Bedingung des Examens schon definitiv angestellt, die Maigesetze fänden daher auf meine Anstellung keine Anwendung. Auch Graf Bocholz, obgleich Altkatholik, protestierte sofort bei Cultus-Minister gegen diesen Eingriff in seine Patronatsrechte. Beide Proteste wurden abgewiesen und nun die Sperrung definitiv eingeführt. Ich fuhr nun sofort nach Germete, übertrug gerichtlich meiner Schwester meinen dortigen Hof und jegliches Vermögen, und versah dann mein Amt weiter, als sei nichts geschehen. Damit man meinen Kaplan nicht auch sperren sollte, sofern er in meinem Auftrage handele, ließ ich ihm keine pfarramtl. Verrichtung vornehmen, auch keine Predigt halten. Nun aber begannen die vielen Vegetationen, welche ein Jahr hindurch meine Gesundheit so zusetzten, daß ich zuletzt am fortwährendem Blut-Husten litt. Zunächst wurde ein 3ter Gendarm nach Brilon gesandt, der täglich mich Beaufsichtigen und über all mein Thun Bericht auf dem Landraths-Amte erstatten mußte. Der Staats-Anwalt stellte dann auf Grund der vom Ober-Präsidenten ihm zugesandten Berichte jedesmal von mehreren Monaten die Pfarr-Handlungen zur Anklage, erst in Brilon, dann in 2. Instanz in Arnsberg. Ich verteidigte mich jedes mal an beiden Orten selbst und erstritt Freisprechung. Endlich, genau ein Jahr nach der Sperrung, wurde ich an einem Tage dreimal verurtheilt vom Obertribunal, je zu einer Woche Gefängnis, welche Strafe ich dann später in Warburg richtig verbüßt habe, während mein Bischof wegen derselben Sache 6 Wochen im Gefängnisse zu Paderborn zu verbüßen hatte. In der Folge habe ich noch oft vor dem Gerichtshofe in Brilon und Arnsberg erscheinen müssen, um gegen Anklagen mich zu verteidigen, so wegen Beseitigung öffentlicher Urkunden (der Kirchen-Bücher), wegen Beseitigung des Meßstiftungsfonds, wegen Einmischung in Schul-Angelegenheiten und dergl. mehr. Es wurde mir dann jedes mal mit der gerichtlichen Vorladung ein Paß der Regierung zu Arnsberg zugestellt, die Gendarmen auf den Bahnstationen durch Circular angewiesen, zu verhindern, daß ich unterwegs den Zug verließe, und in Brilon und Arnsberg wurde ich dann von 2 Gendarmen in Empfang genommen, die überall hin mir folgten, bis ich wieder abfuhr. Nach Zustellung der 3 Erkenntnisse des Obertribunals wurde ich aus den Kreisen Büren, Brilon, Meschede und Lippstadt ausgewiesen und bei vorkommenden Bannbruch mir die Ausweisung aus dem Reiche angedroht. Darauf wurde ich durch den Amtmann von Brilon gewaltsam aus meiner Pfarre mit Hülfe von 3 Gendarmen entfernt, nach Bredelar gebracht, wobei meine ganze Gemeinde bis dahin mir das Geleit gab, Frauen und Kinder auf 13 Leiterwagen, die Männer zu Fuß. In Germete war mir gestattet, bei verschlossenen Thüren das heil. Meßopfer darzubringen; da aber bald darauf auch diese Gemeinde durch den Tod des Pfarrers Wiedemeyer verwaiset wurde, ließ ich es darauf ankommen, ob ich verfolgt würde, verwaltete, natürlich ohne kirchl. Auftrag und ohne Gehalt, die Stelle bis zum 10. Februar 1885 - 11 Jahre lang. Am 10. Februar 1885 übernahm ich auf Weisung des General-Vicariats die Verwaltung von Erkeln; als "Hilfsseelsorger auf Widerruf", die damals nur mögliche Art der Anstellung. Erkeln war seit 1879 verwaiset, aber heimlich vom Rector Huckemann aus Brakel notdürftig verwaltet. Auf m einen Antrag wurde mir dann, nach Verzicht auf meine Pfründe Alme, die Pfarrstelle Erkeln durch Urkunde vom 20.August 1886 des Bischofs Caspar Drobe unorisch conferiert, die Investitur erhielt ich durch General-Vicar Berhorst.Im Vorstehenden habe ich etwas ausführlich meine Theilnahme am Kulturkampfe dargestellt, nicht, weil es mir Vergnügen macht, mich an alle die Bitterkeiten jener Zeit zu erinnern, sondern weil ich sehe, daß die jüngeren Confratres von den Verfolgungen und Rücksichtslosigkeiten jener Zeit keine Vorstellung mehr haben. "Memiss jurat"! Jene Zeiten können leicht wiederkehren.Zu Erkeln gab es für den neuen Pfarrer wegen des hohen Alters dessen. Vorgängers und wegen der 6jährigen Verwaisung in Kirche und Schule viel zu ordnen, zu restaurieren und neu zu beschaffen. Wie das in den einzelnen Jahren meiner Verwaltung geschah, zeigt die folg.Darstellung. 1885 Anlegung eines neuen Kirchhofes. Bis zum Jahre 1885 diente als Begräbnisstätte der Platz um die Kirche. Die alte Kirche stand südlich von der jetzigen etwa 40 Schritte entfernt, der alte Kirchhof lag nördlich, also da, wo die jetz. Kirche steht. Nach einem großen Brande von 28 Häusern im Jahre 1830 wurden die nahe der Kirche stehenden Häuser nicht wieder aufgebauet, es erhielt dadurch der Kirchhof seine jetzige Form und Größe und wurde mit starker Mauer eingefaßt. Kurz nach Übernahme der Stelle 1885 kam ein Gendarm zu mir und untersagte im Auftrage des Landrats von Metternich die fernere Beerdigung auf diesem Platze. Es mußte also schleunigst eine neue Begräbnisstätte beschafft werden. Nun besaß die Gemeinde am Beller-Weg aus der Separation ein Grundstück, das zwar sehr uneben und unförmlich war, aber wegen seiner trockenen Lage und tiefen Lehm- Bodens sich wohl eignete. Im Auftrage der beiden Gemeinden übernahm ich es, den Platz zu planieren, ihm die Form eines Rechtecks zur Größe von ca. 2 Morgen zu geben, mit leb. Tannenhecke einzu-friedigen, ihn mit Kruzifix und eisenerm Thore zu versehen. Die Kosten trugen die Gemeinden: Erkeln 3/4 u Beller 1/4. Der neue Kirchhof konnte nicht benedizirt werden, da die Regierung die Abtretung des Grundstückes an die kath. Kirchen-Gemeinde nicht genehmigte. Zwar wurde versucht, die Genehmigung zur Bened. von der Kirchl.Behörde doch zu erlangen. Es wurde der formelle Beschluß des Gemeinde- Vorstandes vorgelegt, "daß die Gemeinde für alle Zukunft darauf verzichtet, das Grundstück zu anderen, als Beerdigungszwecken zu verwenden", aber die kirchl.Behörde erklärte: es werde die fucaltas nur erteilt, wenn die Auflassung erfolgt sei. Deshalb muß jedes Grab bei der Beerdigung besonders benediziert werden. Abgrenzung des Chores der Kirche. Das Chor in der Kirche hatte keinen Abschluß, das Presbyterium reichte bis dicht vor die Bänke und war durch eine hölzerne Balustrade abgeschloßen, wovon der mittlere spannenlange Teil als Communion-Bank diente. Im Sommer 1885 wurden die Steinplatten aufgenommen (wobei sich das gewölbte Grab des sel. Pfarrers Schmitz vor dem Rosen-kranz- Altar unverletzt vorfand) die Stufen zurückgelegt, so daß sie die erste Stufe der Seiten-Altäre und den Aufgang zum Chor bildeten, und als Chor-Abschluß wurden die beiden Säulen errichtet, die jetzt die Statuen des hl.Josef und Mariae tragen. Die Arbeit kostete etwa 50 Mark. An den 3 Kirchentüren wurden je 2 Weihwasser-Töpfe von Stein durch Mark Meister Stiewe aus Brakel angebracht 30,00 Zur Aufbewahrung der Fahnen und seltener gebrauchten Paramente wurde ein Schrank angefertigt, der jetzt hinter der Orgel steht 60,00 Von Kevelar wurde eine Kranken-Bursa mit Patene, ein Pelikan für den Tabernakel, Meßkännchen und Crucifix beschafft 101,0 Eine rote Comm.-Decke von Tuch für die Comm.-Bank von Paderborn 36,00 1886 Die Paramente der Kirche waren sehr schlecht, halbfaul und zerrissen, so daß zugleich 14 Meßgewänder verbrannt werden mußten; auch die Wäsche war dürftig. Von den Geschw. Osländer in Ravensburg wurden bezogen 1 schwarze Casel, Seiden-Damast (Geschenk 115,00 1 weiße Casel von Seide mit Goldborden ) 220,00 1 gestickte Beerdigungs-Stola (von 25,00 1 leinenes Rochett mit roter gestickter Bordüre ) 36,00 1 Processions-Baldachin mit Tragstangen (Fr. Wiemers 433,00 1 rote Fahne zum Tragbilde der hl.Anna (für die Frauen) 82,00 2 Altar-Tücher für die Seiten- Altäre 1 Teppich für Hochaltar aus Brakel 18,00 1 viol.seidene Casel und 1 seidenes Schulter-Velum von Paderborn 200,00 1 schwarze seidene Casel von Wameling - Paderborn 100,00 1 grüne seidene Casel von Bomp - Luxemburg 95,00 1 weiße seidene Casel von Wameling (geschenkt v.Anna Alfter) 80,00 Mehrere schöne Altar-Gedecke, Alben und Rochette wurden dem Pfarrer persönlich geschenkt.(Lehrerin Lahme,Koch,Hoversstedt.) 1887 Die Kirche hatte kein hl.Grab für die Feier der Carwoche. Nach meiner Zeichnung und Anweisung fertigte solches Tischler Hille hier 60,00 Anstrich des Grabes durch Müller - Brakel 25,00 Vor den Seiten- Altären sind 2 Nischen, die ursprünglich wohl zu Beichtstühlen dienen sollten, in denen aber die Besen standen Die Nischen wurden zur Aufnahme von Statuen hergestellt, die eine durch Meister Willeke, die andere gratis durch Jos. Goeke 28,00 Pieta in der nördl.Nische von Walter - Trier (Geschenk der Ww.Spellerberg) 170,00 Gruppe des Hl.Franciscus,Ludwig u.Elisabeth (gesch.v.Mitgl. des III.Brds.) 320,00 Der baufällige Glockenstuhl wurde repariert - Gemeinde-Kasse Statue des Hl.Josef am Chor- Eingang, decoriert von Lammersen 180,00 Processions-Tragbild der Mutter Gottes von Heise-Warburg 120,00 dto. der Mutter Anna, durch Lammersen bezogen 185,00 2 Gitter vor den Nischen, angefertigt von Meister Herdemerten,Brakel 120,00 1887 vom 5. bis 15. März wurde seit Menschen- Gedenken zum ersten male von Patres sti Francisci Caspar Heimer und Columban Zündorf eine Mission mit gutem Erfolg abgehalten. Die P.P. kamen aus Kerkrade - Holland, wo sie nach der Vertreibung aus Paderborn ein Asyl gefunden hatten.Am Schlusse wurde feierlich der 3te Orden des hl. Franciscus eingeführt und ein Missions-Kreuz errichtet. Dieses diente bisher als Kirchhofskreuz, wurde transferiert und mit eisernem Stakett eingefriedigt. Maurerarbeit 34,00 Schmiede-Arbeit 64,00 1888 Die Kirche und Thurm erhielten vollständig neuen Bewurf, bestehend aus Wasserkalk, Cement und gewaschenen Fluß-Grand. Gemeinde. Gleichzeitig wurde durch Tensi - Brakel eine Dachrinne angelegt, die Kosten trugen die Gemeinde-Kassen Erkeln und Beller. Für den rechten Seiten- Altar wurde die Statue des Hl.Antonius beschafft. (III.Ord.) 115,00 Für den Rosenkranz-Altar die Gruppe durch Lammersen beschafft und Bemalung der Rückwand beider Bilder 225,00 Die äussere Thurmthüre war sehr defect, eine hölzerne Thüre ist dort wenig dauerhaft; deshalb wurde durch Herdemerten nach Anweisung des Pfarrers eine eiserne Thür angefertigt auf Kosten der Gemeinden 400,00 Die Kirche war bisher schlicht weiß getüncht; durch Lammersen wurde dieselbe im Innern (ohne Altäre) decorirt; die Kosten wurden dem Pfarrer zu seinem 25jähr. Priester-Jubiläum durch die Gemeinde-Vorstände beider Gemeinden offeriert aus freiwillig.Gaben Leuchter am Chor und den Beichtstühlen durch Herdemerten angefertigt 37,00 1889 Treppen-Anlage im Thurm bis zu den Glocken, Arbeitslohn von der Gemeinde 50,00 Beschaffung neuer Kirchenfenster. Die Fenster Kirche, über 150 Jahre alt, waren sehr schlecht, Ausbesserung unmöglich. Es wurden daher durch Meister Stengel aus Paderborn neue Mosaik- Fenster aus Kathedral- Glas angefertigt; dieselben wurden vom Pfarrer bezahlt aus dem Vermächt- nisse der hier verstorbenen Wittwe Friedrich Flüß. Testament im Archiv. Glaser-Arbeit kostete 1563,00 Schmiede-Arbeit 72,00 Schlosser-Arbeit 35,00 1 rote seidene Casel von Rielaender - Paderborn 2 Altar- Schellen, mehrstimmig, von demselben 12,00 1890 Für die Kirche wurde durch Herdemerten ein Kronleuchter angefertigt und von Schlüter Brakel decoriert. Kosten - geschenkt - 240,00 Die Kirche hatte keinen diebessicheren und feuersicheren Behälter zur Aufbewahrung der hl.Gefässe; es wurde deshalb in der Sacristei in die Wand ein Schrank gebrochen und von Herdemerten ein starker Rahmen mit mehrfach verschließbarer Thür ange- fertigt, der mit starken Ankern in der Rückwand befestigt ist. Die Maurerarbeiten gratis durch Franz Goeke 75,00 1894 Das Tabernaculum der Kirche hatte noch eine Dreh-Rolle und war leicht zu erbrechen. Auf Aufforderung des General-Vicariates mußte ein eiserner Tab. angeschafft werden. Aus starkem Stahl- Blech fertigte Meister Herdemerten einen Schrank, der in das sonst recht würdige Gehäuse von hinten eingeschoben und auf der Rückseite durch starke Schrauben an den Altar befestigt wurde, so daß er ziemlich diebessicher ist. 220,00 1895 Der obere Theil des Hochaltars bestand aus Tannenholz und Schnitzwerk aus Linden-Holz und auf der Spitze stand eine schwere Statue der Mutter Gottes. Das Ganze war so von Würmern zerfressen, daß es den Einsturz drohete. Bei der Herabnahme zerfiel Alles in Staub und Stücke. Da der übrige Theil des Altars aus solidem Eichenholz bestand, wurde auf der Spitze die Kalvarienberg-Gruppe angebracht und gehörig befestigt. Dieselbe ist angefertigt aus festem Eichenholz durch Bildhauer Heise aus Warburg und aus der Flüß'schen Erbschaft bezahlt 675,00 Das Altarbild st..Petri in vinculis war alt, die Figuren darauf nur teilweise noch zu erkennen; es wurde deshalb durch Bildhauer Heise ein neues Altarbild aus jungem Eichenholz handrelief nach einer vom General-Vicariat genehmigten Zeichnung angefertigt und in den bisherigen Rahmen eingefügt. Zur Bezahlung wurde der Rest der Flüß'schen Erbschaft verwendet 370,00 Auch die beiden Seiten-Altäre hatten zwischen den Voluten an der Spitze alte Bilder in durchaus zerfressenen reich geschnitzten Rahmen; sie mußten abgenommen werden und wurden ersetzt durch die vorhandene Statue des Hl. Antonius und eine von Lammersen bezogene Herz- Jesu-Statue aus Terrakotta 120,00 Als Altarbild des rechten Seiten-Altars wurde die Gruppe der Hl. Familie aus Terrakotta beschafft (vom III.Orden bezahlt) 185,00 Auch ein violetter Chormantel wurde vom III.Ord. beschafft 150,00 Der Hochaltar hatte nur unansehnliche angestrichene hölzerne Leuchter. Von Wameling - Paderborn- wurden 6 Stück hohe und 4 halbhohe messingene Leuchter angeschafft,erstere kosten 132,- M letztere 60,- M, zusammen 192,00 Der Aufgang zur Orgel bestand aus einer schmalen hölzernen Treppe, dicht neben der nördl.Seitentüre. Die Benutzung derselben verursachte viel Störung. Auf der Orgelbühne befanden sich keine Bänke, dorthin drängten sich beim Gottesdienste die Jünglinge, und die tausende von Namen, die an der Orgel und den Wänden eingeschnitten waren, zeugten davon, welche Art von Andacht dort gepflegt wurde..Das durfte so nicht bleiben. Es wurde deshalb die Treppe abgebrochen und eine neue Treppe von Stein im Thurme neben der Thüre angelegt,- 279,00 - dann zu beiden Seiten der Orgel je 4 neue Bänke – 155,00 aufgestellt, und nun mit einem Schlage alle Jünglinge von der Orgelbühne auf ihre Plätze im Schiffe der Kirche zu bringen, sämtl.Plätze auf der Orgelbühne nur an verheiratete Männer für jährlich 2 Mark vermietet. Dort finden 48 Männer bequem und warme Plätze. Auf diese Weise war die Ordnung bald ohne Schwierigkeit hergestellt. 1894 Die kleine Glocke ist 1893 gesprungen; vom Glockengießer Humpert aus Brilon wurde eine neue Glocke bezogen. Der Umguß kostete 694 Mark und wurde von den beiden Gemeinden bezahlt. Von Gioni in Mainz wurde eine Weihnachtskrippe, Stall ,8 Figuren und Schäfchen beschafft. Bezahlung durch Mitglieder des III. Ordens Die Orgel der Pfarr-Kirche war alt, hatte viel Scheinwerk und reichte zur Begleitung des Volksgesanges nicht aus. Nach längeren Verhandlungen wurde mit dem Orgelbauer Stegerhof aus Paderborn ein Contract abgeschlossen (in actis) nach welchem die ganze Orgel nach dem neuen pneumatischem System umgeschaffen werden sollte. Dieselbe enthält 10 Reg. mit 2 Überleitungen und kostet mit dem neuen Gebläse 2.091 Mark. Das alte Gebläse und unbrauchbare Materialien wurden angenommen zu 110 M. 1981,00 Tischler Kemper erhielt für notwendige Tischlerarbeit am Gehäuse 32,00 Die Orgel ist sehr gut geraten, sie wurde bezahlt aus dem Vermächtnisse des Jüng- lings Albert Beine, das dem Pfarrer mit dieser Bestimmung übergeben war, den Rest brachten die Schulmädchen in beiden Gemeinden durch Sammlung ein. 1901 Im Turme befand sich eine sehr einfache alte Uhr, die einst ein Schlossermeister . . Hille zu Erkeln angefertigt hatte. Sie war seit vielen Jahren nicht mehr in Gang gewesen. Nach verschiedenen fruchtlosen Versuchen, sie wieder in Gang zu setzen, wurde auf Betreiben des Pfarrers vom Erkeler Gemeinde-Vorstande ein Contract mit dem Uhrenfabrikanten Wenze zu Bockenem am Harz auf Lieferung einer neuen Uhr abgeschlossen. sie kostete fertig ausgestellt in gutem Gehäuse welche die Gemeinde Erkeln bezahlte 2000,00 1904 Die Schallöcher am Thurme waren viel zu klein, sahen aus, wie die Löcher an einer Bühne,der Schall der 3 Glocken war wohl oben im Walde hörbar, aber der untere Theil des Dorfes konnte bei ungünstigem Winde das Läuten nicht hören. Der Pfarrer ließ auf seine Kosten 3 Schallöcher erweitern und den Kirchenfenstern ähnlich mit Leibung versehen. Die Arbeit machte Meister Fr.Meier von hier; sie kostete mit Allem 350,00 .Seitdem ist das Geläute überall hörbar u. das Aussehen ein Besseres. Durch die vergrößerten Schallöcher drang ungehindert Schnee und Regen ein in den Thurm,so daß dadurch die Uhr und auch die Orgel leiden mußte. Der Pfarrer ließ auf seine Kosten eiserne Schallusien durch Schmied Rampe von hier anfertigen und mit Mennig und Ölfarbe gestrichen einsetzen. Damit diese geöffnet werden können, wenn etwa einmal eine Glocke eingebracht werden müßte, sind die Jalousien nur mit einigen starken Schrauben am Stein-Gewände befestigt. 188,00 1905 Die kleine , erst 1894 von Humpert- Brilon bezogene Glocke war schon wieder gesprungen. Mit Firma Franz Schilling zu Apolda wurde vom Pfarrer im Auftrage der Gemeinde am 4.Juli 1904 der Contract auf Lieferung einer neuen Glocke abgeschloßen. Die Glocke wurde am 1.März 1905 geliefert und nachdem sie vom Pfarrer beendizirt war, aufgehängt. in con.sti Josephi.Die Glocke wiegt 429 Kilgr. a 2,20 M. u.kostet mit Montierung 1183,00 die alte Glocke wog 448 Kil. a 1,20, also 537 M ab 537,00 646,00 Vom Goldarbeiter Caßau - Paderborn beschaffte der Pfarrer auf seine Kosten 2 silberne Meßkännchen mit Teller 24,00 1896 Auf dem Chore der Kirche standen 2 unförmliche Chorstühle, die den Platz auf demselben so einengten, daß an Sonntagen die Schulkinder nicht unterzubringen waren. Der Pfarrer ließ deshalb durch Tischlermeister Oehnhaus - Brakel 2 neue Chorstühle in Querstellung anfertigen, die bequem sind und wenig Raum einnehmen. 120,00 Dazu passender Betschemel von demselben, gepolstert von Koering 80,00 Von demselben Meister ist die Communion-Bank angefertigt 277,00 Für das hl. Grab wurde von Heise ein Grab-Corpus bezogen 60,00 1897 NB ! Am 7. Mai 1897 wurde zu ersten male durch den Hochwürd.Bischof Hubertus in unserer Pfarr- Kirche die hl. Firmung an 118 Einwohner gespendet; ausserdem an die Firmlinge von Titelsen, Bruchhausen und Hembsen. 1904 Die Bänke im Schiffe der Kirche waren sehr defect und sehr unbequem. Der Pfarrer ließ sie erbreitern, niedriger machen und mit schrägem Pult versehen, die schadhaften Fußschwellen erneuern 120,00 Der frühere Beerdigungsplatz um die Kirche sah sehr wüst aus, war der Versammlungs-Platz für Ziegen,Schweine, Hunde und Gänse. Die Mauer war sehr verfallen und es drohte an mehreren Stellen der Einsturz. Durch Jahrhunderte lange Beerdigung auf demselben war der Platz sehr erhöhet und ganz buckelig geworden, an der Südseite viel höher, als an der Nordseite, und mit Nesseln und Disteln dicht bewachsen. Auf demselben lag auch noch viel Bauschutt vom Bau der Kirche. Der Pfarrer drängte sofort nach Anlegung des neuen Kirchhofes auf würdige Herstellung des alten. Die Kirche hat aber kein Vermögen, und die Gemeinde-Verwaltung weigerte sich der hohen Kosten wegen die Mauer herstellen zu lassen, und da die Mauer wie der Platz der Kirche gehört, konnte sie dazu auch nicht gezwungen werden. Es blieb nichts übrig, als daß der Pfarrer selbst die Herstellung ausführen ließ, zunächst auf eigene Kosten. Im Sommer 1905 wurde die Mauer teilweise erneuert, in Höhe ausgeglichen und mit einer Bedachung von Back-steinen versehen. Dann wurden die noch vorhandenen Grab- Denkmäler an die Kirche gesetzt, der Platz planiert und mit einer Einfriedigung aus Drahtgepflecht versehen und die Wege zu den Seitentüren gepflastert, dann der Platz im Frühjahre 1906 eingesäet und bepflanzt. Als die Arbeiten fertig waren und ein schöner grüner Teppich die Kirche umgab,waren alle Gemeindeglieder darüber höchst erfreut. Die Gemeinde übernahm die Kosten für Planierung und Herstellung der Mauer. Das Drahtgeflecht und die eisernen Zaunständer von Fabr.Bössler zu Eissen kostete mit Aufstellung 120 Mark, die beiden Thüren 63 Mark 95 Pfg. Gärtner Elberg erhielt für Samen,Säen,Pflanzen etc. 100 Mark, dazu gehörte aber auch die Grasmähemaschiene, die allein 50 M. kostete. Diese 273 Mark wurden durch die Sammlung in der Gemeinde durch Schulkinder aufgebracht. 1907 Von Wameling ein schwarzer Chormantel (aus der Kasse III.Ord.) 45,00 Von demselben eine Beerdigungs-Fahne ( dto..) 44,00 Ein gesticktes Altartuch von Henseler - Bielefeld Ein gesticktes Altartuch durch Vermittlung des Herrn Kaplan geschenkt. 1908 Eine violette Meßpult-Decke von Wameling - Paderborn 10,00 Neuer Taufstein von Heise - Warburg aus französ. Kalkstein 200,00 Ein gesticktes Segens-Velum von Golzes - Crefeld, gezahlt aus der Ordens- kasse 165,00 Fußboden in der Kirche: Dielen 200 M. Arbeitslohn 42 M. 242,00 Schulwesen der Gemeinden Erkeln und Beller. Während der Verwaltung des Pfarrers Fecke wurden im Schulwesen der beiden Gemeinden größere Veränderungen vorgenommen. Derselbe fand eine zweiklassige Schule vor - große und kleine Schule, die Geschlechter waren in beiden nicht getrennt. Schon 1887 wurden vom Pfarrer mit Unterstützung der Gemeinde-Vorstände wiederholt motivierte Anträge auf Trennung der Geschlechter und Anstellung einer Lehrerin der Königl. Regierung eingereicht, aber abgelehnt, weil die Schule zu groß sei für eine Lehrerin. Der Schulinspector Dr. Laureck war gegen die Trennung. Eine letzte Eingabe hatte Erfolg. Der kleine Lehrer wurde mitten im Semester versetzt und dessen Stelle durch eine Lehrerin wieder besetzt. Die Lehrerin Catharina Koch wurde am 16. October 1889 angestellt und mit Beginn des neuen Schuljahres 1891 wurde die Trennung der Geschlechter und das neue System eingeführt: I Cca. I Ccb und II Cc. 6 Jahrgänge für I u. 2 Jahrgänge für II. Der Unterricht für Cc.II wurde zwischen Lehrer und Lehrerin geteilt. Gründung der Schule in Beller. Die Schulkinder der Gemeinde Beller waren in Erkeln eingeschult; die Kinder besuchten die Schule nach vollendetem 7. Lebensjahre, mußten den 2 km weiten Weg bei jedem Wetter zurücklegen, hatten im Winter wenigstens nur selten tagsüber trockene Füße und fehlten daher sehr oft in der Schule wegen Krankheit. Daß dieses für Erziehung und Unterricht der Kinder sehr hinderlich war, liegt auf der Hand. Als nun der Schulinsp. dem Pfarrer erklärte, die Schule in Erkeln sei für 2 Lehrkräfte zu groß, es müßte eine 3. Lehrkraft angestellt werden, gab der Pfarrer sofort die Notwendigkeit zu, erklärte aber sofort auch, daß diese 3. Lehrkraft dann nur für eine in Beller zu errichtende Schule angestellt werden müßte. Er wandte sich dann zunächst an die Gemeinde Beller, um diese für die Errichtung einer eigenen Schule zu gewinnen. Diese war gern einverstanden. Darauf wurde eine Versammlung der Gem.-Vorstände von Erkeln und Beller gemeinsam abgehalten. Ebenso entschieden, wie die Beller'schen für, sprachen sich die Erkeler gegen die Vorschläge des Pfarrers aus. Ja letztere verlangten, daß Beller auch fernerhin zur Erkeler Schule 1/4 der Kosten zu tragen haben. sie würden die Trennung nur genehmigen, wenn Beller sich verpflichte, jährlich wenigstens 400 Mark zu zahlen, oder ein Capital zu erlegen, welches diesen Betrag aufbringe. Der Pfarrer legte mehrere betr. Ministerial-Entscheidungen vor, nach denen Erkeln an Beller sogar 1/4 des gesamten Schulvermögens incl. Inventar herauszugeben habe, er könne und wolle aber in seinen Antrage die Königl. Regierung bitten, von der Herausgabe abzusehen und der armen Gemeinde Beller aus Staatsmitteln die nötige Beihilfe zu gewähren. Zwei Anträge an die Regierung wurden kurzweg abgelehnt, die eine, weil die beabsichtigte Schule zu klein sei, die andere, weil zur Unterstützung der Gemeinde keine Fonds zu Verfügung ständen. Inzwischen besuchte der Pfarrer gelegentlich der Schulrevision der Ober.-Reg.Rat von Lüpke und der Reg.- Schul-Rat Vandenesch. Der Pfr. nahm die Gelegenheit wahr, den Herren noch einmal eindringlich die Notwendigkeit darzulegen und um ihre Mitwirkung in der Sache zu bitten und erreichte so viel, daß die Herren bei nochmaliger Eingabe an die Regierung für eine vorläufige provisorische Einrichtung der Schule stimmen würden. Schon tags darauf wurde der Tanzsaal der Witwe Bigge zu Beller und eine Wohnung für die erbetene Lehrerin gemietet und der Reg. mit dem Antrage der Kontract und der Kosten-Anschlag der Einrichtung des Schullokales eingereicht. Anfangs September lief dann die Mitteilung ein, daß die Errichtung der Schule genehmigt und für die Einrichtungskosten 600 Mark bewilligt seien; auch sollte für die Zukunft jegliche Förderung der Schule zu teil werden. Es wurden angewiesen 100 Mark Miete und 500 Mark (einmalige) Beihülfe zur Einrichtung, 200 Mark Beihülfe zum Gehalte. Am 15.October 1891 traf dann Lehrerin Lisette Huneke ein und wurde die Schule durch Einführung der Lehrerin zur Freude der ganzen Gemeinde eröffnet. Im Jahre 1895 erhielt der Pfarrer eine vertraute Mitteilung vom H.Schulrat, daß die Regierung geneigt sei, von den vom Minister ausgesetzten 4 Mill.Mark zur Beihilfe für Schulbauten der Gemeinde Beller eine Beihilfe zu gewähren, man möge deshalb darum einkommen. Der Pfarrer mit dem Gemeinde- und Schulvorstande machte alsbald die Eingabe. Darauf kam ein Regierungsrat, meldete, daß leider die 4 Mill.Fonds anderweitig habe verwendet werden müssen, und stellte in Aussicht, daß die Regierung später Beihülfe leisten wolle, wenn die Gemeinde jetzt baue. Der Pfarrer erklärte unter Zustimmung der Vorstände, daß die Gemeinde sofort den Bau beginnen würde, sobald die Regierung erklärte, die Hälfte der Baukosten übernehmen zu wollen, sonst sei die Gemeinde dazu nicht imstande. Nachdem die Erklärung auf erneute Aufforderung wiederholt war, machte die Regierung das Anerbieten, sie wolle, wenn Gemeinde das Capital zum Baue beschaffe, für jährliche Verzinsung und Amortisation der Gemeinde jährlich einen Betrag in der Höhe zuweisen, daß die Gemeinde keine größere Leistung für die neue Schule habe, als jetzt für das Provisorium. Darauf ging die Gemeinde ein und beauftragte den Bauführer Koch in Höxter mit der Anfertigung eines Bauplanes, der, nach einigen Änderungen seitens der Regierung, ausgeführt werden sollte. Den Bauplatz hatte schon vor Errichtung der Schule der Gutsbesitzer Georg dem Pfarrer auf seine Bitte geschenkt: "so viel vom unteren Ende seines Hausgartens, als er zum Baue nötig habe." Der Pfarrer bestimmte und überwies den Platz. So weit schien Alles für den Beginn des Baues in Ordnung zu sein. Da trat ganz unerwartet die Regierung mit einem anderen Plan hervor. Zwei Regierungsräte beriefen eine gemeinsame Versammlung der Vorstände von Beller und Hembsen und erklärten, da auch Hembsen eine neue Schule bauen müsse, sollte die Schule für beide Gemeinden am Wege zwischen Hembsen und Beller errichtet und dann eine drei-klassige Schule ohne Trennung der Geschlechter eingerichtet werden. Der Pfarrer trat dem Projecte energisch entgegen und hatte die Freude, daß der Herr Landrat in sehr erregter Disputation und einstimmig die Gemeinde Beller auf seine Seite trat. Auch die Gemeinde Hembsen lehnte das Project ab, das ihre Schule je ausserhalb der Gemeinde verlegen. Die Regierungsräte drohten zwar, daß dann die Regierung keine Beihülfe leisten würde, doch traf kurz darauf die Genehmigung zur Ausführung des Planes in Beller unter den "verabredeten Bedingungen" ein. Eine neue Schwierigkeit machte sich geltend, als nun das Fundament ausgeworfen wurde. Die mit Tannen besetzte Grenze des Bauplatzes verlief nicht rechtwinklig, sonder schräg; wurde das Haus auf der Grenze aufgeführt, dann stand es nicht parallel mit dem Wege, ausserdem war der Platz auf der Grenze geradezu sumpfig. Um den Bau nicht auszuhalten, wurde auf Verantwortung des Pfarrer, aber mit Einwilligung des H.Vorstehers Koering und Georg, das Haus an die Grenze des Letzteren gebaut. Als sich die Änderung bei der Abnahme zeigte, erklärte der Bauinspector " die Änderung war zweckmässig, ja notwendig, aber der Bauplan ist verlassen". Darob seitens der Regierung große Untersuchung, Sperrung jeglicher Auszahlung und verschiedene Vernehmungen. Nachdem der Pfarrer an der Hand einer Zeichnung die Sache klar gelegt hatte, fand man Alles in Ordnung, ja der Pfarrer wurde sogar seitens der Regierung für seine Bemühungen um den Bau ein Gratification von 60 M. zuerkannt. Die Kapelle zu Beller. Über Bau, Fundierung und Consecration der Kapelle auf Lagerbuch Seite 25. Wiederholt, zuletzt noch im Jahre 1904 wurde der Pfarrer vom Amts-Gerichte aufgefordert, die Kapelle für die Gemeinde Beller in das Grundbuch eintragen zu lassen. Der Pfarrer verweigerte dieses mit der Begründung, daß die Kapelle der Gemeinde gar nicht gehöre, sondern ein Appendix der Pfarr-Kirche sei, da nachweislich der Gründer derselben Pfarrer Schmitz sie ohne alle Beihülfe der Gemeinde auf eigene Kosten sie erbaut, für Instandhaltung mit 95 Thalern sie dotiert und in seinem Testamente für die Pfarre Erkeln 100 Thaler legiert habe, für deren jährliche Zinsen der jeweilige Pfarrer von Erkeln die Aufsicht haben und die Instandhaltung überwachen solle. Zu Unrecht ist während des Kulturkampfes diese Verwaltung einem gewählten Vorstande übergeben, sie steht stiftungsgemäß dem Pfarrer allein zu. 1886 Vom Pfarrer sind angeschafft: 1 rote Casula von Wollstoff.Gesch. von Markus 43,00 M. 1 schwarze Casel " " " " 43,00 M. 1 violette Casel " " " " 43,00 M. 1 Thür-Schloß von Herdemerten 14,00 M. 1887 Anfertigung eines neuen Altar-Tisches und Einrichtung desselben zum Schranke für die Paramente - cf. Lagerbuch Seite 26 30,00 M. 1 Altartuch für Festtage - geschenkt von Lehrerin Koch - 1886 wurde von Humpert - Brilon die Glocke umgegossen, Gemeinde - 1898 wurde der Kreuzgang von Frau Lisette Georg geschenkt und im August von P. Orentius b.fr.m. eingeweihet. 75,00 M 1890 sind neue Fenster beschafft, Gutsbes. Franz Rochell zahlte 57,00 M 1904 wurde von Jos. Rochell ein neuer Kelch geschenkt 78,00 M. St. Petri-Kapelle. Die Eheleute Augustin Spellerberg und Catharina geb. Backhaus zu Erkeln hatten auf ihrem Ackerplane im Westen des Dorfes eine kleine aus Backstein solide gebaute Kapelle errichtet im Jahre 1874. Diese diente bisher nur als Station bei der Frohnleichnams-Prozession. Im Jahre 1893 wünschte die Wittwe Spellerberg, daß diese Kapelle erhalten bleibe und mehr Verwendung finde. Auf Rat des Pfarrers übertrug sie das Eigentumsrecht mit dem des Platzes der Kapelle in der Größe von 1 ar und 24 qm an die Kirche, zahlte für Erhaltung derselben 200 Mark und stiftete 1 Capital von 1000 Mark für eine..............?-Prozession, die am Patrociniums-Feste sti Petri in vinc zu der Kapelle geführt werden sollte. Der Kirchenvorstand accredierte die beiden Stiftungen und das Bischöfl. General-Vicariat gab die Genehmigung. Die Eintragung in das Grundbuch für die Kirche ist bis jetzt nicht geschehen, weil die Kosten der Vermessung und Eintragung sehr hoch sind, daß sie den Wert des Grundstücks gleichkommen; kann aber jederzeit bewirkt werden. Vom Jahre 1894 ab ist die Procession alljährlich mit aller Feierlichkeit nach dem Hochamte gehalten. Die Stiftungsurkunden und Verhandlungen im Pfarr- Archive. Das Cap. von 200 M ist am 13.Juli 1894 für den Kirchenfonds Beleg L.B.27591-- Zinsen sind bisher nicht erhoben. Das Stiftungs-Kap. von 1000 M. ist ebenfalls bei Sparkasse Brakel belegt; von ihm gehören 666,66 M. dem Pfarrfond, 166,68 der Kirche und 166,68 der Küsterei. Kineke'sche Armenstiftung. Ein jüdischer Einwohner von Erkeln, Salomon Katz, war nach Amerika ausgewandert und hatte dort eine ihm nachgereisete Therese, geb. Kuhlmann aus Erkeln nach Niederlegung seines und Annahme des Namens Kineke geheiratet. Während des Secessions-Krieges in Nord-Amerika hatte der Mann durch glückliche Sprit-Speculation ein großes Vermögen erworben, aber Unglück in seiner Familie. Seine einzige Tochter heiratete einen Geschäftsmann, der sehr schlecht wirtschaftete und fallierte. Die Tochter starb unter Hinterlassung einer Tochter. Kineke starb; seine Wittwe setzte der Enkelin ein Legat aus und verteilte das übrige Vermögen testamentarisch an verschiedene wohltät. Stiftungen in Amerika. Dem Schreiber dieses, Pfarrer Fecke, wurde im April 1890 durch eine aus Amerika herübergekommene Nichte der Wittwe Kineke ein amtlich nicht beglaubigte Abschrift des Testamentes vorgelegt in englischer Sprache. Der die Gemeinde betreffende Passus concernens lautet in deutscher Übersetzung wie folgt: "Zweitens: Ich weise meine hierin nachbenannte Vollstreckerin an, an die betreffenden bürgerlichen Behörden in Deutschland die Summe von 30.000 Dollar als ein anvertrautes Capital auszuzahlen. Die genannten Behörden sollen das anvertraute Capital ist der gesetzlichen Sicherheit belehene und wiederbelehnen und deren Zinsen zur Unterhaltung, Unterstützung und Hülfe der alten und kranken Armen des Geburtsortes meines Ehemannes und meines eigenen, nämlich der Stadt oder des Dorfes Erkeln im Kreise Hoexter, Königreichs Westfalen, Deutschland, verwenden.. Da ich nun in dem zweiten Paragraphen meines genannten Testaments den zuständigen bürgerlichen Behörden in Deutschland die Summe von 30.000 Dollar als ein anvertrautes Capital vermacht habe, so ist es daher jetzt mein Wille, daß meine Vollstrecker volle Gewalt haben sollen zu bestimmen, welche die geeigneten Behörden zur Ausführung des Vermächtnisses sind, und meine genannten Vollstrecker können auch nach ihrer Ueberlegung solche passende Beschränkungen und Bedingungen dem genannten Testamente hinzufügen, welche den Inhalt des genannten Vermächtnisses am genauesten zur Durchführung bringen werden." gez. Therese Christine Kineke, Wittwe von Josef Kineke. Adresse des Testaments- Executors: Charles A. Woerwag. Bank-Geschäft Drexel und Comp. zu Philadelphia. Der Pfarrer wandte sich nun, dem mitgeteilten Wunsche desselben gemäß an den Test.- Exei.Woerwag mit begründeten Vorschlägen zur Ausführung der Stiftung. Barverteilung der Zinsen würde in der Gemeinde eher Böses als Gutes stiften. Es möge ein Teil des Capitals verwendet werden zur Erwerbung eines einigen Morgen großen Grundstückes, zur Erbauung eines Armen- Kranken und Kinder-Heimes auf demselben, dessen Pflege dann 2 barmher. Schwestern übernehmen sollten. H.Woerwag ging nicht nur ganz auf diese Vorschläge ein, sondern entwarf selbst die Fundamental- Articel des zu entwerfenden Statuts und bat, darauf hin bei der "Reichsregierung" die Genehmigung zur Errichtung der Stiftung nachzusuchen. Der Pfarrer reichte dann unter dem 8.Juli 1890 das Gesuch mit den betreffenden Anlagen der Königl.Regierung zu Minden ein, erhielt aber am 15.October durch den Landrat im Auftrage des Regierungspräsidenten den Bescheid, daß der Vorstand einer Stiftung, wie sie zu Gunsten einer Kirchen-Gemeinde beabsichtigt sei, als "Civil- Behörde" im Sinne des Testaments nicht angesehen werden könne. Inzwischen hatte ich mit dem Gemeinde-Vorstande und anderen Einwohnern über die Angelegenheit gesprochen und fand gar verschiedene Beurteilung. Die Einen meinten, ein Armen- und Kranken-Haus für 40.000 Mark sei ganz überflüssig, würde das Bau-Geld verteilt, dann könnten sich alle Armen- und Kranken selbst helfen. Der Gem.-Vorstand fand es für Unrecht, daß an der Stiftung auch die Gemeinde Beller teilnehmen solle. Verwundert darüber, daß gerade die grundbesitzenden Bauern dem Bau sehr wenig günstig waren, sprach ich mit dem Pfarrer von Brakel, Friedr.Wille, über die Sache, und dieser gab mir den wohlbegründeten Rat, von meinem Plane abzusehen; ich würde mir dadurch eine unangenehme Last aufladen. Sein Krankenhaus in Brakel mache ihm mehr Verdruß und Arbeit, als seine ganze Pfarre. Die Benutzung des Krankenhauses in Brakel stehe ja den Erkeler Armen und Kranken gegen Bezahlung offen.Da nun inzwischen der Landrat eine Versammlung des Gemeinderats in der Sache abgehalten und mich nicht einmal dazu geladen hatte, gab ich es auf, mich weiter um die Sache zu kümmern.Ich dachte ja nur das Unheil für die Gemeinde bei einer Bar- Verteilung von 4.200 M. durch Festlegung eines Teiles der Stiftungs-Kapitalien fern zu halten. Zwar versuchte der Amtmann Thüsing mich wiederholt im Auftrage des Landrats zu bewegen, den Vorsitz in der Commission zu übernehmen; auch ersuchte mich der Landrat persönlich darum, indem er angab, die Barverteilung, welche der Vorstand gewünscht, sei nur provisorisch zugestanden, auch er wünsche, daß ein Teil des Cap. festgelegt würde, ich dürfe doch den Bauern die Verwaltung einer solchen Stiftung nicht allein überlassen; ich blieb aber bei meiner Weigerung und freue mich dessen. Die Uneinigkeit, der Streit in der Gemeinde über die Verteilung ist schon so groß, daß wenig fehlt, daß man sich deshalb die Köpfe einschlägt. Das Geschrei: Hie Bauern, hie Handwerker und Arbeiter wird bei jeder Gelegenheit laut. "Habeoet sibi ! Sie haben es nicht besser gewollt !" Meine einzige Mitwirkung besteht darin, daß ich in Fällen besonderer Notdurft dem Amtmann schriftl. Mitteilung mache, die dann auch regelmäßig berücksichtigt wird. Dasselbe Verfahren empfehle ich auch meinem Nachfolger.Ein Promemorie von mir und die gepflogenen Verhandlungen siehe bei den Acten. Pfarrer Fecke starb am 18. April 1909. Mit dem Pfarrer Anton Fecke ist ein tief frommer, geistreicher und freudiger Mann aus dem Leben geschieden, ein Mann der bei dem größten Teil des Diözesanclerus wegen seine hervorragenden Eigenschaften bekannt und beliebt war, in demselben Glanz und aus demselben Grund bei dem Volke und vor allen bei dem westfälischen Adel. Letzteres vor allen ist er näher getreten durch seine geradezu staunenswerten Erfolge im Reiten und Jagen, Eigenschaften, die wegen ihrer Seltenheit bei einem katholischen Pfarrer hier wohl erwähnet werden sollten. Zur Lebzeit des Pfarrers am 2. und 3. Februar 1909 ist über den größten Teil Deutsch-lands eine gewaltige Überschwemmung hereingebrochen, die größte und gefährlichste hier in Erkeln seit Menschengedenken, das ganze Nethetal bildete einen großen See. Das Wasser drang in die untersten Stockwerke der Häuser an der Nethe; furchtbar waren die Verwüstungen auf den Feldern, von dem die junge Saat mit Gewalt fortgerissen wurde. Mit dem 20. April 1909 wurde der bisherige Kooperator Rudolf Thiem aus Paderborn Pfarrverweser in Erkeln. Von der Frau Bobbert wurden 100 M.für ein violettes Meßgewand geschenkt; dasselbe lieferte die Firma Everten in Paderborn für 87 M. Ein weißes Kelchvelum von der Firma Wameling bezogen 11 M. Dez.1909 Die Kaplanei in Erkeln. Die Kaplanei ist gestiftet vom Pfarrer Johannes Detmar Schmitz durch Urkunde vom 4. October 1736, errichtet vom Fürstbischof Clemens August durch Urkunde vom 5. Januar 1738. Die Urkunden finden sich bei den Akten im Pfarrarchiv und abschriftlich in dem Liber Confraternitatis Jesu, Mariae et Joseph am Ende. Das Ur praesentationis wurde dem Stifter und seinen Nachfolgern zugestanden. Über die Verpflichtungen und Einkünfte des Kaplanes, das Schicksal der Dotation etc. siehe das vorgenannte Buch.Ebensdaselbst findet sich Series sacellanorum. Primus sacellanus Löher Secundus Löher, postea pastor in pago Stahl Tertius Neustück Quartus Nagel + 18.7.1781 Quintus Tillmann Sextus Erpenbeck Septimus Herdemerten. Die Zeit ihrer Verwaltung ist leider nicht angegeben. I.J.1748 war Neustück Kaplan und war es noch a. 1765. Also waren die beiden ersten Kapläne unter dem Pfr, Schmitz, welcher am 8. September 1747 starb. Tillmann wurde Pfr. von Erkeln a. 1782. Vorher war er 1 Jahr hier Kaplan gewesen, und vor ihm war Nagel Kaplan gewesen. Die beiden letzten, Erpenbeck und Herdemerten werden unter Tillmann Kaplan gewesen sein. Wohnhaus des Kaplans. Der Pfr. Schmitz hat auch für eine Kaplanei-Wohnung Sorge getragen. Diese stand in dem jetzigen Teil des Schulgartens, welcher zum Pfarrgarten hinzu gekommen ist und war zugleich Armenhaus. I.J. 1874 wurde das Haus abgebrochen, Material und Bauplatz für insgesamt 416,50 M an die Gemeinde verkauft, und diese Summe als Kaplanei-Baufonds in der Kreis-Sparkasse zu Brakel auf das Buch Nr.15695 angelegt - jetzt Nr.1400. Kaplanei-Vacanz. Seit nun fast 100 Jahren ist die Kaplanei unbesetzt. Dem Pfarrer wurde für die sich für ihn daraus ergebende Mehrarbeit das Gehalt der Kaplanei zugesprochen bis auf 150 M., die er alljährlich ad angmentum fundationis anzulegen hatte. Diese Abgabe wurde i.J. 1896 auf 400 M erhöht. Dem zeitigen Pfarrer (1910) sind aus dem Kaplanei-Einkommen 400 M und das Stipendium für die gestifteten Messen bewilligt; alles übrige geht ad fundum. Das reine Kaplanei-Einkommen beträgt z.Z. (1910) ca. 1200 M. Cooperatoren. Der Pfarrer Fecke bemühte sich schon i.J.1896 um Wiederbesetzung der Kaplanei, aber ohne Erfolg. Am 16.August 1906 erhielt er einen Cooperator in der Person des Neopresbyters Franz Münsterjohann und als dieser am 7. Januar 1909 zum Vikar in Neuenkirchen ernannt war, einen zweiten in der Person des Neopresbyters Rudolph Thiem. Der Vater des letzteren war Protestant und konvertierte am Primiztage seines Sohnes. Thiem wurde nach dem Tode des Pfarrers Fecke Pfarrverweser und blieb bis zum 29.Dezember 1909, an welchem Tage ich, Hermann Kümmel, als Pfarrer durch den Dechant Köhne von Bellersen hier eingeführt wurde. Der Pfarrverweser Thiem wurde bald darauf Vikar in Serkenrode, Pfarre Schlirüthen, 1913 Kaplan in Driburg. Bemerkung: Die Fortsetzung dieser Chronik kann nicht mehr nach Gesichtspunkten geschehen , sondern muß naturgemäß die Form von Annalen erhalten. Deshalb gedenke ich jährlich einzutragen, was mir geschichtlich richtig erscheint, mag es die Kirche, die Pfarre, die Schule oder überhaupt den Ort betreffen. Hermann Kümmel, Pfarrer von 1909 - 1926 - Curriculum vitae. Ich bin geboren am 22.August 1856 in Lüchtringen, besuchte von Ostern 1869 bis Herbst 1892 die i.J.1892 eingegangene kath. Selekta in Höxter, von Herbst 1872 bis dahin 1873 das damalige Progymnasium, jetzige Gymnasium in Warburg, von Herbst 1873 bis dahin 1875 das Gymnasium in Paderborn, wo ich im Sommer 1875 das Abiturienten-Examen bestand. Es war die Ziert des Kulturkampfes. Der Bischof Conrad Martin war am 4. August 1874 ins Gefängnis zu Paderborn und von da auf die Festung Wesel gebracht. Von hier entfloh er nach Belgien und starb am 16.Juli 1879 in Mont St. Guibert. Die bischöflichen Anstalten in Paderborn waren geschlossen. Die Theologen unserer Diözese waren genötigt, ihre Studien auswärts zu machen und sich im Auslande weihen zu lassen. Ich absolvierte das academische Triennium in Münster von Herbst 1875 bis Herbst 1878, diente dann 1 Jahr als Freiwilliger beim 2. Westfäl.Artillerie-Regiment Nr.22 in Münster (1.October 1878 - 1. October 1879) - (auch die kath. Theologen wurden zum Militärdienst herangezogen, - es war Kulturkampf - eine traurige Zeit) - , suchte und fand Aufnahme im Priester-Seminar in Eichstätt (Bayern), wo ich von Bischof Franciscus Leopoldus von Leonrod am 18.Juli 1880 zum Priester geweiht wurde. Meine Primiz feierte ich, trotz der Maigesetze, öffentlich und feierlich in meinem Heimatorte Lüchtringen am Feste des hl. Liborius -25.Juli 1880-. Wo nun bleiben? Angestellt konnte ich in Preußen nicht werden und in's Ausland mochte ich nicht.Ich blieb also zu Hause und half in meinem Heimatorte und den Nachbargemeinden den Geistlichen aus, bis ich durch Gottes Fügung in die verwaiste Gemeinde Bleiwäsche Kr.Büren kam - 14.November 1880.Bleiwäsche war seit 2 1/2 Jahren verwaist. Kirche, Pfarrhaus,Schule - der ganze Ort bot wenig Anziehendes, aber die Not der Leute bewog mich, die Seelsorge zu übernehmen. Wegen der Maigesetze durfte ich dort nicht einmal die Hl.Messe lesen, geschweige dann pfarramtliche Funktionen vornehmen. Allein Bismarck hatte "die Waffen auf dem Fechtboden niedergelegt", und ich blieb unbehelligt volle 6 Jahre in Bleiwäsche - nur einmal hat die Regierung wegen meiner bei dem Amtmann Brunstein in Fürstenberg angefragt, es ist aber nichts danach gekommen. I.J. 1883 lernte ich meinen Vorgänger Fecke, der auf das 40stündige Gebet in Alme (Pfingsten) zur Aushülfe gekommen war, in Alme kennen. Die cura primaria über Bleiwäsche hatte der Pfarrer Wacker von Wünnenberg, Mitverfasser des Sursum corda, bis 1885, wo sie mir übertragen wurde. Von Bleiwäsche wurde ich im November 1886 als Kaplan nach Körbecke bei Soest versetzt und von dort im April 1893 als Pfarrverweser nach Burg b. Magdeburg. Bald darauf wurde ich dort Pfarrer. Die Pfarre Burg umfaßt die beiden Kreise Jerichow I und II. Ich war in diesem großen Bezirk der einzige kath. Geistliche. Die Verhältnisse waren so schwierig, daß ich mich nach 4 Jahren ausser Stande sah, die Pfarre weiter zu verwalten. Auf königl. Präsentation hin erhielt ich die Pfarre Brenkhausen a.1897, welche ich bis Ende 1909 verwaltete. An Kämpfen hat es dort auch nicht gefehlt. Meine Einführung in Erkeln geschah, wie schon erwähnt, rite et solem niter durch den Dechanten H. Köhne in Bellersen am 29. Dezember 1909. In den Ruhestand versetzt 1. Juli 1926. Reparatur statt Neubau des Pfarrhauses. Das Pfarrhaus in Erkeln ist unter dem Pfr. Tillmann (+20.Jan.1819) von der Gemeinde erbaut für 2400 Thaler. Es trägt die Nr. 1, ist aber seiner Beschaffenheit nach nicht Nr. 1 im Dorfe, et videre licet. Schon zu Lebzeiten des Pfarrers Fecke hieß es, das Pfarrhaus solle neu gebaut werden, und als der Pfr.Fecke gestorben war, drang der Herr Generalvikar Schmitz auf einen Neubau. Er hat an den damaligen Amtmann Thüsing in Brakel geschrieben, dieser möge doch dahin wirken, daß es zwischen dem neuen Pastor und der Gemeinde nicht zum Streite komme. Zu gleicher Zeit beabsichtigte die Regierung, in Erkeln die dritte Lehrkraft anzustellen. Der Amtmann machte nun den Vorschlag, die Scheune des Pfarrhauses abzureißen und an deren Stelle ein provisorisches Schulzimmer zu bauen, das alte Pfarrhaus zur Wohnung für 1 Lehrerin und 1 unverheirateten Lehrer einzurichten und dem Pfarrer in dem Hausgarten ein neues Haus zu setzen. Ein provisorischer Plan und Kostenanschlag wurde vom Architekten Lücke in Paderborn angefertigt. Die Gemeindevertretung und namentlich der in puncto Bewilligung sehr schwierige Gemeindevorsteher H.Backhaus zeigte von vornherein keine Neigung zum Neubau. Ich war als ernannter Pfarrer von Erkeln in der betreffenden Gemeinderats-Sitzung zugegen. Bald darauf schrieb mir der Pfarrverweser Thiem, in Erkeln sei "Revolution" wegen des Pfarrhauses. Inzwischen war auch der provisorische Plan zum neuen Pfarrhause in meinen Händen und ich überzeugte mich, daß der Neubau unter all' den Rücksichtnahmen auf das neue Schulzimmer verpfuscht würde. Auch zweifelte ich mit Grund, daß die bischöfliche Behörde zu der Umwandlung das Pfarrhauses zum Schulgebäude ihre Zustimmung geben werde. Deshalb entschloß ich mich - es war am Petrocinium sti Petri ad vincula a.1909 - vorläufig auf einen Neubau zu verzichten und bat den Vorsteher Backhaus schriftlich, das alte Haus reparieren zu lassen. Mit dem Architekten Lücke kam ich dann nach Erkeln und dieser notierte in Gegenwart der Gemeindevertretung alle meine Wünsche, welche dann auch ausgeführt sind. Die wichtigsten sind: Ausbau der schrägen Fleischkammer oberhalb des Wohnzimmers des Pfr. zu einem rechtwinkligen Schlafzimmer, Verwandlung der Küche neben dem Wohnzimmer in ein Studienzimmer und Verlegung derselben in das "Speisezimmer" links neben dem Hauseingange, Anlegung der Waschküche und der Vorratskammer zwischen Kochküche und Waschküche, Neubedielung mehrerer Zimmer und Betonierung des Kellers. Die ganze Reparatur kostet ca. 3000 Mark. Das Haus erhielt zudem 2 neue Öfen und einen neuen Kochherd. Vielleicht entschließt sich die Gemeinde doch noch zu einem Pfarrhaus-Neubau, dann mag das alte Pfarrhaus Kaplaneihaus werden. P.S. a.1926: Das alte Pfarrhaus ist nichts besseres wert, als daß es bald abgebrochen wird. 1910. Reparaturen und Anschaffungen. I.J.1910 wurde das hl. Grab für die Carwoche, welches vom Pfr.Fecke angeschafft war und im Turme vor der Tür aufgestellt wurde, wegen des Umstandes, daß die Gläubigen in der Kirche dem hl.Grab den Rücken zuwenden mußten, dem rechten Nebenaltar angepasst und vom Maler Volkhausen aus Paderborn neu dekoriert. Kostenpunkt ca. 120 M. Von demselben Maler wurde der Kronleuchter neu dekoriert für 105 M. Neu angeschafft wurde der Schrank über dem Ankleidetisch in der Sakristei für 68 M. Der alte Schrank bestand aus lauter Schubladen und ruhte unmittelbar auf dem Ankleidetisch, so daß dieser nicht die nötige Breite für die Auslegung der Paramente hatte. Der Baldachin über dem Tabernakel, besorgt durch den Theologen Jos. Steinau, vormaligen Benediktiner, ist von Leuten aus der Gemeinde geschenkt. Er soll ca. 200 M. kosten. Ich wurde mit diesem Geschenk überrascht; mir sagt er nicht zu. Der Credenztisch ist von Meister Hille angefertigt und kostet 20 M. Gegen Ende des Jahres erhielt die Kirche 6 Wandarme-Gasglühlicht von Louis Runge in Berlin. Die Anschaffung kostet alles in allem 161,65 M. Haben die Gemeindekassen von Erkeln und Beller observanzmäßig das Defizit der Kirchenkasse zu tragen? Die seitherigen Etats der Kirchenkasse schließen mit der Bemerkung: "Für das Defizit der Kirchenkasse kommen observanzmäßig die Gemeindekassen von Erkeln und Beller auf." I.J.1908 hat der Regierungspräsident von Borries nach Anfrage beim Landrat bzw. beim Amtmann (cf. das Referat des Pfarrers Fecke bei den Akten) die Observanz ohne Angabe eines Grundes einfach in Abrede gestellt. Hiergegen hat der Kirchenvorstand in der Sitzung vom 4. Dezember 1910 Einspruch erhoben unter spezieller Berufung auf den von der Königl.Regierung genehmigten Etat von 1829 bis 1831, worin sowohl der Landrat als auch das Generalvikariat durch Unterschrift bescheinigt, daß ein etwaiges Defizit aus der Kommunal-Kasse zu decken sei. Cf. Protokollbuch S.8 . Dem Beschluß des Kirchenvorstandes ist die politische Gemeindevertretung von Erkeln unterm 5. Februar 1911 beigetreten. Abschrift im Protokollbuche des Kirchenvorstandes S.11. Eine Antwort der Königl.Regierung steht noch aus. 1911 Die kleine Glocke zum dritten Male umgegossen. Das Beiern abgestellt. Die kleine Glocke ist 1893 beim Beiern gesprungen und 1894 von F.Humpert in Brilon umgegossen. I.J. 1904 war sie zum 2ten Male beim Beiern gesprungen und wurde 1905 von Fr.Schilling umgegossen. Nach 2 Jahren sprang sie zum dritten Male beim Beiern und wurde wiederum von F.Humpert umgegossen a.1911. Sie wurde am 1. März 1911 vom Pfarrer benediziert in honorem sti Joseph. Gleichzeitig wurde das leidige Beiern der Glocken - nicht ohne den Widerspruch einiger Ortseingesessener - abgeschafft. Gewicht der neuen Glocke ohne Klöppel und Armatur: 947 Pfd. Das Suppedaneum vor dem Hochaltar erneuert. Der Bodenbelag der ganzen Kirche (aus Solinger Sandsteinplatten) war schlecht. Am meisten wurde dieser Übelstand auf dem Chor empfunden. Bevor jedoch der Chor neu belegt wurde, mußte das Suppedaneum vor dem Hochaltar, das aus Tannenholz gefertigt und schadhaft war, und dessen seitlichen Stufen nur geringe Auslage hatten, erneuert werden. Dies geschah im Frühjahr 1911. Das neue Suppedaneum aus Eichenholz, vom Tischlermeister Hille angefertigt, kostet 178 M. Der Hochaltar neu konsekriert 14.Juli 1911 vom Hochwürdigsten Bischof Carl Josef Schulte. Um das neue Suppedaneum anzubringen, war es notwendig, die tumbaförmige Bekleidung des Stipes des Altares wegzunehmen. Ich erschrak, als ich den bloßgelegten Stipes sah. Es war nämlich an ihm keine gerade Fläche mehr - ein wüstes Bruchwerk. Der Stipes hatte ursprünglich senkrechte Wände gehabt, wie an dem noch unverletzt stehenden, bis zur Höhe des Suppedaneums reichenden untersten Teile zu sehen war. Um nun die tumbaförmige Bekleidung an die Mensa anschließend zu machen, hatte man am Stipes, soweit es die Ausbuchtungen der Bekleidung erforderten, das Mauerwerk einfach weggehauen. Dadurch war nicht nur der Stipes zum guten Teile zerstört, sondern auch das Sepulchoum mit den hl. Reliquien verletzt.Letzteres war mit einem Ziegelstein, der zudem noch gebrochen war, verschlossen - ein Zeichen, daß das Sepulchoum erbrochen und nicht von bischöflicher Hand, sondern von der Hand eines Maurers wieder geschlossen war. Der Altar war also exekriert seit der Zeit, wo die tumbaförmige Bekleidung angebracht war, gegen 150 Jahre. Am folgenden Tage, nachdem ich diese höchst unangenehme Entdeckung gemacht, hielt ich die hl.Messe in Beller, nicht bevor ich mich überzeugt, daß das dortige Altare portatite in Ordnung sei, und fuhr sofort zum Hochwürdigsten Bischof. Dieser erklärte sich bereit, den Altar bei Gelegenheit der bevorstehenden Firmung von neuem zu konsekrieren. Ich möge die Reliquien einsenden, auch die Nebenaltäre untersuchen. Letztere, das zeigte sich, - ich habe die Bekleidung des linken Altars abrücken lassen - waren ebenso mißhandelt, wie der Hochaltar. Reliquien habe ich nicht gefunden. P.S. cf.Jahr 1914. Am 13. Juli kam dann der Hw. Bischof Carl Josef Schulte nach Erkeln und am folgenden Tage, den 14.Juli, wurde der Hochaltar wieder konsekriert. Aushülfe leisteten dabei die Pfarrer Prior von Stahle, und Lipoid von Albaxen, Müller von Tietelsen, Husemann von Bruchhausen, ferner die Kapläne Eggers von Höxter (dessen Mutter von Erkeln gebürtig ist), Engels von Brakel, Blömke von Driburg. In den Altar, der selbstverständlich in eine würdigere Fassung gebracht war, wurden die früheren Reliquien, die samt der Autentik unverletzt und versiegelt gefunden waren, nämlich stae Clarae et Nominandi martyrum, in den früheren Zinkkästchen wieder eingeschlossen, nachdem eine Reliquie sti Simplicii martyris hinzugelegt war. Die Seitenaltäre erhielten Altaria portatilia. Firmung in Erkeln am 14. Juli 1911. An die Konsekration des Altares schloß sich ein Hochamt und die Firmung. Gefirmt wurden die Firmlinge aus Erkeln -175-, Tietelsen, Hembsen und Bruchhausen. Chor und Sakristei mit Mettlacher Platten belegt. Bevor der Hochwürdigste Bischof zur Altarkonsekration bezw. Firmung kam, ist es gelungen, das Chor und die Sakristei mit Mettlacher bunten Platten zu belegen. Die Steine lieferte der Kaufmann Carl Wegener in Paderborn. Mit den vom Chor aufge-hobenen, noch heilen Sandsteinen wurde der Bodenbelag im Schiff der Kirche repariert. Der Rest wurde verwandt zum Belegen des Weges vom Turm der Kirche bis an die Kirchhofstür am Pfarrhause. Die Gemeinde hatte sich angelegen sein lassen, auch den Weg von der gen. Kirchhofstür bis an die Treppe vor dem Pfarrhause, welcher sehr holperig war, neu zu belegen. Der Belag des Chores und der Sakristei kostet 673 M. Lehrer J. Bieling pensioniert. Am 1. November 1911 trat der Lehrer Josef Bieling in den Ruhestand, nachdem er 34 1/2 Jahre in Erkeln seines Amtes als Lehrer, Küster und Organist treu gewaltet hatte. Die Königl. Regierung resp. der König anerkannte seine Verdienste durch Verleihung des Adlers des Hohenzollernschen Hausordens; die Gemeinde schenkte ihm einen Ruhesessel. Lehrer Bieling verzog nach Paderborn. Ihm folge im Amte der seitherige Lehrer von Beller Friedrich Meyer, gebürtig aus Kollerbeck, 24 Jahre alt. Das Beiern. Wie schon gesagt, wurde das Beiern am 1. März 1911, an welchem Tage die dreimal zerbeierte und zum dritten Male umgegossene kleine Glocke wieder in Gebrauch genommen wurde, abgeschafft. Ich machte von der Kanzel bekannt, daß der Hochw. Bischof das Beiern wegen Gefahr des Zerspringens der Glocke, (wie es hier drei mal vorgekommen), und weil beim Schwingen der Glocke der Ton sich besser entfalte, das Beiern abgestellt haben wollte. Demgemäß würden die Glocken von nun an durchgezogen..Dem von der Gemeinde angestellten und besoldeten Läuter gab ich eine Anweisung, wie jetzt geläutet werden sollte. Schon glaubte ich, die Leute in Erkeln hätten das Beierm vergessen, als im Herbst 1911 eine gewaltige Agitation - von wem sie ausging, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen - für das Beiern einsetzte. Auch der Läuter, der anfangs mir folgte, war gewonnen, und als das Wintergeläut am Samstag Abend beginnen sollte, läutete er entweder mit einer Glocke - er mußte alle 3 Glocken läuten - oder er läutete gar nicht. Das Durchziehen der Glocken, sagte er mir, sei schwerer, als das Beiern; er könne keine Hülfe zum Läuten bekommen. Selbstverständlich kann nicht 1 Mann 3 Glocken läuten, und daß der Läuter Hülfe bekommt, ist seine Sache.I.J.1911 bezog der Läuter für das Geläut u. Balgetreten (vom 1.April bis 1.April) 135 M. von den politischen Gemeinden Erkeln u.Beller, 15 M. aus der Kirchenkasse u. 15 M. vom Küster. Für das Totengeläut und das Geläut zu Hochzeiten wird er eigens bezahlt. Für 1 Groschen konnte er zum zweimaligen Läuten Hülfe haben. Ein Knabe läutet die große Glocke, wenn sie erst im Gange ist. Das Beiern ist schwerer, als das Durchziehen der Glocken. Der widerspenstig gewordene Läuter ließ im November an drei Samstag-Abenden die Glocken stehen. Ich glaubte, der Vorsteher werde ihn an seine Pflicht erinnern; er tat es aber nicht. Da, am Abend vor dem Feste Mariae Empfängnis, dringen 4 über 20 Jahre alte Jungens gegen 1/2 7 Uhr, wo ich noch im Beichtstuhl saß, auf den Turm, und beiern, was das Zeug halten will. Sofort stieg ich in den Turm und verbot ihnen das Beiern. Sie verließen, ohne ein Wort zu sagen, den Turm. Jetzt erst wurde ich gewahr, welch' ein gewaltiger Unwille im Dorfe herrschte, weil ich das Beiern nicht dulden wollte. Man wollte sich über mich in Paderborn beschweren. Am liebsten hätte man gesehen, wenn ich Erkeln den Rücken zugedreht hätte. Denn nicht blos hierdurch, sondern auch durch verschiedene andere Sachen hatte ich mich nicht liebig gemacht. Schon durch das Verlangen nach einem neuen Hause, wie oben berichtet, hatte ich arg angestoßen.(Erkeln zahlte im J. 1909 an Kommunalsteuern 40% der Einkommensteuer und 60% der Realsteuer). Nach meinem Stellenantritt fand ich bald, daß in Erkeln, welches mir als non plus ultra einer guten Gemeinde geschildert war - der Herr Generalvicar hatte mir freilich anders gesagt - vieles nicht in Ordnung war. Radau auf den Strassen in der Nacht, maßloses Wirtshaussitzen, Unfug in der Kirche, namentlich im Turm, eine unerhörte Tanzsucht. (Letzteres zeigte sich namentlich im Herbst 1911 gelegentlich der Einquartierung im Manöver, wo die Mädchen die Soldaten geradezu zum Tanzen anlockten; hat doch an einem Sonntag, wo auch die Militairkapelle hier einquartiert war, das ganze junge Volk von Erkeln in dem Wulf'schen Saale trotz meiner Warnung mit den Soldaten getanzt) ; dann die Vereine ! Der Gesangverein unter Leitung des jüdischen Lehrers von Brakel - Jacobi -, in der jüdischen Wirtschaft Hakesberg stationiert, feierte i.J.1910 ein Fahnenweihfest, bei dem die ganze Nacht durchgeschwärmt wurde, bis die Glocke zur Messe läutete. Der Turnverein wurde gegründet durch die Witwe H.Wulf, damit der große Tanzsaal, den sie in der Zeit der Pfarrvacanz gebaut hatte, auch was einbringe. Im Mai 1910 war er gegründet und am 25. September da feierte er bereits seinen Ball. Meine Bitte, den Ball zurückzustellen, da an demselben Tage der Feuerwehrverein auch einen Ball feiere - der Feuerwehrverein hatte bisher nie einen Ball veranstaltet - wurde überhört. So hatte Erkeln am 25. September 1910 zwei große Bälle. Seither hat der Turnverein Bälle über Bälle veranstaltet. Zum Überfluß kam noch im Herbst 1911 der Radfahrer-Verein, eine Gründung des Molkereimeiers, (die Molkerei in Erkeln entstand im Frühjahr 1911), eines Protestanten, der auch zum Vorsitzenden gewählt wurde. Der Radfahrer-Verein wollte im Winter Theater spielen. Es hatten sich auch 4 Mädchen bereitgefunden, mitzuspielen. Durch den Amtmann erfuhr ich, daß eins der Stücke nicht koscher sei (" In der Mädchenkammer"). Dies veranlasste mich, mir die zu spielenden Stücke vorlegen zu lassen u. da fand ich, daß sämtliche Stücke allen sittlichen Empfinden hohnsprachen. Ich ließ sagen: wenn diese Stücke gespielt würden, wäre ich genötigt, von der Kanzel aus vor dem Besuch des Theaters zu warnen. Das Theater unterblieb, aber in der nächsten Nacht fand sich etwas an meiner Haustür. Ich will sagen, daß ich mich in einer Gemeinde immer mehr getäuscht sah. Zu dem Unfug schweigen, konnte ich nicht; aber Freunde habe ich mir dadurch nicht erworben. Als ich meinen Leuten das Beiern nicht zugeben wollte, da stieg der Unwille aufs Höchste. Wie arg über mich räsoniert ist, namentlich in den Wirtschaften, geht daraus hervor, daß es dem jüdischen Wirt Hakesberg sogar zu arg geworden ist, und er sich verbeten hat, in seiner Wirtschaft so über den Pastor herzuziehen. "Die Glocken gehören uns; wenn sie kaputt gehen, dann bezahlen wir sie. Der selige Pastor Fecke hat das Beiern geduldet u. anderwärts wird auch gebeiert etc." Auch in's Haus ist man mir gekommen, um mich zum Nachgeben zu bewegen. Man sollte es nicht für möglich halten! Gegen alles dies habe ich zunächst den Läuter dahin gebracht, daß er seiner Pflicht nachkam. und von der Kanzel habe ich gesagt, daß es sich um ein Verbot des Bischofs handele, dem ich folgen müßte, so wie sie. Das Beiern hätte den Gemeinden Erkeln und Beller in 17 Jahren über 2000 M. gekostet. Beller habe sich das Beiern verbeten u. würde nicht mehr zum Umguß einer zerbeierten Glocke beitragen. Es solle sich keiner unterstehen und eigenmächtig, wie die 4 Jungens, an die Glocken gehen; das würde sehr schlimme Folgen haben. Man möge sich lieber über mich beschweren etc. Jetzt, wo ich dieses schreibe, ist der Widerspruch verstummt, aber immer wurmt es noch manchen. Bei solchen Gelegenheiten lernt man seine Leute kennen. Folgsamkeit !!! Zimmerbrand in der Pastorat. Am Sonntag, den 5.November 1911 morgens 1/2 7 Uhr, als ich in den Beichtstuhl gehen wollte, sagte mir meine Nichte Bertha Heiter, es sei Rauch im Hause. Es war noch Halbdunkel. Ich sah auf den Hausboden, dort war kein Rauch. Bald bemerkte ich, daß der Rauch von der Vorratskammer oberhalb der Wohnstube der Haushälterin kam. Als ich die Tür ein wenig öffnete, kam mir ein so starker Qualm entgegen, daß ich genötigt war, die Tür sofort wieder zu schließen. Schnell wurden meine beiden Neffen, welche nebenan schliefen, geweckt. Ich selbst eilte in die Kirche und läutete Feuer. In Zeit von 1/4 Stunde war die Feuerwehr zur Stelle und in 10 Minuten war der Brand vom Fenster aus gelöscht. Es herrschte ein starker Westwind. Wäre das Feuer ausgebrochen, so wäre bei dem starken Winde das ganze Haus verloren gewesen - und wäre es in der Nacht ausgebrochen, so wären 4 Menschenleben in die größte Gefahr gekommen. Die gestifteten Messen reduziert. Unter 7. Dezember 1911. I.N.11765 sind die gestifteten Messen " ex speciali mandato Episcopi" reduziert, und zwar die gestifteten Messen der Pfarre von 178 auf 125, die gestifteten Messen der Kaplanei von 34 auf 20. 1912 Die Jünglingssodalität gegründet. Es ist schon erwähnt, daß i.J. 1910 hier ein Turnverein und i.J.1911 ein Radfahrerverein gegründet ist, beide ohne mein Vorwissen. Beide erwiesen sich als eine Gefahr für unsere Jugend. Um dieser Gefahr zu begegnen, ist eine Jünglingssodalität unter dem Titel der "Unbefleckten Empfängnis Mariae und des hl. Aloysius" gegründet. Die Statuten sind unter dem 18. Januar 1912 Nr. 670 vom Hochw. Bischof Carl Josef genehmigt. Vom 20. - 28. Januar hielt der P. Julius Seiler S.J. hier Vorträge, nicht blos für die Jünglinge, sondern auch für die ganze Gemeinde. Am Sonntag, den 28. Januar traten 85 Jünglinge aus Erkeln und Beller der Sodalität bei. Unterm 13. Februar erfolgte die Aggregation an die Congregatio Prima-Primaria in Rom. Gebe Gott, daß die Jünglings- sodalität stets blühe und zum Segen der Gemeinde gereiche. P.S.P.Seiler erhielt als Marinepfarrer am 10.10.1914 in Antwerpen das Eiserne Kreuz. Bild von der Immerwährenden Hülfe Mariae. Im Juli 1912 schenkte der Rentier Herr Johann Hecker von hier der Kirche ein Bild von der Immerwährenden Hülfe Mariae. Es ist besorgt durch den Kirchenmaler Volkhausen in Paderborn und kostet 260 M. Neue Tür und Windfang. Im September 1912 erhielt die Kirche eine neue südliche Tür nebst Windfang, ausgeführt durch den hiesigen Tischler Wilhelm Zimmermann für zusammen 311 M. 1913 Wechsel im Gemeinde-Vorsteheramte. Am 1.Januar 1913 schied aus dem Amte nach 38jähriger Verwaltung der Gemeinde-vorsteher Gutsbesitzer Heinrich Backhaus, ein durchaus ehrlicher und religiöser Mann. Der König verlieh ihm das silberne Verdienstkreuz. Sein Hauptbestreben war, die Gemeinde vor Steuern zu bewahren. Hierin ging er entschieden zu weit. Es war schwer, von ihm etwas zu erhalten, sei es für die Kirche, die Pastorat, die Schule oder für sonst etwas. Auch gegen gemeinnützliche Anlagen, wie die Wasserleitung, war er ein Gegner. Er war eben von Natur ein homo Fenax. Sein Nachfolger wurde sein Sohn der Gutsbesitzer Ludwig Backhaus. Die dritte Lehrstelle gegründet. Am 1.April 1913 wurde an der hiesigen Schule die 3. Lehrstelle (2.Lehrer) gegründet und mit dem Lehrer Johannes Faber aus Driburg besetzt. Wasserleitung Nachdem Jahre lang die Anlage einer Wasserleitung in Erkeln besprochen war, gelang es endlich dem Amtmann Schlickau, den Gemeinde- Vorstand dafür zu gewinnen. Mit dem Bau derselben wurde im Frühjahr 1913 begonnen, und am 27. Juli wurde sie dem allgemeinen Gebrauch übergeben. Auch die Kirche wurde auf Gemeindekosten an die Wasserleitung angeschlossen. Erbauer ist der hiesige Bauunternehmer Friedrich Meyer. Die Kosten belaufen sich auf ca. 50000 M. 200 jähriges Jubiläum der Einführung der Rosenkranz Bruderschaft Vom 16.- 19.October 1913 wurde das 200jährige Jubiläum der Einführung der Rosen-kranz-Bruderschaft hierselbst gefeiert. Der Dominikaner-Pater Petrus aus Warburg hielt mehrere Predigten über den Rosenkranz und die Rosenkranz-Bruderschaft. Am Sonntag, den 19.October, empfingen über 300 Personen aus der Gemeinde die hl. Kommunion und 134 ließen sich in die Rosenkranz-Bruderschaft aufnehmen. Am Abend wurde das religi-öse Theaterstück "Syra oder die christl.Sklavin" von Dr. Jos. Faust zugleich zur Feier des Konstantinischen Jubiläums, das 1600jährigen Jubiläums des Mailänder Ediktes, von hiesigen jungen Leuten gespielt. Die Bittprozessionen. Die Bittprozessionen wurden hierorts so gehalten, daß sich die benachbarten Gemeinden an einer gemeinsamen Station trafen. Am Montag der Bittwoche traf Erkeln mit Brakel zusammen an der Ostheimer Linde vor Brakel. Um gegen 1/2 7 dort zu sein, mußte die Messe schon um 5 Uhr beginnen. Am Dienstag traf Erkeln zusammen mit Bruchhausen und Tietelsen bei dem Kreuze auf dem Wege nach Bruchhausen oberhalb Beller. (Hembsen gehörte bis zum J.1897, wo es Pfarre wurde, zu Brakel). Dies ist der Grund, weshalb Beller, das nahe vor Hembsen liegt, nicht zu diesem, sondern zu Erkeln gehört. Erkeln lag näher, als Brakel) Diese gemeinsame Station ist schon vor Jahren aufgegeben. Wenigstens hat schon der Pfarrer Fecke die Station an dem Kreuz gehalten, welches an dem Wege steht, der oberhalb der Mühle in Beller in's Feld führt, und Bruchhausen und Tietelsen haben ebenfalls neue Stationen gewählt. Am Mittwoch traf Erkeln zusammen mit Rheder und Frohnhausen am Rheder Holz (beim "großen Gott" (Kruzifix). An allen 3 Stationen wurde abwechselnd von den Geistlichen gepredigt. So lobenswert das Zusammentreffen mit den Nachbargemeinden an den gemeinsamen Stationen war, so waren doch manche Übelstände damit verbunden, namentlich für Erkeln; zunächst die Weite des Weges, 3/4 Stunden bis zur großen Linde im Ostheimer Felde (Brakel höchstens 20 Minuten), 5/4 Stunden bis zum Rheder Holz (Rheder hat nur 1/2 Stunde); dann der schlechte Weg namentlich zum Rheder Holz (erst Chaussee, dann Feldweg, dann kein Weg, weil der Prozessionsweg als Acker benutzt wurde, dann wieder holperiger Feldweg). Ferner der Übelstand, daß die Prozessionen nicht gleichzeitig an der Station eintrafen. Wer zuerst kam, mußte warten, bis der letzte da war. In der Zwischenzeit wurden Unterhaltungen gepflogen, und manche gingen in die Büsche. Ferner die Predigt im Freien bei meistens schlechter Witterung. Mein Vorgänger Pfr.Fecke hatte bereits die Station an der Ostheimer Linde aufgegeben und zog dafür zu einem neu errichteten Kreuze auf dem Sudheimer Berg, allein der Pfarrer und Ehrendomherr Wille in Brakel hat es durchgesetzt, daß er wieder zur Ostheimer Linde kommen mußte. I.J. 1911 hatte ich die Predigt am Rheder Holz. Die Folge war, daß ich 3 Wochen krank war, so hatte ich mich durch den weiten Weg und das Sprechen gegen den Wind erkältet. I.J. 1912 traf ich mit der Prozession um 1/2 7 Uhr an der Ostheimer Linde ein. Der Pfarrer Wurm von Brakel hatte nicht auf die Erkelner gewartet und war, als wir ankamen, schon mitten in der Predigt. Nach Schluß der Station sagte mir der Pfr. Wurm: "Herr Pastor, bleiben Sie doch in Ihrer Flur". Sehr vernünftig. Seitdem geht die Bittprozession am 1. Tage nach Tietelsen bis zu "MIchels Kreuz", wo der Feldweg zum Vogelsang abgeht, am 2. Tage nach Beller, wie bisheran, am 3. Tag den Hampenhäuser Weg bis zum Kreuz auf der Höhe neben dem Steinbruch. Auch so ist der Prozessionsweg noch reichlich lang. 1914 Volksmission. Die letzte Mission war in Erkeln im October 1902 gewesen. Es war also Zeit, einmal wieder Mission halten zu lassen. Diese fand statt in der Zeit vom 27.Dezember 1913 bis 5.Januar 1914 durch die Patres Franziskaner Liborius aus Aachen (geborener Briloner) und Winfridus, Guardian in Düsseldorf. Letztere hat auch die Mission i.J.1902 hier gehalten. Für ihn war anfangs P. Quintinus bestimmt, welcher aber erkrankte. Die Predigten waren sehr gut besucht und der Sakramentempfang ein außerordentlich zahlreicher. Sind doch weit über 1000 hl. Kommunionen ausgeteilt. Es ist ein neuer religiöser Geist in die Gemeinde eingezogen. "Deus instediat sanc voluntatem". (Leider hat sich eine Familie, die sich überhaupt vom Besuche der Kirche ausschließt, auch von der Mission ausgeschlossen - 4 erwachsene Personen). Ein neuer Kelch geschenkt. Gelegentlich der vorg. Mission schenkten die Eheleute Gutsbesitzer August Rustemeyer und Sophie geb. Schulte der Kirche einen neuen Kelch, welcher auf der Cuppa die Inschrift trägt: "Calicem salutaris accipiam et nomen Domini invocabo". Er ist geliefert vom Goldschmied Jos.Fuchs in Paderborn für 200 M. Der nachträglich gemachte Deckel kostet 32 M. Die Suppedanea vor den Nebenaltären erneuert. Im März 1914 wurden die Suppedanea vor den Nebenaltären erneuert. Als die hölzerne Bekleidung vor dem linken (Rosenkranz-) Altar fortgenommen wurde -(am rechten Altar ist sie nicht fortgenommen) - zeigte es sich, daß auch hier der Stipes, wie am Hochaltar, zum größten Teile weggebrochen war. Vom Sepulctrum für die Reliquien war nur eine offene Nische geblieben, und in dieser stand das Zinkkästchen mit den Reliquien. Ich habe das Kästchen geöffnet -(die Versiegelung war abgefault)- und darin Reliquien von denselben Heiligen, wie im Hochaltar gefunden, nämlich Stae Clarae martyris und Sti Nominanti martyris. Das Siegel war noch vorhanden, aber die Urkunde vermodert. Nachdem ich ein Blatt mit der Beschreibung des Befundes hineingelegt, habe ich das Kästchen wieder versiegelt und an seinen früheren Ort gestellt. Es ist kein Zweifel, daß auch der rechte Nebenaltar in derselben Weise destruiert und exekriert ist, und daß in diesem ebenso Reliquien deponiert sind. Die neuen Suppedanea kosten ohne die Maurerarbeit 241,70 M. und sind ausgeführt von dem Tischler Wilhelm Zimmermann von hier. Tot aufgefunden. Am 9.April 1912 wurde in einer kleinen Feldscheune des Gutsbesitzers Aug. Johenning, an der ersten Schlange der Tietelser Chaussee, ein fremder Mann, der ungefähr 65 Jahre alt geworden sein konnte, erfroren aufgefunden. Von diesem Manne ist weder der Name, noch die Heimat, noch die Konfession bekannt geworden. Das General-vikariat antwortete auf Anfrage, der Mann sei kirchlich zu beerdigen - (keine Messe)-. Dem Regierungspräsidenten sei unter Beifügung des Erlaubnisscheines zur Beerdigung Anzeige zu machen. So wurde dann der Mann am 15. April (Weißer Sonntag) unter Teilnahme der Erstkommunikanten beerdigt. Auch die Publikationen in den amtlichen Blättern ergaben keinen Aufschluß über die Persönlichkeit des Verunglückten. Ein junger Mann aus Germete vermutete, es sei sein Vater, der seit einigen Wochen vermißt wurde. Ich ließ ihn mir seinen Vater beschreiben und gab ihm die Versicherung, sein Vater sei es nicht. (Ich hatte den Toten an Ort und Stelle gesehen.) Schon der eine Umstand, daß der Erfrorene fast gar keine Haare mehr hatte, während der Vater des jungen Mannes aus Germete noch einen starken Haarwuchs hatte, machte dies unzweifelhaft gewiß. Nichts desto weniger erschien der junge Mann im Sommer des folgenden Jahres wieder mit der polizeilichen Erlaubnis, den Toten wieder auszugraben. Dies geschah und der Germeter überzeugte sich, daß es sein Vater nicht war.Dieser Fall hat dem Ministerium in Berlin Veranlassung gegeben zu der allgemeinen Verfügung, daß jeder Tot- Aufgefunde, wenn er unbekannt sei, am Fundort photographiert werde. Feier des Patrocinium sti Petri ad Vincula. Das Petrocinium st. Petri ad vincula - 1.August - wurde hier des auf den 1.Sonntag im August einfallenden St.Anna-Festes in Brakel wegen verlegt, entweder auf den 2. Sonn- tag im August, oder auf den letzten Sonntag im Juli und falls auf diesen das St. Liborii-Fest fiel, sogar auf den vorletzten Sonntag im Juli. Auf eine Anfrage i.J.1910, ob an diesem verlegten Patrocirium auch die Missa votiva solemuis vom Patronus gehalten werden dürfe und ob überhaupt die Verlegung durch das St.Anna-Fest in Brakel gerechtfertigt sei, erfolgte die Antwort vom Generalvikariat ad I "Nein", ad II, ich möchte es beim Alten lassen. Am St.Anna-Fest ist in Brakel große Kirmes, wobei viel Unerbauliches vorkommt. Ferner kam das Karussell von Brakel nach Erkeln oder umgekehrt, jenachdem hier das Patrocinium gefeiert wurde. Im J.b 1911 kam sogar das Kinomatographen-Theater von Brakel. Auf eine erneute Eingabe erfolgte i.J.1913 die Antwort, daß hier das Patrocinium am 1.August bezw. wenn dieser ein Werktag ist, am folgenden Sonntag zu feiern ist -auch wenn in diesem Sonntag das St. Anna-Fest einfällt. Der Weltkrieg. Es kann nicht meine Absicht sein, hier eine Geschichte des größten aller Kriege, den die Welt bisher gesehen hat, zu schreiben. Dafür ist die Weltgeschichte da. Allein er darf doch in der Pfarrchronik nicht übersehen werden,; berührt er ja doch auch die Gemeinde. Veranlassung war die Ermordung des tief religiösen und darum von der Freimauerei sehr gehaßten Erzherzogs und Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich und seiner Ge-mahlin in Sarajewo gelegentlich der Manöver in der Herzogowina 18. Juni 1914. Serbische Buben waren die Mörder und diese waren angestiftet von Serbien aus. Ihre Mord- instrumente, namentlich die verwandten Bomben, stammten aus serbischen staatlichen Fabriken. Serbien weigerte sich, die Forderungen Oesterreichs, namentlich die; die Ver-folgung der gerichtlichen Untersuchung auf serbischen Boden zu gestatten bezw. dazu zu helfen, zu erfüllen, nachdem ihm Rußland, der Erzfeind Österreichs, seinen Schutz zuge-sagt hatte - und so erklärte Österreich am 25. Juli 1914 Serbien den Krieg. Das war der Anfang.Der eigentliche Grund des Weltkrieges aber war die Größe Deutschlands. Seit dem Krieg von 1870/71 gegen Frankreich und der Gründung des deutschen Reiches stand Deutschland mächtig da. Seine Industrie, sein Handel blühte. Zudem war Deutschland durch Erwerbung großer Kolonien, namentlich in Afrika (Deutsch Ost-Afrika, Deutsch West-Afrika, Kamerun,Togo) in den 70ern u. 80ern Jahren in die Reihe der Kolonial-mächte getreten und suchte zum Schutz seiner Kolonien und seines Handels, der dem von England schon sehr nahe gekommen war, seine Flotte zu verstärken. Das Landheer wurde entsprechend der Vermehrung der Bevölkerung (von 40 Millionen i.J.1870 auf ca. 68 Millionen Einwohner im J. 1914) ebenfalls schrittweise vermehrt. Das erregte den Neid der Nachbarstaaten. Der weitschauende Reichskanzler Bismarck schloß i.J. 1878 mit Österreich den Zweibund, der sich i.J. 1882 durch den Beitritt Italiens zum Dreibunde erweiterte und rein defensiven Zweck hatte. Allein auch die Deutschland feindlich gesinnten Staaten: Frankreich, das nicht aufhörte nach Revanche für 1870 zu schreien, Rußland und England, denen Deutschland zu mächtig geworden war, trat einander näher und gründeten die sog. Tripleentente. Der Haupt-Agent zur "Einkreisung Deutschland" war König Eduard VII von England.Der Krieg lag schon seit Jahren so zu sagen in der Luft. Mehrmals stand die Sache, namentlich mit Frankreich, "auf Messers Schneide". Schon während des Balkan-Krieges i.J. 1913 hatte Rußland teilweise mobil gemacht und bedrohte Österreich. Nachdem aber Österreich Serbien den Krieg erklärt hatte, ordnete Rußland die allgemeine Mobilmachung an. Kaiser Wilhelm II von Deutschland gab sich alle Mühe, den Frieden zu erhalten u. trat in Verhandlung mit dem Kaiser Nicolaus III von Rußland. Da aber mitten in diesen Verhandlung seitens Rußlands die allgemeine Mobilmachung angeordnet wurde - Haupttreiber war der Großfürst Nicolei Nicologewitsch - somit die Absicht Rußlands, den Krieg zu beginnen, fest stand, ordnete auch der deutsche Kaiser am 1. August die allgemeine Mobilmachung an und erklärte am 2. August an Rußland den Krieg. Auf eine Anfrage, wie Frankreich sich stellen würde bezüglich eines Krieges zwischen Deutschland und Rußland, hatte Frankreich geantwortet, es würde tun, was ihm das Interesse Frankreichs gebiete. Darauf hin wurde auch Frankreich der Krieg erklärt. Am 4. August rückten die Deutschen in das neutrale Belgien. Belgien hielt im Geheimen zu Frankreich und England. Deutschland hatte Belgien um Gewährung des Durchzugs gebeten u. versprochen, allen daraus entstehenden Schaden zu ersetzen. Belgien (das hat sich nachher herausgestellt), würde Frankreich und England den Durchzug gestattet haben; den Deutschen verweigerte es denselben. Die Deutschen handelten also in Notwehr, zumal sie wußten, daß die Franzosen durch Belgien in Deutschland einzudringen beabsichtigten. Belgien erklärte Deutschland den Krieg. Nun trat England auf den Plan u. erklärte am 5. August Deutschland den Krieg u. zwar heuchlerischerweise wegen Verletzung der Neutralität Belgiens. Es folgten mit der Kriegserklärung Montenegro, Japan u. am Pfingstfeste, 23. Mai 1915, der frühere Bundesgenosse, das perfide Italien. Auf der Seite Deutschlands trat die Türkei, später Bulgarien. Von der Größe des Krieges Ende des Jahres 1915 geben folgende 4 Zahlen ein Bild: Von den 145.917.426 Quadratkilometern, die von der Erdoberfläche festes Land sind - die übrigen 364 Millionen sind von Wasser bedeckt - sind nicht weniger als 74.278.832 klm am Kriege beteiligt, also mehr als die Hälfte. Die auf der Erde lebenden Menschen werden zu 1657 Millionen angegeben. Von diesen sind am Kriege direkt beteiligt 963 1/2 Millionen, fast 3/5 der gesamten lebenden Menschheit. Deutschland mit etwa 70, Österreich mit noch nicht 55, die Türkei mit noch nicht 25 Millionen, stellen etwa 150 Millionen Menschen dar, zu denen noch etwa 5 Mill. Bulgaren kommen. Diesen stehen über 800 Millionen, eine mehr als fünffache Übermacht, gegenüber.Sed haer hactenus. In Erkeln. In Erkeln wurden am 1. August, dem ersten Mobilmachungstage, 4 Mann telegraphisch zum Militär einberufen, darunter der 2. Lehrer Joh. Faber. (Der 1.Lehrer F.Meyer wurde am 23.August einberufen.) Sie mußten sich noch am selben Tage in Paderborn stellen.(Um 11 Uhr morgens kamen sie noch hier in Erkeln zur Beichte.) Alle Herzen bangten, denn jetzt war der Krieg sicher. Am 2.August war unser Patrozinium. Der Festprediger, Herr Kaplan Münsterjohann, früher Cooperator in Erkeln, jetzt Kaplan in Lüchtringen, gab der allgemeinen Stimmung in der Einleitung seiner Predigt Ausdruck, indem er sagte, wie schwer es ihm falle, unter dem Eindruck des bevorstehenden Krieges die Festpredigt zu halten. Es war keine Feststimmung weder in der Kirche noch bei der Prozession, noch in den Häusern. Stille herrschte, bange Stille. Der Gedanke, bald werden die Kanonen donnern, tausend und aber tausend junge Leute sind dem Tode geweiht, wie wird der Krieg enden - drückte die Gemüter. Alles dachte an Krieg, sprach vom Kriege. Ein so stilles und trauriges Patrocinium hat Erkeln seit Jahrhunderten wohl nicht gesehen.Die Stimmung hob sich wieder, als die Siegesnachrichten kamen. Im Sturme drangen unsere Truppen in Belgien ein. Lüttich, Namur, Antwerpen, eine feste Stadt in Belgien nach der andern, fielen in die Hände der Deutschen. Bald standen unsere Truppen in Frankreich. Im Siegeslaufe kamen sie bis auf 20 km vor Paris; dann aber mußten sie sich vor der Übermacht der Franzosen und Engländer zurückziehen. Es kam zum Stellungskriege. Abermals das Beiern. Welchen Kampf es gekostet hat, in Erkeln das Beiern abzustellen, ist schon gesagt worden; jetzt sollte der Kampf von neuem entbrennen. Es war selbstverständlich, daß nach den großen Siegen auch "Sieggeläutet" wurde. Nun war aber den Erkelnern das Sieggeläut mit durchziehen der Glocke nicht feierlich genug, es sollte Sieg gebeiert werden. Einen dahingehenden Antrag habe ich abgelehnt, wie ich nicht anders konnte. - In welche Gefahr wären unsere Glocken beim Siegbeiern gekommen ?! - Jetzt wuchs der Unwille wieder von Tag zu Tag. Da stellten sich mir 4 Jungens von 15-18 Jahren vor -zeichten eine Siegesdepesche und baten, läuten zu dürfen. Ich erlaubte es ihnen, verbat mir aber das Beiern. Sie läuteten 2 Turen mit durchziehen der Glocken, dann ging aber das Beiern los. Als ich in den Turm steigen wollte, fand ich die Tür von innen verrammelt. Ich wartete bis die Jungens herunter kamen, gab ihnen eine Lektion und verbot ihnen, je wieder in den Turm zu steigen. - Den folgenden Sonntag gegen 1 Uhr Mittag kamen wieder 2 Jungens zu mir mit einem Telegramm und fragten, ob sie läuten dürften. Ich sagte ihnen, es sei kein neuer Sieg erfolgt, dies Telegramm sei eine Sammeldepesche; wegen der genannten Siege hatten wir schon geläutet; ich würde es schon sagen, wenn geläutet werden sollte. Kaum waren aber die beiden aus der Pastorat heraus, da ging das Läuten schon an, erst durchziehen, dann Beiern. Ich ging sofort in die Kirche, fand die Turmtür wieder verrammelt, bekam sie aber doch auf und habe die Jungens - es waren mindestens ein Dutzend schulentlassene Jungens - auf eine etwas unsanfte Weise aus dem Turm spediert. Auch das half noch nicht. Etwa 14 Tage später nach Schluß der Kriegsandacht gegen 8 Uhr abends, als ich aus der Kirche kam, trat der Jude Scheideberg mit einem Telegramm in der Hand auf mich zu und sagte, es wäre ein bedeutender Sieg erfochten, er hätte schon mit dem Vorsteher gesprochen, ich möchte 1/4 Stunde läuten lassen. Vor der Kirche stand eine ganze Schar Jungens. Ich bestimmte den Totengräber Schwarze und 3 Jungens zum Läuten, verbot ihnen zu beiern und schickte die anderen fort. Kaum zu Hause angekommen, hörte ich wieder beiern. Sofort in die Kirche.Hier kam mir Schwarze schon unten im Turm entgegen. Als ich ihn fragte: Habe ich nicht das Beiern verboten, antwortete er mir : Ich kann die Jungens nicht halten. Auf dem Turm fand ich dann 2 Jungens, die ich nicht zum Läuten bestellt hatte und die das Beiern getan hatten. Diese habe ich zur polizeilichen Bestrafung angezeigt. Einer von ihnen hat Abbitte getan und ich habe darauf hin beim Amte gebeten, von der Bestrafung abzusehen. Der andere (Sohn des Polizei- Dieners) wollte keine Abbitte tun, sondern ging in die Fremde. Er war einer von den 4 Jungen denen ich verboten hatte, den Turm je wieder zu betreten. Die polizeiliche Strafe hat er bezahlen müssen.Man berief sich in Erkeln immer auf Brakel. Dort würde auch gebeiert. Auf eine Anfrage beim Pastor erhielt ich die Antwort: In Brakel sei das Beiern schon vor 8 Jahren abgestellt. Er begriff nicht, wie man ihn in Erkeln als "Beierpastor" hinstellen könne. Ich nahm Veranlassung, auf der Kanzel dies zu erwähnen; man möge sich also nicht auf Brakel berufen. Daraufhin wurde von einer ziemlichen Anzahl der Anwesenden offentativ gehustet. Ich sagte darauf, ich wüßte ganz gut, wie ich hier gelitten sei. "Nach Erkeln konnte kommen, welcher Pastor auch immer. Wer hier das Beiern abstellte, der hatte es mit Euch verdorben. Vergeßt aber nicht, der Ungehorsam gegen die geistliche Obrigkeit u. ein solch' ungehöriges Betragen bringt keinen Segen. Es wird sich schon zeigen". P.S. Vorstehendes hätte ich gern verschwiegen, ich glaubte es aber mitteilen zu sollen zur Charakteristik der zeitigen Jungmannschaft und der Männer - diese standen ja hinter den Jungens - in Erkeln. Sich ja nicht leiten lassen ! Eine Frau in Erkeln sagte mir einmal betreffs ihres 4 jährigen kleinen Jungens: "In der Güte kann man alles von ihm haben." Ich antwortete ihr: "Frau es ist höchste Zeit, daß der Kleine Gehorsam lernt." So sind zur Zeit die Erkelner. Sie haben ihren Kopf. Sonst sind sie natürlich gut. Die Schule. Mit Ausbruch des Krieges begannen auch die Ferien. Der ganze Monat August war schulfrei. Im September wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen bis zum 1. October, wo die zweiten Ferien (für 14 Tage) begannen. Unsere beiden Lehrer waren schon im August zu den Waffen gerufen. Ihnen folgte im November der Lehrer Grothe von Beller. Beller erhielt die Lehrerin Luise Plückebaum aus Steinheim als Stellvertreterin. In Erkeln befand sich der Lehramts-Kandidat Theodor Mönikes von hier. Er hatte das Kriegs-Examen ("Notexamen") in Rüthen gemacht und sich als Freiwilliger gemeldet bei der Artillerie, war aber wegen Überfüllung - es haben sich mehr als 1 Million Kriegsfreiwilliger gemeldet - nicht angenommen. Er war erst 19 Jahre alt. Auf Antrag wurde er an unserer Schule als Stellvertreter angestellt. Die Gemeinde bewilligte ihm ein Monatsgehalt von 75 M.! (Unsere beiden Lehrer bezogen ihr Gehalt auch während des Krieges). Am 5.Juni 1915 mußte auch der Lehrer Mönikes Soldat werden, aber durch glückliche Fügung kam schon am 7 Juni der Lehramts-Kandidat Felix Langbein aus Witten, geboren zu Paderborn 25.9.1895, ausgebildet in Fraustadt (Schlesien), zugeschrieben der Regierung in Posen. Er hatte 6 Wochen als Kriegsfreiwilliger gedient, war aber wegen Lungenbluten u. allgemeiner Körperschwäche entlassen. Mönikes hatte auch die Orgel gespielt, Langbein verstand sich nicht gut auf die Orgel; so übernahm dann die Lehrerin Maria Zengerling die Orgel. Es ging zur Not. An mehreren Sonntagen hatten wir keinen Organisten und war Hochamt ohne Orgelspiel. (P.S. Lehrer Langbein wurde am 1. April 1919 nach Fürstenau versetzt.) Die Wirkung des Krieges zeigte sich auch bei den Schulkindern. Die Begeisterung für das Vaterland, (die Kriegslieder, das Siegesläuten etc.) erfaßte auch die Gemüter der Kinder. Es kam in die Kinder eine gewisse Wildheit und fehlte in der Schule die Aufmerksamkeit und der Ernst. Der Lehrer Langbein hatte Last, die Kinder wieder in die richtige Verfassung zu bringen. Gefallen. Im Jahre 1914 fielen aus Erkeln im Kriege: 1. August Hartmann am 25.August, bei St.Pierrevillers (Longwy), 30 Jahre alt, 2. Johannes Marcus am 14.September, bei Guignicourt, 24 Jahre alt, 3. Hubert Köring am 10. Dezember, bei Locto Gorna (Galizien) 24 Jahre alt, 4. Bernard Gehlen, am 18.Dezember, südlich von Arras, begraben in Achil le Petit, 20 Jahre alt aus Beller: 1. Josef Bode am 13. September, bei Reims, 26 Jahre alt 2. Heinrich Kronenberg am 8. Dezember, bei Augustinow (Russ.Polen) 27 Jahre alt. Kommunionen. Laut der Hostien-Rechnung betrug die Zahl der Kommunionen (der Laien) im Jahre 1914 - 9910. 1915 Unerhörte Flegelei. Infolge des Krieges trat Mangel ein an manchen Gebrauchsgegenständen, so auch an Wichse. Es kam dafür eine Creme, welches einen penetranten Dunst (wie Terpentin) von sich gab. Dies war die Veranlassung, daß mehrere Jungens Veilchenduft in die Kirche brachten und zwar so stark, daß die ganze Kirche davon erfüllt wurde. Ich habe nie in einem Lokale, auch nicht in einem Tanzsaale, einen solchen Duft wahrgenommen, als in unserer Kirche - und zwar in der Fastenzeit. Als ich den Fastenhirtenbrief verlas, kam mir von unten herauf (wo die Jungens sitzen), ein solch' starker Duft entgegen, daß ich im Vorlesen des Hirtenbriefes gestört wurde. Ich bemerkte, daß es ungehörig sei, in der Kirche einen solchen Duft zu verbreiten. Am folgenden Sonntag ging die Dufterei schon zu Anfang des Hochamtes an. Ich verkam in der Predigt. - Am folgenden Sonntag war kein Duft, aber an den 3 ferneren Sonntagen war er um so stärker. Den Bösewichtern war nicht beizukommen. Sie verstanden es, den duftenden Stoff wahrscheinlich (aus Fläschchen) heimlich auszubreiten - und sie taten es um den Pastor zu ärgern. Die Fasten 1915 war für mich eine Zeit schwerer Prüfung. Ausgefallenes Schützenfest. Im Kriegsjahre 1915 fiel das Schützenfest allgemein aus, also auch in Erkeln. Das ist ein sehr bemerkenswertes Ereignis, wenigstens für Erkeln, wo, wie schon früher erwähnt, die Tanzlust so groß ist. Das Schützenfest wurde seit Jahren in Johenning's großer Scheune, neben der Wirtschaft Pott gefeiert, also im Dorfe, in der Nähe der Pastorat und der Kirche. Dieses dunkele, unfreundliche Lokal war für die Erkelner gut genug; jedenfalls war es billiger, (die Schützengesellschaft zahlte dafür 50 M. Miete), als ein im Freien aufgeschlagenes Zelt. Für die Musikanten wurde hoch an der Wand eine Bühne, wie im Hühnerwiemen, angebracht, auf die sie mittels einer Leiter hinauf stiegen. Das Fest dauerte 2 Tage;Sonntag und Montag (Tag und Nacht). Der Tanzboden blieb noch über den folgenden Sonntag hinaus liegen, denn an diesem Sonntage feierte die Dorfjugend noch, indem sie beim Lichte einer Stallaterne und einem aufgelegten Faß Bier nach der Ziehharmonika ohne jegliche Aufsicht tanzte. Dies war herkömmlich. Ich habe diesem Unfug i.J. 1910 ein Ende gemacht. Pfarrer Fecke ist am 18. April 1909 gestorben; anfangs Juni war das Schützenfest. Man konnte es nicht ausfallen lassen, denn "die Musikanten waren bestellt." Am 5. Januar 1914 schloß hier die Mission . Ende der Fasten wollte ich daran erinnern, daß in guten Gemeinden das Schützenfest im Missionsjahre ausfiele. Da hörte ich: " Die Musikanten sind schon bestellt", und habe nichts gesagt. Das Schützenfest besucht habe ich nicht; ich war krank. Aber i.J. 1915 ist tatsächlich das Schützenfest in Erkeln ausgefallen. Elektrisches Licht. Der ganze Kreis Höxter sollte mit elektrischer Kraft bezw. elektrischem Licht durch Anschluß an die Edertal- Sperre versehen werden. Schon bevor die Edertal-Sperre fertig war, wurde mit der Anlage der elektrischen Leitung und zwar zunächst in den Gemeinden des östlichen Teiles des Kreises begonnen. Auch Erkeln bekam noch vor Ausbruch des Krieges das Drahtnetz für die elektrische Leitung. Mit Anfang des Krieges hörten die weiteren Arbeiten auf. Infolge des Krieges blieb das Petroleum aus America aus. Es stieg gewaltig im Preise. Habe ich doch für 1 Ltr. Petroleum - ich bedurfte dessen gegen den Schwamm, der unter dem Suppedaneum vor dem Hochaltare sich gebildet hatte - im J.1915 75 Pfg.gegeben. Es war schließlich kaum noch Petroleum zu haben. Da kam uns das Leitungsnetz zu gute. Der Mühlenbesitzer Rhein hatte schon seit Jahren für seine Mühle eine elektrische Anlage gemacht. Dieser gestattete den Anschluß und so erhielten gegen 65 Häuser elektrisches Licht von der Mühle. Auch die Pastorat war bereits in die Leitung einbegriffen. (Die elektrische Anlage in der Pastorat hat die Gemeinde bezahlt. Der Pfarrer verzinst sie mit 5 % = 5,83 M. Die Lampen aber hat der Pfarrer bezahlt mit cr. 110 M.) So erhielt die Pastorat Ende 1914 das elektrische Licht so von der Mühle.Auch die Kirche wurde kurz vor Weihnachten angeschlossen und am Weihnachten-Morgen erstrahlte die Kirche zum ersten Male in elektrischem Licht. Kostenpunkt: Anlage 409,50 M bezahlt v.d.Kirchenkasse, Lampen 172,35 M bezahlt vom Pfarrer = 582,05 M. Die Anlage ist ausgeführt von der Firma Wegesin in Steinheim. Der Anschluß an die Überland-Zentrale-Edertalsperre erfolgte Mitte August 1920. Gefallene. Im Jahre 1915 sind im Kriege gefallen aus Erkeln: 1. Josef Kleibrink, 13. März 1915 in Rußland, geb. 3.12.1894 2. Anton Markus, am 16. Juni bei Neuville in Frankreich, 21 J. alt, 3. Martin Wulf, am 13. Juli in den Argonnen, 22 J. alt, 4. Peter Kleibrink, am 25. Juli bei Tczcenscha in Rußland, 21 J. alt, 5. Ludwig Johlen, stud.theol., am 14. August bei Sokoly in russ.Polen, 22 J. alt, 6. Wilhelm Zimmermann, 30. September bei Arras, 29 J. alt 6. Josef Roßbach,Ackerwirt, Familienvater, 20. September b.Wilna, 36 J. alt 8. Heinrich Giefers, am 16. September bei Chartyninski in Rußland, 27 J. alt. aus Beller: keiner. Kommunionen. Laut Hostien-Rechnung betrug die Zahl der Kommunionen (der Laien) i.J. 1915 - 11150. 1916 Krieg ! Krieg ! Krieg ! Das ganze Jahr Krieg. Das ganze Jahr ein wahres Blutjahr. I.J. 1914 ist Belgien erobert bis auf den Zipfel südlich der Yser; von Frankreich der nördliche Teil (der 24. Teil Frankreichs mit 3 Mill.Einw.) und das Eroberte ist in den J. 1915 u.1916 behauptet. Die Russen waren in Ostpreußen eingedrungen u. in Galizien bis Prczemysl, welches sie eroberten. Aus Ostpreußen wurden sie vertrieben durch den General Hindenburg (Schlacht bei Tannenberg u. an den Masurischen Seen), aus Galizien durch den General Mackensen (Durchbruch am Dunajer bei Gorlice). Die Russen wurden zurück gedrängt bis an die Düna (Dünaburg) u. nahe vor Riga (Polen u. Kurland wurden also erobert). Die Deutschen u. Österreicher kamen bis Minsk. Von hier zog sich die Front südlich bis Tarnopol. Nur ein kleines Stück von Galicien u. der Bukowina behaupteten die Russen. Ferner wurde i.J. 1915 erobert ganz Serbien u. Montenegro und das nördliche Albanien. Die Italiener, welche in kurzer Zeit in Wien sein wollten, hatten sowohl am Isonzo wie im sog. Trentino wenig Erfolg. Die Österreicher hatten von vornherein ein kleines Grenzgebiet preisgegeben, um eine vorteilhaftere Stellung zu beziehen. So stand der Krieg zu Anfang 191 6. Nun aber kam es zu einer Kraftanstrengung der Alliierten -unsere Feinde- sonder gleichen. England führte, von Frankreich gedrängt, die allgemeine Dienstpflicht ("Militarismus") ein, steigerte die Munitionserzeugung (4853 Fabriken zur Erzeugung von Munition, dazu für Milliarden Kriegsmaterial vom "neutralen America") ins Ungemessene, brachte Portugal zur Kriegserklärung gegen Deutschland, andererseits versorge Japan Rußland mit Munition - kurz i.J. 1916 sollte der Viererbund (Deutschland Österreich, Bulgarien und Türkei) besiegt werden. Nachdem die Eroberung der Dardanellen fehlgeschlagen (300000 Menschen geopfert), besetzten die Engländer u. Franzosen Saloniki. - Griechenland, welches neutral bleiben wollte, wurde geknebelt -. Auf allen Fronten, so war der Plan, sollte der Angriff gleichzeitig beginnen. Der Viererbund kam in die Defensive. Zwar eroberten die Deutschen das Fort Donaumont vor Verdun u. das Fort Vaux. Nachher aber setzte die Schlacht an der Somme ein, welche 2 Monate dauerte. Hier sollte die deutsche Front durchbrochen werden. "Trommelfeuer", das ist die Bezeichnung für die sog. Vorbereitung des eigentlichen Angriffs. Mit einer Anzahl von Geschützen größeren Kalibers wurde auf die deutschen Schützengräben geschossen, sodaß es lautete wie getrommelt, und zwar ganze Tage lang (Einmal 70 Stunden ununterbrochen), dann stürmte die feindliche Infanterie vor; aber in den zerschossenen Schützengräben fanden sich noch immer tapfere Verteidiger und die Feinde mußten furchtbar bluten. Die Deutschen sind zwar auf einer Breite von 20 klm um einige (7) klm zurückgewichen, aber der Durchbruch ist nicht gelungen. Der Verlust der Engländer u. Franzosen wird auf 600000 Mann berechnet. Vor Verdun aber hatten die Deutschen ihre Front geschwächt, sodaß es den Franzosen gelang, die Forts Donaumont u. Vaux - sie wurden von d.Deutschen ohne Kampf aufgegeben- zurückzunehmen. Im Ganzen sind i.J. 1916 1000klm den Deutschen in Frankreich verloren gegangen. Im Osten haben die Russen alles aufgeboten, um die Deutschen u. Österreicher zurückzudrängen. Gegenüber den Deutschen hatten sie keinen Erfolg, dagegen haben die Österreicher ihnen 10000 klm preisgeben müssen. Die Österreicher hatten die Italiener aus dem Trentino verdrängt u. waren in Italien eingedrungen, hatten aber ihre Ostfront zu sehr geschwächt, sodaß es den Russen gelang, die Bukowina u. 1/3 von Galizien zurück zu erobern. Dann wurde ihnen aber Halt geboten. Rumänien Rumänien war vertragsmäßig verpflichtet, zum Viererbund zu halten, war aber immer unsicher gewesen. Jetzt wo Rußland wieder vorgedrungen war, glaubte es den Augenblick gekommen, als "Zünglein an d. Waage" den Ausschlag geben zu können und zwar zu Gunsten der "Entente", von der es gründlich bearbeitet war. Es trat in den Krieg, aber anstatt gegen Bulgarien zu ziehen, um sich mit den Engländern und Franzosen in Mazedonien zu vereinigen, u. so die Türkei von Österreich u.Deutschland abzuschneiden, fiel das rumänische Heer in Siebenbürgen ein. Die Österreicher, weil zu schwach, mußten weichen. Bald kam die Hülfe von Deutschland. General Falkenhayn schlug die Rumänen in Siebenbürgen, General Mackensen eroberte die Dobrudscha - Bukarest fiel und Ende des J. 1916 (15.Dezember) war die ganze Walachei u. Dobrudscha unterworfen. 11000 km hatte der Viererbund i.J.1916 verloren, 100000 km in Rumänien gewonnen. Polen - Königreich. Ein wichtiges Ereignis des J. 1916 ist, daß Polen im October d.J. zum selbständigen Königreich proklamiert wurde. Am 12. Dezember 1916 machte der Kaiser Vierbund den Vorschlag, in Friedensverhandlungen einzutreten und dem Menschenmorden ein Ende zu setzen. Der Entente bezw. der Zehnbund (England, Frankreich, Italien, Rußland, Japan, Belgien, Serbien, Montenegro,Portugal,Rumänien) hat abgelehnt. Das Menschenmorden geht weiter. Gott schütze uns. Gefallene. Im Jahre 1916 sind im Kriege gefallen: aus Beller: keiner aus Erkeln: 1.Josef Schloßhauer, 20. März 1916 - Frankreich, geb. 19.11.1889, 2.Ignaz Giefers, 20. Juni vor Verdun - verschüttet. 3.Johannes Sievers,Ehemann der Maria geb.Meier, 1.Juli bei La Bassèe. 4.Franz Köring, studierte bei den Franziskanern, um Pater zu werden, 7.Juli, verschüttet bei Bazentin le Grand. 5.Wilhelm Kleibrink, Ehemann der Maria geb.Neitmann, 16. Juli (verwundet) im Lazarett zu Charleroi gestorben. 6.Friedrich Graßhoff, 12. September an der Somme. 7.Johannes Meyer, 8. October an der Somme. 8.Ludwig Graßhoff, 8.October an der Somme verwundet, am 17.November in Lemgo gestorben, beerdigt in Erkeln. 9.Franz Müller, 9. Dezember in Mazedonien. Lehrer Leutnants. Unsere beiden Lehrer F.Meyer und Joh. Faber avancierten i.J. 1916 zu Leutnants der Reserve. Beide haben das Eiserne Kreuz II. Lehrer Faber auch das I.Klasse. Beide Lehrer sind in der Schlacht verwundet. Lehrer Meyer am Arm; dem Lehrer Faber ging eine Kugel durch die Lunge u. er kam doch mit dem Leben davon. Wechsel der Lehrpersonen in Beller. In Beller folgte auf Lehrerin Luise Plückebaum, versetzt nach Bredenborn, am 1. November 1916 die Lehrerin August Wüstefeld aus Herstelle und auf diese am 1. Dezember lf.a. der Lehrer Franz Klaholt aus Driburg, Kriegsinvalide (verwundet am Kopf). Firmung Am 9. August 1916 spendete der Hochwürdige Herr Weihbischof Heinrich Haehling von Lanzenauer den Firmlingen von Erkeln, Hembsen und Bruchhausen hierselbst die Firmung. Die Zahl der Firmlinge von Erkeln betrug 138. Das Schiff der Kirche mit Mettlacher Platten belegt. Das Schiff der Kirche wurde kurz vor der Firmung mit Mettlacher Platten belegt. Den Betton stellte der Bauunternehmer Fr. Meyer von hier her für 368 M, welche die beiden Gemeinden Erkeln und Beller bezahlten. Die Platten lieferte und legte Jos. Wegener in Paderborn. Seine Rechnung beläuft sich auf 1306,64 M., welche der Pfarrer aus freiwilligen Beiträgen bezahlte.Mit den aus der Kirche genommenen Platten wurden die Wege auf dem Kirchhof belegt. Festum Dedicationes ecclesiae. Unsere Kirche ist am 13. Juli 1744 konsekriert. "Für die Feier des Anniversarium dedicationis wurde der 4. Sonntag nach Michaelis festgesetzt". I.J. 1915 wurde das Festum Ddicationis ecclesiae für alle Kirchen der Diözese auf den 12. November festgelegt, jedoch darf an dem früheren Tage (hier 4.Sonntag nach Michaelis) eine Missa solemius votiva de Dedicatione ecclesiae gehalten werden. P.S. Seit d.J.1922 ist das Festum Dedicationis eccl. am 12. Nov. ct. Eintragung unter 1922. Volkszählung. Die Volkszählung am 1. Dezember 1916 ergab für Erkeln die Anwesenheit von 736 Personen: 295 männlichen, 441 weiblichen. In Beller von 161 Personen: 80 männlichen, 81 weiblichen. Kriegsgefangene als Landarbeiter. Wie an anderen Orten so wurde auch in Erkeln ein Lager für Kriegsgefangene, welche bereit waren, bei den Landwirten Dienste zu tun, eingerichtet und zwar im Tanzsaale der Wirtin Witw Heinrich Wulf. In der Charwoche kamen 10 Franzosen. Die Zahl stieg im Sommer auf 22, darunter 5 Belgier: fiel im Winter auf 16, darunter 3 Engländer.In die Kirche kamen nur wenige (die aus der Dordogne u. der Normandie). Am Rosenkranzfeste (1.October) waren ihrer 5 zur hl. Kommunion gekommen. Über diese hatten sich mehrere -3 wurden nur mit Namen genannt- "moquiert". Sie hatten auch im Lager lateinische Kirchengesänge nachgeäfft (Tantum ergo ect.). Ich habe darauf die Kommandantur des Sennelagers gebeten, dafür zu sorgen, daß derartiges Ärgernis nicht wieder vorkomme, u. diese hat die 3 mit Namen Genannten von hier entfernt und 3 Engländer geschickt. Kommunionen. Laut Hostien-Rechnung betrug die Zahl der Kommunionen (der Laien) i.J. 1916 10500. 1917 Krieg. Vierhunderjähriges Jubiläum der Reformation. I.J.1916 hat sich der Vierverband (die Mittelmächte) meistens in der Defensive gehalten und im Westen die Front behauptet. Im Osten dagegen waren die Russen wieder in Galizien eingedrungen u. bis nahe vor Lemberg gekommen. Sie wurden bis auf ein kleines Gebiet aus Galizien (Brody) zurückgedrängt. Auch die Bukowina wurde von den Russen gesäubert gleichzeitig mit der Eroberung Rumäniens bis auf die Moldau. Im Westen rannten i.J.1917 Franzosen u.Engländer immer wieder gegen die deutsche Front an - namentlich in Flandern, aber ohne nennenswerten Erfolg. Da kam i.April 1917 die russische Revolution u. seitdem war Raußland gelähmt. Andererseits erklärten die Vereinigten Staaten von Nord-America, nachdem Deutschland den uneingeschränkten U.Botkrieg erklärt hatte, den Krieg an Deutschland, später auch an Österreich. (Unein-geschränkter U-Botkrieg will sagen: Jedes Schiff, welches sich in einer bestimmten Zone befindet, wird ohne vorherige Warnung torpediert. Deutschland war zu dieser Maßregel genötigt, da die Feinde sich für ihre Handelsschiffe nicht nur der Flagge der Neutralen bedienten, sondern auch ihre Handelsschiffe mit Kanonen bewaffneten). Die Vereinigten Staaten von N-America hatten nichts dagegen gehabt, daß England kein Schiff, auch kein amerikanisches, nach Deutschland durchließ u. Deutschland aushungern wollte. Es hatte England mit Munition etc. auf's kräftigste unterstützt. Jetzt ließ es die Heuchler-Maske fallen u. erklärte Deutschland den Krieg. Es brachte auch Brasilien zur Kriegserklärung gegen Deutschland. Überhaupt stieg die Zahl der uns feindlichen Staaten i.J. 1917 auf 17. Nichts desto weniger war der Vierverband i.J. 1917 siegreich. In Rußland wurde im Herbst Riga u. die Inseln Dagoe u. Oesel erobert. In Italien wurden die Italiener in 14 Tagen bis an die Piave zurückgedrängt. Sie verloren 250000 Mann und ein Drittel ihrer gesamten Artillerie. Ende Dezember kam es mit den Russen zu Friedensverhandlungen, welche gegenwärtig (Januar 1918) noch andauern. Gott gebe, daß sie ein gutes Ende nehmen. Das 400 jährige Reformations-Jubiläum verlief kläglich. Die Protestanten mußten es erleben, daß am 19. April des Jubiläumsjahres das Jesuitengesetz vom Bundesrat aufgehoben wurde. (Der Reichstag hatte schon seit Jahren wiederholt seine Aufhebung beschlossen.) Ferner mußten sie es erleben, daß, nachdem der Reichskanzler Bethmann-Holweg zur Abdankung gezwungen war - er war Gegner des uneingeschränkten U-Botkrieges gewesen - und sein Nachfolger Michaelis sich nicht halten konnte, ein strenggläubiger Katholik, der bayerische Ministerpräsident, früher Führer des Zentrums, Graf von Hertling zum Reichskanzler ernannt wurde. Reichs-Staatssekretair des Äußeren wurde ebenfalls ein gläubiger Katholik, Freiherr von Kühlmann. Möge es ihnen gelingen, das Staatsschiff glücklich in den Hafen des Friedens zu bringen. Die Bronzeglocken für Kriegszwecke beschlagnahmt. Unterm 1. März 1917 wurden sämtlich Bronzeglocken zu Kriegszwecken beschlagnahmt. Bis zum 15.April mußten die Glocken mit Angabe des Jahres der Herstellung und des Gewichts beim Kreisausschuß angemeldet sein.Unsere Glocken: I.kleinste Glocke, Herstellungsjahr 1911 Gewicht 473 kg. (Hauptton a, Nebenton c) II.mittlere Glocke, Herstellungsjahr 1673 Gewicht 623 kg. (Hauptton etwas höher als g) III.größte Glocke, Herstellungsjahr 1854 Gewicht ca. 950 kg (Hauptton zwischen f u.fis fast fis, Nebenton die kleine Oberterz.) Nur eine Glocke - Läuteglocke - sollte den Kirchen verbleiben, in der Regel die kleinste. Vorläufig sollten nicht abgegeben Glocken die einen hohen Kunst- oder Alterswert haben. Da unsere II. Glocke Alterswert hatte, so sollten wir diese behalten und die beiden andern abgeben. Nun hatte aber diese Glocke keinen Kunstwert u. war im Ton die schlechteste, wogegen die anderen beiden Glocken einen guten Ton haben. Auf Vorstellung des Kirchenvorstandes u. nachdem der Musiklehrer vom protestantischen Lehrerseminar in Soest, Willy Schröder ein uns günstiges Gutachten über unsere Glocken abgegeben hatte, entschied der Oberpräsident von Westfalen, daß die mittlere Glocke abgegeben werde u. uns die beiden anderen belassen bleiben. Somit sind wir vor den meisten Gemeinden, die nur noch eine u. zwar die kleinste Glocke haben, mit unsern beiden schönen u. ziemlich großen Glocken gut gestellt Die Glocke wurde bezahlt das kg mit 3,50 M, also für 623 kg 2180,50 M dazu kam als Prämie für rechtzeitige Ablieferung pro kg 1 M. 623,00 M Sa. 2803,50 M Orgelpfeifen zu Kriegszwecken beschlagnahmt. Ebenso wurden die Zinnpfeifen des Orgelprospekts beschlagnahmt. Die betreffenden Pfeifen unserer Orgel hatten ein Gewicht von 123 kg und wurden bezahlt mit 774,90 M. Diese wurden zusammen mit den obigen 2803,50 M in der Kreissparkasse zu Brakel unter dem Titel Baufonds für die Kirche angelegt im Buch 26805, am Ende des Jahres 1917 aber davon 3600 M zur VII. Kriegsanleihe verwandt. Die Zinsen werden kapitalisiert bezw. in dem Buche 26805 angelegt, bis das Kapital wieder zur Anschaffung einer Glocke und der Orgelpfeifen verwendet werden kann. Gefallene. Im Jahre 1917 sind im Kriege gefallen a, aus Erkeln: 1.Johannes Werneke, gestorben zu Höxter am 1.Februar. Hier beerdigt. 2.Wilhelm Rehrmann, gefallen 19. April in Frankreich 3.Franz Mönnighoff, ertrunken am 19,Juni in russischer Gefangenschaft 4.Franz Behler, erhielt am Monte Piano (Italien) am 22.October einen Granatvolltreffer, der ihn so zerstückelte, daß er nicht beerdigt werden konnte. b, aus Beller: 1.Otto Groppe, starb am 10. September im Lazarett zu Rettou (Frankreich) 2.Anton Bode, verunglückte am 22.Dezember als Flieger in Frankreich. Zahl der Kommunionen. Die Zahl der Kommunionen betrug i.J. 1917 ca. 9600. Der Rückgang gegen die früheren Jahre (1916,1915) erklärt sich hauptsächlich daraus, daß bei weitem die meisten Einwohner von Beller in Hembsen zur Kommunion gehen, seit der altersschwache Pfarrer Plugge daselbst jeden Sonn- und Feiertag einen Pater von Driburg zur Aushülfe hat. Dort können sie noch während der Frühmesse beichten u. nach derselben kommunizieren. Übrigens ist ja Hembsen auch bedeutend näher, als Erkeln. Auszug aus einer Zeitung eingeklebt. Die deutschen Toten. Auf Grund der neuesten Ermittlungen betrugen die deutschen Verluste an Toten im Weltkriege: Landheer 1.718.608, Marine 24.726. Dazu treten - als wahrscheinlich - Vermißte 5.007. Die Gesamtverluste betragen also 1.748.341 Mann. 1918. Der Krieg. Die Italiener, welche nach ihrem Eintreten in den Krieg (23.Mai - Pfingsten- 1915) in kurzer Zeit in Wien sein wollten, hatten nur geringe Erfolge im Trentino und waren in 11 Schlachten am Isonzo nur wenig vorgerückt. Da, im Winter 1917/18 kamen die Deutschen den Österreichern zur Hülfe. Die Italiener wurden bis an die Piave zurückgedrängt und verloren nebst vielen Tausenden Gefangener ein Drittel ihres ganzen Artillerieparkes. Hier kam der Krieg zum Stillstande. Die Tage von Caporetto kosteten Italien 37.000 Tote, 91.000 Verwundete und 335.000 Gefangene. Die Deutschen waren in der März-Offensive gegen die Franzosen bei La Fére u. St. Quentin siegreich. Die Juli-Offensive an der Marne dagegen mißglückte. Hier stieß Offensive auf Offensive. Die Franzosen waren durch die Amerikaner bereits so verstärkt worden - 1 1/2 Millionen Amerikaner - daß die Deutschen nicht Stand halten konnten. Namentlich waren es die vielen neu erfundenen Tanks -(Kampfwagen mit Maschinengewehren besetzt, die wie kleine Festungen auf Bandketten bewegt selbst über die Schützengräben hinweggefahren) - welche den Amerikanern zu statten kamen. Nachdem durch künstlichen Nebel die Aussicht verhindert war, rückten die Tanks in die deutschen Linien vor, hinter ihnen die Infanterie und brachten in die Stellungen der Deutschen Verwirrung. Auch stellten die Amerikaner viele Flieger. Der 18. Juli 1918 war der Tag, wo das deutsche Heer in die Defensive kam u. sich kämpfend zurückzog, ohne daß die Linie von den Feinden durchbrochen wurde. Fatal war ferner der Abfall Bulgariens, das sich bedingungslos den Feinden ergab. Damit war auch die Türkei, welche alle Angriffe auf die Dardanellen siegreich abgewiesen hatte, ausgeschaltet.Östereich erklärte, daß es sich nicht mehr halten könne. Seine Truppen in Italien waren kampfesmüde und versagten - gingen davon. Somit waren die Italiener Herren der Lage in Italien. Übrigens waren alle Kriegspläne Österreichs während des ganzen Krieges den Italienern verraten worden. Dies alles wirkte entmutigend auf das deutsche Heer. Es kam soweit, daß sich die Führer auf ihre Truppe nicht mehr verlassen konnten u. daran denken mußten, Waffenstillstand bezw. Frieden zu schließen. Auch die Hinterfront - das Land - war in's Wanken gekommen. Die vielen Entbehrungen, die Hungersnot infolge der Blockade, die allgemeine Not; dazu der unerhörte Wucher, die großen Kriegsgewinne der Lieferanten und Fabrikanten hatten die Moral des Volkes erschüttert. Man sehnte sich nach dem Frieden. Am 19. Juli (1817 ?) 1917 hatte der Reichstag eine Friedens-Resolution angenommen, den Krieg zu beendigen ohne Annexionen u. ohne Kriegsentschädigungen. Dagegen waren die Altdeutschen -Vaterlandspartei. Wir hätten i.J. (1817?) 1917 den Frieden haben können. England hatte durch den Papst bei Deutschland anfragen lassen, wie es sich zu Belgien stelle, um dann weiter zu verhandeln. Die Militärpartei u. die Altdeutschen haben den Frieden verhindert. Die Sozialdemokraten benutzten die Not des Vaterlandes um ihre Forderungen nach den allgemeinen gleichen Wahlrecht u. dem Parlamentarismus durchzusetzen. Bethmann- Holweg mußte gehen. Michaelis zeigte sich seiner Aufgabe nicht gewachsen. Graf Hertling bewies zwar mehr Klugheit und Kraft, als er aber der Zusammenbruch kommen sah, trat auch er zurück. Es folgte ihm als Reichskanzler Prinz Max von Baaden. Der Präsident von Amerika Wilson hatte wiederholt Grundsätze für den Frieden proklamiert - die 14 Punkte Wilsons. Als nun die deutsche Heeresleitung einsah, daß sie sich auf das Heer nicht mehr verlassen konnte, drängte sie den Reichskanzler zum Friedensschluß bezw. zunächst zum Waffenstillstand. Prinz Max wandte sich an Wilson u. erbat den Frieden auf Grund seiner 14 Punkte. Die Entente willigte ein. Die Revolution. Präsident Wilson hatte wiederholt erklärt, daß er mit einem Hohenzollern keinen Frieden schließe. Dies war Wasser auf die Mühle der Sozialdemokraten. Sie bezeichneten den Kaiser als ein Hindernis des Friedens und ließen im Vorwärts (sozialdemokratisches Hauptblatt) durchblicken, daß es im Interesse des Vaterlandes wäre, daß er einem Bürgerkriege vorbeuge, wenn er abdankte. Der Kaiser befand sich im Hauptquartier in Belgien. Da er sich auf das Heer nicht mehr verlassen konnte, legte er die Krone nieder sowohl als Deutscher Kaiser als auch als König von Preußen am 9. November 1918. Der 9. November 1918 ist also das Datum der Geburt der Revolution bezw. der Deutschen Republik. In kurzer Zeit dankten auch alle anderen deutschen Bundesfürsten (im ganzen 22) ab, als erster der Herzog von Braunschweig, Schwiegersohn des Kaisers, Ernst von Cumberland. Die Revolution bedeutete den gänzlichen Zusammenbruch des deutschen Heeres u. Reiches. Jetzt konnten die Feinde die ärgsten Waffenstillstandsbedingungen stellen und taten es. Der Waffenstillstand kam zu Stande am 11. November 1918, der Friede ließ aber noch lange auf sich warten. Da Deutschland zur Republik erklärt war, mußte der Prinz Max von Baden als Reichskanzler abgehen. Die Sozialdemokraten, als stärkste Fraktion im Reichstage, stellte jetzt den Reichskanzler bezw. Präsidenten in der Person des ehemaligen Sattlermeisters Ebert (katholisch getauft). Scheidemann, seines Zeichens Buchdrucker, Hauptrevolutionär, wurde Ministerpräsident; Staatssekretär des Innern Preuß, ein Freisinniger (Liberaler). Sie nannten sich Volksbeauftragte. In Preußen, wie in allen anderen Bundesstaaten) rissen die Sozialdemokraten ebenfalls die Herrschaft an sich. Sie stellten die Minister, welche sich ebenfalls Volksbeauftragte nannten, ohne vom Volk beauftragt zu sein. Komisch und zugleich traurig ist, daß Adolf Hoffmann, der sich selbst seiner unehelichen Geburt rühmte, nur Volksschulbildung genossen hatte, mit "mir und mich" auf gespannten Fuße stand und überhaupt nicht einmal richtig deutsch sprechen konnte, dafür aber ein sehr freches Maul hatte, neben dem Sozialdemokraten Hänisch Kultusminister (Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung) wurde. (Hänisch hat es bis zur Prima gebracht u.ist Sozialdemokrat. Redakteur geworden.) Kaum im Amtes machte er sich bemerkbar durch 2 Erlasse: im ersten hob er die geistliche Ortsschulinspektion in Preußen auf (veranlasst durch den Preußischen Lehrerverein), im zweiten verfügte er, daß das Gebet in der Schule unterbleiben solle, daß es in das Belieben des Lehrers gestellt werde, ob er Religionsunterricht erteilen wolle, oder nicht, daß die Kinder von Schulwegen nicht angehalten werden sollten zur Teilnahme am öffentlichen Gottesdienste. Beide Erlasse wurden zurückgenommen und Hoffmann wurde gegangen. Nichts hat in dieser Zeit der Wirren der Kirche u. den christlichen Parteien so genützt, als die Hoffmann'schen Erlasse, die religiös denkende Bevölkerung auf den Plan rief. Hoffmann wurde von seinen Freunden bezeichnet als der "Elefant im Porzellanladen". Die Revolution verlief im Großen und Ganzen unblutig. Die Unruhen in Berlin und anderen Großstädten kommen auf Rechnung der sog. "Unabhängigen" und Kommunisten. Als Unabhängige bezeichneten sich jene Sozial-demokraten, welche die Kriegsanleihe verweigerten; die anderen, welche bedeutend in der Mehrheit waren, hießen von jetzt ab "Mehrheitssozialdemokraten". Anfangs regierten sie gemeinschaftlich; Ebert, Mehrheitssozialist, Haase, Unabhängiger. Die Mehrheits-sozialdemokraten wollten ehrlich die Demokratie in Deutschland, dagegen wollten die Unabhängigen die Diktatur des Proletariats nach russischem Muster. So gerieten die roten Brüder in den ärgsten Streit u. die Unabhängigen apellierten an die Gewalt (Terrorismus, Spartakismus). Allein die Mehrheitssozialisten blieben oben. Noske, Sozialdemokrat und Wehrminister, erwies sich mit seiner aus Freiwilligen gebildeten Armee als ein tüchtiger Führer. Marine und Landheer. Vor ungefähr 10 Jahren ging der kleine Kreuzer Iltis in einem Taifun an der Küste Ostasiens unter. "Sr. Majestät Hurrah!" soll das letzte Wort gewesen sein, mit welchem die im Wasser versinkenden Marinesoldaten in den Tod gegangen seien. Dieselbe Marine hat i.J. 1918 sich zuerst der Revolution in die Arme geworfen. Was hatten die Marinesoldaten während des Krieges zu tun ? Nur eine Seeschlacht ist im ganzen Kriege geliefert -am Skagerak-, von der man nicht weiß, ob sie von uns gewonnen oder verloren ist. Außer den Helden der U-Boote, waren die übrigen Matrosen ziemlich untätig. Sie trieben Politik. War schon ein großer Teil der Matrosen von Haus aus Sozialdemokraten, so wurden sie jetzt erst recht in sozialdemokratischen Sinne bearbeitet. Als nun im September d.J. 1918 die Kriegsflotte einen größeren Vorstoß gegen den Kanal la Manche ausführen sollte, wurde das Gerücht verbreitet, die Marine solle sich nutzlos in den Tod opfern. Da meu-terte die Mannschaft von 2 großen Kriegsschiffen u. der Plan konnte nicht ausgeführt werden. Ja die Marine ging jetzt dazu über, Marine-Soldatenräte zu gründen ent-sprechend den russischen Sowjets. Damit war die Kommandogewalt lahm gelegt. Und nun gingen ganze Trupps Marinesoldaten in die großen Städte Bremen, Hamburg, Hannover, um Soldatenräte zu gründen. In Berlin schlossen sich Marinesoldasten den Spartakisten an.Kurz, die Marine war sozialistisch u. revolutionär verseucht. Sie hat der Revolution die größten Dienste geleistet; sie, auf die S.M. so stolz war, hat ihn zuerst die Treue versagt.Von der Marine ging das Unwesen der Soldaten-Räte auf das Landheer über. Jedes Regiment wählte seinen Soldatenrat. Die Offiziere konnten es nicht hindern. Auch das Landheer war unbrauchbar geworden. Nachdem bekannt geworden, daß Waffenstillstand geschlossen werden sollte, sind ganze Regimenter einfach davon gegangen, namentlich solche, welche in der Etappe gelegen u. während des ganzen Krieges nichts geleistet hatten. Milliardenwerte haben sie im Stich gelassen, die in die Hände der Feinde fielen. Welch einen traurigen Anblick gewährte es, die Truppen mit der roten Fahne aus dem Felde zurückkehren zu sehen ! Das Heer, das sich so tapfer geschlagen hatte, war demoralisiert, war seinem Kriegsherrn untreu geworden. Doch muß gesagt werden, daß die in der Linie stehenden Truppen sich besser gehalten haben. Der Krieg hatte zu lange gedauert, und so war es den Männern des Umsturzes gelungen, bei den in der Etappe untätig liegenden Mannschaft, den Geist der Revolution zu fördern. Welch' ein Gesinnungswechsel ! Wer hätte geglaubt, daß deutsche Soldaten solcher Gesinnungslumperei fähig sind ? Grund: die Religion war in ihnen geschwunden. Fazit: Nachdem Deutschland und seine Verbündeten überall Sieger gewesen waren: in Belgien,Frankreich,Serbien, Italien,Rußland,Rumänien, ist es zusammengebrochen, weil es der Übermacht nicht gewachsen war und weil es im Innern nicht standhielt wegen der übermächtigen, revolutionären Sozialdemokratie. Armes Deutschland. Arbeiter-Soldaten und Bauernräte. A.S.B.R. Der Revolutionsgeist ergriff das ganze Land und wurde herrschend durch die Arbeiter-Soldaten- u. Bauernräte, die nach russischem Muster nicht nur in den Städten, sondern auch in den Dörfern gebildet wurden u. die sich die Kontrolle der Obrigkeit anmaßten. Sie waren stark, denn die Soldaten waren noch im Besitz ihrer Waffen - die Polizei war ihnen gegenüber O. Zudem übten sie Terrorismus. Die Disziplin war derartig in die Brüche gegangen, daß die heimkehrenden Soldaten den Offizieren die Rangabzeichen auf offener Straße abrissen u. ihnen die Degen abnahmen. Ein Offizier durfte sich in seiner Uniform kaum mehr sehen lassen. Überhaupt kam die militärische, früher der Stolz aller derer, die sie trugen, in Verachtung - gerade beim königstreuen Volke, da die Soldatenräte die ärgsten Propagatoren der Revolution waren. In Paderborn wehte ungefähr 6 Wochen auf dem Rathaus und der Post die rote Fahne (in München sogar auf dem Dom) bis die nicht revolutionär gesinnte Bürgerschaft den Volksrat bildete, der nach u. nach den A.S.Rat matt setzte. Die A.S.Räte ließen sich für ihre angemaßte Herrschaft auch bezahlen, vorgebend, daß sie für die Ordnung sorgten -(80 Millionen M.in Preußen).Sie verschwanden wieder,als wieder Ruhe u.Ordnung eintrat. Der A.S.B.Rat in Erkeln. Schon in der ersten Hälfte des November 1918 waren viele Soldaten in die Heimat zurückgekehrt. Sie trugen ihre Uniform weiter, ohne mehr Soldat zu sein. Der Gedanke mit zu regieren schmeichelte ihnen, u. es bedurfte nur des Anstoßes, um einen S.R. zu gründen., so auch in Erkeln . Hier war es der erklärte Sozialdemokrat W.Schlüter, seines Zeichens Lumpensämmler, der für die Gründung eines A.S.R. agitierte. Am 24.November morgens, während ich beerdigte, ging er im Dorfe herum u. schellte aus, daß am Abend desselben Tages um 8 Uhr in der Wirtschaft Hakesberg (Jude) eine Versammlung zwecks Gründung eines A.S. Rates stattfinde u. lud dazu ein. Die Uniformträger erschienen in so großer Zahl, daß sie den ganzen Saal ausfüllten. Man hatte sich als Redner einen roten Unteroffizier von Höxter verschrieben, der aber nicht kam. Auch ich ging zu der Versammlung. Der Soldatenrat wurde nach den Vorschlägen des Einberufers einstimmig gewählt. (Alles war vorher in den Wirtschaften, die in dieser Zeit täglich überfüllt waren, privatim abgekartet.) Ebenso der Arbeiter-Rat, dessen Vorsitzende der ganannte Sch. wurde. Jetzt sollte auch ein Bauern-Rat gegründet werden. Da meldete ich mich zu Worte und sagte, daß der Landrat mitgeteilt habe, es solle in jeder Gemeinde ein Bauern-Rat für sich gewählt werden. 2 Bauern-Räte wären nicht angängig. Von anderer Seite wurde bemerkt, daß, wenn wir jetzt einen Bauern-Rat, angeschlossen an den A.S.Rat gründeten, dem Wunsche des Landrats entsprochen wäre. Bedenkend, daß der Bauern-Rat, als konservatives Element, temperierend einwirken könne, und um Zwiespältigkeit zu vermeiden, stimmte ich zu - u.so wurde unser B.-R. gewählt. Diese 3 Räte waren aber ein Kollegium von 9-10 Mann. Ferner fragte ich an, ob der A.-S.-R.- von Erkeln auch Anspruch an die Gemeindekasse mache, worauf mir erwidert wurde, daß die Herren ihr Amt ehrenamtlich ausübten. Endlich warnte ich davor, daß sie der A.S.B.R. von Erkeln sich vor den Wagen der Sozialdemokratie spannen lasse, da die ganze Sache von sozialdemokratischer Seite ausgehe; worauf mir geantwortet wurde, Erkeln würde, wie bisher, zum Zentrum halten. Wie sehr aber der sozialdemokratische Geist auch in Erkeln Eingang gefunden hatte, zeigten die Wahlen zur Nationalversammlung (54 sozialdemokratische Stimmen - bei der letzten Reichstagswahl nur 3) und zur Landesversammlung (43 soziald.Stimmen.) Der A.S.R. erwies sich als die organisierte Stänkerei. Gutes geleistet hat er nicht Als der Amtmann später im Auftrage des Landrats einen Volksrat gründen wollte, wurde er aus der zahlreich besuchten Versammlung bei der Wirtin H.Wulf herausgejohlt. Sch. war Herr der Lage. Nach etwa einem Vierteljahr verfiel der A.S.B.R. dem verdienten. Untergang. Erkeln Etappe. Nach den Waffenstillstandsbedingungen mußte das deutsche Heer sich binnen 14 Tagen über den Rhein zurückgezogen haben. So bekam Erkeln am Tage vor Weihnachten Einquartierung - 40 Mann Husaren und Ulanen und 8o Pferde mit Bagage; Erkeln wurde mit Etappe. Jetzt hatten wir das Etappenleben vor Augen. Zu tun hatten die Soldaten wenig: ihre Pferde futtern u. putzen, ein wenig ausreiten, Appelle - die übrige Zeit hatten sie frei, und diese benutzten die meisten zu ihrem Vergnügen. An Löhnung bekamen sie pro Tag 4M. u. 2,50 M. für die Kost, damit konnten sie sich schon etwas leisten. Sie lagen viel in den Wirtschaften, tranken, rauchten Zigaretten, spielten. Am Abend wurde getanzt. Trotz meiner Verwarnung auf der Kanzel fanden sich Mädchen, welche mit den Soldaten tanzten. Die Wirte machten ein kolossales Geschäft, denn auch die heimgekehrten Erkelner Soldaten fanden sich fleißig bei ihnen ein u. hiesige Jungens tanzten mit. Da konnte man so recht sehen, welch' eine demoralisierende Wirkung die Etappe während der 4 Kriegsjahre gehabt haben muß, u. daß hier die sozialdemokratischen Verführer leichte Arbeit hatten. Erst am Samstag vor dem Weißen Sonntag 1919 wurden die Soldaten von hier fortgenommen. Der Winter 1918/19 war auch für Erkeln ein sehr böser Winter. Die kleinste Glocke abgeliefert und zurück erhalten. Wie schon bemerkt haben wir i.J.1917 nur die mittlere Glocke abgegeben. I.J.1918 wurde dann auch unsere kleinste Glocke noch einmal eingefordert. Sie ist am 25. September an die Sammelstelle Gebr.Rox in Brakel abgeliefert. Bei der Herausnahme aus dem Turm wurde sie durch das Schalloch hinuntergestürzt. Unmittelbar unter dem Schalloch lag ein großer Stein - Gewichtsstück von der alten Turmuhr - und einen Schritt weiter war die gepflasterte Rinne für die Dachtraufe. Die Glocke fiel mit dem Rande so glücklich zwischen die Rinne u. den Stein in den weichen Boden, daß sie keinen Schaden erlitt. Nachher haben Kinder den Rand mit einem Hammer bearbeitet u. kleine Stücke herausgeschlagen - inspicientibus quificibus. Rox hat die Glocke auf meine Bitte nicht weiter befördert und so haben wir sie mit Erlaubnis des Landrats gegen Erstattung des Verkaufspreises von 2115 M (und mit dem Schaden der Wiedereinbringung von 127,20 M) am 2. Tage vor Weihnachten zurückbekommen, so daß sie am Weihnachtsfeste wieder vom Turm erschallte. Erkeln ist mit seinen beiden großen u. guten Glocken gegen die anderen Gemeinden, welche nicht nur 1 Glöcklein behalten haben, in doppeltem Vorteil, da die Glocken nach dem Kriege ausserordentlich teuer u. kaum zu haben sind. (Sie untenstehende Bemerkung über Lüchtringen) Gefallene. Im Jahre 1918 sind im Kriege gefallen a) aus Erkeln 1.Friedrich Wulf,Jüngling,Kaufmann u.Wirt, am 13. Juli in Frankreich 2Johannes Fleckner, Jüngling, am 27.August in Frankreich.Rückenschuß, Kopf-,Hände u.Bauchschuß. 3.Johannes Kemper, + 18.Juli bei Dommiers in Frankreich. b) aus Beller 1.Josef Mikus, Jüngling, 27. Mai in Frankreich 2.Carl Löneke, Jüngling, 21. Juli in Frankreich bei Bucancy (Soissons) 3.Josef Heilemann, Jüngling, 30.October - Lazarett in Mülhausen (Elsaß). Zahl der Kommunionen und Geburten. Die Zahl der Kommunionen betrug i.J. 1918 laut Hostienrechnung 9700. Die Zahl der Geburten nur 14. 2000 M geschenkt. Der am 6. März 1918 verstorbene Gutsbesitzer u. Gemeindevorsteher a.D. Heinrich Backhaus schenkte durch seinen Sohn Johannes Backhaus dem Pfarrer 2000 M zur freien Verwendung für die Kirche. Gewünscht war Heizungsanlage. 1919 Der Waffenstillstand war am 11.November 1918 geschlossen, der Friede konnte aber noch nicht geschlossen werden, weil die Regierung der neuen Deutschen Republik nur eine vorläufige war. Unterm 30. November 1918 erschien das neue Reichswahlgesetz, unterschrieben von dem "Rat der Volksbeauftragten Ebert,Haase", und dem "Staatsse kretär des Innern Dr. Preuß". Es ist das Werk des letzteren. Auch die Frauen erhielten das Wahlrecht, sowohl das aktive wie das passive. Die Wahl soll eine geheime u. direkte sein. Das ganze Reich wurde in 38 Wahlbezirke eingeteilt (nach Ausscheiden von Elsaß-Lothringen 37). Die Reg.Bez. Münster,Minden, Kreis Grafschaft Schaumburg u. beide Lippe bildeten den 17. Auf 150000 Seelen soll 1 Abgeordneter kommen. Die Parteien haben Wahlvorschläge bezw. Wahllisten vorzulegen. Gewählt wird von den Einzelnen die ganze Liste. Verteilt wird die Zahl der Abgeordneten nach dem Verhältnis -Verhältniswahl, ein ziemlich kompliziertes Verfahren. Das Wahlgesetz gilt nicht nur für das Reich National- versammlung - sondern auch für die Bundesstaaten - Landesversammlungen - nur daß bei den letzteren die Wahlbezirke auf den Bundesstaat beschränkt sind. Die Wahl zur Nationalversammlung - in Weimar - am 19. Januar 1919 hatte folgendes Resultat: Christliche Volkspartei (mit Deutsch-Hannoverscher Partei), früher Zentrum 92 Abg. Deutschnationale Partei, früher Konservative 36 " Deutsche Demokratische Partei, früher Liberale und Freisinnige 74 " Württembergische Bürgerpartei (mit Bayerischer Mittelpartei) 3 " Bayerischer Bauernbund 4 " Sozialdemokratische Partei 163 " Unabhängigensozialdemokratische Partei 22 " Ohne Partei (Wilde) 2 " Die Wahl zur Preußischen Landesversammlung - am 26. Januar 1919 - hatte folgendes Resultat ( Ergebnis ist nicht eingetragen.) Spartakus in Erkeln. Vor der Wahl zur Nationalversammlung wurde von allen Parteien eifrig agitiert. Für die Katholiken waren von der größten Wichtigkeit die Hirtenbriefe der Bischöfe, namentlich der über den Sozialismus. Selbstverständlich wurden auch Wahlversammlungen gehalten. In Erkeln war am Sonntag vor der Wahl Versammlung für die Männer in der Wulf'schen Wirtschaft - hier redete der Kreissparkassen-Rendant Kiene - und gleichzeitig für die Frauen in der Kirche - hier redete der Rektor Conrad Hengsbach von der Brede in Brakel. Es wurde ein Wahlkomitee gebildet aus 9 Herren und 6 Damen. Die Damen haben sich besonders verdient gemacht durch die Verteilung der Flugblätter und durch Sammlung von Geldern zum Parteifond. Man konnte schon in der Wahlversammlung der Männer den sozialdemokratischen Geist herausmerken und der sozialdemokratischen Stimmen in Erkeln mehr denn je herauskommen werden.Die Wahlzettel für die christliche Volkspartei (Zentrum) waren rechtzeitig verteilt, aber die sozialdemokratischen Wahlzettel waren bis zum Abend des 18, Januar nicht angekommen, sodaß Sch. in große Verle- genheit kam. Endlich, im Dunkelwerden, kam ein Auto von Bielefeld, besetzt mit 3 Herren, (2 in Uniform), u. brachte die ersehnten Wahlzettel, welche dann am Sonntag Morgen während der Frühmesse den Leuten in's Haus gebracht wurden. Die Wahl begann am 19. Januar (Sonntag) um 9 Uhr. Von da an bis zum Abend stand Sch. mit einer roten Binde um den Arm auf der Straße vor dem Wahllokal und bot sozialdemokratische Wahlzettel an. Als ich ihn da stehen sah, konnte ich mir nicht versagen, ihn anzureden: "Jetzt bekennen Sie Farbe. Wollen Sie noch leugnen, daß Sie Sozialdemokrat sind ?" - I.J.1912, als er sich darum bemühte, von der Gemeinde als Läuter bestellt zu werden, hatte ich unter Hinweis, daß er für die Sozialdemokratie arbeite, dies verhindert, worauf hin er an den Bischof geschrieben hat, wenn er mich nicht von Erkeln wegnähme, träte er mit der ganzen Familie zum Protestantismus über. Ferner hat er mich vor den Schiedsmann (Förster Löhr) haben wollen, wegen Beleidigung. Ich hätte ihn "Sozialdemokrat" genannt: Der Schiedsmann hat ihn geantwortet: "Das sind Sie auch", u. ihn abgewiesen. - Der Bischof desgleichen. - Jetzt, als er mit der roten Binde u. den Wahlzetteln vor dem Wahllokal stand, bekannte er: "Nein, jetzt bin ich Sozialdemokrat". Ich antwortet ihm: "Dann können Sie es auch nicht als Beleidigung auffassen, wenn man sagt "Sie Sozialdemokrat!". "Und Sie", sagte er, "sind ein Lügner. Sie haben seit 4 Jahren die Leute in der Kirche betrogen." Jetzt hätte ich ihn vor den Schiedsmann laden lassen können. Ich habe es nicht getan, sondern die Sache Gott anheimgegeben. Am Abend desselben Tages um 1/2 8 Uhr, als ich bei Tische saß, krachte es plötzlich in meinem Garten furchtbar. Ich wußte nicht wovon diese Detonation herrühre. Ein Handgranatenschuß war mir unbekannt. Doch richtete dieser erste Schuß keinen Schaden an. Gegen 8 Uhr erfolgte eine zweite Detonation u. jetzt klirrten die Fensterscheiben. Wahrscheinlich war die zweite Granate eine schwerere, als die erste. Zweige von Daumen dicke wurden von dem Kirschbaum, unter dem die Granate niederfiel, abgeschlagen. Splitter flogen vor die Fenster. Im ganzen sind 17 Scheiben zertrümmert; aber das Fenster, dem ich gegenüber saß und welches am meisten gefährdet war, hat keinen Schaden gelitten. Gott hat mich beschützt. Am folgenden Tage kam der Gendarm u. untersuchte den Fall. Darauf erschien im Brakeler Anzeiger folgende Nachricht. "Erkeln, den 20. Januar. (Spartakus in Erkeln). Gestern Abend gegen 1/2 8 Uhr wurden gegen die Hinterfront des Pfarrhauses zwei Handgranaten geworfen, durch welche 17 Fensterscheiben demoliert und sonstiger Sachschaden verursacht wurde. Hoffentlich gelingt es durch die eingeleiteten Ermittlungen, die ruchlosen Täter ausfindig zu machen." Damit war die Tätigkeit der Polizei erledigt u. die ruchlosen Täter blieben unbehelligt. Die Polizei hat in den revolutionären Wirren total versagt. Den guten Ruf der Gemeinde hat diese schändliche Tat weit und breit geschadet, Sch. aber konnte in Erkeln weiter wühlen u. hat es getan. Übrigens sollen die Erkelner Sozis mit dem Resultat der Wahl: 343 Stimmen für das Zentrum, 54 für die Sozialdemokratie, nicht zufrieden gewesen sein. Es haben auch 12 Soldaten -Etappe- mit gewählt u. 8 Juden, welche sicher zum größten Teile sozialdemokratisch gewählt haben. An der Vermehrung der sozialdemokratischen Stimmen in Erkeln trägt hauptsächlich der Krieg die Schuld u, der rabiate Sch. Hamsterplage auf dem Lande. Die Lebensmittelnot wurde namentlich in den Industrie-Gegenden während des Krieges immer größer. Die Lebensmittel waren rationiert. Was die Produzenten (Selbsterzeu-ger) übrig hatten an Korn und Kartoffeln mußten sie an den Kommunalverband (Kreis) für einen bestimmten Preis abgeben. Nicht- Produzenten bekamen Marken (Brotmarken, Fleischmarken, Buttermarken etc.) gegen deren Abgabe sie beim Bäcker, Metzger etc. die Lebensmittel kaufen konnten pro Kopf und Woche soviel; das war zum Sattwerden zu wenig und zum Verhungern zuviel. Selbst zum Ankauf eines Kleidungsstückes bedurfte man eines Bezugscheines. Es wurde sogar vorgeschrieben, wieviele Kleidungsstücke der Einzelne haben dürfe; die übrigen sollten abgegeben werden. Auch mir ist ein Anzug abverlangt worden. Ich habe 1 Überzieher, 1 Hose, 1 Weste abgeliefert u. dafür 9 M. erhalten. Das Futter des Überziehers war allein nach heutigen Preisen 30 M wert. Die schikanösen Verordnungen vermehrten sich mit jedem Tage. So bedurfte man z.B. für eine Eisenbahnfahrt in den Monaten Januar u. Februar 1919 eines Ausweises, ausgestellt vom Ortsvorsteher (in Städten auch vom A.S.Rat, mit Angabe des Zweckes der Reise. - Kurz, die Not wurde immer größer. Anfangs nannte man Hamsterer diejenigen, welche Lebensmittel etc. über die Vorschrift hinaus zurückbehielten oder aufhäuften, später hieß hamstern soviel, als sich etwas für den Haushalt bei den Produzenten verschaffen. Aus der Industrie-Gegend gingen nun viele auf das Land, um sich Lebensmittel zu kaufen. Den Produzenten war es verboten, an andere als an den Kommunalverband zu verkaufen; sie konnten also nur heimlich an Private verkaufen u. ließen sich das Risiko hoch bezahlen. Der Wucher blühte. (Ein Pfund Butter 10 bis 20 u. noch mehr Mark. Ein Ei 50 bis 100 u. 15o Pfennige. Ein Pfund Speck 15 bis 30 Mark u.s.w.) Die Not wurde ausgenutzt. Alles Predigen half nichts dagegen. Nur wenige waren es, die der Versuchung widerstanden.Die Wucherer sie beruhigten ihr Gewissen damit, daß ihnen ja der Preis geboten sei. Es kamen nämlich auch solche auf's Land, welche mit den erhamsterten Waren Geschäfte trieben und die teuer erstandenen Lebensmittel noch teuerer in der Stadt wieder absetzten. Sie wußten, daß sie unter dem Druck der Hungersnot auf ihre Rechnung kamen. Bei weitem die meisten Hamsterer waren aber solche, welche den eigenen Hunger wehren wollten.Im Winter 1918/19 kamen ihrer so viele, daß Tag für Tag gegen 100 Hamsterer in Erkeln erschienen. Ebenso war es in den anderen Dörfern. Die Bahn konnte die Hamsterer mit ihren Packen, Säcken u. Körben kaum befördern. Nach Ausbruch der Revolution ließ man sie gewähren. Not kennt kein Gebot. Kirchendiebstahl. Unter den Hamsterern waren auch unehrliche Elemente. Überall hörte man von Diebstählen, sogar von Raub. - In der Runge'schen Mühle bei Bökendorf wurde der Sohn des Müllers von Hamsterern in Uniform erschossen. Dem Müller Rhein in Erkeln ist ein Schwein aus dem Stalle gestohlen. Rinder wurden auf den Weiden geschlachtet u. das Fleisch fortgebracht. Feldfrüchte, namentlich Äpfel, waren erst recht nicht sicher. Sogar Kirchen wurden bestohlen. In Asseln bei Dortmund sind meinem Freund, Dechant C. Krekeler aus Lüchtringen für 2000 M. Leinensachen gestohlen. - Auch in unserer Kirche entdeckte ich eines Tages, daß die Kerzen auf dem Rosenkranz- Altare u. eine kleine Leuchte fehlten. Im Glauben, meine Schwester hätte sie abgenommen, habe ich zuerst nichts gesagt. Als ich dann nachher fragte, wurde mir klar, daß sie gestohlen waren - sehr wahrscheinlich von den zwei fremden Frauen, die ich in der Kirche traf, auf der Männerseite sitzen u. zwar oben in den Bänken. Mein Kommen hat sie daran gehindert, noch mehr zu stehlen. Infolgedessen wurde die Kirche tagsüber geschlossen gehalten, bis die Hamsterplage aufhörte. Bürgerwehr in Erkeln. Die Revolution löste die Bande der Ordnung und Zucht. Die Polizei konnte die öffentliche Sicherheit nicht mehr verbürgen. Die Verbrecher hatten Oberwasser. (Im benachbarten Brakel wurde in einer Nacht dem Krankenhause das Fleisch von 12 geschlachteten Schweinen gestohlen.) Daher gingen die Städte u. Landgemeinden zur Selbstwehr über und gründeten Bürgerwehren. - Hierbei hätten sich die Soldatenräte nützlich machen können, allein denen kam es auf's Regieren an.- Auch in Erkeln wurde eine Bürgerwehr gegründet, welcher der Lehrer F. Meyer vorstand. Sie kostete der Gemeinde, da sie bezahlt werden mußte jede Nacht 12 M. Mit Eintritt des Frühlings hörte sie auf. Diebstähle auf der Eisenbahn. Zeitungsbericht vom 27. September 1919: " Seit dem Ausbruch der Revolution hat die Eisenbahnverwaltung Preußens 110 Millionen Mark Verlust infolge Güter- und Ge-päckdiebstahl gebucht. In normalen Zeiten betrug das Verlustkonto 4 bis 5 Millionen Mark." Der Eisenbahnminister für Preußen hat einen Verlust von 160 Millionen M. im ganzen Jahr herausgerechnet. - Segnungen der Revolution. - In den Eisenbahnwagen war nichts mehr sicher. Die Lederriemen von den Fenstern wurden abgeschnitten, die Bindfäden an den Gepäckträgern fortgenommen, der Plüsch vielfach von den Polstern geschnitten, die Fenster böswillig demoliert. Da Mangel an Glasscheiben war, wurden die beschädigten Fenster mit Brettern zugenagelt, was ganz abscheulich aussah. Zudem herrschte keine Ordnung. Leute mit Fahrkarten 4. Klasse fuhren in der 3ten oder gar 2. Klasse. Ich habe einmal mit Fahrkarte 2.Klasse um nur mitzukommen, in die 4. Wagenklasse einsteigen müssen. Die 2. Kl. war von Inhabern von Fahrkarten 3. u. 4. Kl. besetzt Eingeklebter Zeitungsausschnitt: "Minister Groener: Als Entschädigung für Verlust und Beschädigung von Gütern wurden bezahlt im Jahre 1913, 7 Millionen Mark, 1914. 5,2 Millionen Mark, 1915, 9,2 Millionen Mark, 1916, 19,9 Millionen Mark, 1917, 87 Millionen Mark, 1918, 148 Millionen Mark und 1919, 336,8 Mill. Mark. . Kriegskinder. Die Kriegskinder - Pflegekinder aus der Industrie-Gegend. Je länger der Krieg dauerte, desto größer wurde die Not, namentlich in der Industrie-Gegend. Am meisten litten die Kinder. Viele starken an Unterernährung. Da kamen zuerst Geistliche auf den Gedanken, notleidende Kinder ihrer Gemeinde auf dem Lande unterzubringen. Später wurde die Unterbringung von der kirchlichen Behörde geleitet; zuletzt bemühte sich auch die Regierung für die hungernden Kinder in dem gedachten Sinne. Die Pfarre Erkeln hat mehrere Jahre hindurch bis zu 60 fremde Kinder aufgenommen u. gratis gepflegt. Widerliche Erscheinung. Der Krieg erfordert Soldaten. Aus Erkeln sind gegen 100 Mann zur Fahne einberufen. Man griff sogar zurück auf die 18jährigen Jungens. Aus dem Post- und Eisenbahndienste nahm man, was man nehmen konnte und stellte weibliche Personen als Beamte an. So sah man in den Städten weibliche Postboten, auf den Bahnhöfen und den Eisenbahnzügen weibliche Schaffner. Die Schaffnerinnen auf den Zügen trugen als Dienstanzug Mannskleider: Hose (ziemlich kurz), Litefka, Mütze (über den zusammengebundenen Haaren), Damenschuhe. Die contradictio in adjecto trat zu deutlich hervor - und der leichte, trippelnde Gang. Es war eine widerliche Erscheinung. Haben die Protestanten in Erkeln das Recht auf Geläut bei Beerdigungen ? Am 29. Januar 1919 starb das Söhnchen des hiesigen protestantischen Mühlenbesitzers Carl Rhein. Bei mir wurde angefragt, ob das Kind am folgenden Sonntag Nachmittag um 3 Uhr beerdigt werden könnte, das Ausläuten sei schon bestellt. Ich antwortete, die Beerdigung könne stattfinden, das Geläut aber könne ich nicht ohne weiteres bewilligen, da die Glocken Eigentum der Kirche seien. Sofort setzte ich mich hin und berichtete den Fall an das Generalvikariat mit der Anfrage, ob man nicht auf den Grund hin, daß die Glocken von der politischen Gemeinde unterhalten würden, das Geläut genehmigen dürfe. Kaum war ich damit fertig, da kam der Gemeindevorsteher Lud.Backhaus zu mir und sagte: "Herr Pastor, was haben Sie gemacht ? Der Bruder der Frau Rhein (Ostmeier aus Amelunxen) ist bei mir und schimpft mir das Haus voll, weil Sie das Kind nicht ausläuten lassen wollen." Ich fragte: "Ist Ostmeier noch in Ihrem Hause "? "Ja" - Nun ging ich mit ihm. Ostmeier war wütend. "Das Kind ist doch kein Verbrecher"? u. desgl. sagte er. Ich erwiderte ihm, er möge sich beruhigen. Es handele sich hier um kirchliche Rechte. Ein protestantischer Pastor würde in umgekehrten Falle eben so handeln wie ich. Er habe keine Ahnung davon was Katholiken und namentlich die kath. Geistlichen in der Diaspora sich von den protestantischen Pastören gefallen lassen müßten. Übrigens hätte ich bereits an meine kirchl. Behörde geschrieben und erwartete den Bescheid ab. Die k. Behörde antwortete erst telefonisch und gleich darauf brieflich: Bischöfliches Generalvikariat Paderborn, den 31. Januar 1919 I. Nr. 809 Auf den Antrag vom 29.d.M. sandten wir folgende Drahtung an Sie ab. "Auf Antrag vom 29.d.M. stellen wir dortige Entscheidung in dem Sinne anheim, daß Ärgernis vermieden wird. Generalvikariat ". Eine rechtliche Verpflichtung zum Kirchengeläut für das evangelische Kind besteht nicht. Wir müssen deshalb die Entscheidung dem dortigen Ermessen in dem Sinne überlassen, daß Ärgernis nach irgend einer Seite tunlichst vermieden wird. Stamm Darauf hin habe ich das Geläut gestattet; denn die Verweigerung hätte großes Ärgernis abgesetzt. In Erkeln ist man gegen Protestanten u. Juden sehr "dolent." Im folgenden Monat September starb auch der Mühlenbesitzer Carl Rhein. Ich war sehr froh, daß ich den Bescheid von Paderborn hatte. Die Beerdigung war ebenfalls am Sonntag. Jetzt wurde sogar darum gebeten, daß die Schulkinder offiziell mit zur Be- erdigung gingen. Ich konnte das nicht zugestehen; da aber voraussichtlich viele Kinder schon aus Neugierde mitgehen würden, habe ich Lehrer und Lehrerin gebeten, (diese gingen ohnehin mit zur Beerdigung), die Kinder, welcher an der Beerdigung teilnehmen, zu beaufsichtigen. Der Prediger von Brakel brachte seine Sänger (Knaben) von Brakel mit, welche im Hause des C.Rhein u. am Grabe gesungen haben. Unterwegs wurde vom Volke gesungen, wie bei einer katholischen Beerdigung. Erkeln ist tolerant. Lehrpersonen . Am 1. April 1919 trat der Lehrer Faber in Erkeln wieder seinen Dienst an. Die Lehrerin Maria Zengerling war zum selben Termin nach Brenken bei Büren versetzt. An ihre Stelle trat am 1.4.1919 die Lehrerin Josefine Heinemann, geb. 15.1.1893 in Driburg. Nach Beller kam an Stelle des nach Paderborn versetzten Lehrers Franz Klaholt der Lehrer Theodor Laufkötter, geboren zu Sandebeck am 25.2.1892. Volkszählung. Nach der Volkszählung von 1919 betrug die Einwohnerzahl in Erkeln 831 (390 männliche und 441 weibliche Einwohner), in Beller 165 (88 männliche und 77 weibliche Einwohner). Reichverfassung. Am 11. August 1919 trat die neue Reichverfassung in Kraft, welche der kath. Kirche mehr Freiheit gewährte, als sie unter königlichen Regime besessen hatte. Kriegsanleihe. Als Kriegsanleihe sind angelegt: a) aus den kirchlichen Fonds in Erkeln Reichsschuldbuch 1) aus dem Kirchenfonds 3.000 M A Nr.66038 Konto 5 % V 47322 2) aus dem Kaplaneifonds 29.200 M A Nr.67964 " VI 5325 3) aus dem Kaplaneifonds 1.400 M A Nr.249648 " VI15138 4) aus dem Pfarrfonds 23.000 M A Nr.66039 " VI 20858 5) aus dem Küsterfonds 4.200 M A Nr.249646 " VI 15139 6 aus dem Fonds d.Petri- Kap. 400 M A.Nr. 249649 " VI 15137 7) aus dem Baufonds d. Kirche 3.600 M Schuldscheine C 12473B.3631322. D. 8254749. G. 11488325 (Erlös aus den an den Staat verkauften Glocken u.Orgelpfeifen). zusammen 64.800 M. b) aus den kirchlichen Fonds in Beller: 1) aus dem Kapellenfonds 900 M A 66010 Konto (5%) VI 15229 2) aus dem Kapellenbaufonds 500 M VI 15230 zusammen 1.400 M demnach aus der Pfarre 66.200 M kirchlicher Gelder. Die kirchliche Behörde empfahl die Anleihe. Näheres über die Anleihe und Zinszahlung siehe im Lagerbuche. Zahl der Kommunionen i.J.1919. Die Zahl der Kommunionen betrug i.J.1919 laut Hostienrechnung 8200. (Ursache des Rückganges: mehrmonatliche Krankheit des Pfarrers). Aufhebung der Ortsschulinspektion. Die Ortsschulinspektion wurde bis zum Jahre 1873 durch den Pfarrer ausgeübt und zwar war er geborener Ortschulinspektor d.h. er wurde mit der Ernennung zum Ortspfarrer eo ipso Ortsschulinspektor. Im Kulturkampf (1873) wurden die geistlichen Ortsschulin-spektoren in ganz Deutschland abgesetzt. An ihre Stelle traten Bürgermeister, Förster etc. Als der Staat mit der Kirche Frieden machte (1885), wurden auch die Pfarrer, ausge-nommen in den von Polen bewohnten Teilen Preußens, zur Ortsschulinspektion wieder zugelassen, es bedurfte aber dazu einer besonderen Ernennung durch den Staat. (Orts-schulinspektoren von Staatsgnaden). Als die Revolution ausgebrochen war und der So-zialdemokrat Adolf Hoffmann sich zum Kultusminister (Minister für Wissenschaft, Kunst u.Volksbildung) gemacht hatte, hatte er nichts eiligeres zu tun, als die geistlichen Ortsschulinspektion aufzuheben. Sein Erlaß wurde für ungültig erklärt. Aber im Frühjahr 1919 beschloß das Abgeordnetenhaus die defensive Aufhebung der Ortsschulinspektion zum 1. October g.a. Die Dränger waren die Lehrer, namentlich die lieberale Deutsche Lehrerverein, der Preußische u.d. Neupreußische Lehrerverein. Selbst der kath.Lehrerverband stieß in dies Horn. Er verlangte zwar, daß die Rechte der Kirche auf die Schule gewahrt wurden, wußte aber nicht anzugeben, wie ? Den Geistlichen sagte man, fehlt "die technische Bildung". Ich bin bei 2 Kaplänen in die Schule gegangen, denen "die technische" d.h. die seminiaristische Bildung fehlte, die es aber im Schulehalten, was Leistungen anbetrifft, mit jedem Lehrer aufnahmen. Die Ortsschulinspektion der Pfarre hat die Lehrer wahrlich nicht gedrückt, aber der liberale Geist war auch in die kath. Lehrerschaft gedrungen; daher allgemeine Befriedigung auch bei diesen, als die geistliche Ortsschulinspektion fiel. Die Kirche hat ein natürliches Mitaufsichtsrecht über die Schule (vgl.Syllatus v.J.1864. These 74). - daß es ihr vorenthalten wird, ist Kulturkampf. Die geistliche Ortsschulinspektion war nicht zum Schaden der Schule, auch nicht der Lehrer - im Gegenteil. Sie war eine Schutzwehr gegen den antichristlichen Geist. Sie ist gefallen zum Schaden der Kirche, aber auch zum Schaden des Staates u. nicht zuletzt zum Schaden der Lehrerschaft, was diese aber in ihrer Mehrheit nicht einsehen will. Die Zeit wird's lehren. Mißglückter Schulbau. Am 1. April 1913 wurde in Erkeln die 3.Lehrstelle (2.Lehrer) gegründet. Es mußte also auch ein 3. Schulzimmer geschaffen werden. Überdies fehlte die Dienstwohnung für die Lehrerin und den 2. Lehrer. Die Schulzimmer in der alten Schule sind schlecht und die Wohnung des 1.Lehrers ist nicht gut. Es erschien also am zweckmäßigsten, vollständig neu zu bauen u. das alte Schulgebäude einem anderen Zwecke zuzuweisen. Als anderer Zweck war vorgeschlagen ein Schwesternhaus (3 Schwestern) für Kinderverwahrschule, Handarbeitsschule für Jungfrauen und ambulante Krankenpflege. Zur Unterhaltung des Schwesternhauses sollte die Kieneke'schje Stiftung in Anspruch genommen werden. Großer Widerstand! Zunächst bei der Gemeindevertretung. Dieselben Herren, welche vom Pastoratbau nichts wissen wollten, wollten auch vom Schulbau nichts wissen. Selbst der Landrat, der ihnen den Neubau etc. plausibel machen wollte, erreichte nichts. Der Plebs aber wollte es nicht gefallen, daß die Einkünfte der Kieneke'schen Stiftung zum Teil dem Schwesternhause zukommen sollte. Nach und nach wurde aber der Widerstand bei der Gemeindevertretung überwunden. Bei der Suche nach einem Bauplatz - am liebsten hätte man in den Garten des Lehrers unmittelbar am Kirchhof unter Zunahme des Pfarrhaus-gartens gebaut u. den Übelstand, daß der Kirchhof Spielplatz für die Schule ist, verewigt - kam der Kirchenvorstand der Gemeinde entgegen und überließ ihr von der Gelebreite 31,64 ar und vom Hausgarten 1,11 ar, früher Feuerteich, jetzt ausgefüllt, zusammen 32,75 ar - hinter dem Pfarrgarten; die Pfarre erhielt dafür vom Garten des Lehrers am Kirchhof 1,65 ar und vom Schullande auf der Steinbreite 51,06 ar. Die Schule sollte 10 m von der Grenze des Pfarrgartens entfernt auf die Gelebreite gebaut werden, so zwar daß die Schulzimmer unter 1 Dach u. die Dienstwohnung für den 1. Lehrer u. die Lehrerin ebenfalls unter 1 Dach kämen - also 2 sich berührende Gebäude, nach Westen Gebäude für Schulzimmer u. Süden (Wohnhaus) den Schulplatz im rechten Winkel abschließend. Die Schulzimmer schauten nach Osten auf den Spielplatz im Unterstock 2, im Oberstock 1, daneben oben das Zimmer für den unverheirateten Lehrer. Der Pfarrer konnte von dem neuen Schulgebäude aus in seinen Garten nur vom Schlafzimmer des unverheirateten Lehrer gesehen werden. Der Weg zur neuen Schule sollte von der südlichen Kirchtür aus direkt auf den Schulplatz führen. Der Pfarrhausgarten sollte von dieser Seite eine 2 m hohe Mauer erhalten. Diese Mauer war Mitbedingung für den Austausch, ist aber bis jetzt (1920) nicht gebaut. Der Plan war fertig und der Bau sollte vergeben werden. Es traten 2 Unternehmer aus der Gemeinde Friedr.Meyer u. Johann Wulf als Bewerber auf. Johann Wulf stellte seine Forderung um einige 100 M niedriger als Fr. Meyer. Der Gemeinderat zog also den ersten vor. Dagegen protestierte der Landrat, weil Wulf in einem Posten ein zu tiefes Untergebot gemacht hatte. Es wurde hin- und her gestritten, Wochen und Monate vergingen, da brach der Krieg aus - und der Schulbau wurde verschoben, worüber die Herren vom Gemeinderat keineswegs betrübt waren. Wann wird nun gebaut ? Wie lange sollen die traurigen Schulverhältnisse in Erkeln noch dauern ? Jetzt kostet die Schule das Zehnfache. Hätte die Gemeinde Erkeln im J. 1909, wie die Bischöfliche Behörde es wünschte, eine neue Pastorat gebaut u. hätte sie im J. 1914 eine neue Schule gebaut, dann stände sie heute besser da. Die Knauserpolitik ist noch immer zum Schaden der Gemeinde ausgeschlagen. Fortbildungsschule. Die Fortbildungsschule besteht in Erkeln seit dem Jahre 1913, war aber nicht pflichtmäßig. Im Jahre 1919 wurde der Besuch derselben durch Ortsstatut pflichtmäßig gemacht. Der Charakter der Fortbildungsschule kommt in der dem Ortsstatut beigefügten Schulordnung zum Ausdruck. Danach ist die Schule rein weltlich. Im § 1 wird als Ziel der Schule die Erziehung und Ausbildung der verpflichteten Personen bezeichnet, das beste Erziehungsmittel, die Religion, wird aber nicht genannt. Die Gemeindevertretung (bestehend aus dem Vorsteher Ludwig Backhaus, den Ökonomen Anton Thieleke und Eduard Welling, dem Sattler Ferdinand Köring, dem Maurerpolier Franz Meyer, dem Tischler Wilhelm Zimmermann, dem Zimmermann Anton Berghane) konnte auch den Religionsunterricht zum Pflichtfache machen, tat es aber nicht. Der Amtmann Schlickau war von Anfang an dagegen gewesen. Man hätte erwarten können, daß der bestehende Schulvorstand für die Volksschule eo ipso auch Vorstand für die Fortbildungsschule werde, wie es anderwärts der Fall ist, allein in § 2 der Schulordnung ist ein eigener Schul-Vostand vorgesehen, in welchem für den Ortspfarrer kein Platz ist, höchstens kann er sich in den Schulvorstand wählen lassen. Da sieht man, daß die Gemeindevertretung, beeinflußt vom Amtmann Schlickau, der neuen Zeitrichtung Rechnung trug. So geschehen Erkeln, den 17. August 1919. 1920. Der Kapellen-Neubau in Beller i.J.1920. Folgende Urkunde wurde in einer verlöteten Zinkbüchse in die Mauer der Kapelle hinter dem Altar unter dem Boden eingelegt 1921. " Urkunde" Beller Pfarre Erkeln Kreis Höxter, am Sonntag, den 31. Juli 1921. Im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes. Amen. Der Pfarrer von Erkeln Johannes Dettmar Schmitz hat i.J.1741 in Beller eine Kapelle aus eigenen Mitteln erbauen lassen. Diese stand unmittelbar an der Hauptstraße und parallel derselben auf dem Platze rechts vor der neuen Kapelle etwa 2 m in den Baugrund der neuen Kapelle hineingreifend. Sie war 8 m lang und 5 m breit, im romanischen Baustil mit massivem Gewölbe ausgeführt, an sich schön und kunstgerecht. Es ist schade, das sie abgebrochen werden mußte. Denn mit der Zeit wurde die angrenzende Straße erhöht, sodaß der Boden der Kapelle bedeutend unter das Niveau der Straße kam. Infolge dessen wurde die Kapelle feucht, zumal bei starken Regen das Wasser in sie hineinfloß. Überdies war sie zu klein. Der Altar, unmittelbar vor der Wand stehend, war zugleich Paramentenschrank und nebst einigen Bänken das einzige Inventar. Die Gsundheits- kommission für Beller hat die Kapelle i.J.1713 als "zur Benutzung als öffentlichen Ver- sammlungsraum ungeeignet" erklärt. Die Erbauung einer neuen Kapelle war also eine Notwendigkeit. Im Februar d.J.1920 ergriff dann die ganze Gemeinde eine große Begeisterung für den Kapellenneubau. In Beller war kein Andersgläubiger, da die Mühle, welche 150 Jahre lang in protestantischen Händen gewesen war, kurz vor dem Weltkriege in den Besitz eines Katholiken (Heinrich Runge) übergegangen war. Den Bauplatz schenkte der Landwirt Heinrich Kieneke von seinem Hausgarten. Das notwendige Bauholz gab die Gemeinde aus ihrem Walde, die Steine aus ihrem Steinbruche; die Landwirte übernahmen freiwillige Fuhren, die Nicht- Landwirte freiwillige Arbeiten im Walde, Steinbruch und beim Bau. Wer Zeit hatte, half handlangern, auch manche Landwirte. Eine in der Gemeinde - sie zählte nur 26 Häuser - veranstaltete Zeichnung freiwilliger Gaben brachte in 8 Tagen 22.000 M., welche in 14 Tagen flüssig waren. Der Architekt Hans Happ in Brakel verfaßte den Bauplan, und als die Genehmigung desselben seitens der Behörden sicher war, ging es mutig an's Werk. Am Sonntag, den 20. Juni 1920, fand die Einweihung des Grundsteines statt, und Ende Herbst war die neue Kapelle unter Dach. Da die Kapelle aus freiwilligen Gaben und Leistungen erbaut wurde, konnte der Bau nicht an einen Unternehmer verdungen werden. Der Maurerpolier Lohre aus Hembsen hat sie mit Hembsener Maurern unter der Aufsicht des gen. Architekten Happ ausgeführt. Die Schreinerarbeiten besorgte der Tischlermeister Hermann Steinhage in Beller. Nach dem Kostenanschlag hoffte man, die Kapelle für 45.000 M herzustellen, allein die Preise der Materialien und Löhne gingen immer mehr in die Höhe. Durch weitere Sammlungen hat die Gemeinde bis jetzt 60.000 M aufgebracht. Der Architekt Happ schätzt die fertige Kapelle, alles nach modernen Preisen gerechnet, auf 200.000 M. Bis auf das Harmonium, welches die Gemeinde Erkeln aus freiwilligen Gaben geschenkt hat, hat die Gemeinde Beller (ca. 170 Einw.) ihre neue Kapelle samt Inventar vollständig aus eigenen Mitteln hergestellt. Altar (für 1.000 M repariert), Glocke und Kreuzweg wurden aus der alten Kapelle herübergenommen. Die Seele des ganzen Unternehmens war aber der bereits gen. Mühlenbesitzer Heinrich Runge, welcher den vom Pfarrer schon vor Jahren angeregten Plan kräftig in die Hand nahm, dazu am meisten beigetragen in barem Geld, durch Fuhren und selbst persönlich tüchtig zugegriffen hat. Aber auch die übrigen Einwohner von Beller haben getan, was sie gekonnt haben, und so steht die neue Kapelle da als Zeugnis für die große Religiösität u. die große Opferwilligkeit der Gemeinde. Gott wird's nicht unbelohnt lassen. Als Kapellenpatron wurde der hl. Josef beibehalten. Möge er Kapelle und Gemeinde von neuen unter seinen Schutz nehmen. Möge von diesem Heiligtum aus die Gnade und der Segen Gottes in reichem Maße über die Gemeinde sich verbreiten bis in die fernsten Zeiten. Beller, den 31. Juli 1921 (L.S.) Der Pfarrer H. Kümmel " (L.S.) Der Kapellenvorstand: H.Kümmel,Pfr. Joh. Mikus, Heinr. Runge. Der Gemeindevorsteher: Joh. Mikus (L.S.) Der Gemeinderat: Joh. Mikus,Vorsteher, H.Runge, Joh.Fleckner, Joh. Schimmelfederr,Heinr. Kieneke. Benediktion der Kapelle in Beller. Die neue Kapelle in Beller ist vom Pfarrer rite benediziert am Sonntag, den 18. Sep-tember 1921, unter Assistenz des Herrn Kaplan Josef Köhne aus Beller und des Herrn Kaplan Pfarrvikar Heer in Hembsen. Am Abend desselben Tages war gemütliches Zu- sammensein der Gemeinde vor der Schule mit Musik, Gesang (3 Gesangvereine: von Beller, Erkeln u. Hembsen), u. Bier. Den Schluß machte ein Fackelzug, an dessen Ende vor der Kapelle das "Großer Gott, wir loben dich" gesungen wurde. Auch der Amtmann Schlickau von Höxter (früher in Brakel) u. der Kreisschulinspektor Rieß waren erschienen. Eine so schöne Feier hat Beller nie erlebt. Deus custodiat hanc voluntatem. Kriegerheimkehrfest. Wie an anderen Orten, so wurde auch in Erkeln ein Kriegerheimkehrfest gehalten, nämlich am Sonntag, den 13. Juni 1920 u. den folgenden Montag. Das Auffällige dabei war eine nie gesehene Menge von Teilnehmern, so daß sie sich in der Tanzscheune drängten und ein nie gesehener Luxus. Die heimgekehrten Krieger mußten auf der Nethebrücke Aufstellung nehmen. Hier wurden sie vom Kriegerverein empfangen. Dem Kriegerverein schritten 60 weißgekleidete Jungfrauen in Reihen zu vieren voran im gleichen Schritt u. Tritt. Sie hatten die Aufgabe, den Heimkehrern Kränze zu überreichen. Auch wurden von einigen Gedichte vorgetragen. Dann ging's zum Tanz bis...... Daß wir den Krieg verloren haben, daß Erkeln 36 tote Krieger zählt, konnte man nicht merken. Vergnügungssucht ! --- Tanzwut ! o Erkeln ! Elternbeirat für die Schule. Am 20.Juni 1920 war die Wahl zum Elternbeirat für die Schule - sozialistische Idee -. Der Sozialdemokrat Wilh. Schlüter hatte nicht vergessen, eine Liste aufzustellen, fiel aber damit herein, weil er einem seiner Kandidaten einen falschen Vornamen gegeben hatte. Er, Schlüter, wäre sonst in den Elternbeirat gekommen - traurig für Erkeln. Wahlen zum Landtag, Provinziallandtag und Kreistag. Am 20. Februar 1921 waren die Wahlen zum Landtag, Provinziallandtag und Kreistag. Schon am Rosenkranzfest 1920 erschien in Erkeln ein sozialdemokratischer Redner von Bielefeld, veranlaßt durch W. Schlüter. Da ich keinen Redner haben konnte, war ich genötigt, ihm selbst entgegen zu treten, obwohl die Versammlung auf 12 Uhr angesetzt war. Thema: Notwendigkeit d. Sozialdemokratie. Gut abgeschnitten hat er nicht, aber er hat das letzte Wort gehabt, da ich die Andacht halten mußte. 6 Wochen nachher kam der 2te Bielefelder. Dieser hat noch weniger gut abgeschnitten. Und am Sonntag vor der Wahl kam der dritte, der gründlich hineinfiel. Die Deutschnationalen hatten diesmal keine Wahlversammlung gehalten (was sie im vorigen Jahre getan), sondern unter der Hand agitiert, namentlich am letzten Tage. Rustemeyer, selber Kandidat für den Kreistag, hatte die Landwirte bearbeitet. Das Resultat: Landtag: Zentrum 268 Stimmen, Deutschnationale 35, Mehrheitssozialisten 56, Unabhängige 2, Kommunisten 2. Provinziallandtag u. Kreistag: Zentrum 248, Deutschnationale 41, Mehrheitssozialisten 69, Unabhängige 2, Christliche Nationale 3. Dies Resultat ist für das kath. Erkeln sehr beschämend. Diese Profidia ! Beller hat 12 Deutschnationale Stimmen gehabt (Landwirte), die übrigen Zentrum. Trennung des Küsteramtes vom Lehreramt. Die Lehrer, auch die katholischen in großer Mehrheit, empfanden den Küsterdienst als erniedrigend. Zunächst arbeiteten sie darauf hin,, daß ihnen die sogen. niedern Küster-dienste abgenommen würden, was auch geschah. Das Ziel war aber völlige Trennung des Küsteramtes vom Lehreramte. Die Bischöfe gaben dem allgemeinen Drängen nach und ordneten die Trennung des Küsteramtes vom Lehreramte an, Paderborn am 20. Juni 1919. Kirchl.Amtsblatt Stück 13 Nr.113. Das Organistenamt sollte ebenfalls abgetrennt werden, wenn der Lehrer es wünsche. Zugleich wurde das Gehalt des Organisten fest-gesetzt, bestehend aus Grundgehalt (500 M, wenn am Sonntag in 3 Gottesdiensten gespielt würde; wenn nur in 2 Gottesdiensten gespielt würde, 400 M, dieses später be-stimmt) und Manualstipendien pro Hochamt 1,50 M. In Erkeln geschah die Trennung am 1. April 1920, sc. des Küsteramtes, das Organistenamt wurde auf Wunsch des Lehrers nicht abgetrennt, -soll aber, wie das Gesetz vom J. 1920 vorschreibt, auch getrennt werden. Mit dem Lehreramt soll kein kirchliches Nebenamt mehr verbunden sein. Kulturkampf !Der Hauptlehrer und Organist Meyer beanspruchte von vornherein für das Organistenamt die Hälfte des Küsterlandes. Land war von den Organisten bei der großen Teuerung der Lebensmittel sehr begehrt. Eine Anfrage beim Generalvikariat wurde unterm 25. Juli 1919 dahin beantwortet, daß, wenn das Küsterland im Grundbuch auf den Namen der Küsterei stehe, es auch bei dieser verbleiben müsse. Der Lehrer gab aber nicht nach. Nachdem in einer gemeinsamen Sitzung des Kirchenvorstandes u. der Gemeindevertretung das neue Gehalt des Organisten festgesetzt u.das Protokoll schon unterschrieben war, wiederholte er seine Forderung nach Küsterland. Paderborn sei jetzt anderer Auffassung. Es wurde ihm erwidert, dann möge er sich dieserhalb an die Behörde wenden. Darauf sagte er, dann will ich schreiben: Der Kirchenvorstand hat der Teilung des Küsterlandes zugestimmt". Ich sagte ihm, daß die Verfügung vom 25. Juli 1919 entgegen stünde. Wir müßten es der Behörde überlassen, ob sie seinen Antrag genehmige oder nicht. "Dann will ich also schreiben", sagte er, "der Kirchenvorstand hat im Prinzip zugestimmt". Ich wiederholte ihm, daß wir uns den Entscheid der Behörde fügten. Gleichwohl hat er in seinem Antrag absolute gesagt, "der Kirchenvorstand hat einer Teilung des Küsterlandes zugestimmt" u.Paderborn hat genehmigt, daß dem Organisten die Hälfte des Küsterlandes zur Benutzung überwiesen werde, wenn der Kirchenvorstand dies beschließe, das hat aber über 4 Monate gedauert. In der nächsten Kirchenvorstandssitzung (12.Sept.1920) war ich erstaunt, zu hören, sie, die Mitglieder des Kirchenvorstandes, hätten der Teilung zugestimmt. Keiner von ihnen hatte in der Sitzung vom 18.April 1920, wo die Verhandlung gewesen war, ein Wort für den Lehrer gesagt. Ich sagte ihnen, ob sie nachträglich privatim dem Lehrer zugestimmt, könne ich nicht wissen, in der Sitzung hätten sie es nicht getan. Es ging ziemlich heftig her. Ich erinnerte die Herren daran, daß sie auch die Interessen der Küsterei wahrzunehmen hätten. Ich müsse jetzt mein eigener Küster sein, da ich keinen Küster bekommen könne. Wenn das halbe Küsterland abgegeben würde, bekäme ich erst recht keinen Küster. Darauf wurde beschlossen, die Beschlußfassung über das Küsterland bis zur Wiederbesetzung der Küsterei auszusetzen.Nachdem der Lehrer Meyer von diesem Beschluß gehört, ist er persönlich beim Generalvikar vorstellig geworden und hat sich über mich beschwert. Ich bin dann auch zum Generalvikar gegangen u. habe ihn meine Schwierigkeiten wegen Wiederbesetzung der Küsterei vorgetragen u. wie die Sachen zusammen hingen. Den Etat der Küsterei habe ich vorgelegt - er belief sich auf 400 M. In dem Schreiben vom 4.October 1920 Nr. 8182 sagt das Generalvikariat, daß das Diensteinkommen des Küsters unter Anrechnung der Bezüge 1.000 M betragen müsse. Von jedem Manualhochamt soll 1,50 M Gebühren für d.Küster erhoben werden. Im Übrigen solle die Deckung des Gehaltes bei den Verpflichteten beantragt werden. Der Verpflichtete war die Pfarrgemeinde bezw. die Kirchenkasse, deren Defizit die politischen Gemeinden Erkeln (zu 3/4) u. Beller (zu 1/4) observanzmäßig decken. In der Sitzung vom 17. October 1920 beschloß nun der Kirchenvorstand: 1.bezüglich der Besoldung des Organisten, demselben die Hälfte desKüsterlandes widerruflich zu überlassen zur Benutzung, 2.der Küster soll die Reinigung der Kirche übernehmen, die bisher eigens verdungen war, u. dafür 300 M. aus der Kirchenkasse erhalten. Demnach setzt sich das Küstergehalt zusammen aus 96,00 M vom Küsterlande (Hälfte), 348,28 M Bareinnahme (Zinsen, Stolgebühren, Weihgang), 200,00 M Manualstipendien 300,00 M für das Kirchenreinigen. Sa.944,28 M. Die an 1.000 M fehlenden 55,72 M werden durch freiwillige Zugaben zu den Stol-gebühren gedeckt werden, sodaß also das verlangte Gehalt von 1.000 M sicher ist". Also: Der Organist hat die Hälfte des Küsterlandes zur widerruflichen Benutzung bekommen (faventitem Vicariate generali et Praesidio ecclesiae Erkelnensis), und der Küster bekommt 1.000 M Gehalt. Es war keine leichte Sache . Kreuzweg in Beller neu benediziert. Der Kreuzweg in der Kapelle zu Beller ist aus der abgebrochenen Kapelle in die neue transferiert und am 9.October 1921 von dem P. Leander O.F.M. aus dem Franziskanerkloster in Paderborn von neuem benediziert. Zahl der Kommunionen i.J. 1920. Die Zahl der Kommunionen i.J. 1920 beträgt nach der Hostienrechnung 6650. Es sind aber mehr gewesen, weil die Patres aus Driburg, welche mich während meiner Krankheit im Januar, wo ich im Krankenhaus zu Brakel war, vertreten haben - ich bin am 3. Februar aus dem Krankenhause in Brakel heimgekehrt u. habe bis zum weißen Sonntag Vertretung gehabt - Hostien mitbrachten. Die Zahl läßt sich also nicht bestimmt angeben. Neuer Weg. Der Weg von der Grünebache zur Tietelser Chaussee war Hohlweg geworden u. unpassierbar. Der neue Weg entlang den alten ist i.J. 1920 angelegt. Das Areal, 13,24 ar ist vom Kaplaneilande genommen. Das qm kostet 2,50 M. cf. Jahr 1925. 1921. Großes Sportfest in Erkeln. Der i.J. 1910 hier gegründete Turnverein, dessen Hauptaufgabe es war, Bälle zu veranstalten, war i.J.1913 eingegangen, wurde aber nach dem Kriege wieder in's Leben gerufen. Auch jetzt wurde wenig geturnt, doch brachte er der Wirtschaft Wulf die Gäste zu. Am 25. September 1921 - Sonntag - veranstaltete er ein großes Sportfest, zu dem 11 auswärtige Vereine erschienen. Schon vor Mittag begann das Schauturnen. Ich war er-sucht, die Zeit der hl. Messe zu verlegen, damit auch die von auswärts kommenden Teilnehmer Gelegenheit hätten, die hl. Messe zu hören - und tat es.( Nachdem der Militarismus in Deutschland zusammengebrochen ist, wird das Sportwesen sehr gefördert. Auch die kath. Vereine machen mit. Ich war genötigt, meine Stellung zum Turnverein zuändern, zumal dieser einlenkte.) Die Nachmittags-Andacht begann schon um 1 Uhr, war aber sehr schlecht besucht. Um 2 Uhr war Umzug durch das Dorf, an dem auch die Ehrenmitglieder des Turnvereins - der ganze Gesangverein u. die meisten Honoratioren der Gemeinde hatten sich als Ehrenmitglieder ergo condignum aufnehmen lassen - teilnahmen. Der Umzug machte wegen der leichten u. vielfach unsittlichen Kleidung der Turner - alle barhäuptig einer sogar barbeinig - einen widerlichen Eindruck. Auf dem Spielplatz, Johlen große Wiese am Wege nach Beller, angekommen, hielt der Hauptlehrer Meyer von hier die Festrede. Dann begann das Preisturnen u. Fußballspiel. Ich hatte mein Erscheinen zugesagt u. kam um 3 Uhr. Kaum war ich fortgegangen, geschah ein Unfall. Ein Turner aus Ottbergen zerbrach den Oberarm, so daß der Splitter des Knochens aus dem Fleische hervor stand. Er wurde in das Krankenhaus nach Brakel gebracht u. war am folgenden Sonntag eine Leiche. Am Abend war Ball in dem großen Wulf'schen Saale.. Der große Saal war überfüllt, sodaß sich die Tänzer drängten. Herr Wulf hat ein Bombengeschäft gemacht u. damit war der Hauptzweck der Übung erreicht. Welch' großen moralischen Schaden aber dieses Fest angerichtet hat, das weiß Gott. Möge es nie wiederkehren. Neuer Chormantel. Im Herbst 1921 wurde bei den Franziskanerinnen in Salzkotten ein weißer Chormantel für 1.850 M - auf der Kappe die Buchstaben P.F.S. - Pater, Felius,Spiritus, - und eine weiße (gelblich weiß) Casel für 1.500 M gekauft. Eine Verpachtung mit Hindernissen. Während des Weltkrieges waren die Lebensmittel rationiert worden. Die Landwirte mußten Weizen,Roggen u.Hafer, den sie übrig hatten, an den Kommunalverband bezw. den Staat für einen bestimmten Preis verkaufen; von dort bekamen die Müller das Korn u. die Bäcker wieder das Mehl, von den Müllern zu bestimmten Preisen. Die Konsumenten erhielten Brotmarken; nur wer Brotmarken hatte u. ablieferte bekam Brot u. zwar pro Tag zugeteilt, rationiert. Nach dem Kriege wurde die sog. Zwangswirtschaft zum Teil aufge- hoben und nun kam die Teuerung. Der Kommunalverband hatte für den Zentner Roggen i.J. 1919 35 M gezahlt, i.J.1921 zahlte er 105 M, der Marktpreis stieg aber Ende 1921 auf 300 M. Für Kartoffeln war i.J. 1921 ein Preis von 40 M festgesetzt, der Marktpreis aber betrug 80 M u. mehr für den Zentner. Wer also selbst produzierte, war wohl daran. Die, welche Land gepachtet hatten, machten bei dem alten Pachtpreise u. den neuen hohen Preisen für die Produkte ungeheuern Gewinn. I.J.1920 erschien das Pachtschutzgesetz, welches einerseits den Pächter schützte, sodaß ihm die Pacht nicht abgenommen werden konnte, falls er es zu seiner Existenz benötigte; andererseits dem Verpächter gestattete, den Pachtpreis zu erhöhen. Zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Pächtern u. Ver-pächter wurde das Pachteinigungsamt eingerichtet.Auch der Kirchenvorstand sah sich genötigt, im November 1920 mit den Pächtern des Kirchen-,Pfarr-, Kaplanei- u. Küsterlandes in Verhandlungen zu treten wegen Erhöhung der Pacht. Beschlossen war in der Kirchenvorstands-Sitzung, das Vierfache des bisherigen Preises zu fordern. (Die Naturalien waren um das Zehnfache im Preise gestiegen.) Erreicht wurde nur eine Erhöhung um 200%, also das Dreifache. Was mich betrifft, so wollte ich die Gellenbreite (3 1/2Morgen), welche an 17 Pächter verpachtet war als kleine Gärten, wieder in eigene Benutzung nehmen, um Vieh halten zu können. Hatte ich doch für ein Schlachtschwein von 250 Pfund 3.000 M - die Hälfte meines Gehaltes - gezahlt. Die Pachtzeit war schon Herbst 1919 abgelaufen u. als ich das Land 1920 wieder an mich nahmen wollte, mußte ich es den Leuten erst kündigen u. ihnen noch 1 Jahr, also bis Herbst 1921 lassen. Die Kündigung geschah im Oktober 1920 schriftlich durch den Polizeidiener, welcher den Pächtern die schriftliche Kündigung zur Unterschrift vorlegte. Einer hat die Unterschrift verweigert. - Im Mai 1921 wandte ich mich an das Landratsamt mit der Bitte, dafür zu sorgen, daß denen von meinen Pächtern, welche das Land nicht entbehren könnten, Ersatz geschaffen werde. Der Gemeindevorsteher hat darauf hin auch Anweisung bekommen, für Ersatz durch die größten Gutsbesitzer zu sorgen, hat aber nichts erreicht. Am 10. November, gerade als mein Ackersmann bereits einen großen Teil der Gellenbreite umgepflügt hatte, bekam ich dann eine Einladung vor das Miets- bezw. Kleingartenverpachtungsamt zum 14. November in der Wirtschaft Pott, (angeordnet vom Landratsamt.) Meine Pächter waren auch geladen u. erschienen. Diese Gesichter ! Man las verschiedenen die Verbissenheit vom Gesichte. Zunächst wollte der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Sierp aus Brakel, feststellen, daß den Pächtern gekündigt sei. Wie das gelogen ist ! Mehrere behaupteten, ihre Frau hätte unterschrieben u. ihnen nichts gesagt. Ein anderer behauptete, er wäre nicht zu Hause gewesen u.s.w. Als ihnen aber gesagt wurde, sie müßten ihre Aussage beschwören, gaben sie die Kündigung zu. Dann sollte festgestellt werden, wer eigenes Land u. Garten, bzw. das gepachtete nicht absolut notwendig hätte. Abermals Lügen ! Keiner wollte abgeben. Dann machte der Vorsitzende den Vorschlag, ich möchte statt Geld Naturalien verlangen. Ich sagte, ich würde darauf eingehen, wenn ich nur mit 2 oder 3 Pächtern zu tun hätte, aber mit 17 - ? Zugleich fragte er: wer gibt 1 Zentner Roggen ? Sogleich meldete sich einer, dann wurden die Pächter der Reihe nach weiter gefragt, wieviel Roggen, Weizen,Kartoffeln etc. sie statt des Geldes geben wollten. Das Angebot war so, daß das bisherige Pachtgeld ungefähr dem früheren Preise der Naturalien gleich kam. (Die Pächter zahlten früher 12 M - der Zentner Roggen kostete 8 - 10 M). Ich bin dann auf das Angebot eingegangen u. der Streit löste sich in Wohlgefallen auf. Beim Weggehen sagte mir der Rechtsanwalt Sierp: "Sie können nun Ihre anderen Ländereien auch so verpachten (sc. gegen Naturalien), wenn auch die Pachtzeit noch nicht abgelaufen ist. Ich hatte Bedenken, wegen der Krakehlerei, die ich mit Recht befürchtete u. weil die Pachtzeit Herbst 1922 ablief. Da konnte ich öffentlich verpachten u. wußte, daß ich mich besser stand. Vier Tage nachher bekam ich eine Aufforderung vom Rechtsanwalt Sierp, ich möchte ihm die Namen meiner Pächter, Größe u. Pachtpreis der einzelnen Grundstücke einsenden. (Es handelte sich jetzt um 35 Pächter). Ich tat es, und am 24. November war abermals bei Pott Sitzung. Ich zeigte den Pächtern, wie außerordentlich niedrig der gegenwärtige Pachtpreis gegenüber dem Preise der Naturalien sei. Der Pachtpreis für die Morge besten Landes (an der Grünebach) betrüge jetzt 150 M, der Zentner Roggen koste nahezu 300 M; mit einem halben Zentner Roggen könne man also die Pacht von 1 Morgen besten Landes bezahlen. Dann rechnete ich ihnen vor, wieviel Roggen ich mir i.J.1910 nach dem damaligen Pachtpreise und dem Kornpreise kaufen konnte -mehr als 6 Zentner pro Morge an der Grünenbache. Jetzt forderte ich nur 4 Zentner. Ebenso forderte ich bei den andern Ländern nur 2/3 dessen, was ich nach dem Pachtvertrag von 1910 fordern konnte. Für die Wiesen verlangte ich pro Morge 5 Zentner Roggen. Meine Pächter gingen darauf ein. Wir gingen friedlich nach Hause.Aber schon bald hörte ich, wie auf mich geschimpft wurde. Ich hätte Wucherpreise gefordert etc. Und einer von den Pächtern ging herum u. sammelte Unterschriften zu einem Protest beim Pachteinigungsamt.Von 35 Pächtern unterschrieben 12, darunter 9, welche am aller-billigsten gepachtet hatten - sie zahlten für 5/4 Morgen guten Landes nur 3 Zentner Roggen. Am 29. Dezember war Termin in Brakel. Es handelte sich hier aber nur um einen Vergleich. Ich bewies, daß ich nicht zu teuer verpachtet habe, u. daß auch kein Zwang ausgeübt sei, wie einer behauptete. Der Zwang sollte darin bestanden haben, daß ich anbot, ich würde, falls sie sich auf Naturallieferung verständen, die Pachtzeit um 5 Jahre verlängern. Ich wolle von der Valuta unabhängig sein, darauf waren sie eingegangen. Und das sollte Zwang gewesen sein. - Zu einer Herabsetzung des Pachtpreises in dem Termin konnte ich mich nicht verstehen, schon deswegen nicht, weil mir dann erst recht nachge-sagt worden wäre, ich hätte Wucherpreise gefordert. Ich machte aber den Vorschlag, ich wollte ihnen das Land in diesem letzten Pachtjahre (nach dem alten Vertrag) für die Hälfte des ausbedungenen Pachtpreises (e.c. in Naturalien) lassen, dann aber im nächsten Herbst öffentlich verpachten, dann würde es sich zeigen, ob ich Wucherpreise gefordert habe, wie behauptet sei. Zwei von den Pächtern ging darauf ein, die übrigen nicht. Die Sitzung war aus. Ich glaubte der Streit sei zu Ende, aber nach 14 Tagen erhielt ich eine Einladung, vor dem Pachteinigungsamt in Brakel am 26. Januar zu erscheinen. Jetzt trat also das Pachteinigungsamt in Tätigkeit. Von der Gegenpartei waren nur 5 Mann der Einladung gefolgt. Sie hatten sich einen Obmann besorgt in der Person eines Landwirts aus Erwitzen. Ich legte dar, daß die Pächter das Land noch 1 Jahr in Pacht gehabt hätten. Sie hätten also auf die neuen Bedingungen nicht einzugehen brauchen, dann wäre es meine Sache gewesen, das Pachteinigungsamt anzurufen. Am Tage der Neuverpachtung (24.November) seien die neuen Preisverhältnisse bekannt gewesen u. die Verpachtung sei ohne Zwang geschehen, wie der Herr Rechtsanwalt Sierp bezeugen würde. Ich würde es ev. auf einen Prozess ankommen lassen. Gerade die anwesenden Pächter hätten am billigsten gepachtet. (Ich bewies es aus dem Pachtverträge von 1910). Ich würde mich auf eine Herabsetzung des Pachtpreises nicht einlassen. Ich stände diesen Pächtern gegen-über als Pfarrer u. müßte es doppelt empfinden, des Wuchers bezichtet zu werden. Um den Beweis zu bringen, daß ich keinen Wucher getrieben habe, wiederhole ich den Vor- schlag, den ich in dem letzten Termin gemacht habe, daß sie in diesem letzten Pachtjahre die Hälfte des am 24.November festgesetzten Pachtpreises bezahlen und dann im Herbst in öffentlicher Verpachtung das Land wieder pachten könnten. - Die Herren Pächter wollten darauf nicht eingehen, obwohl ihr Obmann es ihnen empfahl - und nun kam heraus, daß sie glaubten, ich könne ihnen über's Jahr nach Ablauf der Pachtfrist das Land nicht abnehmen. Der Amtsrichter las ihnen aus dem Gesetze vor, daß dies nur dann der Fall wäre, wenn sie durch den Verlust der Pacht in ihrer "wirtschaftlichen Existenz bedroht würden". u. das war bei keinem der Herren der Fall. - Der Obmann gab noch anheim, sich an den Herrn Generalvikar zu wenden. Ich entgegnete, ich hätte nichts dagegen, wenn ich ihnen aber einen Rat geben sollte, dann möchten sie sich das Porto ersparen. Darauf haben sie ihren Widerspruch zurückgezogen unter Übernahme sämtlicher aus dem Verfahren entstehender Kosten. Vorstehenden langen Bericht habe ich nur deshalb geschrieben, weil er für mich und meine Herren Nachfolger sehr lehrreich ist zur Charakteristik. Die Turmtür. Die Turmtür ist für mich und viele andere die Ursache großen Ärgers gewesen und das 12 Jahre hindurch. Für alle die zum Gottesdienst zu spät kamen, bot sie die Gelegenheit, unbemerkt in die Kirche zu kommen und förderte so das Zuspätkommen. Unbemerkt ? - Ja, von denen, die im Schiffe der Kirche waren. Aber es kamen auch noch manche während der Predigt, und diese kann der Prediger von der Kanzel aus eintreten sehen, was für ihn sehr störend ist. Es war keine Seltenheit, daß ich während einer Predigt von 20 Minuten 6 bis 10 mal die Turmtür aufgehen und die Zuspätkommenden hereinkommen sah. Meine immer wiederholten Bitten, doch rechtzeitig zur Messe zu kommen, halfen nicht; ja gewisse Querköpfe kamen absichtlich erst während der Predigt. Überdies war im Turm und im Sommer vor dem Turm, wo man sich auf die Stufen setzte u. kaum während der Wandlung aufstand, viel Unfug, sodaß immer wieder Klagen an mich kamen. Die Turmtür wurde auch am Werktag geöffnet und stand tagsüber gewöhnlich offen, sodaß man von dem gegenüber liegenden Hause (Johenning) aus der Stube auf den Tabernakel sehen konnte. Ich ordnete also an ca.1912, daß die Tür am Werktage nicht mehr geöffnet werde. Schon das erregte Widerspruch. Ferner verbot ich den jungen Leuten, die noch nicht 20 Jahre alt waren, den Aufenthalt im Turm. Da habe ich etwas erlebt ! Eine ziemliche Anzahl von Jungens kehrten sich nicht daran. Den entsprechenden Anschlag, den ich auf Pappendeckel an die Wand genagelt hatte, wurde abgerissen. Es standen immer wieder Jungens im Turm, u. immer wieder war ich genötigt, sie hinaus zu weisen. Was aber das schlimmste war - die Väter dieser Jungens hielten zu ihnen. Mit mehreren habe ich ein scharfes rencontre gehabt. Wiederholt habe ich Anzeige gemacht wegen Störung des Gottesdienstes bezw. Unfuges in der Kirche, u. sind die Betreffenden bestraft worden. Sie wurden aber nur obstinater. Da das Zuspätkommen u. der Unfug im Turm nicht aufhörte, sagte ich von der Kanzel ab: "Am nächsten Sonntag wird die Turmtür zu Anfang der Messe geschlossen". Ich selbst schloß sie beim Asperges. Da konnte man aber ein Rütteln an der Tür hören, namentlich während des Evangeliums. Es war eine arge Störung. Vor der Predigt sagte ich abermals ab, wie vorhin u. schloß am folgenden Sonntag wieder die Tür. Am dritten Sonntag schloß ich die Tür nicht. Aber am Abend desselben Sonntags kam der Knabe, der die Kirchentüren schließen wollte zu mir und sagte, er könne den Schlüssel nicht in das Schlüsselloch bringen. Ich ging mit ihm hin u. fand das Schlüsselloch der Turmtür mit Sprickern verstopft war. - Wie sehr ich durch das Verschließen der Tür auch bei Leuten, die man für vernüftig u. wohlgesinnt halten sollte, angestoßen habe, geht daraus hervor, daß mehrere Mitglieder des Gemeindevorstandes den Amtmann interpalliert haben, ob ich berechtigt sei, die Kirchentür zu schließen, was dieser weder bejahte noch verneinte. Etwas hat es aber doch geholfen. - Während des großen Krieges, wo die Jungens von 18 Jahren an unter der Fahne waren, war einigermaßen Ruhe. Um so schlimmer wurde es nach dem Kriege. Der Kirchenvorstand regte an, einen Kirchenschweitzer einzustellen. Ich sagte nennen sie mir einen, der das Amt übernimmt. Sie wußten keinen. Später boten sie, die Kirchenvorsteher sich an, selbst abwechselnd im Turm die Aufsicht zu führen. Das nahm ich mit Dank an u. sagte am folgenden Sonntag von der Kanzel ab, daß die Mitglieder des Kirchenvorstandes von mir mit der Aufsicht in der Kirche beauftragt seien. Widersetzlichkeit gegen diese sei strafbar. - Schon am nächsten Sonntag mußte der erste, die Aufsicht führende Kirchenvorsteher, Herr Jos. Mönikes, erfahren, welch ein unangenehmes Amt er übernommen hatte. Ein 19jähriger Junge, der in der Tür stand u. den Eingang versperrte, schwätzte u. andere störte, antwortete ihm auf die Aufforderung, in die Kirche zu kommen u. sich anständig zu betragen:"Watt wußt Du ? Du sost erst bergische Jungens kennen lehren". Dabei holte er aus, wie zum Schlagen. Dies war ein erkelner Junge, der im Bergischen gewesen war. Ich habe ihn bei der Polizei angezeigt, er hat sich aber durch Wechsel seines Aufenthaltsortes der Strafe zu entziehen gewußt. Bald waren die Herren Kirchenvorsrteher die Aufsicht leid. - Am Sonntag, den 5. Juni 1921, wurde mir angezeigt, daß mehrere Jungens sich schon während der Frühmesse vor der Kirchentür schlecht betragen hätten. Da bat ich den alten Herrn Franz Kieneke, Kirchenvorsteher, doch im Hochamt die Aufsicht im Turm zu führen. Für diesen trat der jüngere Kirchenvorsteher Bauunternehmer Friedrich Meyer ein. Wiederum war es der obenbezeichnete 19jährige, der bedeutend zu spät kam, sich wieder in den Eingang der Tür stellte u. fortwährend mit einem anderen Jungen schwätzte. Herr Meyer hat ihn fest im Auge behalten u. ihn zu verstehen gegeben, daß er das Schwätzen sein lasse. Auf dem Heimgang von der Kirche hat er dann den Vater des anderen Jungen getroffen u. diesen gesagt, wie sich sein Sohn in bezw. vor der Kirche betragen habe; er möge ihn einmal zur Rede stellen. Offenbar hat dieser das getan. - Am selben Nachmittag will Herr Meyer zum Wirtshaus gehen u. trifft mit den beiden Schwätzern auf der Straße zusammen. Sofort redet ihn der 19jährige an: Du, ich soll in der Kirche geschwätzt haben ? M. antwortete ihm: Wie kannst du mich mit "du" anreden ? Ich bin doch viel älter wie du ?" Dann kommt es zu einem lauten Wortwechsel zwischen den beiden, sodaß die Nachbarleute die Fenster aufmachen. - Ganz aufgeregt kam M. zu mir u. selbstverständlich habe ich den Fall zur Anzeige gebracht. Der Amtmann Dicke in Brakel übergab die Sache dem Staatsanwalt, der Staatsanwalt dem Amtsrichter in Brakel. Dieser verhängte eine Strafe von 50 M. Der 19jährige legte Widerspruch ein. Er kam vor das Schöffengericht u. dies erhöhte die Strafe auf 100 M. Auch hiergegen legte der Junge Berufung ein, wurde aber in Paderborn kostenpflichtig abgewiesen.(Er soll gegen 1000 M Kosten zu zahlen gehabt haben.) In Paderborn ist ihm der Standpunkt klar gemacht worden, dem "Lümmel". - Während dieser Prozeß spielte - im Advent 1921 - wurde ich Sonntag für Sonntag durch die Zuspätkommer während der Predigt gestört. Am 4. Adventssonntag schloß ich wieder die Tür vor dem Hochamte. 4 Mann, die während der Predigt vor die Tür kamen, haben einfach die Messe versäumt. Am Weihnachtsfeste war die Tür offen u. setzte wieder die Störung während der Predigt; ich mußte sehen, wie einer nach dem andern in die Tür schlüpfte. Da habe ich gesagt: nun bliebe mir nichts anderes übrig, als die Tür dauernd geschlossen zu halten. Wir hätten sie auch nicht notwendig. Die 2 Seitentüren genügten vollständig, zumal Beller jetzt nicht mehr nach Erkeln komme, da es dort eigenen Gottesdienst habe.. Endlich ist also das Ärgernis beseitigt ! Ob aber nicht doch der Sturm wieder losbricht ? - Man muß die Erkelner kennen! ! "Das Beiern". Zahl der Kommunionen. Die Zahl der Kommunionen in Erkeln und Beller betrug i.J. 1921 ca. 8550. Gottesdienst in Beller. Sanctissimum. Jeden Sonn- und Feiertag Gottesdienst in Beller. Mit Genehmigung des Hochw. Bischofs übernehmen die Hochw. P.P.S.V.D. in Driburg für jeden Sonn- u. Feiertag den Gottesdienst in Beller. Der Pater kommt am Morgen hört Beichte hält Messe u. am Nachmittag Christenlehre u. fährt gegen 4 Uhr wieder ab. Er wird gratis beköstigt von den wohlhabenden Eingesessenen der Gemeinde ( und wechselt Jährlich das Kosthaus ) Als Remuneration erhält das Kloster in Driburg jährlich 34 Zentner Roggen zu deren Lieferung sich die Landwirte nach Vermögen durch Unterschrift verpflichtet haben - und aus der Kaplanei-Vakanz-Kasse in Erkeln jährlich 1000 M - I.J.1922 2000 : Seit dem - 2 Oktober 1921 - wird in Beller das Sanctissinum aufbewahrt. cum consensu R.R. bis 25.Januar 1931. Bericht vom 25.Jan. 1926 I.Nr.1926. Die Reliquien des Altares in Beller. Die Kapelle in Beller hatte ursprünglich ein altare finum und war konsetiert. Der Altar ist in ähnlicher Weise mißhandelt, wie die Altäre der Pfarrkirche; er mußte dem tumben-förmigen Altare weichen. Die Reliquien, in einer zinnernen Dose, wurde unter der Altar-platte hängend angebracht u. das Reliquiarium war durch eine Glasscheibe sichtbar. Der Pfarrer Fecke hat an die Stelle dieses Altares den Paramentenschrank setzen lassen, der zugleich Altar war. Die Reliquien brachte er in einem hölzernen Kästchen oben an der Rückwand d.Schrankes an. Jetzt sind sie provisorisch in dem sepulorum des neuen Altares beigesetzt. 1922 Volksmission. Vom 1.-8.Januar war hier Volksmission, gehalten von den Franziskanerpatres Tilmann Hockenholt und Melchior Weinrich. Der Besuch der Predigten (auch mehrere Protestanten und ein Jude erschienen) und der Empfang der hl. Sakramente war gut. M.W. hat sich nur der Sozialdemokrat Sch. ausgeschlossen. Am 7. Januar, Sonntag, ließen sich 38 Jünglinge in die Jünglings-Sodalität aufnehmen. Damit kam Leben in die J.S. hinein. Patrocinium in Beller. Unterm 21. April 1922 hat der Hochwürdigste Bischof genehmigt,, daß die Sollemnitas S. Joseph, Sponsi B.M.V. et Ecel. unio. Patroni (Mittwoch nach dem 2. Sonntag nach Ostern) als Tag des Patrociniums in Beller gefeiert werde. "Die Sollemnitas externa kann nach den in Direktorium angegebenen Bestimmungen erfolgen. Wertvolles Ölgemälde vom hl. Josef. Heinrich Spieker von hier hatte sich erboten, der Kirche ein Bild des hl. Josef zu schenken, als Gegenstück zu dem Mariahilfe-Bilde. Auf dem Boden der Pastorat befand sich ein altes, kaum noch erkenntliches Josefs-Bild, ein Ölgemälde, welches auf dem linken Seitenaltare oben den Abschluß des Altares gebildet hatte. Der Pfarrer Fecke hat an dessen Stelle eine Herz-Jesu-Statue setzen lassen. Da sich in Brakel der Maler Leisten aus Erfurt befand - der auch das Altarbild der Kapelle in Beller renoviert hat - wurde ihm dieses Bild übergeben, um es, falls es noch Wert haben sollte, wieder herzustellen. Bei seiner Arbeite stellte es sich heraus, daß dieses Bild von hohem Kunstwerte ist. Die Renovierung ist vollkommen gelungen. Herr Leisten und der kunstverständige Herr Rektor Möller in Brakel schätzen den Wert des Bildes auf 100.000 M. Die Renovierung und der Rahmen kosten 3.550 M, welche Herr Heinrich Spieker bezahlt hat. Parocho et parochiae omnia bona in Domino ! 12. VIII. 1922 + Casparus Abermals die Turmtür. Seit Weihnachten 1921 blieb die Turmtür aus den schon angegebenen Gründen geschlossen. Daß aber gewisse Leute in Erkeln das nicht ruhig hinnehmen würden, war zu erwarten. Selbst der Gemeinderat schloß sich den Unzufriedenen an und so erhielt ich dann von ihm am 28. April d.J. als ich von der Beerdigung des Pfarrers Wurm in Brakel zurückkam, ein Schreiben des Inhalts: ich möge in allen Gottesdiensten, auch in den Abendandachten, die Turmtür offenhalten. Es sei in der Gemeinde große Unzufriedenheit, weil die Tür geschlossen bliebe. (Das Schriftstück ist bei den Akten samt Antwort.) Ich habe zurückgeschrieben: die Herren möchten mir doch ein anderes Mittel angeben, wie ich dem Zuspätkommen und dem Unfug im Turm steuern könnte ? Ob ich mich in Erkeln tot ärgern sollte ? Sie, als Männer der Ordnung, müßten mich unterstützen, statt mir entgegenzutreten. - Ich habe ihnen also nicht den Willen getan, wie ich auch nicht konnte. Dafür haben sie mir Schwierigkeiten gemacht, als ich vor der Firmung die Pastorat in Stand gesetzt haben wollte. Ich käme ja ihren Wünschen auch nicht entgegen. Was mich aber gerade in Staunen gesetzt hat, war, daß auch die Herren des Kirchenvorstandes sich auf die Seite der Stänker stellten u. mir in der Kirchenvorstands- Sitzung vom 26. Juni empfahlen, die Turmtür wieder offenzulassen. Ich habe ihnen gesagt, es sei nicht Sache des Kirchenvorstandes, ob die Turmtür offen gehalten werden solle oder nicht; sondern lediglich des Pfarrers. Dies möchten sie denen sagen, welche sie beeinflußt hätten. - (Dies zur Charakteristik der Erkelner. ) - Jetzt, wo ich dies schreibe, 22/,23. scheint Ruhe eingetreten zu sein. Das Schützenfest. Die Volksmission schloß am 8. Januar. 14 Tage später war die erste Beratung wegen des Schützenfestes und noch vor den Fasten war beschlossen, das Schützenfest am Pfingstmontag und Pfingstdienstage zu feiern. Es wurde mir gesagt, nur für diese beiden Tage hätte man die Musikanten haben können (sc. von Höxter). Am 1. Fastensonntag habe ich von der Kanzel aus gebeten, doch nicht am hl. Pfingstfeste das Schützenfest zu feiern, da der Geist, der auf dem Schützenfeste herrschte, dem hl. Geiste ganz entge- gengesetzt sei.Man möge das Fest verlegen oder, was noch besser sei, es in diesem Jahre ausfallen lassen, da wir ja die Mission gehabt hätten. Vergebens. Man kehrte sich nicht an meine Bitte. Da beschloß ich, am 2.Pfingsttage zu verreisen. Ich wollte ohnehin mir meine Zähne reparieren lassen von einem Zahnarzt in Herten, der, aus Brenkhausen gebürtig, mein Schüler gewesen war. Ich reiste am Pfingstmontag um Mittag ab. Aber siehe da, ich war noch nicht auf der Eisenbahn, da war schon der Pfarrer Franz Hagemann von Hohenlimburg, gebürtig aus Erkeln, auf dem Wege von Brakel nach Erkeln. Dieser hat das Schützenamt gehalten, Ständchen entgegen genommen u. ist selbst zum Schützenfeste gegangen, obwohl er wußte, wie ich zu dem Schützenfeste stand. Das Schützenfest ist mit großem Zulauf und Pomp gehalten u. als ich am Donnerstag zurückkehrte stand die Turmtür noch offen. So hat man über mich triumphiert. Der anschließende Satz ist unleserlich gemacht. ( Dies zur Charakteristik pro successoribus). Firmung. Am 12. August d.J. hat der hochw. Bischof Casparus Klein hier 76 männliche und 80 weibliche, zusammen 156, Firmlingen die hl. Firmung gespendet. Sollemnitas Dedicationis ecclesiae. Bis zum Jahre 1915 wurde hier das Festum Dedicationis ecclesiae am 4ten Sonntag nach dem Feste st. Michaelis Archang. gefeiert. Da kam die Vorschrift, daß in allen ecclesius conservatis der Diözese das Festum Dedicationis in Messe u. Brevier am 12. November sein sollte, am bisherigen Kirchweihtage aber eine Missa vollemuis votiva de Dadicatine zu halten sei. Weil hier der bisherige Kirchweihtag nur ungefähr 14 Tage vor dem 12. November war, habe ich beantragt, daß der Sollemnitas externa der Kirchweih am Sonntag nach dem 12. November selbst, wenn dieser auf den Sonntag fällt. Der Antrag ist genehmigt am 27. November 1922. Das Kriegerdenkmal. Wie andere Gemeinden, so hat auch die Gemeinde Erkeln es sich angelegen sein lassen, ihren im Weltkrieg gefallenen Kriegern ein Denkmal zu setzen. Es wurde fertig i.J. 1922. Der Entwurf stammt vom Diözesanbaumeister Matern. Ein Kapellchen am Kirchhof mit einem Hochreliefbilde des hl. Michael, des unbesiegten Gotteshelden, daneben die Namen der gefallenen Krieger; auf der Rückseite des Kapellchen ein schönes Kruzifix auf den Kirchhof blickend, vom Bildhauer Drolshagen in Paderborn.Es kostet ca.75000 M., welche aus dem zu diesem Zwecke von den Gemeindeeingesessenen und aus der Jagdpacht überlassenen Geldern bezahlt wurden. Eingeweiht wurde das Denkmal am Feste Allerheiligen nachmittags nach einem Trauergottesdienste vom Pfarrer. Die Festrede hielt der Herr Kaplan von Höxter Dr. Ricken, der selbst den Krieg mitgemacht hat (und darin verwundet ist). Die Teilnahme an der Feier war allgemein. Auch der Herr Landrat von Höxter, Freiherr von Droste-Hülshoff, der frühere Landrat Körfer, der Amtmann Dicke etc. waren zur Feier erschienen. - Das Denkmal ist ein Trauerdenkmal; möge es sich einst in ein Freudendenkmal verwandeln. Kollekte für die Bischöflichen Lehranstalten. I.J.1922 stieg die Teuerung, die schon während des Krieges eingesetzt hatte, gewaltig. Unsere Valuta ging immer mehr herunter, sodaß die Mark kaum noch den Wert eines halben Pfennigs hatte. Die Preise der Lebensmittel stiegen in's Ungemessene. Ein Pfund Butter kostete Ende des Jahres 1200 M, das Tausendfache vom Friedenspreise. Ebenso verteuerte sich die Bekleidung und das Schuhwerk. In die größte Verlegenheit kamen diejenigen, deren Einnahmen in Zinsen bestanden u. alte, die nicht eigenen Zuwachs hatten oder verkaufen u. ihre Preise auch erhöhen konnten. Ursache der schrecklichen Teuerung war der Friedensvertrag von Versailles - und nicht zuletzt der allgemeine Wucher.Wohl am meisten bekam der Bischof die Teuerung zu fühlen. Wie sollte er seine Anstalten erhalten ? Zwar wurde der Pensionspreis um Hunderte erhöht, gleichwohl wurde auf der Synode in Paderborn im October dem Bischof eine Schuld von 27.000.000 M nachgerechnet. Deshalb apellierte er an seine Diözesanen und ließ eine Kollekte in Naturalien abhalten. In unserm Dekanat sollten nur Korn- u. Hülsenfrüchte gesammelt werden. Die beiden Vorsteher von Erkeln u. Beller nahmen selbst die Kollekte vor und brachten zusammen 687 1/2 kg. Roggen und Weizen, 43 kg.weiße Bohnen, 19 kg. Linsen, 14 kg. Erbsen - ein sehr hoher Ertrag, wenn man bedenkt, daß der Zentner Roggen 12.500 M, das Pfund Bohnen,Erbsen,Linsen über 200 M kostete. Vergelts Gott. P.S. Es war die Zeit der Kollekten: Kirchenkollekten, Hauskollekten ohne Ende. Krankenhäuser, Klöster, Lehranstalten - alle schickten sie ihre Leute, um Naturalien. Schließlich hat der Bischof eingegriffen, sodaß sie nur mit seiner Erlaubnis kollektieren durften. Schlußbetrachtung über das Jahr 1922. Missionsjahr, aber reich an Ärger für den Seelsorger. Ursachen: die verschlossene Turmtür, ein dauernder Grund der Unzufriedenheit mit dem Pfarrer gerade bei den einflußreicheren Pfarrangehörigen. Dann das unselige Schützenfest - ein Spiel des Teufels. Nicht zuletzt die Verpachtung. Die große Zahl der Pächter kirchlicher Grundstücke war unzufrieden mit den in Wahrheit niedrigen Pachtpreise.Auch in Erkeln war ein Pacht- und Siedlungsverein gegründet, und auswärtige Redner hetzten die Pächter gegen die Verpächter auf, zu welch' letzteren ja auch d. Pfarrer gehörte. Von den 15 Pächtern des Kaplaneilandes wollten 6 den vom Kirchenvorstand geforderten, dem Pachtpreise der Pfarrländer entsprechenden Pachtpreis nicht bezahlen, indem sie glaubten, nach dem Pachtschutzgesetze könnten sie zu keinem höheren Pachtpreise, als dem im Pachtvertrag bezeichneten, gezwungen werden. Die Naturalien waren aber derart im Preise gestiegen, daß sie die Pächter die Pacht nahezu für umsonst hatten. Sie beriefen sich darauf, der Verpächter, so die Kaplanei, wäre in keine "wirtschaftliche Not geraten durch den Umschwung der wirtschaftlichen Verhältnisse wie das Pachtschutzgesetz als Voraussetzung fordere"; also könne er keinen höheren Preis verlangen. Die Kaplanei sei nicht besetzt. Gleichwohl hat ihnen das Pachteinigungsamt eine höhere Pacht aufgelegt: aber noch nicht die Hälfte der vom Kirchenvorstand geforderten u. zwar in Roggen, dagegen haben sie Beschwerde erhoben beim Landgericht in Paderborn. Sie sind kostenpflichtig abgewiesen. Die übrigen Pächter hatten den Börsenpreis des Roggens vom 1. October zu zahlen, den 6 protestierenden Pächtern war der Martinipreis vom Pachteinigungsamt festgesetzt. Vom 1. October bis Martini stieg aber der Roggen im Preise um das Vierfache (von 3100 M für den Zentner auf 12500 M), sodaß sie trotz Herabsetzung des Pacht-preises weit mehr bezahlen mußten, als die übrigen Pächter, dazu noch die bedeutenden Kosten des Prozesses. Folge: großer Groll. Im November wollte ich 2 pachtfrei gewordene Grundstücke öffentlich durch den Auktionator Gehle in Brakel verpachten, um zu zeigen, daß ich nicht zu teuer verpachtet habe. Die Verpachtung wurde durch Terror von meinen Feinden verhindert. (Ich habe die Grundstücke dann doch zu denselben Preise ver-pachtet, wie die anderen.) Der Teufel hat im Missionsjahre 1922 gewaltig gegen den Pfarrer gearbeitet. Er hat auch dafür gesorgt, daß der Turnverein vor der Firmung sein Fahnenweihefest unter Teilnahme von ca. 10 auswärtigen Vereinen feierte, natürlich unter großem Zulauf der Erkelner. Das Jahr 1922 war ein böses Jahr. Teilung des Dekanates Brakel. Dekanat Beverungen. Auf der Diözesansynode, welche im October 1922 in Paderborn gehalten wurde, sind Vorschläge betreffend Veränderung mancher Dekanate gemacht worden.Das Dekanat Brakel war zu lang gestreckt - von Driburg bis Herstelle. Es wurde in 2 Dekanate geteilt: Brakel u. Beverungen. Das neue Dekanat Beverungen deckt sich mit dem Amt Beverungen, und die Pfarre Bruchhausen blieb bei Brakel. Dafür kamen aber Amelunxen, Wehrden u. Drenke, welche bisher zum Dekanant Höxter gehört hatten, als zum Amt Beverungen gehörend, zum Dekanat Beverungen. Dechant des Dekanates Brakel wurde, nachdem der Dechant Husemann in Bruchhausen resigniert hatte, der neue Pfarrer von Brakel, Grüne, einziger Definitor der Pfarrer H. Balzer in Istrup. Dechant des neuen Dekanates Beverungen wurde der dortige Pfarrer Bokel. Zahl der Kommunionen i, J. 1922 in Erkeln mit Beller reichlich 10000. Bild der steigenden Teuerung in Briefmarken. A. Bis Ende 1918 in Pfennigen (Zeitungsausschnitt) 1923..Steigende Teuerung. Am 11. Januar besetzten die Franzosen und Belgier das Ruhrgebiet als "Sanktion" dafür, daß Deutschland nicht die volle "Reparation" für das Jahr 1922 geleistet habe. (Es war um ca. 2 Millionen Mark hinter dem Betrag des Versailler-Friedensdiktats zurückge-blieben - verhältnismäßig eine Kleinigkeit.) Damit begann eine gewaltige Steigerung der Preise für alle Waren. Die Ernährungskosten stiegen im Januar auf das 1366fache. Die Bekleidungskosten auf das 1682fache gegenüber der Friedenszeit, im Februar erstere auf das 3183fache, letztere auf das 4164fache. Die Flasche Meßwein, welche in der Frie-denszeit 1 M gekostet hatte, kam im Februar auf 1500 M, eine große Hostie auf 10 M, eine kleine auf 7,50 M. Eine Zigarre, welche in der Friedenszeit 10 Pfg. gekostet hatte, kam auf 300 M, ein kleine Glas Bier auf 200 M, ein Gläschen Cognac 800 M, Haar-schneiden (in Brakel) 1000 M. Die Teuerung nimmt noch zu. Aber auch die Löhne stiegen. Der Stundenlohn stieg auf 100 M - 1700 M. Alles war teuerer geworden, aber die Leute konnten in ihrer Mehrzahl doch kaufen. Nur die Rentner u. alle, welche ihre Forderungen nicht erhöhen konnten, kamen in Not. Von einer Abnahme des Luxus in der Kleidung hat man aber nichts gemerkt. - Die Gesamteinnahmen aus meiner Verpachtung (49 Morgen Land u.Wiese) hat nicht hingereicht, um den Jahresbedarf an Brandholz damit zu be-zahlen. Wir Geistlichen waren die letzten, denen geholfen wurde. Während man früher bei Besuchen ein Glas Wein aufsetzen konnte, konnte man sich jetzt nicht einmal mehr ein Glas Bier leisten. Ungeheuer teuer war der Tabak, u. das Rauchen wurde allgemein eingeschränkt. Sed haar hactenus. Die Missionserneuerung. In Hembsen hatten die Redemtoristen-Patres aus Hiligenstadt P. Mushoff u.P. Bauer im März 1922 Mission gehalten und für das Jahr 1923 dort die Missionserneuerung angesagt. Sie hatten sich erboten, im Anschluß an die Missionserneuerung in Hembsen auch in Erkeln die Mission zu erneuern. Nach längerem Bedenken habe ich den Vorschlag angenommen uns so war dann vom 18. Februar bis zum 26. hier die Missionserneuerung. Zu Anfang derselben mußte P. Bauer in seine Heimat abreisen zu seiner sterbenden Mutter u. so hat P. Mushoff allein die Mission gehalten. Der Mann hat sich unermüdlich gezeigt im Predigen (20 Predigten) u. Beichthören. Die Mission verlief gut. Auch Sch. kam zur Beichte. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Missionserneuerung ebenso wichtig ist, als die eigentliche Mission. Confirmat in nobis, quod Deus in nobis operatus est sc. in prima Missione - und das ist sehr notwendig Eingeklebter Zeitungsausschnitt. 1923 * Erkeln, den 14. Februar. Mißlungener Diebstahl. Als es am vergangenen Fastnacht-Montag Tag wurde, fand man im Garten des Pfarrers an der Ostseite der Pastorat eine lange Leiter stehen, die bis zu dem offenen Fenster des Giebels reichte. Der Hausboden der Pastorat war voll behangen mit Kirchen- und Hauswäsche. Der Verdacht, daß Wäsche gestohlen sei, bestätigte sich nicht und man kam auf den Gedanken, daß es sich um einen Fastnachtsstreich handele. Allein bei näherem Zusehen fand sich, daß in dem obersten Drittel der Leiter eine Sprosse frisch gebrochen war. Also war ein Dieb am Werke gewesen und nur der Umstand, daß die Leiter nicht hielt, hat den Pfarrer vor großem Schaden bewahrt. Übrings kann der Spitzbube von Glück sagen; den wenn er von der Leiter gefallen wäre, aus solcher Höhe, es wäre sein sicherer Tod gewesen. Der Dieb muß mit der Örtlichkeit sehr vertraut gewesen sein, da er durch eine in der Hecke abseits des Weges verborgene kleine Tür in den Garten gekommen ist, wie die Fußspuren mit dem Abdruck der Schuhnägel beweisen. Möge ihm dieser mißlungene Diebstahl eine Warnung sein.* Bemerkung: Die im Vorstehenden erwähnte lange Leiter gehört dem Wirt Johann Wulf von hier, der behauptet, die Sprosse sei schon gebrochen gewesen. Wenn dem so ist, dann handelt es sich um einen Dummenjungenstreich, der bei dem gen. Wirt ausgeheckt ist. Ausgefallenes Schützenfest. Es kam die Zeit der Schützenfeste. Auch in Erkeln gab es Leute, die trotz der allgemeinen Not Schützenfest feiern wollten. Ich sah mich genötigt auf der Kanzel die Bitte auszusprechen, das Schützenfest zu unterlassen; die Verhältnisse erlaubten es nicht. Was die Leute an Rhein und Ruhr, die jetzt unter der Besatzung so viel zu leiden hätten, von uns denken sollten, wenn wir hier Schützenfest feierten. Ich wüßte bestimmt, daß die Mehrzahl der Einwohner von Erkeln das Schützenfest nicht wollen. Die Freunde des Schützenfestes rechneten also :"Wenn wir es erst im Gange haben, werden die Anderen schon mittun!" Ich bäte aber die Anderen, auch den Mund aufzutun. Ein Schützenfest in gegenwärtiger Zeit der Not würde der Gemeinde keine Ehre bringen. Darauf wurden gewisse Leute in der Kirche unruhig, das Schützenfest aber unterblieb. Es zeigte sich immer mehr, daß Gott uns Deutschen in die Schule nimmt, um uns zu demütigen und zu bessern. Erkeln ist aber noch weit davon entfernt, seine Vergnügunssucht u. namentlich seine Tanzwut aufzugeben. Im Jahre 1922 wurden die Briefmarken mit dem Bilde der Germania abgeschafft. Seitdem gelten folgende Marken: (In der Chronik sämtliche Briefmarken eingeklebt.) (Eingeklebte Auszüge aus den Tageszeitungen) * Die Teuerung im Juni 1923. Die Reichindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) stellt sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichamts im Durchschnitt des Monats Juni auf 7650 gegenüber 3816 im Mai. Die Steigerung gegenüber dem Vormonat beträgt somit 100,5 v.H. Die Indexziffer ohne die Bekleidung beträgt 6979, die Steigerung gegenüber Mai 98,2 v.H. Die Ernährungskosten allein sind um 102,3 v.H. auf das 9347fache, die Bekleidungskosten um 109,6 v.H. auf das 11995fache der Vorkriegszeit gestiegen. Diese Zahlen sind inzwischen infolge der sprunghaften Preissteigerungen sämtlicher Lebensbedürfnisse wesentlich überholt. Am 20. Juni war die Gesamtindexziffer auf 9272 gestiegen, am 27. Juni, dem Mittwoch der letzten Juniwoche, auf 11785. Großhandelspreise Ende Juni. Das Gesamtpreisniveau hat sich nach den Berechnungen des Statistischen Reichs-amtes in der Zeit vom 15. bis 25. Juni von dem 17 496fachen des Friedensstandes auf das 24 818fache oder um 41 Prozent gehoben. Gleichzeitig stiegen die Lebensmittel von dem 12 789fachen auf das 18 730fache oder um 46 Prozent. Der Wochenindex. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten stellt sich nach den Berechnungen des Statistischen Reichsamtes für den 20. August d.J. auf das 753.733fache der Vorkriegszeit. Die Steigerung gegenüber der Vorwoche (436.935) beträgt somit 72,5 v.H. Der Reichsindex. Berlin, den 26. Sept. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten stellt sich nach den Berechnungen des Statistischen Reichsamtes für den 24. September auf das 28.000.000fache der Vor-kriegszeit. Die Steigerung gegenüber der Vorwoche (14,2) stellt sich somit auf 97 vom Hundert. Wenn du noch einen Anzug hast. (Frei nach Wilhelm Kaulisch.) Wenn du noch einen Anzug hast, So sollst du ihn behutsam schonen, Zumal, wenn er dir leidlich paßt - Ein neuer kostet Millionen. (?) Und nennst du ein paar Stiefel dein, So wandle ohne Kapriolen Und meide Glas und spitzen Stein - Weil unerschwinglich das Besohlen. Und hast du gar ein Oberhemd, Sollst du die Waschfrau freundlich grüßen, Sei liebenswürdig, tu nicht fremd - Sie wird es schonend waschen müssen. Wenn dir ein Hut das Haupt verschönt, Ob Bibi, Glanzhut, ob Melone Dir Glatze oder Scheitel krönt - Heut` gilt er mehr wie manche Krone. Wenn du noch einen Mantel hast, Ob Ulster, Paletot, ob Schlüpfer, Ob neu, verschabt, ob ausgeblaßt - So hüpfe einen Freudenhüpfer. Und wenn du gar ein Pärchen hast Von alledem, mein lieber Prasser, Vermind`re die gepaarte Last, Und gibt die Hälfte ------------------------- dem Verfasser. Deutschland, Deutschland über alles, Und im Unglück nun erst recht ! Nur im Unglück kann die Liebe Zeigen, ob sie stark und echt; Und so soll es weiterklingen Von Geschlechte zu Geschlecht: Deutschland, Deutschland über alles, Und im Unglück nun erst recht ! * Die Lebenshaltungskosten stellten sich am 12. November 1923 auf das 218,5milliardenfache der Vorkriegszeit. Eine Milliarde Mark hatte nur den Wert eines alten Pfenniges. Am 19. November war es das 831milliardenfache, am 28. November 1923 das 1.535Milliardenfache.Am Ende der Geldentwertung hatten 10 Milliarden Mark nur den Wert eines altes Pfennigs und 1 Billion Mark den Wert einer alten Silbermark. Der Verfall unserer Valuta ist am besten erkenntlich aus der folgenden Übersicht. Übersicht über den Dollarstand 1923 ------------------------------------------------------ -------------------------------------------------- --------------------Tag Oktober in Millionen November in Millionen Dezember in Millionen _ 1 242 130 4200 2 320 320 0 3 440 420 4200 4 550 0,0 4200 5 600 420 0 6 0,0 420 0 7 0,0 630 0 8 838 630 0 9 1200 630 0 10 2975 630 0 11 5000 0,0 0 12 4000 630 0 13 0,0 840 0 14 0,0 1261 0 15 3760 2250 0 16 4100 2250 0 17 5500 2520 0 18 8160 0,0 0 19 12000 2520 0 20 0,0 4200 0 21 0,0 0,0 0 22 40000 4200 0 23 56000 4200 0 24 63000 4200 0 25 65000 0,0 0 26 65000 4200 0 27 65000 4200 0 28 0,0 4200 0 29 65000 4200 0 30 65000 4200 0 31 72500 0,0 0 Um einige Beispiele für die ungeheueren Preise anzuführen, so kostete 1 kleine Hostie 3 Milliarden Mark, eine große Hostie 7 Milliarden M. 1 Flasche Meßwein 2.600.000.000.000 M.Den größten Schaden hatten wir Geistlichen am Meßstipendium trotz der wiederholten Erhöhung desselben durch die Bischöfliche Behörde: Des Hoch-amtes von 20 M auf 40, 80, 120, 160, 1.000 M. Denn bis zur Zeit der Persolvierung war die Valuta so gefallen, daß das Stipendium keinen Wert mehr hatte. (Ein 5.000 M- Schein hatte zu Ostern 1923 noch ziemlichen Wert u. man freute sich, einen solchen auf dem Opferteller zu finden; im Dezember q.a. wurden alle Geldscheine die auf weniger als 1 Milliarde lauteten, als Altpapier, nicht mehr gezählt, sondern auf die Seite gelegt: die 1.000, 5.000, 20.000, 50.000, 100.000, 500.000, 1.000.000, M. Scheine, 2, 20, 50, 100, 500 Millionen Markscheine galten gleich, bezw. hatten nur den Wert, den das Papier als Altpapier hatte. Im Etatsjahr 1922/23 habe ich für die Kirchenkasse 37.000 M vorge-schossen. Als ich im Herbst 1923 das Defizit der Kirchenkasse feststellte - waren die 37.000 M verständig entwertet, sodaß ich sie gar nicht zurückverlangt habe.) Um nicht immer hinter der Geldentwertung herzukommen, setzten schließlich die Bischöfe als Stipendium fest: für eine gelesene Messe 3 Pfund Brod u. für ein Hochamt 6 Pfund Brod (noch nicht die Hälfte des Stipendiums der Vorkriegszeit). Ein 7pfündiges Brod kostete Mitte November 1923 200.000.000.000 M. Folgen der ungeheueren Geldentwertung. Alle Leute wurden zu Millionären, Milliardären, Billionären und dabei bitter arm. Die Millionen u. Milliarden hatten keinen Kaufwert, u. doch kaufte alle Welt, um nur das Geld loszuwerden; und das war klug, denn besser etwas, als nichts. Am besten standen sich die Produzenten, namentlich die Landwirte. Fast alle haben sie trotz der hohen Preise u. Löhne Scheunen etc. gebaut. Sie machten hohe Einnahmen; das Geld auf d. Sparkasse zu legen, war nicht ratsam, es aufhäufen u. liegen lassen, noch weniger, also wurde gebaut.Am übelsten erging es den Rentnern u. Kapitalisten. Sie verloren ihr Kapital u. das mit ihr Vermögen. So erging es auch den Fonds. Der Pfarrfonds hat zu Kriegsanleihe 23.000 M gegeben. Diese sind so gut, wie verloren; ebenso die 29.200 M der Kap-lanei.Durch die Geldentwertung ist das vorhandene Kapital zu Nichte gemacht. Deutschland ist schrecklich arm geworden. Die Rentenmark. Um der Inflation (Vermehrung des Papiergeldes ohne Hypothek) ein Ende zu machen, wurde die Rentenmark eingeführt, ein Papiergeld, für welches der Grundbesitz mit 4% seines Wertes haftet. Hiervon wurden 300 Millionen ausgegeben, soviel als für den Umlauf im Reiche notwendig ist. Sie erschien Ende November (20.November 1923, wo der amerikanische Dollar auf 7.200 Milliarden M. gestiegen war) u. setzte zu dem Wert von 1 Billion Papiermark ein. Sie erwies sich als ein wirklich wertbeständiges Geld u. damit war der weiteren Verschlechterung unserer Valuta ein Ende gesetzt. Eine wahre Kalamität war das Notgeld, welches von der Reichsbahndirektion, Städten, Kreisen, Provinzen, sogar von Spar- u.Darlehnskassen ausgegeben wurde. Schlechtes Geld, gut genug für d. Opferteller. Möge es bald wieder verschwinden. Mögen wir bald wieder zu unsern guten Münzengeld zurückkommen. Zur Zeit bekommt man Geld in Münzen nicht zu sehen. Zeitungsausschnitt: Wer ist tot ? Ein kleiner französischer Irrtum. Im "Petit Parisien" findet sich die nachfolgende Anzeige in deutscher Sprache : Dollarius ! Multiplikarius ! Valutarius ! Dollar dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere innigstgeliebte Schwester Maria Reichsmark zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Nach fünf Jahre langem mit erstaunenswerter Geduld ertragenen Leiden erlag sie schließlich den Tücken eines hartnäckigen Hausse- und Baissefiebers, oftmals vergeblich gestärkt durch Wirt`sche, Cuno`sche und Stresemann`sche Stabilisierungsversuche. An ihrem Grab trauern unter anderen sämtliche Industrieritter und Börsenschieber Deutschlands. Möge ihr der Papierkorb leicht sein ! Die nachfolgenden Hinterbliebenen : Anna Rentenmark. Franziska Bodenmark, Gertrud Roggenmark und unser krankes Rückenmark. Dazu schreibt der "D.Allg.Ztg." ein Leser : Das Einverständnis des Vaters der drei Schwestern, der zurzeit im Ausland weilt, voraussetzend, habe ich dem teilnahmsvollen "Petit Parisien" folgende Benachrichtigung in deutscher und französischer Sprache zugehen lassen: Redaktion des "Petit Parisien". In Ihrer Ausgabe vom 18. d.M. zeigen Sie den Tod unserer geliebten Schwester Maria Reichsmark an. Mit großer Freude können wir Ihnen heute mitteilen, daß sich ein Wunder ereignet hat. Unsere geliebte Schwester ist von den Toten auferstanden und erfreut sich der besten Gesundheit. Zu unserem größten Bedauern hörten wir aber gleichzeitig, daß unser lieber Freund Herr Franc den Tücken eines hartnäckigen Baissefiebers, trotz aller Stärkung durch verzweifelte Stabilisierungsversuche seiner Ärzte Herrn Poincarè und Genossen, zu erliegen droht. Sein Zustand ist hoffnungslos, das Rückenmark ist angegriffen ! Wir sind dessen gewiß, daß der Papierkorb ihm leicht sein wird. Die untröstlichen Freundinnen Anna Rentenmark Franziska Bodenmark Gertrud Roggenmark. P.S. Es wird Sie interessieren zu hören, daß Dollar der Allmächtige unserer Schwester Anna Rentenmark soeben einen Heiratsantrag gemacht hat. Die Zahl der Kommunionen betrug i.J. 1923 10320. 1924 Gründung der Jungfrauen- Komgregation am 20. Februar 1924. Die Satzungen der Jungfrauen-Kongregation in Erkeln sind unterm 20. Februar 1924 vom Hochw. Bischof Caspar Klein genehmigt, und am Sonntag Quinquagesima (2.März) wurden 83 Jungfrauen aus Erkeln und Beller aufgenommen. Damit ist die Jungfrauen- Kongregation gegründet. Titel: "Von der Himmelfahrt Mariae und der hl. Agatha." (Als Compatronin ist die hl. Agatha gewählt, weil amTage der hl. Agatha -5.Februar- der Herr Kaplan Michels aus Delbrück hier in einer Versammlung der Jungfrauen in einem Vortrag die Gründung der Kongregation empfohlen hat.) Leitung der Kongregation übernahm die Fräulein Lehrerin von hier Josefine Heinemann. Möge die Jungfrauen- Kongregation unter dem Schutze ihrer erhabenen Patroninnen stets blühn und gedeihen zum Besten der ganzen Gemeinde. Reichstagswahl am 4. Mai 1924. Am 4. Mai war die Reichstagswahl, deren Resultat für Erkeln u. Beller folgendes war: Erkeln : Zentrum 265 Stimmen, Deutschnationale 37, Vereinigte sozialistische Partei (Sozialdemokraten und Unabhängige) 31, Christliche-Soziale 9, Demokraten 6, Deutsche Volkspartei 4, Deutsch-Sozialistische- Partei 3, Kommunisten 3, ungültig 7. Beller: Zentrum 67, Deutschnationale 22, Völk-soz.Block 3, Deutsche Volkspartei 2, Christlich-soz.Volkspartei 2, Deutsch-soz.Partei 1, ungültig 1. Die Stimmen für die Deutschnationalen stammen von Landwirten, die Stimmen für die Sozialdemokraten, Christlich- Sozialen u. Kommunisten von Arbeitern. Das Bild ist gewiß nicht erfreulich. An Aufklärung hat es nicht gefehlt. Wahl der Gemeindevertretung. Am 11. Mai war die Wahl für die Gemeindevertretung (Kommunalwahl). Mein Vorschlag, nur einen Wahlvorschlag, in dem alle Stände vertreten seien, zu machen, wurde nicht beachtet, vielmehr kamen 4 Wahlvorschläge an`s Licht: I. Landwirte, II. Gewerbe und kleine Landwirte, III. Christliche Arbeiterpartei, IV. Volkspartei (Mischmasch). Wahlvorschlag II und III erreichten je 2 Vertreter, I u.IV je einen. Am interessantesten war der IV: Wahlvorschlag, in dem Landwirte und Arbeiter, Deutschnationale und Sozialdemokraten sich vereinigt hatten, um etwas zu werden - eine nie gesehene Gesinnungslumperei. Der Sozialdemokrat Sch. und ein früherer Unabhängiger (von Brakel zugezogen), kamen in den Gemeinderat. Mit der Einigkeit steht es in Erkeln schlecht. Zum Vorsteher wurde der Landwirt Ludwig Backhaus wiedergewählt. Vidi Grüne Pfr. 11./11.24. Lehrerwechsel. Der Lehrer Johannes Faber wurde zum 1.Juni d.J. nach Driburg versetzt. Ihm folge der Lehrer Otto Rompkowski (vorher in Stahle u.Lippling), verheiratet (katholisch) in Sorsum bei Heiligenstadt am 2.10.1923 mit der Protestantin Margarethe Kühn, gebürtig aus Lindenthal in Ostpreußen. R. stammt aus gemischter Ehe, ist geboren zu Lemgo 17.3. 1898 (Mutter evangelisch - später katholisch geworden). Die Eltern haben sich nach Sorsum verzogen, wohin auch die Familie Kühn verzogen war. Daß R. in gemischter Ehe lebte, hat in Lippling niemand gemerkt, da die Frau sich katholisch stellte. Auch hier in Erkeln hat sie das anfangs getan, bis sie es selbst verriet, daß sie evangelisch sei. Großes Erstaunen! Da R. nur stellvertretend angestellt ist u. das zweite Examen noch nicht gemacht hat, ist vorläufig kein Einspruch gegen seine Anstellung erhoben, zumal die Frau erklärt hat, daß sie katholisch werden will. Also abwarten! O tempora –o mores! P.S. Versetzt zum 15, April 1925 nach Ebbinghausen Pfarre Lichtenau. Reichs- u. Landtagswahl. 7.12.1924 Der Reichstag mußte aufgelöst werden, weil die Mittelparteien (Zentrum, Deutsche Volkspartei (früher Liberale) und Demokraten (früher Freisinnige) welche die Regierung bildeten, im Reichstag zu schwach vertreten waren. Die Wahl fand am 7. Dezember statt und hatte für Erkeln u. Beller folgendes Resultat: Erkeln: Reichstag: 268 Zentrum, 25, 25 Aufwertungspartei (kommen zu den Zentrumsstimmen), 36 Deutschnationale, 19 Sozialdemokraten, 5 Kommunisten, 2 Freiheitspartei, 2 Deutsche Volkspartei. Landtag: 300 Zentrum, 34 Deutschnationale, 18 Sozialdemokraten, 5 Kommunisten, 2 Freiheitspartei, 2 Deutsche Volkspartei, 1 Demokraten, 1 Wirtschaftspartei. Beller: Reichstag: 69 Zentrum, 24 Deutschnationale, 3 Deutsche Volkspartei, 1 Aufwertungspartei, 1 Freiheitspartei, 2 Sozialdemokraten. Landtag: 70 Zentrum, 24 Deutschnationale, 3 Deutsche Volkspartei, 2 Sozialdemokraten, 1 Freiheitspartei. Was zu der Wahl vom 4. Mai gesagt ist, gilt auch hier. Erkeln hat sich etwas gebessert, trotz der Wahlagitation der Deutschnationalen ( sie haben zum 1. Male eine Wahlversammlung gehalten, in welcher der Dr. Freisenhausen , kath., gebürtig aus Auenhausen, und der Landrat a.D. Körfer, kath., redeten) und trotz des Westfalenbundes (dessen Vorsitzender der Hauptlehrer Meyer ist), der vollständig im Deutschnationalen Fahrwasser schwimmt. Beller hat sich verschlechtert. Dort arbeitet der Lehrer Laufkötter mit seinem Jungdeutschen Orden (12 Mitglieder) für die Deutschnationalen. In Erkeln hat für das Zentrum der Landtagsabgeordnete Röingh (Beverungen) geredet. Kein Deutschnationaler hat ihn widersprochen. In Beller hat der Sparkassendirektor Kiene von Brakel geredet. 2 unreife Jungens haben widersprochen. Die Bauern sind schwer zu belehren bezw. zu bekehren. Besserung der Geldverhältnisse. Die Pacht wieder nach dem Pachtvertrag in Geld bezahlt. Die Rentenmark hielt sich (sc. ihre Valuta) und wir bekommen auch wieder Münzen (Goldpfennige -5, 10, 50 Pfennigsstücke - vergoldet, 1 M, 2 M, 3 M-Stücke in Silber) Das Inflationsgeld - lauter Papier (1 Billionmarkschein = 1 M) verschwand immer mehr aus dem Verkehr. Das Pachtschutzgesetz, welches den Verpächtern mehr geschädigt als genutzt hatte, wurde unwirksam. Die Pacht wurde wieder nach dem Pachtvertrag in Geld bezahlt. Die Zeit der Drangsal für die Verpächter war vorüber. Gott sei Dank ! Die Kineke`sche Stiftung entwertet. Durch die Inflation ist auch die Kieneke`sche Stiftung (120.000 M) entwertet. Und das ist nicht zu bedauern; denn der Fonds hat sich als einen Korruptionsfonds erwiesen. Die sog. kleinen Leute, auch Nichtarme, machten Anspruch daran - und wer nichts bekam, der schimpfte. Manche Aspiranten kauften aus dem Gemeindewald Holz, boten beim Verkauf bis in die Puppen und bezahlten nicht. In der Regel machte sich dann die Gemeinde aus der Kineke`schen Stiftung bezahlt. Daß die Frechheit hier so groß ist, daran trägt die Kineke`sche Stiftung mit Schuld. Zahl der Kommunionen. Der österlichen Pflicht sind in der ganzen Pfarre nachgekommen 701 Personen. Die Zahl aller Kommunionen i.J. beträgt 8.500. An der Zahl der Kommunionen sind die Männer und Jünglinge zusammen kaum mit einem Zehntel beteiligt. Hauptursache des geringen Kommunionsempfanges der Männer und Jünglinge ist der Wirtshausbesuch, der durch die vielen weltlichen Vereine: Schützenverein (1.der Alten- und 2.der Jungen), Kriegerverein, Gesangverein, Turnverein, Sportverein, Jungdeutscher Orden, Westfalenbund (Stahlhelm), Konsumverein, Ziegenzuchtverein, Spar- und Darlehnskassenverein, Siedlerbund - sehr gefördert wird. Der Gesangverein läßt trotz meiner wiederholten Bitte nicht davon ab, seine Übungen am Samstag Abend zu halten. Der Turnverein, vom Wirte Wulf gegründet, ist nichts anderes als ein Wirtshausverein zum Verderben unserer Jugend. Schon am Samstag Abend sind die Wirtshäuser stark besucht und es kommt nicht selten vor, daß man bis in Sonntag hinein trinkt und spielt. Das Wirtshaus und die Vereine erschweren die Seelsorge außerordentlich. Im Wirtshaus wird die Politik gemacht und besprochen, was in der Gemeinde vorgekommen ist resp. über alles räsoniert. Erkelnum, quis medebitur tibi ? Neue Gemeinderatswahl 7.12.1924. Gegen die Wahl des Gemeinderats vom 11. Mai cs. hatte der Sozialdemokrat Schl., obwohl er selbst gewählt war -(eine große Ehre für Erkeln!) Einspruch erhoben u. die Wahl wurde für ungültig erklärt. (Es handelte sich um 1 Stimme, die nicht richtig abge-geben war. Vater und Sohn führten denselben Namen, es war aber nur einer in der Liste eingetragen. Es stellte sich heraus, daß der Sohn für den Vater gewählt hatte). Zugleich mit der Reichstagswahl am 7. Dezember war auch die neue Gemeinderatswahl. Der p.Schl. hatte sich wieder aufgestellt, fiel aber diesmal glänzend durch. Hoffentlich hat dieser Hauptstänker in Erkeln endlich ausgewirtschaftet. 1925 Auflassungen. Am 8. Januar 1925 geschah die Auflassung der i.J. 1914 zum Zwecke des Schulneubaues ausgetauschten Grundstücke. Die Pastorat gab ab 1,11 ar, bezeichnet als Garten, und 31,65 ar der Gellenbreite. Sie erhielt 1,65 ar Garten- und Baugrund der ehemaligen Kaplanei, und 51,06 ar auf der Steinbreite - Schulland. Am selben Tage wurde der Gemeinde bezw. den Anliegern das zum Wegebau (Verbindungsweg zwischen der Chaussee nach Tietelsen und dem Dorfe) vom Kaplaneilande verkaufte Stück - 13,24 ar aufgelassen. Kaufpreis 1.059,20 M. angelegt am 10. Januar im Buch 843 der Kreissparkasse Brakel. Bemerkung: Der Weg ist i.J. 1920 gebaut, hätte also auch da schon bezahlt werden müssen. Der Kirchenvorstand hat die Gemeinde wiederholt zur Zahlung aufgefordert, aber keine Antwort erhalten. Am 18.Juli 1923 nahm das Generalvikariat seine Genehmigung zum Verkauf bezw. Auflassung zurück u. verlangte neue Verhandlung betreffend des Kaufpreises. Der Kirchenvorstand verlangte jetzt statt des früheren Preises - 2,50 M pro qm entsprechend der Valuta für 13,24 ar 53 Millionen Mark. Keine Antwort. Endlich hat der Amtmann Dicke in Brakel sich im September 1924 ins Mittel gelegt. Ich drohte mit der Klage. Das neue Angebot der Gemeinde: 0,80 Goldmark pro qm wurde von dem Kirchenvorstand u. der Bischöflichen Behörde angenommen, u.so ist endlich diese unerquickliche Sache zu Ende geführt. Schließlich war es nicht zum Schaden der Kaplanei, daß die Gemeinde nicht bezahlte; denn wenn sie rechtzeitig bezahlt hätte, wäre das Kapital durch die Inflation (Höhepunkt: eine Goldmark - einer Billion Papiermark) vollständig entwertet worden. Jetzt hat die Kaplanei gut abgeschnitten. Aber viel Verdruß habe ich gehabt.(Keine noblesse in Erkeln). In Beller ist das Kapellengrundstück und die Kapelle am 25. März 1925 eingetragen auf den Namen "Filialkapellengemeinde Beller (Kapellenfonds): Das Generalvikariat hat unterm 20. Dezember 1924 I.Nr.8424 ausgesprochen, daß der politischen Gemeinde Beller die Unterhaltungspflicht für die Kapelle obliegt. Das Kreuz mit Hahn vom Kirchturm gestürzt. In der Nacht vom 8. zum 9. Februar brach ein Sturm das eiserne Kreuz auf dem Kirchturm unterhalb des Knaufes ab und stürzte es auf das nördliche Kirchendach. Das Kreuz blieb in dem entstandenen Loch mit den Querarmen hängen und der Hahn schaute nun vom Kirchendach herab, als ob nichts passiert wäre. Wie kahl sah da der Kirchturm aus. Da hat man hier empfunden, welch eine Zierde für den Turm u. die ganze Kirche, ja für die ganze Gemeinde, das auf der Turmspitze thronende Kreuz ist - und wie unent-behrlich der Kirchturm-Hahn als Wetterprophet für die Gemeinde ist. Die Reparatur ist von hiesigen Meistern ausgeführt, die Schmiedearbeiten von Caspar Löhr, die Dachdecker-arbeiten von Aug. Ewen u. Jos. Rehrmann. Der Hahn ist neu gemacht u. vergoldet. Alles ist in die frühere Fassung gebracht. Am Tage vor Pfingsten, 29.Mai, ist das Kreuz bei ziemlich heftigem Winde wieder eingesetzt. Es war eine gefährliche Arbeit. Kostenpunkt: 1.379 M. Ehestandskursus. Vom 8. bis 12. Februar fand ein Ehestandskursus statt, welcher für die über 18 Jahre alten Jungfrauen von Erkeln und Hembsen in der Weise gemeinschaftlich gegeben wurden, daß die Jungfrauen von Erkeln am ersten Tage nach Hembsen gingen (Vortrag des P. Mischer S.J.: "Die kirchl. Grundsätze über die Ehe u. das Familienleben"); am 2. Tag die Jungfrauen von Hembsen nach Erkeln kamen (Vortrag der Fräulein Modeheim aus Paderborn;:"Die wirtschaftlichen Vorbildungen für ein glückliches Familienleben" in der Wirtschaft Pott). u.s.w. abwechselnd in Hembsen: Vortrag über die gottgewollte und gottgeweihte Liebe; in Erkeln: Über die gesundheitlichen Vorbedingungen für ein glückliches Familienleben von Fräulein Dr.Boner aus Paderborn; in Hembsen: "Über die Liturgie des Ehesakramentes u. der Brautmesse". Von Erkeln haben sich 53 Jungfrauen an dem Kursus beteiligt. Probatum est. Beller "Filialkirchengemeinde". Am 24. Juli 1924 erschien das neue : "Gesetz über die Verwaltung des katholischen Kirchenvermögens". Bis heran war es fraglich, ob der Kapellenvorstand in Beller zu Recht bestehe. Die alte Kapelle wird vom Pfr. Fecke als "appendie der Pfarrkirche" bezeichnet. Das geringe Kapital (900 M Kriegsanleihe), von dessen Zinsen die Kultuskosten bestritten wurden, ist fast ganz durch die Inflation entwertet. Der Kapellenvorstand ist i.J. 1875, in der Kulturkampfszeit, zu Lebzeiten des Pfrs. Gauksterdt durch den Königl. Kommissarius für die Diözese Paderborn Himly der Gemeinde Beller aufgezwungen. Vorher gab es dort keinen Kappellenvorstand. Der Pfarrer legte die Kapellenkassen-Rechnung ab. Eine Kapellengemeinde Beller ist vom Bischof nie errichtet. Es fragte sich also, ob ein Kapellenvorstand in Beller überhaupt gewählt werden könne. Auf meine diesbezügliche Anfrage in Paderborn erhielt ist unterm 20. Dezember 1924 I.Nr.8424 die Antwort: "Wir haben hier immer die Auffassung vertreten, daß diejenigen Ortschaften die nach Einführung des Gesetzes vom 20. Juni 1875 kirchliche Körperschaften erhalten haben, auch Körperschaften des öffentlichen Rechts mit eigener Vermögensverwaltung gewor-den sind. Beller wird durch den Kapellenvorstand die Filialkirchengemeinde Beller rechtmäßig vertreten". Das ist eine verklausulierte nachträgliche Anerkennung der Filialkirchengemeinde Beller. Eintragung des Kapellengrundstücks u. der Kapelle in Beller. Das Grundstück, auf welchem die Kapelle in Beller steht, - vom Nachbar Heinrich Kieneke geschenkt mit Ausnahme des Baugrundes der alten, abgebrochenen Kapelle - ist nach Regulierung der Grenzen samt der Kapelle am 5. März 1925 im Kataster auf den Namen "Filialkirchengemeinde Beller (Kapellenfonds)" gerichtlich eingetragen im Grundbuch am 3. Oktober 1925. Wahl des Kirchenvorstandes und des Kapellenvorstandes in Beller. Die Kirchen- und Kapellenvorstandswahl ist durch das Gesetz vom 24.Juli 1924 erschwert. Wahlberechtigt: alle über 20 Jahre alten Männlein und Weiblein, wahlfähig: alle über 30 Jahre alten Männer und Weiber. Früher in Erkeln 4 Kirchenvorsteher, in Beller 2 Kapellenvorsteher: jetzt in Erkeln 10 Kirchenvorsteher, in Beller 6 Kapellenvorsteher. Früher Einzelwahl nach einfacher Mehrheit, jetzt Wahlvorschlag, daneben Einzelwahl. In Erkeln zu den 10 wirklichen Vorstehern 3 Ersatzmitglieder, in Beller 2 Ersatzmitglieder. Dann die vielen Anschläge u. Verkündigungen. Das Gesetz bedarf sehr der Verbesserung.Die Kapellenvorstandswahl in Beller fand statt am 16. Februar nach einem Wahlvorschläge, der einstimmig gewählt wurde. Auch eine Frau (Lina Georg,Gutsbesitzerin) wurde gewählt, quod mitis displicuit. Betreffs der Kirchenvorstandswahl in Erkeln hatte ich mir vorgenommen, nicht zu agitieren. Ich habe nur den Wahlmodus etc. von der Kanzel bekannt gemacht. (Ich weiß, wie es hier bei den Gemeinderatswahlen zuging.) Die Wahl fand statt am 25. Februar. In letzter Stunde (am Abend vor dem Wahltage) hat der alte Gutsbesitzer Franz Kineke, der 44 Jahre Mitglied des Kirchenvorstandes gewesen war, eine öffentliche Wahlversammlung gehalten und diese hat die Liste der Kandidaten aufgestellt. Diese sind auch gewählt worden. Aus Beller waren die Herren H. Runge u. Johann Fleckner in die Liste aufgenommen u. zwar unter die wirklichen Kirchenvorsteher. Johannes Fleckner erhielt eine Stimme weniger, als sämtliche anderen Kandidaten. Er kam also unter die Ersatzmänner. Die Wahl ist von Beller aus angefochten, aber von Paderborn für gültig erklärt. Lehrerwechsel. Der Lehrer Otto Rompkowski (samt seiner protestantischen Frau, die hier katholisch werden wollte, aber....) ist zum 15. April d.J. nach Ebbinghausen Pfarre Lichtenau versetzt. An seine Stelle kam der Lehrer Erich Winkler, geboren am 10.1.1897 in Breslau, Lehrer seit 1917) der von den Polen aus Knurovo in Oberschlesien ausgewiesen war. Reichspräsidentenwahl. Die Reichspräsidentenwahl vom 29. März 1925 hatte folgendes Resultat in Erkeln: Marx (Zentrum) 251 Stimmen, Jahres (d.natl.) 45, Hellpach 1. Braun (Soz.) 27, Luddendorff (völk.) 7. In Beller: Marx 68, Jarres 24. Die Reichpräsidentenwahl vom 19. April 1925: in Erkeln: Marx 298, Hindenburg 42 (Deutschnational) Thälmann 2 (Kommunist) in Beller: Marx 66, Hindenburg 30 Stimmen. Ich bemerke auch hier: Die Deutschnationalen Bauern sind schwer zu belehren bezw. zu bekehren. Neuer Schrank in der Sakristei. Der Schrank in der Sakristei links ( für die Chormäntel etc.) ist im März 1925 von Wilh. Zimmermann für 200M angefertigt. Der alte Schrank ist in die Pastorat transportiert. Wechsel im Gemeindevorsteheramte. Am 21. März d.J. starb der Gemeindevorsteher Ludwig Backhaus nach 12 1/4jähriger Amtstätigkeit. Der lange Krieg und die auch in Erkeln sich auswirkende Revolution (Cf. A,S.Rat) haben ihm sein Amt sehr schwer gemacht. Er war ein religiöser, gastfreundlicher und wohlwollender Mann, hätte aber wohl energischer können (Polizei). Ihm folgte im Vorsteheramte der Gutsbesitzer Albert Johlen, geb. 8.9.1882. vidi, Grüne, Dechant 15.9.25 Kampf gegen die unsittliche Frauenkleidung. Die Kleidermode der Frauleute, welche schon vor dem Kriege in sittlicher Hinsicht sehr zu wünschen übrig ließ, wurde nach dem Kriege immer schamloser. (Man nannte die Schamlosigkeit "Nacktkultur". Gemeinsames Baden von Mannes- und Frauenspersonen in der Öffentlichkeit war nichts Seltenes. Die Zeitungen berichteten von "Nackttänzen" zwischen Jungens u. Mädchen. In Kinos und Schaufenstern wurden Dinge gezeigt, welche allem sittlichen Gefühl Hohn sprachen etc. Auch auf das Land kam die unsittliche Mode. Die Kleider waren oben weit ausgeschnitten, vorn bis tief auf die Brust, hinten bis zwischen die Schulterblätter, die Arme dreiviertel nackt, nach unten reichten die Kleider kaum über die Knie, die Strümpfe waren von durchsichtigem Stoffe, Schulmädchen u. Schulknaben trugen überhaupt keine Strümpfe. In dieser Kleidung kam man auch in die Kirche, ja sogar an die Kommunionbank. In den kath. Zeitungen u. von der Kanzel wurde gegen die Unsitte gekämpft. An den Kirchentüren wurden Anschläge gegen die schamlose Mode angebracht. Am Palmsonntag ließ der Hochw. Bischof von allen Kanzeln in Paderborn betreffs der Frauenkleidung folgende Richtlinien verkünden: a) Ausschnitte sind nur bis zur Halsgrube zulässig, b) die Ärmel müssen wenigstens die Ellenbogen bedecken c) durchsichtige und durchbrochene Stoffe werden nur geduldet, wenn sie mit anderen Stoffen unterlegt sind. Diese Richtlinien wurden auch im Dekanat Brakel verkündet. Nichts desto weniger haben sich manche Geistliche genötigt gesehen, unanständig gekleidete Frauenspersonen an der Kommunionbank zu übergehen. Ich habe von diesem äußersten Mittel einmal Gebrauch gemacht. Es hat geholfen. Der Kampf geht weiter. Religionsunterricht in der Fortbildungsschule. Im Jahre 1919 ist hier die Fortbildungsschule eingeführt (cf.1919) unter Ausschluß des Religionsunterrichtes. Unterm 6.11.1925 teilte der Amtmann mit: "Der Kreistag hat in seiner Sitzung vom 20.5.1925 beschlossen, daß in den ländlichen Fortbildungsschulen nach Erledigung des Fach- u. sonstigen Unterrichts nach Möglichkeit noch eine halbe Stunde Religionsunterricht erteilt werden soll". Endlich !! Kollekte für das Priesterseminar. Die im November 1926 abgehaltene Kollekte für das Priesterseminar ergab 22 Zentner Korn. Nach Mitteilung des Rendanten des Leokonviktes (Bogens) ist das der höchste Er-trag der in einer der Gemeinde Gemeinden des Kreises Höxter eingekommen ist. Die Zahl der Kommunionen betrug im J. 1925 - ec. 8.500. Eingeheftete Auszüge aus den Tageszeitungen: Unsere Toten im Weltkrieg. 2.040.000 Tote, 800.000 Kriegerwitwen, 1.500.000 Kriegerwaisen, 720.000 Kriegsbeschädigte. Die endgültigen Zahlen über die Menschenverluste Deutschlands im Weltkrieg liegen nunmehr vor. Danach hat Deutschland verloren: 1. Beim Landheer 1.835.000 Tote, 2. bei der Marine 35.000 Tote, bei der Schutztruppe in Afrika 1.170 Tote; hierzu kommen noch 170.000 Vermißte, deren Tod mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist. Danach betragen die Gesamtverluste von deutschen Kriegsteilnehmern ca. 2.040.000 ! Von diesen toten Soldaten waren 68,8% ledig, 30,6% verheiratet, 0,5% verwitwet, 0,1% geschieden. Außer den Sterbefällen wurden nach dem Zentralnachweisamt 4.250.000 Verwundungen gezählt. Diese Zahlen lassen den Vergleich mit früheren Kriegen kaum mehr zu, weil noch kein anderer Krieg solche ungeheuren Opfer verlangt hat. So verlor z.B. Deutschland im Kriege 1870/71 nur 41.200 Tote und Vermißte, und zählte 88.565 Verwundete. Der Weltkrieg brachte uns also allein zwei Millionen Tote Soldaten mehr ! Ist es denn verwunderlich, wenn die sozialen Lasten gestiegen sind ? Am 5. Oktober 1924 wurden von den deutschen Versorgungsämtern insgesamt 720.931 durch Verwundungen, Verletzungen oder Krankheiten Beschädigte mit Rentenbezugsberechtigungen versorgt. Hinzu kommen die rund 800.000 Kriegerwitwen und 1.500.000 Kriegerwaisen.Nicht eingerechnet in diese Zahl ist das große Heer derer, die durch Hunger, Not und Elend frühzeitig gestorben, oder durch feindliche Einwirkungen aller Art, durch Unruhen usw. frühzeitig ums Lebens gekommen sind. Wie viele Menschen gibt es aber heute schon wieder, die Blutopfer des Weltkrieges schon vergessen haben und nur in einem neuen Weltkrieg Deutschlands Heil erblicken ? Das Volk bedankt sich! Aus dem Kreise Höxter, 8. September. Wo bleibt die vielgepriesene Parität ? Der Kreis Höxter zählt nach der Personenstandsaufnahme von 1924 - 63.047 Einwohner; davon sind 54.458 kath., 7.912 evgl. und der Rest anderen Konfessionen angehörig.. Nach dem Stellenverzeichnis der Beamten bei den Verwaltungen des Kreises sind, wie das Westfäl.Vbl. mitteilt, 33 evgl. und 18 kath. Konfession. Während aber rund 86 Prozent der Bevölkerung kath., 13 Prozent evgl. und 1 Prozent sonstiger Konfessionen sind, werden rund 65 Prozent der Beamtenstellen von evgl. und (man staune) 35 Prozent von kath. Beamten bekleidet, dazu haben die letzten fast ausnahmslos untergeordnete Stellen inne. Hoffentlich denkt die kath. Bevölkerung mal etwas ernstlicher über die "Paritätsblüte" nach und erwacht endlich aus dem Dornröschenschlaf. Gemeindebeschluß vom 12.10.1925. 3.Rechnung der Pfarrerwohnung von Malermeister Happe. Nach Beschluß der Gemeindevertretung vom 21. Juni d.Js. sollte in der Wohnung des Herrn Pfarrers im Studierzimmer die Decke gestrichen, tapeziert und der Fußboden lackiert werden. Dieser Betrag von 95,20 M. soll von der Gemeinde bezahlt werden. Der Amtmann Brakel, den 19. Oktober 1925 Ausfertigung an Herrn Pfarrer Kümmel, Hochwürden, Erkeln. Der Rechnungsbetrag beträgt 149,07 M. Davon sind von der Gemeinde 95,20 M übernommen worden, welcher Betrag zur Zahlung an den Malermeister Happe, Brakel, angewiesen ist. Dicke. Die restierenden 53,87 M habe ich bezahlt, nachdem ich bereits 27 M für den Anstrich des Fußbodens im Schlafzimmer und dem Archivzimmer bezahlt hatte. Pro successorbus: In derselben Sitzung der Gemeindevertretung vom 21.Juni 1925 sind für die Instandsetzung des Försterhauses 450 M bewilligt. Die Rechnung belief sich aber auf mehr als 800 M - und diese hat die Gemeinde bezahlt. Sapienti sat ! 1926. Der Schulneubau cf. 1919. Unter d. 1.April 1924 habe ich an den hiesigen Gemeinderat schriftlich die Bitte gerichtet, wenn nicht die ganze Schule, doch wenigstens das Gebäude für die Schulzimmer (dies war für sich, das Wohnhaus konnte angebaut werden) zu bauen, damit endlich ein geregelter Schulbetrieb eintrete und ich den kirchlichen Religionsunterricht auch im Winter geben könne. (Im Sommer habe ich ihn in der Kirche gegeben, was auch mißlich war.) Darauf habe ich keine Antwort erhalten - aber der Bauplan verschwand. Nun hatte die Regierung den Gemeinden, welche in den Jahren 1925 und 1926 ein e Schule zu bauen genötigt waren, einen Zuschuß von 2/3 der Kosten in Aussicht gestellt. Das Jahr 1924 verging, ohne daß in Erkeln etwas für die Schule geschah. Die Zinsen waren zu hoch - mindestens 15 %.Um Ostern 1925 wurde angeregt, die 2te Lehrerstelle abzubauen. Das ging aber nicht, weil die Schülerzahl über 100 (rd.120) betrug. Doch wollte man sich den hohen Zuschuß des Staates nicht entgehen lassen und so kam es am 29. Juli 1925 zu einer gemeinsamen Sitzung des Gemeinderates u. des Schulvorstandes, in welchem der Herr Amtmann ein neues vom Kreisbaumeister Schöning in Höxter angefertigtes Bauprojekt vorlegte. Es wurde beschlossen, dieses Projekt auszuführen, wenn 1. die Regierung 2/3 der Kosten übernehme, 2. der Bau 15 m von der Kirchhofsmauer in den Schulgarten mit Zunahme des nötigen Teiles vom Pfarrgarten gebaut würde. Der Amtmann behauptete, es brauche vom Pfarrgarten nur ein Streifen von 2,50 m abgegeben zu werden. Ich bewies ihm, daß es eines Streifens von 18 m bedürfe wenn dieser Plan ausgeführt werden sollte. Dann führte ich die Gründe an, die i.J.1914 maßgebend waren für den Beschluß den Bau auf die Morge Land hinter dem Schulgarten zu setzen: 1. damit die Kinder den Kirchhof nicht ferner als Spiel-, Turn- u. Tummelplatz benutzten, 2. damit für die eigenen zukünftigen Bauten: Pfarrhaus mit Scheune, Kaplanei mit Wirtschaftsgebäude, der nötige Platz bleibe, 3. damit die Pastorat möglichst ihre Ruhe u. Ungestörtheit bewahren, da die Nähe der Schule für den Pfarrer nicht nur in seinem Garten, sondern auch in seinem Hause lästig sei wegen des Lärmens der Kinder u. des lauten Schulbetriebes, zumal bei offenen Fenstern. Meine Gegengründe wurden einfach überhört. Auf den Hinweis, daß die Beschlüsse vom J. 1914 noch gelten, wurde mir geantwortet, daran seien sie nicht gebunden. Ich habe darauf die Sitzung verlassen.Der Amtmann Dicke hat lange nicht gewagt, die Sache weiter zu betreiben. Erst nach dem ich ihm brieflich mitgeteilt, daß ich mich an die Regierung wenden wolle, hat er den neuen Plan u. den Beschluß vom 29.Juli an das Generalvikariat eingesandt am 28. October. Dieses sandte sie mir unter dem 31.10. zu: " Sie wollen sich zu dem Plan ausführlich äußern". Das habe ich getan unterm 5. November. Aber, siehe da, unterm 4.Dezember sandte mir das B.Generalvikariat einen Plan zu, der nach Anweisung des Diözesanbaumeisters Matern angefertigt war. "Wir ersuchen Sie, mit dem Projekte, das wir als entsprechend erachten, sich grundsätzlich einverstanden zu erklären". Nach diesem Projekt sollte der Spielplatz der neuen Schule unmittelbar an den Kirchhof östlich der neuen Schule gelegt werden. Dann mußte also die Schule noch weiter, als im ersten Plan (wo der Spielplatz südlich der Schule gelegt war, aber jederzeit auf die entgegengesetzte Seite an den Kirchhof gelegt werden konnte), in den Pfarrhausgarten hineintreten.Die Grenze zwischen Schulgarten u. Pfarrhausgarten wäre in die Richtung der westlichen Kirchhofsmauer nach Süden verlaufen. Von dem Pfarrgarten wäre noch ein Stück von 20 m Breite abzugeben gewesen. Außerdem verlangte der Herr Amtmann, daß der öffentliche Weg aus dem Dorfe vor Beller u. Johenning her durch den Pfarrgarten weiter geführt werden könne. Also noch weitere 10 m Breite wären verloren gegangen. Es wären für eigene Bauten nur eine Breite von 20 m übrig geblieben. (NS. Der Weg wurde verlangt, um die Gellenbreite zu Bauzwecke aufteilen zu können). Also hat das Generalvikariat auf mein Schreiben vom 5.November 1925 nicht das Mindeste gegeben, ja gerade im entgegengesetzten Sinne gehandelt. Wie war das möglich !!! Ich habe unterm 11. Dezember 1925 zurückgeschrieben: "Ich habe als Pfarrer die Pflicht, die Interessen der Pfarrstelle wahrzunehmen. Mein Gewissen und die Rücksicht auf meine Nachfolger verbieten es mir, mit dem neuen Plan grundsätzlich einverstanden zu erklären. Ich bitte den Plan und meine Gegengründe noch einmal zu prüfen". Besonders machte ich auf die Verlängerung des öffentlichen Weges durch den Pfarrgarten zur Gellenbreite aufmerksam.: "Wollen Ew. Hochwürden dazu die Hand bieten ?". Nun griff das Generalvikariat hinter diesen Weg. Verlangte eine "bindende Zusage", daß von dem Wege Abstand genommen würde, ließ aber sonst seine Entscheidung gelten. Darauf bat ich, einen Sachverständigen zu senden, um an Ort u. Stelle sich über den Plan zu unterrichten. Gesandt wurden der Dechant Grüne u. der Definitor Balzer. Beide sprachen sich für den alten, gegen den neuen Bauplatz aus. Da ließ der Amtmann schleunigst den Mater`schen Plan fallen und griff den Schöning` schen wieder auf (mit dem Spielplatz an der Südseite der neuen Schule). Dieser Plan beanspruchte jetzt eine Abgabe von 9 m Breite vom Pfarrhausgarten. Jetzt trat auch der Kirchenvorstand in Aktion auf Veranlassung von Paderborn worauf er nur gewartet hatte, um den Pfarrer matt zu setzen. Der Inspirator des ganzen Planes hatte seine Freunde auch im Kirchenvorstande, und es war gearbeitet intra u. extra muros. Als das Generalvikariat an den Amtmann Dicke geschrieben hatte: "Wir geben Ihnen anheim, Ihren Plan dem Kirchenvorstande vorzulegen", da wußte ich, daß ich unterlegen war. Am 4. Februar war Kirchenvorstandssitzung. Resultat: Alle waren für den Amtmann. Am 7. Februar (Sonntag) Nachmittag 4 Uhr solle Vermessung sein. Der Amtmann solle zugezogen werden. Ich verlas ihnen die Gründe, weshalb ich gegen den Platz im Pfarrhausgarten sei u. bat sie, ihre Gründe gegen den alten Platz anzugeben. Einziger Grund: "Die Gemeinde will ihn nicht." "Und warum will ihn d. Gemeinde nicht ?" Keine Antwort. Einer der Kirchenvorsteher behauptete sogar, das Pfarreigentum gehöre der Gemeinde. Am 7. Februar war also Nachmittags 4 Uhr die provisorische Vermessung im Beisein des Amtmannes.(Der Gemeinderat hatte für sich eine Vermessung nicht für nötig gehalten.) Danach Sitzung, welche bis 8 Uhr Abends dauerte, in der Antrag des Amtmannes einstimmig (ich habe nicht mit abgestimmt) angenommen wurde. Diesen Beschluß hat der Gemeinderat u. Schulvorstand angenommen u. das Generalvikariat hat ihn genehmigt unterm 15.Februar 1926 Nr.1240. Sollte einer meiner Herren Nachfolger es unangenehm empfinden, daß Schule u. Spielplatz unmittelbar am Pfarrhausgarten liegt so soll er wissen, daß ich mein letztes Schreiben in dieser Sache an das Generalvikariat mit den Worten geschlossen habe: "Ich habe alles getan, was ich nach meinem Gewissen tun mußte um Schaden von der Pfarrstelle abzuhalten; ich trage keine Verantwortung." Irascimini et nolite peccare ! Pro memoria. Vorstehend ist erwähnt, daß das Generalvikariat eine bindende Zusage verlangt hat dafür, daß der öffentliche Weg nicht durch den Pfarrgarten zur Gellenbreite geführt werde, (von Johenning`s Hause her). Diese Zusage ist gegeben vom Gemeinderat am 26. Dezember 1925. Diese gilt auch jetzt. Sie ist von Wichtigkeit für den Fall, daß der Herr Amtmann seine Hand auf die Gellenbreite legen will, wie er hat durchblicken lassen. Abdankung. Der Winter 1925/26 war für mich sowohl körperlich als auch seelisch äußerst beschwerlich. Den ganzen Winter hindurch war ich erkältet. Fast jeden Morgen mußte ich wegen Schwitzens das Hemd wechseln. Noch mehr hatte ich seelisch zu leiden wegen des Schulbaues. Alles war gegen mich: Der Hauptlehrer Meyer - er ist der Macher - mit seinen Freunden im Gemeinderat und im Kirchenvorstande, der Amtmann, das Generalvikariat - verleitet durch den Diözesanbaumeister Matern, mit welchem ich i.J.1919 einen Strauß wegen Überforderung gehabt hatte. (Er hatte für die Zeichnung einer Kirchenbank und Lageplan 350M gerechnet; nur eine Bank hatte er gezeichnet, legte aber den Wert des ganzen Gestühls (36 Bänke) zu Grunde und rechnete davon seine Prozente. Das Generalvikariat hat mich in diesem Streite im Stich gelassen. Es ist schrecklich gegen mich gehetzt worden, den ganzen Winter hindurch. Am 7. Februar, wo die entscheidende Sitzung des Kirchenvorstandes war (Sonntag) hatte ich wegen Erkältung statt des Hochamtes nur eine stille Messe halten können. Am Nachmittag nach den Andacht war eine Beerdigung bei scharfem, kalten Winde. Danach war ich genötigt, der vom Kirchenvorstande beantragten Vermessung (im Beisein des Amtmannes Dicke) beizuwohnen. Die sich daran schließende Sitzung des Kirchenvorstandes -ich konnte kaum mehr sprechen- dauerte bis 8 Uhr Abends. Am folgenden Morgen habe ich eine stille hl.Messe gehalten, dann mußte ich das Zelebrieren einstellen bis zum 15. April. Der Arzt konstatierte chronischen Bronchialkatarrh und chronisches Gallen- Leberleiden. Er riet mir, mich um einen Kooperator zu bemühen. Diesen konnte ich nicht haben, weil das Generalvikariat "keinen Priester zur Verfügung hatte". Dann habe ich am 5. Mai mein Gesuch um Versetzung in den Ruhestand an den Hochwürdigsten Bischof eingesandt, welches am 20. Mai genehmigt ist. Termino 1. Juli 1926. Große Freude ! Genau 16 1/2 Jahre bin ich Pfarrer von Erkeln gewesen - schwere Jahre, voll von Arbeit und von Ärger (cf. diese Chronik). In meiner Antrittspredigt habe ich nur um eins gebeten: um Folgsamkeit. Daran haben es sehr viele meiner Parochionen fehlen lassen u. das ist der Grund allen Ärgers Es gibt ja in jeder Gemeinde Querköpfe, in Erkeln aber mögen meine Herren Nachfolger ruhigere Tage in Erkeln haben als ich sie gehabt habe und besseren Erfolg. Te ne code amlis, sed contra andentior ito (bis du nicht mehr kannst). Erkeln, den 26. Juni 1926. H.Kümmel, Pfr. Vorschlagsrecht des Kirchenvorstandes ? Mitte Juni sind 3 Mitglieder des Kirchenvorstandes (Caspar Löhr, Eduard Welling und Heinrich Runge aus Beller) beim Generalvikar in Paderborn vorstellig geworden in der Meinung, der Kirchenvorstand habe bei der Neubesetzung der Pfarrstelle ein Vorschlagsrecht. Ich erfuhr erst davon, nachdem ich das Schreiben des Generalvikariats vom 18. Juni 1926 I.Nr.4810 erhalten hatte, worin es heißt: "Die Meinung der Herren von Erkeln, der dortige Kirchenvorstand oder sonstige Berechtigte hätten bei Neubesetzung der Pfarrstelle ein Vorschlagsrecht, ist irrig". Da das Schreiben an den Kirchenvorstand gerichtet war, habe ich den Kirchenvorstand eingeladen und ihm das Schreiben vorgelesen, darüber auch ein Protokoll aufgenommen u. unterschreiben lassen. "Es wäre so schön gewesen". Volksentscheid. Der von den Kommunisten und Sozialdemokraten herbeigeführte, am 20. Juni 1926 gehaltene Volksentscheid über die Frage: Sollen die ehemaligen deutschen Fürsten entschädigungslos (auch bezüglich ihres Privateigentums) enteignet werden, fand in Erkeln 86, in Beller 5 "Ja"Sager trotz der Aufklärung seitens der deutschen Bischöfe. Die Gemeinde Erkeln schenkte mir zu meinem Abschied von Erkeln einen Klubsessel. Pro quo gratias habeo. Ab nach Blankenau. Wegen des Mieterschutzgesetzes war es schwierig, eine Wohnung zu bekommen. Die Hauseigentümer hatten nicht die Macht, beliebig zu vermieten. Das Vermieten besorgte das Wohnungsamt.In Blankenaus a.d.Weser, Pfarre Amelunxen, ist ein zwar kleines, aber schönes Kaplaneihaus. Das Kaplaneieinkommen ist infolge der Inflation (der Kaplanei- fonds betrug ca. 28.000 M) verloren gegangen. Die Stelle kann also nicht besetzt werden. I.J.1922 hatte sich dort der Professor a.D. Wilhelm Haken aus Geseke niedergelassen u.die cura übernommen. Er verließ Blankenau im April 1926; somit wurde das Kaplaneihaus frei. Mit Genehmigung des Pfarrers und des Bischofs ziehe ich darein am 23. Juli 1926. Ich brauche für das Bewohnen der Kaplanei nur an den Sonn- und Feiertagen die hl. Messe zu halten u. kann jederzeit wieder abziehen. Vale Erkelnum, vale Bellerum. Dominus sit semper vobiscum. Omnibus sucecessoribus meis salutem in Domino. Erkeln, 23. Juli 1926 H.Kümmel, par.i.v. Deo gratias. Neuer Pfarrer Hermann Schulte, zum Pfarrer von Erkeln ernannt am 4. Juli 1926. Ich bin geboren am 11.April 1870 in Hespecke bei Grevenbrück, Pfarrei Elspe, und besuchte von 1876 bis 1884 die Volksschule in Sporke. In den letzten Schuljahren erhielt ich durch den Lehrer in Sporke Unterricht in den Gymnasialfächern, wurde im Herbst 1884 in die Obertertia des Gymnasiums in Attendorn aufgenommen und bestand daselbst Ostern 1889 das Abiturientenexamen. Von Ostern 1889 bis Herbst 1890 besuchte ich die philosophisch-theologische Fakultät in Paderborn und darauf drei Semester die Universi-tät in Innsbruck, kehrte Ostern 1892 nach Paderborn zurück und wurde im Herbst 1892 in das Priesterseminar daselbst aufgenommen. Am 18. August 1893 wurde ich durch den Hochwürdigsten Herrn Bischof Dr. Hubertus Simar zum Priester geweiht und erhielt meine erste Anstellung als Kaplan in Hohenlimburg. Darauf war ich von Herbst 1894 an nacheinander Vikar in Elsen, Rimbeck, Wenden, Kleinenberg und zuletzt fast 21 Jahre lang in Oberkirchen. Am 25. Juli 1926 übernahm ich die Pfarrstelle in Erkeln. Über meine Einführung daselbst teilte der Brakeler Anzeiger folgendes mit: "Erkeln, 28. Juli. Am letzten Sonntag wurde unser neue Herr Pfarrer Hermann Schulte feierlich in unsere Gemeinde eingeführt. Böllerschüsse und Glockengeläute verkündeten seine Ankunft auf Erkeler Gebiet. Bis an den Dorfeingang nach Brakel war die Pfarrgemeinde ihrem neuen Seelenhirten fast vollzählig entgegengezogen. Hier wurde er durch Herrn Pater Menze, Driburg und durch sinnreiches Gedicht begrüßt. An der Kirchenpforte abermals begrüßt, übergab ihm der Herr Dechant die Kirchenschlüssel. Nachdem nun nach der kirchlichen Vorschrift alle Zeremonien vorgenommen waren, hielt Herr Dechant Grüne, Brakel, die Festpredigt. Sein Thema war die Würde des Priestertums. Mit Te Deum und sakramentalen Segen endete die schöne Feier in der Kirche. An diese schloß sich nach der Übergabe des Pfarrhauses eine kleine Nachfeier dortselbst. Fast alle geistlichen Herren des Dekanates sowie der Herr Landrat als Vertreter der weltlichen Behörde ehrten den neuen Herrn durch ihre Teilnahme an der Feier. Mögen die Gebete seiner Pfarrkinder für ein gesegnetes Wirken, aufgebaut auf gegenseitiges Vertrauen und Entgegenkommen, erhört werden". Auditorium nostrum in nomine Domini ! Am Patroniumsfeste Petri Kettenfeier, Sonntag dem 1. August, war Levitenamt, in dem ich über die Pflichten des Pfarrers gegen seine Gemeinde und über die Pflichten der Gemeinde gegen ihren Pfarrer predigte. Mögen beide, Hirt und Herde, ihre Pflichten erfüllen und Gottes Beistand ihnen dazu zu teil werden ! Am 13. August 1926 verunglückte in dem Rungeschen Mühlenbetriebe in Beller der Schlosser Otto Schierenberg in Beller, gebürtig aus Horn in Lippe, und starb am folgenden Tage im Krankenhause zu Brakel nach dem Empfange der heiligen Sterbesakramente. Requiescat in pace ! Vom 4. bis 8. Dezember 1926 fand für die Gemeinde eine religiöse Erneuerung statt, gehalten von dem Franziskanerpater Konstantin Rehbaum in Paderborn. Defizit der Kirchenkasse. Ende Dezember 1926 weigerte sich der Amtmann in Brakel, seine Zustimmung zur Auszahlung des Defizits der Kirchenkasse Erkeln durch die politische Gemeinde Erkeln und Beller zu geben mit der Begründung, die genannten Gemeinden hätten wohl die Baulast der kirchlichen Gebäude in Erkeln zu tragen und sonstige kleinere Ausgaben der Kirchenkasse Erkeln zu decken, nicht aber sei sie verpflichtet, den jährlichen Zuschuß zum Pfarrgehalte, der für das laufende Rechnungsjahr 700 Mark beträgt, sowie die Diözesansteuer im Betrage von 47 Mark zu zahlen. Seit mehr als hundert Jahren habe die politische Gemeinde Erkeln und Beller das Defizit der Kirchenkasse Erkeln gezahlt, und die Gemeindevertretung beider Gemeinden ist auch jetzt noch dazu bereit, aber der Amtmann in Brakel versagt seine Zustimmung. Nach 10 Wochen langem Hin- und Herschreiben zwischen dem Kirchenvorstande in Erkeln und dem Amtmann drohte der Kirchenvorstand zuletzt mit der Anhängigmachung des Verwaltungsstreitverfahrens beim Bezirksausschuß in Minden, der noch im November 1926 einen ähnlich liegenden Streitfall zwischen der Pfarrgemeinde Iggenhausen und der politischen Gemeinde Herbram zu gunsten der Pfarrgemeinde Iggenhausen entschieden hatte, und der Amtmann mußte zugestehn, daß seine Meinung irrig sei und nolens volens seine Zustimmung geben zur Auszahlung des Defizits der Kirchenkasse Erkeln durch die politische Gemeinde Erkeln und Beller jetzt und für die Zukunft. Damit ist die Sache vorläufig erledigt Gottes Segen über Hirt und Herde ! Erkeln, den 20. V. 1927 + Joh. Hillebrand, Weihbischof. Firmung. Am 20. Mai 1928 spendete der Hochwürdigste Herr Weihbischof von Paderborn Johannes Hillebrand in der hiesigen Pfarrkirche das heilige Sakrament der Firmung. Die Zahl der Firmlinge betrug 120. Nach Vollendung der heiligen Handlung fand Katechese über das heilige Sakrament der Firmung und biblischer Unterricht über den zwölfjährigen Jesus im Tempel statt. Im Frühjahr 1927 wurde von der politischen Gemeinde Erkeln eine etwa 2 Meter hohe Mauer, welche den Pfarrgarten von dem Gelände der neuen Schule, die im Herbst 1926 im Rohbau fertiggestellt worden war abgrenzt, errichtet. Im Juli 1927 schlug der Blitz an einem Vormittag zweimal in den Kirchturm, glück- licherweise ohne zu zünden. Die Anlage eines Blitzableiters ist ein dringendes Bedürfnis und wurde von dem Kirchenvorstande bei den Gemeindevorstehern in Erkeln und Beller beantragt. Schule. Am 17. November 1927 fand die Einweihung der neuen Schule statt.Hierzu der eingeklebte Zeitungsausschnitt: Einweihung der neuen Schule in Erkeln. Erkeln, den 19. November 1927. Der 17. November d.Js. war für Erkeln ein Tag von besonderer Bedeutung. Es war der Tag, an dem unsere Jugend in das Schulgebäude feierlich eingeführt wurde. Mit einem Festgottesdienst wurde die seltene Feier eingeleitet. Herr Pfarrer Schulte gedachte dabei der Bedeutung einer Schule und zeigte recht anschaulich, was eine Gemeinde, was besonders die Jugend der Schule schuldet. Er wünsche, daß Gottes Segen immer über dem neuen Gebäude und ihren Bewohnern ruhen möge. In Prozession zog dann die Gemeinde zum alten Schulgebäude. Durch ein eigens für diesen Tag geschaffenes Gedicht nahm man Abschied von jener Stätte, an der fast 100 Jahre unsere Jugend unterrichtet und erzogen ist. Ein kurzes Abschiedswinken und unter dem Gesang Veni creator spiritui bewegte sich der Zug zum festlich geschmückten Neubau. Nach einem kurzen poetischen Gruß öffnete sich das Portal und zum erstenmal zog unsere Jugend ein. Herr Pfarrer Schulte nahm die kirchliche Weihe vor. Herr Kreisbaumeister Schöningh -Höxter- über-gab nach einem kurzen Überblick über die Entstehung des Baues die Schlüssel dem Gemeindevorsteher Herrn Johlen, welcher der Bauleitung für gewissenhafte Ausführung der Arbeiten und allen Beteiligten dankte uns sodann den Schlüssel an den Schulleiter, Herrn Hauptlehrer Meyer überreichte. Namens des Lehrerkollegiums versprach dieser den schönen Bau zu hegen und zu pflegen und auch im neuen Heim das alte christliche Er-ziehungs- Ideal nie aus dem Auge zu verlieren: die Kinder zu braven Christen und guten Staatsbürgern zu erziehen. Nach dem mehrstimmigen Gesang "LIeber Jesu" beglück-wünschte Herr Landrat v.Droste die Gemeinde zu dem wohlgelungenen Bau. In einem Festspiel "Um die Palme" wurde den Teilnehmern der Kampf der Wissenschaften und Künste um den ersten Platz vor Augen geführt. Jede von ihnen behauptete - zum Teil in recht humorvoller Weise - die erste Stelle einnehmen zu müssen, bis der Genius das Diadem und die Palme der Religion überreichte. Es war ein überaus schönes und wechselvolles Bild, als die mehr als 30 Vertreter der Wissenschaft und Künste zum Schluß der Religion den Vorrang einräumten und ihr huldigten. Ein mehrstimmiges Loblied beendete das Spiel der Kinder. Herr Schulrat Ries sprach sodann über die Bedeutung der Schule. ER führte aus, wie der Fortschritt in Kultur und Zivilisation immer mehr von dem Menschen verlange. Und so hieße es für die Schule diesen gesteigerten Forderungen gerecht zu werden. Aber neben der Aneignung der Kenntnisse und Fertigkeiten sei die Schule auch eine Stätte der Erziehung. Er mahnte die Kinder die Zeit der Schule gut zu nützen und die Stätte der Ausbildung in gutem Gedenken zu behalten. Nur dadurch, daß der Staat einen sehr großen Teil der Kaukosten getragen habe, sei es möglich gewesen, daß wir in Erkeln jetzt dieses schöne moderne Schulgebäude hätten beziehen können. Darum sollten wir auch dem Staate und seiner Vertreterin, der Regierung, in Dankbarkeit gedenken. An die Vertreter der Gemeinde richtete er die Bitte, auch in Zukunft der Schule ihr Interesse zu bewahren. Ohne eine gute Schule sei ein Wiederaufstieg unseres Volkes unmöglich. Die Ansprache klang aus in ein Hoch auf unser Vaterland. - Nach dem Deutschlandliede zogen die Festteilnehmer unter Vortritt des Schüler-Trommler- und Pfeiferchores zum Saale des Herrn Wulf, wo die Kinder mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Das neue Schulgebäude liegt südlich vom Kirchplatz in besonders ruhiger Lage. Im Erdgeschoß sind drei Lehrsäle und ein Lehrmittelzimmer. Das erste Stockwerk ist als Wohnung für den Hauptlehrer ausgebaut. IM Kellergeschoß liegt die Kesselanlage für die Zentralheizung und neben den Kellerräumen ein großer Raum für ein Gemeindebad (6 Brausen und 3 Wannenbäder). In seiner ganzen Anlage ist es ohne Zweifel für unsere Gemeinde eine Zierde. Der Grundstein wurde am 18. Mai vergangenen Jahres gelegt und in 50 Arbeitstagen stand das große Gebäude gerichtet fertig. Eine schöne Leistung der Baufirma! Die Erd- und Maurerarbeiten wurden von der hiesigen Baufirma Ferdinand Meyer ausgeführt. Die Zimmerarbeiten lieferte die Firma Josef Wittrock,Erkeln, die Dachdeckerarbeiten die Firma Rehrmann-Ewen,Erkeln, die Tischlerarbeiten die hiesigen Meister Zimmermann, Pult und Balke, die Klempnerarbeiten V.Tensi, Brakel, die Anstreicherarbeiten Berghane, Brakel, die Zentralheizung Raulf, Holzminden, die Lichtanlage das Kreis- Elektrizitätswerk. Ihnen allen wurde von berufener Seite die verdiente Anerkennung zuteil. Zwei Drittel der Baukosten wurden vom Staate übernommen. Besonderes Verdienst um das Entstehen des neuen Schulgebäudes erwarb sich unser Herr Amtmann. Ohne sein zielbewußtes tatkräftiges Eingreifen wäre der Bau nicht zustande gekommen. Dafür sei ihm auch an dieser Stelle der Dank der Gemeinde noch einmal ausgesprochen. Auch dem Kirchenvorstand gebührt für sein verständnisvolles Entgegenkommen in der Platzfrage gebührender Dank. Mögen alle frommen Wünsche für die neue Schule in Erfüllung gehen, möge sie auch viele Jahre für unsere Gemeinde eine Quelle reichsten Segens sein ! " Petri Kettenfeier. Das Kirchenpatronatsfest Petri Kettenfeier wurde in diesem Jahre mit Genehmigung der Bischöflichen Behörde, wieder wie früher, am letzten Sonntage im Juli gefeiert, einen Sonntag vor dem St. Annenfeste in Brakel. Auch für später ist die Erlaubnis dazu vom Generalvikariate gegeben, es findet Levitenhochamt mit Aussetzung des Allerheiligsten Sakramentes, Predigt vom Feste Petri Kettenfeier und Prozession mit dem Allerheiligsten nach dem Kapellchen im Freien statt, jedoch muß die Messe vom Tage, meistens vom Feste des Hl. Liborius, das fast immer auf den letzten Julisonntag fällt, genommen werden. Blitzableiter. Im Mai 1928 wurde auf dem Kirchturm ein neuer Blitzableiter angelegt durch den Installateur Otto Tensi aus Brakel. Jugendheim. Im Frühjahr 1928 wurde die bisherige Knabenklasse in der alten Schule zu einer Wohnung für die Lehrerin mit 4 Zimmern umgebaut. Die bisherige Mädchenklasse in der alten Schule wird jetzt als Jugendheim benutzt. Außerdem wird im Winter und im Frühjahr in diesem Raum Unterricht für die Erstkommunikanten und die Erstbeichtenden gehalten, wenn die Schulklassen in der neuen Schule nicht frei sind. Die Wohnung in dem alten Schulgebäude unten, bisher Wohnung des Hauptlehrers, dient jetzt, nachdem dieser im Herbst 1927 die Wohnung in der neuen Schule bezogen hat, dem zweiten Lehrer als Wohnung. vidi 12.12.28 Grüne, Dech. Am 7. Februar 1929 feierte die Hebamme Frau Veronika Spieker ihr vierzigjähriges Dienstjubiläum. Mission. In der Zeit vom 16. bis zum 25. Februar 1929 wurde in Erkeln und in Beller eine Volksmission abgehalten durch die Franziskanerpatres Floribert van Haren aus Dort- mund, Albin Neumann aus Wiedenbrück und Melitius Bracht aus Recklinghausen. Mit einer Ausnahme nahmen alle Mitglieder der ganzen Pfarrgemeinde trotz der grimmigen Kälte mit lobenswertem Eifer an der Mission teil. Möge die Mission dauernde Früchte bringen ! Vom 28. November bis zum 1. Dezember 1929 wurde von dem Franziskanerpater Florian Silva aus Paderborn in Erkeln ein Triduum zur Gewinnung des Jubiläumsablasses aus Anlaß des 50jährigen Priesterjubiläums unseres Heiligen Vaters Pius des Elften am 20. Dezember dieses Jahres gehalten. 1930. Im Jahre 1930 beträgt die Einwohnerzahl in Erkeln 785, davon sind 766 Katholiken, 8 Protestanten und 11 Juden. In Beller sind 214 katholische Einwohner. Die Zahl der Schulkinder beträgt in Erkeln 122, in Beller 32. Vom 1. Juli an hat Erkeln an den Wochentagen zweimalige und an den Sonn- und Feiertagen einmalige Postautoverbindung von und nach Brakel: Brakel ab morgens 7 Uhr 30, Erkeln an 7 Uhr 42, Erkeln ab 7 Uhr 48, Brakel an 8 Uhr - nachmittags Brakel ab 2 Uhr 15, Erkeln an 2 Uhr 27, Erkeln ab 2 Uhr 28, Brakel an 2 Uhr 40. Mit dem Postauto können auch 3 Personen als Passagiere mitfahren. Am 18. Juli feierte Herr Pastor Kümmel, der vom 23. Dezember 1909 bis zum 23. Juli 1926 die Pfarrstelle in Erkeln verwaltet hatte, sein goldenes Priesterjubiläum. Er zog 1926 von hier nach Blankenau und wohnt seit dem 1. April 1930 in Höxter. Am 20. Juli wurde in Erkeln eine feierliche Dankandacht gehalten, um Gott dem Herrn zu danken für die Gnaden, die die Pfarrgemeinde durch die Hand ihres früheren Seelsorgers empfangen hat. (Es folgt ein Zeitungsausschnitt vom 29. Juli betr. goldenes Priesterjubiläum von Pfarrer Kümmel in Höxter, der sich in der Originalchronik befindet und dort nachgelesen werden kann.) 1931. Vom 3. bis zum 6. Januar 1931 wurde von dem Franziskanerpater Blasius Ellers aus Paderborn ein Triduum für die Mitglieder der Gemein de, namentlich für die Jünglinge und Jungfrauen gehalten. Am 9. August feierten die Eheleute Landwirt Johannes Johlen und Theresia Spellerberg das Fest der goldenen Hochzeit. Der Hochwürdigste Herr Erzbischof Dr. Kaspar Klein sandte den Jubilaren Glückwunsch und Segen. vidi 18./11.31 Grüne, Dech. Am 28. September 1931 starb nach kurzer Krankheit der Hochwürdigste Herr Weihbischof von Paderborn Dr.Johannes Hillebrand, Geistlicher Rat, Domdechant, geboren am 5.August 1874 in Steinheim. 1932. Vom 31. Dezember 1931 bis zum 6. Januar 1932 fand eine Missionserneuerung für Erkeln statt, die von dem Franziskanerpater Severin Lamfung gehalten wurde. Es fanden täglich zwei Predigten statt, die Beteiligung der Gemeindemitglieder an den Predigten und am Empfang der heiligen Sakramente war gut. Am 19. Juni war in Brakel Sturmtag der katholischen Jungmänner des Dekanates Brakel. Eine Schar Jungmänner aus Erkeln nahm an der Feier teil. Viel Segen im Herrn ! Erkeln, 14, Okt. 1932 # Caspar, Erzbischof v. Paderborn Firmung. Am 14.Oktober 1932 spendete der Hochwürdigste Herr Erzbischof von Paderborn Dr. Kaspar Klein in der hiesigen Pfarrkirche das heilige Sakrament der Firmung. Die Zahl der Firmlinge betrug 116. Am 16. Oktober 1932 fand in Brakel vor dem Hochwürdigsten Herrn Erzbischof eine große Katholische Jugendkundgebung des Dekanates Brakel statt, an der die Jungmänner und Jungfrauen der Pfarrgemeinde Erkeln sich in großer Zahl beteiligten. Am 21. Dezember 1932 empfing der vom Heiligen Vater Papst Pius XI. zum Weihbischof von Paderborn ernannte bisherige Pfarrer Augustinus Baumann in Dortmund im Dom Paderborn die bischöfliche Weihe. 1933 Vom 5. bis 8. Januar 1933 wurde in der hiesigen Pfarrkirche zur Erneuerung des religiösen Geistes für die Pfarrangehörigen durch den Franziskanerpater Alban Schrewe aus Paderborn ein Triduum abgehalten. An der Wallfahrt zur Ausstellung des Heiligen Rockes in Trier im August 1933 beteiligten sich aus der Pfarrei Erkeln 10 Männer und Frauen. Die Ausstellung des heiligen Rockes dauerte vom 23. Juli bis zum 10. September 1933. Am 20. Dezember 1933 wurde der Landwirt Hermann Ortmann in Erkeln 90 Jahre alt. Er ist der älteste Einwohner der Pfarrgemeinde. Er nahm in jungen Jahren an den beiden Kriegen von 1866 und 1870/71 teil. Im hohen Alter von 90 1/4 Jahren starb er am 6. März 1934. 14. Oktober 1932 (Zeitungsausschnitt): "Erkeln, 24. Oktbr. (Firmung.) Der Besuch des hochwst. Herrn Erzbischofs war auch für unsere Gemeinde ein Freudentag. Festliches Geläute begrüßte den hohen Gast, so-bald er von Brakel kommend unsere Gemarkung erreichte. Lustig flatterte ihm vom hohen Turm die Fahne den Willkommensgruß zu. Ein großer Ehrenbogen war am Dorfeingang errichtet, dem sich viele andere in den Straßen anreihten. Wegen des allzu stürmischen Wetters mußte der Empfang in der Kirche stattfinden. Herr Pfarrer Schulte entbot den Willkommensgruß der Gemeinde und gelobte im Namen aller, dem Führer zu folgen, was immer auch komme. Die große Zahl der Gläubigen empfing nach dem vorgeschriebenen Zeremoniell den bischöflichen Segen und der hochwst. Herr dankte gerührt für den schönen Empfang. 122 junge Christen aus Erkeln und Beller knieten vor dem Seelenhirten und wurden in das Heer der Streiter Christi aufgenommen. Anschließend folgte eine Katechese über die hl. Firmung und eine Lektion aus der Apostelgeschichte: Tabitha, ein Bild, das so recht in unsere heutige Notzeit paßt. Unter dem Gesang: "Fest soll mein Taufbund immer stehen" wurde der Gesandte Gottes in das Pfarrhaus geleitet, wo ihm die Lehrpersonen der Pfarre und der Kirchenvorstand vorgestellt wurden. - Besonders hervorgehoben sei noch der wirklich großartige Blumenschmuck der Kirche. So schön war unser ehrwürdiges Gotteshaus wohl noch nie geschmückt." 1933. Am 18. August 1933 feierte ich mein vierzigjähriges Priesterjubiläum im Klemensheim in Bad Driburg zusammen mit meinen Mitschülern, die am 18. August 1893 im Dom in Paderborn die heilige Priesterweihe empfangen hatten. Die Zahl der damals geweihten Priester betrug 13, von diesen sind bereits 3 in die Ewigkeit abberufen worden. Von den jetzt noch lebenden 10 Priestern unseres Kursus hatten sich 9 in Bad Driburg eingefunden, um das Jubiläum gemeinschaftlich zu feiern. Zusammenkunft am Vorabend des Festes. Am Festtage selbst fand in der Kirche des Klemensheimes um 9 Uhr ein feierliches Levitenamt statt. Darauf hielt uns Pater Dr. Freitag aus dem Missionshause St, Xaver am Vormittag und Nachmittag 3 inhaltreiche, ergreifende Vorträge über das Priestertum und die Plichten des Priesters. Am Vormittage des folgenden Tages machten wir eine Autofahrt zu den Extersteinen und kehrten gegen Mittag in das Klemensheim zurück; am Nachmittage nahmen wir von einander Abschied mit dem Versprechen, daß wir nach 3 Jahren, so Gott will, wiederum zu einer Wiedersehensfeier in Bad Driburg zusammenkommen wollen. Vierzig Jahre im Priestertum, eine lange Zeit, eine Zeit reich an Gnaden, reich an Arbeiten, Opfern und Leiden! Weil die Kirche in Erkeln im Winter sehr feucht und kalt und außerdem das Pfarrhaus feucht und ungesund ist, so litt ich seit 1928 viel an Erkältung und schweren rheumatischen Schmerzen, die mir meine seelsorgliche Tätigkeit, namentlich in den letzten Jahren, in hohen Maße erschwerten und zuletzt ganz unmöglich machten. Im November 1933 bis zum Februar 1934 mußte ich mich durch den Franziskanerpater Walfried Kindermann aus Paderborn und von da an bis Anfang Mai durch den Vikar Klemens Honselmann aus Paderborn vertreten lassen. Da an eine baldige Wiederherstellung meiner schwer erschütterten Gesundheit nicht zu denken war, so bat ich im Februar den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof, mich in den Ruhestand versetzen zu wollen. Diese Bitte wurde mir gewährt und ich verließ am 2. Mai 1934 die Pfarrgemeinde Erkeln um meinen Wohnsitz in Bad Driburg aufzuschlagen. Zu meinem Nachfolger wurde Vikar Bernhard Goebel aus Herzebrock ernannt. Gern hätte ich noch länger im Weinberge des Herrn gearbeitet, aber meine Kräfte reichten nicht mehr aus, deshalb mußte ich von Erkeln und meiner priesterlichen Tätigkeit Abschied nehmen. Möge Gott der Herr die Pfarrgemeinde Erkeln und ihren neuen Seelsorger segnen mit zeitlichen und ewigen Gütern ! " Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen ." (2. Kor.13,13.) Hermann Schulte, Pfarrer i.R. (Gestorben in Bad Driburg am 21. Febr.1942.) Zeitungsausschnitte: "Erkeln, 4.Mai. Abschied von Pfarrer Schulte. Am Sonntag galt es für die Erkelner Abschied zu nehmen von ihrem Seelsorger Pfarrer Herm. Schulte. acht Jahre hat Pfarrer Schulte die ihm anvertrauten Seelen der Gemeinden Erkeln und Beller als guter Hirt betreut und durch sein liebenswürdiges und freundliches Wesen die Herzen aller gewonnen. Aus Gesundheitsrücksichten mußte er auf seine Pfarrstelle verzichten, nachdem er 40 Jahre im Weinberge des Herrn gearbeitet hatte. Nur ungern sah man Herrn Pfarrer Schulte scheiden, und so hatte es sich die Gemeinde nicht nehmen lassen, Ihre Verbundenheit und das Vertrauen auch äusserlich zu bekunden. Bei Anbruch der Dunkelheit bewegte sich ein imposanter Fackelzug zum Pfarrhaus. Der Gesangverein trug einige Abschiedslieder vor. Vorsteher L.Backhaus dankte Pfarrer Schulte im Namen der Versammelten. Zum Zeichen der Dankbarkeit überreichten zwei Mitglieder des Kirchenvorstandes ein von Kunstmaler Hunstiger, Paderborn geschaffenes Gemälde, welches die Pfarrkirche von Erkeln im Frühlingsschmuck zeigt. Pfarrer Schulte dankte mit bewegten Worten für die Ehrung und versprach, seiner Pfarrkinder stets in Liebe zu gedenken. - Pfarrer Schulte wird seinen Wohnsitz in Bad Driburg nehmen. Möge der allgütige Gott seinen Lebensabend segnen." "Erkeln, 22. Mai. Einführung des neuen Pfarrherrn. Am vergangenen Sonntag war für unsere Gemeinde ein Freudentag, denn es galt, den neuen Herrn Pfarrer Göbel in sein Amt einzuführen. Das ganze Dorf prangte im Festschmuck. Gegen 15 Uhr wurde der hochw. Herr von unserer Gemeinde empfangen, die sich in Prozession zum Dorfeingang nach Brakel begeben hatte. Hier begrüßte zunächst der Gesangverein den neuen Herrn mit einem Begrüßungschor. Herr Pfarrvikar Honselmann richtete herzliche Begrüßungsworte an den neuen Pfarrer. Ein Kind überreichte nach sinnvollen Versen einen Blumenstrauß. Dann zog die Prozession mit ihrem neuen Seelenhirten zur Kirche, wo Herr Dechant Grüne, Brakel, ihm die Schlüssel zum Gotteshaus überreichte. Nachdem der neue Herr zu den Stätten seiner Wirksamkeit geführt war, hielt Herr Dechant Grüne, Brakel, die Einführungspredigt. Nach der kirchlichen Feier wurden dem neuen Herrn die Lehrpersonen, Gemeindevertretung und Kirchenvorstand vorgestellt. - Herr Pfarrer Göbel steht im besten Mannesalter. Er hat in seinem bisherigen priesterlichen Wirken in verschiedenen Gemeinden des Erzbistums in alle seelsorglichen Verhältnisse Einblick bekommen. Zuletzt war er 14 Jahre in der weit ausgedehnten Gemeinde Herzebrock (Kreis Wiedenbrück). Es hatten sich viele Mitglieder des Gesellenvereins Herzebrock nicht nehmen lassen, ihrem bisherigen Präses das Geleit nach hier zu geben. Ein schöner Beweis der Anhänglichkeit und Treue. Auch in unserer Gemeinde wird Herr Pfarrer Göbel die gleiche Liebe finden, die ihm von dem Orte seiner früheren Tätigkeit nach hier das Geleit gab. Möge es ihm vergönnt sein, recht viele Jahre in den Gemeinden Erkeln und Beller zu wirken, und möge ihm die Arbeit im Weinberge des Herrn eine leichte sein." In nomine Jesu ! Ich, Bernhard Goebel, am 28. März 1934 zum Pfarrer von Erkeln ernannt, bin geboren zu Annen, Kreis Hörde am 30. Juli 1886. Besuchte die Volksschule meines Heimatortes, erhielt die ersten Lateinstunden beim Ortskaplan und ging im Jahre 1900 in die Unter-tertie des Gymnasiums zu Paderborn. Nach bestandenem Abitur 1906 trat ich im Sommer desselben Jahres ins Leo Convikt zum Theologiestudium. Ostern 1909 kam ich ins Priesterseminar u. wurde im März 1910 von Bischof Karl Joseph, jetzigem Kardinal-Erzbischof von Köln, zum Priester geweiht. Meine erste Anstellung erhielt ich in der Pfarrei Hoinkhausen, Kreis Lippstadt. Im Jahre 1919 wurde ich als 3. Vikar an die Probsteikirche in Wattenscheid versetzt. Herbst 1920 kam ich in die Pfarrei Herzebrock, Kreis Wieden-brück, wo ich 14 Jahre wirkte bis zum Mai 1934. Am 12. Mai desselben Jahres erfolgte meine Einführung als Pfarrer in Erkeln. Vergl. oben ! Herr Vikar Honselmann war seit Februar Vertreter für den erkrankten Pfarrer Schulte. Während dieser Zeit hat er fleißig geschafft in Pfarrhaus und Kirche. Da die Paramente äußerst schlecht waren hat er eine Sammlung gehalten, die rd. 400 M einbrachten. 2 Stolen, 1 Roschett, Tabernakelseidenbekleidung, Kelcherlum etc. wurden neu angeschafft. Die alten Kerzenleuchter in Ordnung gebracht, ein alter Tisch renoviert, Regal für die Kirchentücher beschafft. Auch für die Instandsetzung des Pfarrhauses hat er in uneigennütziger Weise gesorgt. Gratias ! Als der neue Pfarrer seine ersten Hausbesuche machte, hörte er allenthalben den Wunsch, es möge doch für die naßkalte Kirche eine Heizung besorgt werden. Im Winter sei es manchmal nicht zum Aushalten. Gleich im Juni begann ich mit einer Haussammlung für Kirchenheizung und Sakristei. Die Sammlung brachte an Bargeld gleich ca. 800 ein und ungefähr weitere 1200 M an Zeichnungen. An einen solchen Erfolg hatte ich nicht gedacht. Jetzt kam mir aber die N.S.V. (nationalsozialistische Volkswohlfahrt) dazwischen. Der Kreisleiter der N.S.V. aus Höxter kam mit Auto vorgefahren und erklärte mir, ich hätte mich strafbar gemacht, da die Haussammlung ja verboten sei. Ich solle das Geld ihnen übergeben für "Mutter u.Kind". Sie !!! Quos ejo ! Ich brachte das Geld am anderen Tage vielmehr den Leuten zurück. Später wurde mir dasselbe - so hatte ich es gewünscht - von den Leuten wieder ins Haus gebracht. Die Vorbereitung für die neue Anlage war beendet. Die Heizungsfirma Mohr in Aachen erhielt den Auftrag für M. 1.800,- . Die Gemeinde (polit.) , die eigentlich die Baupflicht hat, lieferte die Steine und das Holz unentgeltlich. Die Bauern leisteten die Spanndienste. Die Handwerker und Arbeiter die Handdienste um Gottes Lohn. Es folgt ein Zeitungsausschnitt mit Bild vom Tod des Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Beneckendorf und Hindenburg vom 2.8.1934, und ein Zeitungsausschnitt mit Bild und das Gesetz über das Staatsoberhaupt im Deutschen Reich (Übernahme durch Hitler). Aus Anlaß des Ablebens des Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg wurde an mehreren Tagen mit den Glocken geläutet und an Kirche und Pfarrhaus halbmast geflaggt. Der Tod Hindenburgs ist für unser armes Vaterland gerade jetzt ein unersetzlicher Verlust. Gott helfe unserm deutschen Volke ! Möge Adolf Hitler der Retter des Vaterlandes werden. Am Morgen des 21. August wurde der erste Spatenstich für Heizungs- und Sakristeianlage getan. Der Ausbau wird gemacht zur Südseite (Schule) unter dem 1. Chorfenster. Ein Plan von 1919 sah den Anbau für die Ostseite vor. Hier günstiger; sowohl architektonisch als auch praktischer Vorteil. Man kommt jetzt aus der Sakristei gleich vor die Stufen des Hochaltars Der Schuhmachermeister Ulsas konnte das 100jährige Bestehen seines Schuhgeschäftes feiern. Die Handwerkerinnung überreicht ihm ein Ehrendiplom. Die Ausschachtungsarbeiten für den Kirchenanbau gehen rüstig vorwärts. Die Jungen und die Alten wetteifern in der Arbeit um Gottes Lohn. Schipp, schipp, hurra !! Mit Spitzhacken und Schüppen! Es war kein Stichboden, sondern angeschütteter Boden. Schwer herauszuholen. Da früher Friedhof, wurden viele Schädel und Knochen gefunden. Alles wurde pietätvoll an der Nordseite wieder eingeerdet. Schwierig gestaltete sich vor allen der Durchbruch durch das Kirchenfundament 1,80 m dickes Mauerwerk. Man stieß unter dem Strebepfeiler noch auf ein altes Kellergewölbe. Ob es wohl von der alten Kirche herrührt ? ---Oder es haben dort Wohnhäuser gestanden, die abgebrochen oder abgebrannt sind.?? Dann ging man wie die Wühlmäuse unter den Plattenbelag in die Kirche, um die Luftkanäle anzulegen. So brauchte man die teuren Platten in der Kirche nicht zu beschädigen. Ende September 1934 konnte gerichtet werden, der Dachstuhl war fertig. Im Oktober war die Heizungsanlage vom Monteur aus Aachen fertiggestellt. Die Probeheizung funktionierte tadellos. Es wird rüstig an der neuen Sakristei weitergearbeitet. Spätestens Weihnachten soll sie bezugsfertig sein. Die Weserplatten für die Bedachung schenkte Bauer Georg aus Beller, den Plattenbelag vor der Sakristei Bauer Köring aus Beller. Vidi in...-. 24/3.35 Grüne Pfr. 1935 Mit der Saarabstimmung am 13. Jan.35 kam urdeutsches u. urkatholisches Land wieder zur Mutter Deutschland. Die Katholiken, 85 % der Bevölkerung, haben bewiesen, daß keiner völkischer u. deutscher ist, als sie. Man möge endlich mit dem blöden Geschwätz von "Internationalität" aufhören ! Aber viele lernen es nie !!! Am 1.März Rückgliederung des Saargebietes, feierlicher Gottesdienst, 1stündiges Glockengeläute. Im Laufe des Monats März wurde die neue Sakristei eingerichtet. Eine neue Sakristeiglocke lieferte B.Kassen in Paderborn für M.36,-. Den neuen eichenen Ankleidetisch mit Aufsatz fertigte Schreinermeister Wilh. Zimmermann an für M. 270,--. Aus der alten Sakristei wurde ein Wandschrank herausgenommen und für die neue Sakristei passend umgearbeitet vom gleichen Meister für ca. M. 80,-. Am 21. März 1935 feierte der zeitige Pfarrer sein 25jähriges Priesterjubiläum.Die schlichte kirchl. Feier war am Sonntag darauf. Herr Pater Knauer hielt die Festpredigt über Würde und Bürde des Priestertums. Herr Dechant Grüne aus Brakel war als Vertreter des Dek.Brakel anwesend. Am gleichen Tage wurde die neue Sakristei ihrer Bestimmung übergeben. Man freute sich allgemein über den geräumigen, hellen und freundlichen Bau. Unsere neue Heizung hat während der Wintermonate tadellos funktioniert. Die gewärmte Kirche hat alle entzückt. Wir gebrauchten im ersten Winter (gelindes Wetter !) für ca. 200 M Stückkohlen und ca. 5 rm Holz.Für den kommenden Winter will die Gemeinde 25 - 30 rm Holz unentgeltlich zur Verfügung stellen. Zur besseren Erwärmung der Kirche waren während des Winters beide Seitentüren geschlossen, nur die eiserne Turmtür geöffnet. Hat sich gut bewährt !!! Ein prächtiges, von Jungfrauen gearbeitetes, zusammen mit Mütterverein gestiftetes Altargedeck (3 Altäre u. Kommunionbank) wurde zum Jubiläum des Pfarrers geschenkt. Ein auswärtiges Pfarrkind, Bürgermeister Johenning in Oelde, stiftete M. 300,- für Meßgewänder. Die Firma Joseph Gotzes in Krefeld lieferte 1 gotisches Kasel (weiß mit Goldbrockat-Stab) und 1 got. Kasel (rot mit Gold-Stab für M. 370,--. Am 18. April (Gründonnerstag) entstand im hl. Grab am Familien-Seitenaltar durch herabfallende Funken einer brennenden Kerze ein kl. Brand. Das kleine Kelchvolum verbrannte ganz, ebenso wurde das Segensvolum unbrauchbar, 2 Altartücher wurden noch beschädigt. Der Schaden ist aber durch Versicherung vollkommen gedeckt. Am Schützenfest des hl. Joseph wurde in Beller mit Genehmigung von Paderborn zum ersten Male nach dem Festhochamt eine Sakramentsprozession veranstaltet. Schön u. feierlich verlaufen, Beller hat sich gelöffelt. Am Sonntag, den 26. Mai wurde die seit 1925 "schlafende" Sodalität wieder auferweckt. Es wurden 36 Jünglinge in die Sodalität, 15 Jungfrauen in die Kongregation aufgenommen. An Petri-Ketten prangte am Altar auf dem Chor ein neuer prächtiger Teppich, ein Geschenk der ganzen Gemeinde zum Jubiläum des Pfarrers. Kostete über M.500,--.Am selbigen Tage war das neue Segensvolum aus Herstelle angekommen. Die Stickerei gefällt gut. Preis M. 155,-. Für die Meßdiener wurden neue Glaskuppel-Kerzenleuchter angeschafft. Jetzt wird Teppich u. Boden, auch Kleidung vor Wachstropfen geschützt. Kerzen bleiben sogar draußen im Brand. Kostenpunkt mit Ständer ca. M. 50,-. Die jungen Leute müssen wieder Soldat werden. Der Führer und Reichskanzler hat die Wehrfreiheit fürs deutsche Volk proklamiert. Allenthalben darüber freudige Zustimmung ! Die erste Musterung im August zeigte wieder ein ähnliches Bild wie vor dem Kriege. Fünf (5) unserer jungen Rekruten machten, ehe sie eintreten, die hl. Exerzitien im "Heilandsfriede" zu Sennelager b. Paderborn. Am Sonntag den 15. Dez. abends 8 Uhr begann für unsere Gemeinde die "Eucharistische Woche", gehalten von Franziskanerpater Simon aus Paderborn. Sie dauerte bis Sonntag, den 22,. Dez. und endete mit einer Bekenntnisfeierstunde. Die ganze Gemeinde einschl. Beller hat sich gut beteiligt, auch unsere Männerwelt hat sich eifrig gezeigt. Möge die öftere hl. Kommunion den bleibenden Erfolg bilden! Vidi in vis et. 15/I.36 Grüne, Dech. Da unsere Pfarrkirche seit dem Jahre 1888 keinen Anstrich im Innern mehr erhalten hatte, war allmählich alle Schönheit dahin. Der Wunsch nach Neumalung war begreiflich. Der Kirchenvorstand übertrug dem Kirchenmaler Weitzner aus Paderborn die Ausmalung der Kirche zum Preise von M.4.300,-. Am 3. Februar 1936 wurde mit der Aufstellung des Gerüstes begonnen. Unsere Jungmänner (17-20 Jahre) haben sich rühmlich dabei betätigt um Gottes Lohn. Dann wurde der ganze Kirchenraum abgewaschen und abgekratzt. Dabei stellten sich viele Putzschäden heraus. Ca. 16 Jungmänner haben in einer Woche fleißig, ja mit großem Eifer, alles neu verputzt, alles um Gotteslohn (arbeitslose Maurer). Jetzt konnten die Maler beginnen. Gleichzeitig wurde der Bildhauer Spalthoff in Paderborn beauftragt, einen neuen Aufsatz (Abschluß) für den Tabernakel des Hochaltars u. Nebenaltars zu schaffen Man hatte vor langen Jahren den alten Aufsatz mit Pelikan, weil vom Wurm zerfressen, ins Feuer geworfen und ein eisernes Monstrum draufgesetzt. Das Corpus delicti ist noch da, vide ! Außerdem wurde der untere, nutzlose Teil des Tabernakels, ehemals Drehtabernakel, abgesägt der Tabernakel direkt ohne Unterbau auf die Mensa des Altars gestellt. Jetzt ist die Handhabung des Tabernakels und des Expositoriums (bisher überhaupt keines da) leichter, da nicht mehr so hoch. Kosten für Bildhauer M. 360,-. Desgleichen wurde die Kitschfigurengruppe auf den beiden Tabernakeln der Nebenaltäre beseitigt. Dafür bekommen die Altäre, wie ursprünglich, 2 Gemälde, links eine Kopie von Murillio (Rosenkranzbild) u. rechts das alte, jetzt aufgefrischte Josephsbild, das bisher unbeachtet unter Orgelbühne in der Ecke hing, altes Bild. Außerdem habe ich vom Boden der Petruskapelle zwei alte zerfressene Holzfiguren, St. Antonius mit Jesuskind u. St. Anna u. Maria, schöne alte Barockstücke auskochen u. fertigmachen lassen durch Bildhauer Spalthoff. Sie stehen als Schmuckstücke oben auf den Nebenaltären. An der Kommunionbank (paßt auch nicht zum Stil der Kirche) wurden die Eisenstangen entfernt u. Holzfüllungen angebracht, damit, ebenso wie auf der Kanzel, die Decken ordentlich aufgelegt werden können Statt der herabhängenden Beleuchtung wurden Deckenlampen angebracht und unter Putz verlegt. Auch Kanzel u. Beichtstuhl erhielten eine kl. Lampe. Installateur Valentin Tensi in Brakel. Kostenpunkt ca. M.350,-. Zwei alte, auf dem Pfarrboden gelegene Ölgemälde "Gute Hirt u. Petrus mit Hahn", verkommen, wurden vom Kirchenmaler renoviert, vom Bildhauer mit passenden Rahmen versehen, jetzt wieder auf dem alten Platz, über dem Beichtstuhl angebracht. Weiterhin wurde auch die "Ewige Lampe" an die Evangeliumseite des Altars gebracht, damit der Ausblick zum Hochaltar ganz frei wird. Der eiserne Arm dazu vom Schmiedemeister Löhr geliefert. Eine Mauerseite unter der Männerbühne auf der Evangelienseite wurde mit Sperrholzwand bekleidet um die Nässe zurückzuhalten und die neue Malerei zu erhalten. Für das "Maria-Hilf-Bild" wurde im Turm unten eine Nische geschaffen als Gebetswinkel, still abseits. Die beiden Statuen "St.Franziskus" u. "St. Antonius" wurden ebenso im Turm untergebracht. da sie im Schiff der Kirche nur störend wirken. Damit die Aussentreppe vor der Turmtür beleuchtet wird, wurde, um Unfälle vorzubeugen, eine Laterne vom Schmied Löhr angefertigt. Schreinermeister Pult (Hille) hat sämtliche Bänke repariert und auch eine Pendeltür RM 100,- an der Nordseite angebracht. Die neue Außentür nach Nordseite machte Schreinermeister Balke für RM 150,-. Beschlag lieferte Schmiedemeister Rampe unentgeltlich. Die Herz-Jesu-Statue wurde in der Nische bei der Kanzel aufgestellt. Zwei auf dem Kirchenboden gefundene gut erhaltene Ornamente wurden wieder an den Nebenaltären (rechts u. links über Kommunionbank) angebracht. Opferstock (früher am Pfeiler!) und Plakattafel wurden im Turm untergebracht. Der Kreuzweg (früher beginnend und endend bei den Nebenaltären) wurde hinter die Beichtstühle verlegt. Herr Wilhelm Pott, Inhaber des Großenhof in Dortmund, aus Erkeln, hat für Hochaltar u. Nebenaltäre prächtige Läufer (Persermuster) gestiftet. Anfang Juli wurde hier von der NSV. ein Erntekindergarten im Saale Pott eröffnet, soll bis 1. Oktober dauern. Ca. 40 Kinder wurden anfangs betreut. Anstelle des alten geflickten Weihrauchfasses wurde ein neues silbernes Kohlenfaß von der Firma Höpner in Breslau bezogen. Der Preis dafür M. 62,50 wurde mit gesammeltem Altsilber bezahlt. Desgleichen wurde eine neue Krankenpotane, die alte war schlecht zu purifizieren, von Firma B.Cassen in Pad. für M.17,50 bezogen. Anfangs Dezember wurde ein kleiner Schriftenstand unten vor der letzten Bank angebracht. Um die religiöse Presse noch mehr unter die Männer der Gemeinde zu bringen, wurden durch die Männer der K.A. (Kath.Akt.) der kath.Mann u. die "Hoffnung" in ca. 100 Exempl. regelmäßig im Abonnement untergebracht. Im November wurde dem Hauptlehrer Meyer anläßlich s. 25.Ortsjubiläums durch Bürgermeister Backhaus u.Pfr.Goebel die Glückwünsche der Gemeinde in Verbindung mit einem vom Kirchenmaler Weitzner gemalten Bild (Kirchenportal mit Umgebung), Kosten ca. 100 M., überbracht. Herr Lehrer Winkler ist nach Driburg versetzt. An seine Stelle ist Lehrer Dieding aus Hohenwepel getreten. Vom 13.Dez. bis 20. Dez. wurde die Euch.-Familienwoche von P. Xaverius Löbach aus dem Dominikanerkloster Warburg gehalten. Die Gemeinde hat fleißig trotz der herrschenden Grippe teilgenommen. Möge sie reiche Früchte zeitigen. 1937. Am Sonntag nach hl. 3 Könige erhielt unsere Kirche einen neuen Schmuck in Gestalt von 4 aus Eichenholz handgeschnitzten Evangelisten für die Kanzel. Bildhauer Spalthoff aus Pad. hat sie künstlerisch gefertigt nach Vorlage des alten Barockmeisters Papen (Original in Willebadessen!). Kostenpunkt a Stück 170 M. = M 680,-. Den größten Teil stiftete die Filiale Beller. Gratias ! Vidi in vicitat. 20/I.37 Grüne, Dech. Anstelle von Lehrer Dieting, der bald nach Dienstantritt erkrankte, wurde Lehrer Machens aus Gehrden (geb.aus Hildesheim) berufen. Ende des Monats März hat Herr Hauptlehrer Meyer mit seinen großen Schuljungen ca. 2400 Ligusterpflanzen rings um das Drahtgitter des Kirchplatzes gesetzt. Es soll eine lebende Einfassung heranwachsen, zumal das Drahtgeflecht allmählich durchrostet. Die Pflanzen sind von Hanses-Köring (Sohn des Bürgermeisters Köring in Beller) in Sprakel b.Münster für 59 RM geliefert. Ros clementiae benequita tisque, Dominidescendat uberrime super pacochum et parochiam nuni et semper ! 10.VII.1937 # Casparus Archiep. Paderborneusis. Am 10. Juli 1937 spendete der Hochw. H.Erzbischof auch in unserer Gemeinde das hl. Sakrament der Firmung an 104 Pfarrkinder aus Erkeln u. Beller.Des Abends machte er einen Besuch in Beller, hielt auch dort eine Ansprache und reichte vor seiner Abfahrt draußen zum Abschied jedem die Hand. Wie im ganzen Dekanat so fand der Hochw.H.Erzb. auch hier viel Liebe u.Verehrung. Unter freudigem Heilrufen der Kinder u. Erwachsenen fuhr Se.Exzellenz wieder nach Brakel zurück. Im Monat August wurde auf Beschluß des Kirchenvorstandes die Petri-Kapelle (Frischens Kap.) die zu verfallen drohte, für M.284,97 vom Bauunternehmer Multhaupt innen u. außen neu verputzt, ganz mit Isolierschicht versehen. Neben einer neuen Tür soll auch die Kap. auch noch Ausmalung u. Bänke erhalten. Auf Petri-Kettenfest wurde erstmalig die Predigt unter der Linde bei der Kapelle gehalten. Eine Musikkapelle wirkte erstmalig zur Freude aller beim Singen der Kirchenlieder (Prozession) mit, es waren 9 Bläser aus Istrup. Am 22. August hielt Herr Domvikar Dr. Schulte in hiesiger Kirche für die gesamte Männerwelt einen Landsonntag ab ("Christus u. das Dorf"). 1938. An einem Einkehrtag für die Männer im Krankenhaus Brakel am 9. Januar beteiligten sich aus der Pfarre Erkeln 64 Männer! Bravo ! In der Zeit vom 3. - 4.März hielt Herr P. Vollmerig aus Hiltrup für die Frauen u. Jungfrauen je 1 Einkehrtag. Der erste Tag schloß mit einer feierlichen Kindersegnung, der 2. Tag (Jungfrauen) mit einer schönen Lichtfeier. Beteiligung war auch hier sehr gut. 31 Jungmänner gingen zum Einkehrtag nach Brakel am 17. März. An Petri-Ketten konnte dies Jahr die Prozession nur um die Kirche gemacht werden wegen der stark aufgetretenen Viehseuche. Am Tage nach Petri-Ketten brannte hier gegen 3 Uhr nachmittags, während alles bei der Ernte weilte, das Haus des Bauern Nutt bis auf den Grund nieder. Der jüngste Sohn Joseph (5 Jahre alt!) hatte mit Streichhölzern gespielt und ein Feuerchen machen wollen. !!!! Gutsbesitzer Rustemeyer von hier stiftete zum Petri-Kettenfest einen neuen Chormantel zum Preise von RM 290,-. Lieferant dieses schönen Stückes ist die Firma A.Rodehusen Ww. u.Comp. Hagen/Westf. Anstelle des bisherigen langjährigen Küsters Johann Sievers (14 Jahre) übernahm Herr Xaver Zimmermann von hier diesen Kirchendienst. Seit dem Jahre 1817 waren in unserem Glockenturm nur mehr 2 Glocken, da eine für Kriegszwecke abgegeben werden mußte. Eine Geldsammlung für Neubeschaffung sofort nach dem Kriege verfiel der Inflation. Über 20 Jahre also nur 2 Glocken! Längst war der Wunsch laut geworden, endlich die neue Glocke zu beschaffen. In diesem Jahre wurde der Plan zur Ausführung gebracht. Der Pfarrer ließ Kostenanschläge von verschiedenen Glockengießereien machen. Für 1 Glocke (g) wurden RM 1500 gefordert. Jetzt wurden vom Glockengießer Otto - Hennlingen die vorhandenen Glocken geprüft und festgestellt, daß beide Klöppel schadhaft waren, neue Lager etc.... erhalten mußten, sodaß die 1. Glocke mit diesen Reparaturen über RM 2000,- kosten würde. Außerdem wurde konstatiert, daß die dicke Glocke (f-950 kg) aus dem Jahre 1854, von Lohmeyer, Gütersloh, gegossen, in der Stimmung als total unrein bezeichnet werden mußte. Durch die Präzisionsstimmgabel wurde als Schlagton "f + 1", aber als Prim-Grundton e - 21/2 herausgeholt. Um ganz sicher zu gehen, ließ ich unsere Diözesanglocken- Experten Professor Schonerte bitten nochmals eine Prüfung dieser Glocken vorzunehmen. Auch dieser stellte dann dasselbe fest und empfahl dringend die Abgabe der sgn. dicken Glocke, da diese das Geläut durchaus verderben würde. Der dann erwogene Plan, die große f Glocke umschmelzen zu lassen u. dazu eine neue Glocke zu beschaffen, mußte an der Kostenfrage scheitern, da dann mit ca. RM 3000,- Beschaffungskosten rechnen mußten. Dadurch wäre aber eine sofortige Lösung der Glockenfrage wieder hinfällig geworden. Unter Hintenansetzung aller Bedenken - in der Gemeinde gab es einige Gegner der Ablieferung der großen Glocke, die sich ziemlich laut gebärdeten - beschloß der Kirchenvorstand dann nach wiederholter Rücksprache mit Professor Schanerte in Pad. u. Glockengießer Humpert in Brilon beide vorhandenen Glocken - f u. e - abzuliefern und ein ganz neues Geläut aus einem Guß herstellen zu lassen. So lag jetzt die Möglichkeit vor, ein Präfationsgeläut mit den Tönen e - g - a in mittelschweren Rippe in Auftrag geben zu können: I. E Schlagton, große Glocke, 1,13 Durchm. 667 kg II. G ", mittlere Glocke, 0,95 " 400 kg III. A " ,kleine Glocke, 0,85 " 285 kg Gesamtgewicht 1352 kg zum Gesamtpreis von RM 2677,-. Da 1423 kg Altmetall (2 alte Glocken) abgegeben wurden, verringerte sich der Preis um 1423 RM, blieb zu zahlen für das ganze neue Geläut RM 1254,-. Diese Summe konnte vom Pfarrer sofort bezahlt werden, da er beim Weihgang im September ungefähr 900 RM als Spende für die Glocken erhalten hatte und bei einer späteren Sammlung in der Kirche nochmals 330 RM. Ein Zeichen für das große Interesse der Gemeinde ! Die Lieferung des ganz neuen Geläutes erhielt die Firma Humper,Brilon, Als Aufschrift für die dicke Glocke E' wurde gewählt: "Im Dienst der Petri-Kettenkirche, bin einst "St.Petrus" ich getauft; Christus, dem König gilt mein Rufen, ihm, der Euch alle losgekauft. Froh dienet ihm im Streit der Zeit, bis Ihr ihn schaut in Ewigkeit." Mittlere Glocke G': "Unter Paulus Schutze mit ehernem Munde, lad ich die Herzen zur Andachtsstunde, rufe die Erdenpilger zur Gruft, bis die Posaune zum Weltgericht ruft". "Geopfert für des Vaterlandes Wehr (1917), erneuert zu des Allerhöchsten Ehr (1938)." Kleinste Glocke A': "Ich trage froh St. Josephs Namen; für ihn soll meine Stimme mahnen: "Wer treu zur Kirche steht im Streit, schaut den Triumph voll Herrlichkeit". Diese Verse für die E und A Glocken hat hiesige Lehrerin Heinemann gedichtet. - Das seltene Ereignis der Beschaffung neuer Glocken war natürlich für Monate das Dorfgespräch. Gelegentlich der Heimatabende unserer Jungen u. Mädchen wurde ein Glockenfilm (Stehfilm u.Schmalfilm-Kino) im Jugendheim und auch für die Schulkinder in der Schule vorgeführt. Am 4. Adventssonntag im Saale Pott für die ganze Gemeinde, Gesang und Vortrag des "Liedes von der Glocke- Film wechselten miteinander ab. Samstag, d. 17. Dez. war die Gemeinde zum Glockenguß in Brilon eingeladen. Donnerstag, d.22.Dez. war die Prüfung d. neuen Geläutes durch Prof. Schonert im Beisein des Pfarrers, Hauptl. Meyer u. Bauer Rustemeyer statt. Freitag vor Weihnachten wurden die Glocken durch ein Lastauto von Brakel aus Brilon abgeholt. Im schweren Schneegestöber kam der Wagen nachmittags hier an, die alten Glocken begrüßten ihre jungen Schwestern mit freudigem Klange. Im Nu war das ganze Dorf versammelt, die Glocken gleich in die Kirche geschafft, unten im Turm provisorisch zur Weihe aufgehängt in einem Holzbalkenstuhl. Am 2.Weihnachtstag war die feierliche Glockenweihe, 200 Stück Texte waren schnell vergriffen, die Kirche gefüllt von Gläubigen. Mittwoch vor Neujahr hingen die Glocken bereits im Turm, viele Neugierige fanden sich ein. Donnerstag Abend von 7 - 9 1/2 Uhr erscholl das Jungferngeläut. Alle Arten des Läutens wurden ausprobiert, sogar das "Beiern". Voll Freude hörte man das erste Mal wieder ein "volles" Geläut seit 1917, wuchtig, klangrein, beste Harmonie, weittragend. Die Kritikester wurden kleinlaut ob des feierlichen, klangschönen Geläutes. - Nun mögen die ehernen Stimmen vom Turm, so Gott will, viele Jahrzehnte Gottes Lob künden und die Pfarrkinder durchs Leben begleiten in guten u. bösen Tagen !!!. 1939. Gleichzeitig mit der Beschaffung der neuen Glocken wurde die Frage des Läuteküsters - Sache der polit.Gemeinde - hin u. her beraten. Mit jedem Jahr wurde die Bestellung eines solchen Mannes schwieriger; Leutemangel u, höhere Geldforderungen. Auf Veranlassung des Bürgermeisters trat man dem Projekt der elektr. Läutemaschine näher. Die polit. Gemeinde verpflichtete sich, den Betrag für den Läuteküster, jährlich etwa 250 RM, an die Kirchenkasse zu zahlen, wenn die Kirchengemeinde das Kapital aus Kirchenfonds vorstreckte. Paderborn genehmigte diesbezügl. Antrag. Bockelmann u. Kuhlo, Herford, erhielt anfangs Januar den Auftrag Einige Tage vor Beginn der hl. Mission war die Anlage fertig. Neue Sensation. 4 Knöpfe zum Einschalten des Stromes, die Glocken ertönen genau nach Wunsch. Jetzt hört das Laufen und Stören im Turm auf, an Wochentagen mußten immer Schulkinder läuten u. Wind für die Orgel machen. Letztere bekam gleichzeitig elektr. Windbetrieb. Die ganze Anlage kostete M. 2061,-. Der große Segen dieser elektr.Anlagen für die Glocken und die Orgel wirkte sich schon gelegentlich der hl. Mission aus, die hier nach 10 Jahren (1929) von den Oblaten-Missionaren aus Essen-Borbeck vom 22.Februar bis 5.März abgehalten wurde. Leiter war P. Reger aus Gelsenkirchen, mit ihm P.Heinkel u. P.Koppmann aus E.-Borbeck, letzterer für Beller. Beteiligung war sehr gut, Höhepunkte waren die Marienfeier u. Eucheristische Feier. Mögen die Früchte dieser hl. Mission der ganzen Gemeinde lange erhalten bleiben! Vidi in ....tatione 5.7.1940 Becker,Dech. Am 10. Februar 1939 starb Papst Pius XI. Mit einem Trauergeläut u. wiederholten Gebeten u. Sterbeamt wurde des großen Papstes gedacht. Am 3. Sonntag im Mai war auf Wunsch des Erzbischofs die Weihe der Erzdiözese an die Mutter Gottes. In Predigt u. Kartechese wurde dieser Tag gehörig vorbereitet. - Am Christkönigsfest dieses Jahres empfing Joh. Fleckner aus Beller in Rom die hl. Priesterweihe. Es wurde seiner hier und in Beller fleißig im Gebet gedacht. Im Juli wird Österreich, Sudetenland u. Tschechoslowakei von Deutschland besetzt. August Kriegsgefahr. 1.September Krieg mit Polen. Am 28.September ist Polen von deutschen Truppen besetzt. England u. Frankreich erklärt Deutschland den Krieg. Überall werden jetzt die jungen Leute mobilisiert. 45 jüngere u.ältere Männer aus unserer Gemeinde werden unter die Waffen gerufen. Der Pfarrer blieb mit seinen Pfarrkindern an der Front in schriftlicher Verbindung, Schriften (Hoffnung, Kolpingblatt, andere Kleinschriften) gingen ins Feld. Zu Weihnachten konnte jedem Soldaten (60-70) ein Päckchen gesandt werden, das die Jungfrauen fertig machten im Pfarrhaus. Dankbare Freude sprach aus den Feldpostbriefen an den Pfarrer. Im Dezember bekam der Matrose Bernh. Multhaupt als erster das E.K.II. 1940. Die Einberufungen gehen weiter.,Annäherend 100 Mann sind eingezogen in den ersten Monaten des Jahres. Zum Reichsarbeitsdienst wurden erstmalig einige Jungmädchen (18-19 Jahre alt) einberufen. In den Kämpfen in Holland u.Belgien wird Joh.Drühe verwundet, erhält das E.K.II, ebenso Jos. Johlen. Anfang des Jahres rückte eine Sanitätskompanie, Standort Karlsbad,Böhmen,Sudetenland, ins Quartier nach Erkeln, annähernd 200 Mann. Auch in der Pastorat war ein Kriegsrat Dr.Lehmann einquartiert. Am 4.Febr. war hier eine feierliche Soldaten-Trauung, Unteroffizier Pick. Der Divisionspfarrer Grois, ein gebürtiger Wiener,hielt sie ab unter Anwesenheit der ganzen Kompanie. Einige Wochen später starb ein Soldat an Herzkrampf. Der Abtransport der Leiche, die per Auto in die Heimat, Österreich, geleitet wurde, gestaltete sich zu einem hier nie gesehenen militärischen Ereignis. Im Trauermarsch, von Regimentskapelle gespielt, wurde die Leiche zum Auto getragen, im tiefen Schnee. Der Ortspfarrer nahm an beiden liturg. Funktionen teil. Die schon im Dezember 1939 einsetzende Kälte nahm in den Wintermonaten Jan., Febr., März-April ganz katastrophale Formen an. Kälte stieg bis 30° und darüber. Wasser-leitungen, Mieten draußen, alles eingefroren, Rohre platzten,an der Bache (Kirchen-mauer) ein riesiges Eismeer. Ungeheure Schneemassen, Soldaten mußten Schnee schaufeln. Dazu die Kohlennot. Vorräte an Heizmaterial bald überall aufgezehrt. Hiesiges Militär fuhr mit Lastwagen direkt nach Hamm und holte für die hiesige Bevölkerung Kohlen, die dann nur Ztr.-Weise abgegeben wurden. Eisenbahn- Lokomotiven saßen vielfach im Schnee u. Eis fest, darum kein Bahntransport möglich. - Dann kamen die neuen Lebensmittelkarten, Kleiderkarten u. Bezugscheine als Rationierungsmassnahme. Erst unangenehm, doch nachher gewöhnt als notwendig und gerecht erkannt -. Als im Sommer die Schneeschmelze einsetzt, gibt es große Überschwemmungen, Neue Straße, Rhedertal, an der Nethe, grüne Bache, Keller voll Wasser, diese Straßen unpassierbar - . Am 30. Juni 1940 feierte der in Rom geweihte Pater Johannes Fleckner aus Beller in hiesiger Pfarrkirche seine Heimatprimiz die glanzvoll verlief. Seit 50 Jahren mal wieder eine Primiz! In der Zeit von 1840 - 1940 gab es in Erkeln 8 Priester u. Kandidaten. Joh.Konrad Backhaus ca. 1840 geweiht, starb als Pfarrer in Körbecke, 1892 Lorenz Schimmelfeder aus Beller, starb in Irmgateichen,Siegerland, 1940. Franz Hagemann 1894 Pfarrer, zuletzt in Bruchhausen, lebt als emeritus in Erkeln. 1912 Joseph Köhne, Dr.phil. aus Beller, lebt jetzt als Studienrat a.D. in Paderborn. Carl Backhaus (Geweiters) 1917 in Bogota (Columbien -Südamerika-) als Salesianer-Pater geweiht. Die beiden Theologiestudenten Ludwig Johlen u. Franz Köring fielen im Weltkrieg 1915 u. 1916 -. Für die Kirche wurde angeschafft: 1 got.weißes Meßgewand (148 RM), 1 Seidendamast Altargedeck (92 RM), 1 Weihwasser Aufbewahr-Behälter, künstlerisch gez.Steingut (95 RM), steht in Nische im Turm. Ende Dezember 1940 fanden Exerzitien statt, die guten Anklang fanden. Pater Beyer aus Heilandsfriede hielt zwei Kurse für Frauen u.Jungfrauen, 2x für Frauen, je 45 Mütter, u. 42 Jungfrauen. Das Jugendheim (alte Schule) eignete sich gut dafür. Es wurden täglich 4 Vorträge gehalten, Mittagspause 2 Stunden! Im Spätherbst 1940 wurde von englischen Fliegern die ersten Bomben ins freie Feld zwischen Brakel u. Bökendorf geworfen. Hier in Erkeln ist seitdem während der Nacht öfter das Summen der Motore von feindlichen Flugzeugen zu vernehmen. Einmal war auch das Dorf in dunkler Nacht taghell erleuchtet Engländer hatten einen Leuchtschirm über hiesiger Gegend abgeworfen, war ein seltenes Phänomen. 1941. Die ersten Gefallenen werden gemeldet, darob große Trauer in der Gemeinde. Fritz v.Schiller, Sohn d. hiesigen Försters und Johannes Drühe, Sohn d.Maurers Joseph Drühe, beide in Rußland gefallen, der erste am 10.August, der zweite am 26. August1941. Wegen der vielen Einberufungen ist Arbeitermangel. Darum werden Kriegsgefangene eingesetzt, zuerst Polen, ca.30 Mann. Der Ortspfarrer hält im Auftrag des zuständigen Wehrmachtspfarrers in Münster bisweilen Gottesdienst. Später werden die Polen frei gelassen, bleiben aber Zivilgefangene, die am Orte bleiben u. arbeiten müssen. Als im Juni der Krieg mit Russland beginnt, werden noch mehr junge Leute eingezogen. Der Krieg in Russland kostet Opfer. Wieder werden 2 Gefallene gemeldet, Ferdinand Kukuk in Erkeln u. Joseph Ahlemeyer in Beller. Im Februar 1941 hält P.Bernard Beyer einen Exerzitienkurs für Männer, der wider Erwarten von 35 Männern besucht wurde. Alle waren erfreut über die gnadenreichen Tage. Unser Erzbischof Caspar hat 75jährig am 26.1.1941 das Zeitliche gesegnet R.i.p. ! Er war im Jahre 1937 in unserer Gemeinde zur Spendung der hl. Firmung. Am Montag, den 28. April hat der Pfarrer in Erkeln zufolge staatl.Verfügung zum ersten Male seit Gedenken außerhalb der Schule den Relig.-Unterricht abhaltern müssen. In Zukunft darf also der Geistliche nicht mehr in die Schule. Zu seiner Unterstützung hat der Pfarrer mit Genehmigung der kirchl.Behörde u. des Kirchenvorstandes eine Pfarrhelferin, Caritasschwester, Schwester Gertrud von Gemmeren geb. in Keppeln, ausgebildet im Seelsorgsseminar in Freiburg, eingestellt. Sie ist neben der Büroarbeit hauptsächlich im Unterricht der Kinder u. der schulentlassenen weiblichen, jüngeren und älteren Jugend tätig. Unser früherer Kirchenmaler Hans Weitzner in Paderborn hat, nachdem der Taufstein aus seinem Versteck hervorgeholt worden ist, Wand und Decke über den Taufstein mit relig.Symbolen ausgemalt; Taube u.Schriftband: Röm.6. 1942. Der Winter 1941/42 war wieder ein rauher Geselle. Gegen die Kälte, wieder bis zu 30°, konnte keine Heizung in Kirche u. Wohnhäuser aufkommen. Das Wild, Rehe u.Hasen, Kaninchen, kamen aus den Wäldern bis in die Gärten und zerfraßen die Rinden der Obstbäume. Im Pfarrgarten ebenso alle jungen Bäumchen bis zur Vernichtung abgefressen. Am 1.Februar hielt Studienrat Dr. Heinemann, Driburg, einen Christustag für die Männerwelt, die sich gut beteiligten. Im gleichen Monat wurde nach einer Festandacht zu Ehren d.hl.Joh.von Bosco ein Reliquiar, das von einem Erkelner Pfarrkind, Pater Carl Backhaus in Bogota, Columbien, geschenkt war für die Heimatkirche, in silbernem Gefäß im Rosenkranz-Altar beigesetzt. Eine Ordensschwester (Erkelnerin) schenkte ein weißseidenes got. Meßgewand, Stab mit Fisch u. Ähre. Die Gunst unseres Herren Jesus Christus,die Liebe Gottes u.die Gemeinschaft des Hl.Geistes sei mit Euch allen. 2.Kor. 13,12. Erkeln, 29.6.42 + Aug. Baumann, Weihbischof. Die Festtage der hl. Firmung, die hier am 29. Juni 1942 durch Se.Exzell.d.Hochw.Herrn Weihbischof Augustin Baumann an 96 Firmlinge gespendet wurde, gestaltete sich zu einem relig. kirchlichen Ereignis ersten Ranges. die ganze Gemeinde, nicht blos die Jugend, nahm daran begeistert teil. Das zeigte sich auch an dem prächtigen Schmuck der Straßen, die der H.H. Weihbischof passierte. Fast kein Haus ohne Ehrenbogen, die Wege rechts und links mit Girlanden und Blumenteppichen geziert. Ein Jungfrauenchor sang das "Ecce saentos". Die Anwesenheit des Bischofs währte von Nachmittags 3 Uhr bis Abends 8 Uhr. Dann verließ der Hochw.Herr unter Jubelrufen der Jugend u. der Erwachsenen unsere Gemeinde, um einen Besuch in der Kapelle zu Beller zu machen. Auch hier das gleiche Bild, viel Schmuck und freudige Anteilnahme der Gemeinde. Gegen 9 Uhr ging es zurück nach Brakel ins Pfarrhaus. Möge der Gnadentag für die Gemeinde von nachhaltiger Wirkung sein und die junge Kämpferschar Treue u. Liebe zur hl. Kirche bewahren ! Am Montag den 16. Februar wurden die hiesigen erst 1938 neu beschafften 3 Glocken an das Reich für Kriegszwecke abgeliefert. Bauunternehmer Meyer in Brakel hatte den Auftrag zum Ausbau von 2 Glocken, die von innen durch den Turm heruntergelassen wurden. Es brauchten nur die Holzlager im Innern etwas verlegt werden. Jung und Alt hatte sich eingefunden, als das volle prächtige Geläut noch einmal seinen Abschiedsgruß hatte erklingen lassen. Besonders die Erkelner Jugend war vollzählig erschienen. Es sollen Abschiedsträne4n geweint worden sein. Möge das Opfer der Gemeinde für Volk und Vaterland einen glücklichen Frieden heraufführen halfen ! (Vergleiche noch die Fotos in d.Beilage!) In Bad Driburg verstarb am 212. Februar der frühere Pfarrer in Erkeln Pfarrer Hermann Schulte (1926- 1934). Die hiesige Gemeinde war erfreulicherweise bei der Beerdigung in Driburg zahlreich vertreten. Der zeitige Pfarrer Goebel hielt Totenamt u.Predigt in der Pfarrkirche zu Driburg. Die früheren Pfarrkinder in Erkeln werden ihren guten verst.Pastor nicht vergessen ! R.i.p. ! Im Juni d.Jahres wurde der Rasenplatz an der Südseite der Kirche neu eingesät, und an der Nordseite (Ausgang) 6 neue Bäume (2 Trauerweiden und 4 Rotdorn) neu angepflanzt. (Im Winter wieder erfroren. Der böse Krieg in Russland hat dies Jahr aus unserer Gemeinde schwere Opfer gefordert. Es sind nicht weniger als 10 Krieger aus Erkeln u. Beller gefallen. Auch Schwerverwundete und ein Gefangener u. ein Vermißter sind zu beklagen. Kriegsauszeichnungen, auch E.K.I, und Beförderungen zeugten von der Tapferkeit auch unserer Erkelner Krieger. Der von Pfarrer Detmar Schmitz stammende alte und schöne Barockkelch konnte neu vergoldet werden durch Cassenin Paderborn. Ein altes Goldbrokat Meßgewand (weiß) konnte nach Renovierung durch Kramer in Pad. wieder in Gebrauch genommen werden. Pater Bernh. Beyer, der vor 2 Jahren hier Exerzitien abhielt, rief die Frauen,Jungfrauen u. Männer u. Jungmänner zu relig. Einkehrtagen zusammen. Die Beteiligung war recht gut. Der Empfang der hl. Sakramente besonders erfreulich. Diese Gnadentage bildeten gleichzeitig die schönste Vorbereitung für das hochhl. Weihnachtsfest; sie dauerten vom 17. Dezember abends bis 21. Dez. morgens. Angenehm empfunden wurde auch das durchweg milde Wetter um diese Zeit im Gegensatz zu der furchtbaren Kälte im vorigen Jahr, 1943. Der Anfang des neuen Jahres brachte wieder eine Reihe Trauernachrichten aus dem Russischen Feldzug. Willy Pult, Joh.Göke, Joh. Werneke u. Franz Roßbach kurz hintereinander gefallen. Vom 26. - 28. März, hielt P. Bernhard (vergl.oben!) Einkehrtag für unsere Schulkinder,bes. für die Schulentlassenen. Sonntag 28. März feierliche Schulentlassung von 13 Kindern. In Paderborn starb 93jährig Lehrer i.R. Bieling, der von 1876 - 1911 (35 Jahre) hier Lehrer, Organist u. Küster war. Der zt.Pfarrer hielt hier am 15. April 1943 das Seelenamt für den Verstorbenen, der sich durch die Komposition einer neuen Melodie zum Tillmann'-schen Petri-Ketten-Lied "Wir wählen hl. Petrus dich.......° ein bleibendes Denkmal gesetzt hat. Damit soll freilich kein Urteil über die musikalisch künstlerische Form der Melodie gefällt sein. Im Mai wurde mit der Renovierung der Kapelle in Beller begonnen. Die Kirche soll zunächst zwei neue Seitenaltäre erhalten. Der alte Hochaltar soll nach Möglichkeit erhalten bleiben. Die Bildhauerarbeiten macht Herr Spalthoff, die Malerei Herr Cremer, beide in Paderborn. Die Gemeinde ist sehr opferwillig und will die Kosten durch freiwillige Spenden aufbringen. Der Pfarrer hat den zeitigen Seelsorger P.Weber SVD,Driburg, den Auftrag geben, sich mit den betr. Firmen ins Benehmen zu setzen u. die nötigen Schritte zu unternehmen.(Vergl.Archivakten Beller). Auf Veranlassung der Erzbisch.Behörde wurden für Rüstungszwecke ca. 18 Altarleuchter, Laternen,Schellen etc. aus Kupfer oder Messing, Blei abgegeben. Im Pfarrhaus Brakel war für hiesigen Bezirk eine Abgabestelle eingerichtet. Mögen mit den schönen Glocken nun auch diese Gegenstände, fürs Vaterland geopfert, ihm Heil u.Segen bringen. Auf Anordnung der Erzbisch.Behörde sollen die Kirchenbücher fotokopiert werden, damit sie vor Vernichtung bewahrt werden infolge der Kriegsereignisse. Das älteste Kirchenbuch (1644 - 1802) wurde bereits durch Firma Grösschen,Dortmund, verfilmt, und der Filmstreifen der hiesigen Lehrerin H. zum Verwahr gegeben. Nachdem die Kriegslage sich verschärft hat, werden hiesige Gebiete auch öfter bei Tag u. Nacht von feindlichen Flugzeugen überflogen. Manche Städte wie Berlin, Hannover, Osnabrück, Münster haben heftige Bombardements über sich ergehen lassen müssen. Auch die Stadt Essen wurde hart mitgenommen. Viele öffentl. Gebäude wie Kirchen, Krankenhäuser Schulen etc.... zerstört oder beschädigt. Ganze Wohnviertel mußten evakuiert werden. So bekam unser Dorf viel Zuzug aus den Industriestädten wie Bochum, Dortmund, Düsseldorf,Duisburg u. Essen; zunächst waren es viele Verwandte, dann auch amtlich Zugewiesene aus Essen. Zeitweise waren es bis 100 Personen, darunter 30 - 40 Schulkinder, aus Bochum 12 Kinder von der Caritas hier untergebracht. Daß in der Schule Platzmangel eintrat, ist nicht verwunderlich. Bei einem feindlichen Terror-Angriff auf die Stadt Münster ist der Gefreite Karl Hoppe von hier zu Tode gekommen. Er ist bis jetzt der einzige Soldat, der auf hiesigen Friedhof beigesetzt ist. Seine Kameraden aus M. waren zahlreich bei der Beerdigung zugegen, der Pfarrer hielt die Leichenrede. Am Abend des 22. Okt.1943 war unsere Gemeinde Zeuge eines seltenen Kriegsereignisses. Viele feindl. Flugzeuge -gewaltiges Surren der Motore- nahmen Kurs nach Richtung Kassel (Luftlinie 60 km). Gegen 1/2 9 Uhr nahm das Motorengeräusch noch zu. Alles eilte auf die Straße. (Wie gefährlich !) Unsere Fliegerstaffeln nahmen die rückfliegenden Terrorbomber in Empfang. Über dem Teufelsberg (Richtung !) entwickelte sich eine richtige Luftschlacht. Bald war der Horizont wie mit lauter Fackeln besetzt, rot-weiß. Die Scheinwerfer von Kassel tasteten den Himmel ab. Aufblitzen von Flak u. Mündungsfeuer in der Luft. Lichtraketen stiegen zum Himmel. Man sah sich fortbewegendes großes Licht, mal hier, mal dort, allüberall; plötzlich nahmen einige Lichter größeres Ausmaß, es waren brennende Flugzeuge. Jetzt wurde zum 1. x Alarm geläutet. Viele flüchteten in die Häuser. Dorf hell erleuchtet ! Man sah brennend abstürzende Bomber. Eines derselben nahm an drei Stellen lichterloh brennend Kurs auf Hembsen. Als es hinter Ottbergen abstürzte gab es vom Boden her ein hell aufleuchtendes Licht. Aus den brennenden Flugzeugen waren vielfach die Besatzungen mit Fallschirm abgesprungen . Beim Bahnübergang vor Brakel z.B. kam ein engl. Leutnant verwundet herunter. Im Poliz.Gefängnius in Brakel sollen gegen 20 Mann während der Nacht in Verwahr genommen sein.Bei diesem "schaurig-schönen" Erlebnis ist, Gott dank, in unserem Dorfe kein Schaden entstanden. Anstatt der ausländischen serbischen Arbeiter wurden jetzt 40 Russen eingesetzt. Ein schwerer Ast, der vom Kastanienbaum vor der alten Schule plötzlich abbrach, hätte beinah das Fuhrwerk Lüke-Borchers mit Insassen erschlagen. Wie durch ein Wunder errettet. Man kam mit dem Schrecken davon! Im Laufe des Sommers wurde auch die Petri-Kapelle - Marien-Kapelle - (Frischens Kapelle) neu eingerichtet. Es gelang dem Pfarrer, einen neuen Altartisch, Kerzenleuchterbank zwei farbige neue Fenster (Arche des Bundes-Pforte des Himmels) einen kleinen Kreuzweg, und besonders eine Krieger- Ehrung zu beschaffen.Die dem Kirchenmaler Weitzner in Pad. in Auftrag gegebene "Schutzmantel- Madonna" war zur Hälfte fertig, als der Künstler zum Militär einberufen wurde. Die alten Steinplatten im Innern konnten ersetzt werden mit echten Solnhofer Platten. Eine Kniebank wurde von 2 jungen Soldaten (Heinz Löneke u.Fritz Balke) um Gotteslohn angefertigt. Die Kosten wurden mit freiwilligen Spenden mühelos gedeckt. Möge durch dieses Muttergottes Kapellchen die Verehrung der Gottesmutter gefördert und das Andenken unsere gefallenen Helden wach erhalten werden. 1944. Am 1.Januar dieses Jahres starb der frühere Pfarrer von Bruchhausen Pfarrer i.R. Hagemann im Alter von 74 Jahren. Pfr. Hagemann lebte hier seit 2 Jahren in seinem elterlichen Hause im Ruhestand. Er ist an der Seite Pfrs.Fecke auf dem hiesigen Friedhof beerdigt. R.i.p. Die Zahl der Erstkommunikanten u. Schulentlassenen war in diesem Jahr wegen der evakuierten Kinder größer als frühere Jahre. Vielfach waren die Eltern eigens aus der Industrie zu dieser Feier herüber gekommen. Die Kapelle in Beller am Kirchenpatronatsfest St. Joseph im neuen Schmucke da. Dank der Opferwilligkeit der Gemeinde Beller konnte innerhalb eines Jahres die Kirche ausgemalt, zwei Altäre, der Hochaltar und 6 neue Glasfenster beschafft werden. Kom.-Bank und Kanzel sollen später folgen. Im Monat Juni feierten die Eheleute Wilh.Zimmermann hierselbst ihr 50jähriges Ehe-Jubiläum. Der Pfarrer überbrachte die Glückwünsche und ein Bild vom H.H. Erzbischof. Die kriegerischen Ereignisse haben an Schärfe zugenommen. Am 15. Oktober mußte des Sonntags das Hochamt unterbrochen werden. Zwei feindl. Flugzeuge machten einen Angriff auf die Bahnstrecke Hembsen-Brakel und kamen in rasendem Fluge ganz tief über unsere Kirche dahingebraust. Kurz darauf wurde eine Bombe geworfen kurz vor dem Bahngeleise nach Hembsen. Von dem Luftdruck flog eine Kirchentür auf, was etwas Unruhe verursachte. Nach einer längeren Pause - Schulkinder u. Frauen wurden nach Hause entlassen !- wurde das Hochamt still fortgesetzt. Seit diesem Ereignis wird am Sonntag öfter erst die hl. Messe vollendet, und dann Verkündigung u. Predigt vorgenommen. Unsere Gemeinde bekam weiteren Zuwachs von 65 Evakuierten aus Aachen und ca. 30 aus Recklinghausen. Für 4 Wochen kam Militär bei uns ins Quartier. Es waren Teile einer Sanitätskompanie, die vom Einsatz in Frankreich nach hier in Ruhe kam. Es waren darunter 3 Priestersoldaten, die hier morgens zelebrierten. Am 1.Oktober dieses Jahres wurde der hiesige Pfarrer vom H.H. Erzbischof zum Dechanten des Dekanates Brakel ernannt. Seit 1941 führte er schon vertretungsweise die Amtsgeschäfte desselben. Seit 1939 Definitor! Am 15. Dez. hielt H.Domvikar Dr. Schulte aus Pad. an 3 folgenden Tagen in der Kirche religiöse Vorträge über das Thema: "Des Glaubens Trost in schwerster Zeit !" Fleißige Beteiligung der ganzen Gemeinde ! Die Kapelle in Beller erhielt zu Weihnachten die neue Kommunionbank und die beiden Altarfiguren Petrus und Paulus. Damit hat dies Gotteshaus ein ganz neues Aussehen erlangt. Es ist eine prächtige Dorfkirche geworden dank dem Opfersinn der kl. Gemeinde. 1945. Die Kriegsereignisse im Westen ziehen auch unsere Gemeinde immer mehr ins Kriegsgeschehen hinein. Tägliche gewaltige Überflüge amerik. u. englischer Feindflugzeuge, Bombergeschwader. Tiefflieger beschießen oft Bahnanlagen, Eisenbahnzüge, sogar Personenzüge. Viele Verwundete u. Tote. Ein Militärzug, Urlauber, bei Papens Bahnwärterhaus zum Halten gezwungen, viele Soldaten tot oder verwundet. Altenbekener Viadukt zerstört, Bahnhof Brakel desgleichen, in Ottbergen 80 Tote im Bunker. Am 13. März kommen aus Richtung Tietelsen 1700 ausländische Fremdarbeiter; Polen,Russen,Serben,Italiener, Franzosen, Belgier,Holländer. In Duisburg hatten diese Leute durch Bomben ihre Arbeitsplätze verloren, mußten nun wandern gen Osten. In 9 Scheunen untergebracht für 14 Tage mit Verpflegung. Arme Menschen, hungrig und zerlumpt. Rückten wieder ab, ehe die Amerikaner hier waren, sonst wehe uns ! Seit Januar 45 immer neue deutsche Flüchtlinge, 4 kath Ordensschwestern aus Köln-Jülich hier im Pfarrhaus untergebracht (1 ganzes Jahr !). Dann kamen ca. 50 Flüchtlinge aus Wesel u. Umgebung, Mütter mit Kindern. Am 27. März 1945 unser schönes Paderborn durch feindl. Bombengeschwader ganz zerstört. Dom, fast alle Kirchen, Anstalten wie Leokonvikt, Priesterseminar nur Schutthaufen.Traurig Am 1. April immer näher Kanonendonner. Amerikanische Panzer bei Borgholz, wollen zur Weser ! Hier große Erregung. Es zeigen sich deutsche Soldaten (SS), besetzen die Höhe. In Peckelsheim, Lütgeneder u. Eissen schwere Kämpfe, die Ortschaften schwer zerstört. Am Nachmittag des 5. April erste amerik.Panzer vor Brakel. In der Nacht zum 6. April sind sie in Erkeln. Vor dem Hause Ridder greifen 3 deutsche SS Soldaten mit der Panzerfaust einen amerik. Panzer an. Das hatte zur Folge, daß die Nachbarhäuser vom Feinde durchsucht wurden mitten in der Nacht. Auch in der Pastorat erschienen nachts um ½ 3 Uhr 5 baumlange Kanadier und suchten deutsche Soldaten. Dabei ließen sie eine Damenuhr u. Taschenlampe mitgehen. In manchen Häusern haben sich die Ausländer rüpelhaft benommen, mutwillig Schlösser erbrochen, Lederkoffer mit Messer offengeschnitten. Andere waren nobel und anständig gutmütig ! Es waren halt Kampftruppen.!! Dann mußten einige Häuser geräumt werden für Besatzung. Mehrzahl zieht weiter zur Weser ! In den Tagen zum 8. u. 11. April wird ein grausiger Fund gemacht von einem hiesigen Bauern. Am Rande des Waldes im Teufelsberg findet man 14 erschossene deutsche Soldaten, ohne Waffen, anscheinend als Gefangene erschossen vom Feind !!!!! Ein paar SS u. jüngere und ältere Männer ! Traurig ! Wir haben unsere tapferen Jungens ehrfurchtsvoll begraben im Sammelgrab auf hiesigem Friedhof. Die Jugend brachte Blumensträuße. Manches "Vater unser" wurde für sie gebetet. Erschüttert über des Vaterlandes Unglück gingen alle nach Haus. Mitten in den Kriegsunruhen des April gingen trotzdem 23 Kinder zur 1.hl.Kommunion. Ungestörte Feier ! Amerik. Soldaten fotographierten vom Fenster aus die Prozession zur Kirche. Amerik. Geistlicher kniet nach der Erstkommunionfeier in unserer Kirche und betet den Rosenkranz. Amerik. Besatzung nur gering an Zahl und sehr anständig. Es darf wieder geläutet werden. Ausgang für alle nur von 8 - 8 Uhr. Der Pfarrer bekommt Ausweis für unbeschränkten Ausgang. Auch einige Russen, die krank geworden, sind noch hier geblieben mit einem russischen Arzt. Unsere Mütter kochen für diese Armen ! Die Wege liegen noch voller Munition von Freund und Feind. 2 Jungen in Beller verunglückten beim Probieren. Mit alten Benzinkanistern Kinder gespielt, verbrannt. Für zurückgebliebene Ausländer muß in Brakel in den Geschäften Zeug u.Wäsche verkauft werden. In Driburg u.Höxter von Ausländern Lager u. Läden geplündert, bis Amerikaner wieder mit Masch.-Gewehren Ordnung schaffen. In hiesiger Mühle amerik. Besatzung 1 Offiz. U. 25 Mann. Doch schneller Wechsel ! Waffen u. Fotos müssen abgegeben werden! Dann werden Kühe u.Schweine requiriert für das Lager der Polen u.Russen in Brakel; Butter u. Eier. Dazu Kleidung u. Anzüge, Polstermöbel etc.... wird geholt für die Fremden u. die Besatzung. Schwarze Besatzungstruppen fahren durch den Ort, durchweg feine Menschen ! Stets freundlich u. lächelnd, beschenken die Kinder mit Schokolade. Kirchengemeinde wird Rechtsnachfolgerin des NSV-Kindergartens. Am 23. April 1945 der kath.Kindergarten von unseren Ordensschwestern eröffnet und feierlich das Kruzifix wieder aufgehängt, das die Nazi-Leiterin weggenommen hatte. Am 30. April wurde von den Amerikanern der neue Bürgermeister Bauer Ludwig Willeke ernannt. Backhaus war Pg. Die Landstraßen werden immer mehr belebt von Rückwanderern in die Heimat.Besonders die Evakuierten aus Köln- Aachen-Essen kehren heim. Mit Fahrrädern u. kl. Handwagen transportieren sie ihre kl.Habe. Von den Zwangsverschleppten wird noch viel geplündert. Allein liegende Höfe bei Brakel, Warburg,Lippstadt alle Nächte überfallen, ganz ausgeräubert. In Bosseborn wurde Bauer Henneke (Schwiegersohn der Ww. Barkhausen) von Russen bei der Plünderung erschossen. Die in der Brede lagernden Polen stehlen ebenfalls alles, was möglich ist. Allmählich kommen auch Kriegsgefangene deutsche Soldaten in die Heimat zurück. Manche von ihnen haben vieles zu leiden gehabt, Hunger u. Krankheit. Helle Freude daheim ! 31.Mai Fronleichnam, bei herrlichstem Wetter feierliche Prozession in alter Weise, mit Fahnen u. Farben. Wunderbarer Schmuck in allen Straßen. Freude, daß endlich die Nazi-Fesseln gefallen sind. 4. Juli kommt aus Lünen die Nachricht, daß unsere 2 Glocken, die für Kriegszwecke abgegeben werden mußten, noch in Lünen lagern. Schnell entschlossen sollen sie geholt werden. Aber leider, als wir ankommen, sind gerade alle 1900 Glocken auf dem Hüttenplatz in L. vom Engländer beschlagnahmt worden, schade ! Also Geduld ! Schulen seit Kriegsende immer noch geschlossen. Keine Lehrer bestätigt ohne Prüfung. Eine evangel. Flüchtlingslehrerin wird zuerst angestellt, dann Hauptl. Meyer Unsere Ordensschwestern kehren am 25. Okt. Nach Köln zurück Am Mittwoch, den 5.Nov.1945 kamen 3 Vinzensschwestern aus Paderborn, um deren Arbeiten, so Gott will, für immer fortzusetzen. Eine Schwester (Oberin) für Krankenpflege, eine für Kindergarten, eine für Nähschule. Wohnung zunächst 2 Zimmer im Hause Hoischen (Küche u. Refekter) 2 Zimmer in "Alte Schule" Schlafzimmer. Nähschule am 15. Nov. Im Jugendheim eröffnet. 5 Nähmaschinen von den Schülerinnen zur Verfügung gestellt. Allmählich sind alle Lehrpersonen bestätigt. Der Pfarrer hat sich für sie eingesetzt durch schriftliche Eingaben an die Milit.-Regierung. Kleidung, kompl. Anzüge für Männer u. Frauen, Wolldecken 110 Stück, 4 Küchenherde aus den Häusern geholt; vorher Sofas u. Klubsessel. Im Dezember müssen Millionen Deutsche in Schlesien u. Polen ihre Heimat verlassen. Alles verloren, ausgeplündert, kamen auch 20 Mann nach hier. Für die so entstandene große Not wurden 2 Karitassammlungen, Winterhilfe durchgeführt. Außer Kleidung etc. Wurden über 7000 RM gesammelt.Erfreuliches Ergebnis ! Für unsere deutschen Kriegsgefangenen in Lagern b.Pad. wurden 160 Liebespakete fertig gemacht. 46 Päckchen blieben hier für die Ostsoldaten, die nicht heim können. Gleichzeitig an alle Bedürftigten RM 1200,- verteilt. Alle Tage kommen Heimkehrer zurück ! Viele erzählen Gutes, manche Trauriges. Immerhin fehlen noch fast 50 Krieger, große Zahl ! 1946 Der Winter bisher noch gelinde. Das ist gut, denn Brennmaterial ist knapp, jeder Haushalt soll nur 3 rm Holz erhalten nach Anordnung der Militär.Regierung. Aber aus Not holen die Leute sich selbst aus dem Walde ohne bes. Erlaubnis. Dann setzte ein orkanartiger Sturm ein, entwurzelte ungezählte Bäume. Im Februar gibt es große Überschwemmung im ganzen Nethegau ! Hier stand das Wasser bis zur Wirtschaft Wulf, Hof Heinr. Backhaus, im Viehstall bei Bauer Johlen. Die ganzen Kämpe verlieren ihre Riegelpfosten. Die Nethebrücke wird an einer Seite unterspült, hängt nur noch. In Lügde sind an einem Tage 300 Stück Kühe im Wasser ertrunken, so schnell ist das Wasser gestiegen. In den Kreis Höxter kommen 10.000 Flüchtlinge aus Polen u. Schlesien und Ostpreußen. Am 15.Mai kommt in Brakel ein Flüchtlingszug mit 1.500 Vertriebenen an, meist aus Bez. Waldenburg u. Lauban. In Erkeln bleiben erst 40 Personen, in Beller 21 Menschen, davon im ganzen 22 kath. Da die meisten bettelarm ankommen, springt die Caritas ein. Es werden mit gutem Erfolg Kleidungsstücke, Hausrat u. Lebensmittel gesammelt. Es werden Bettstellen, Öfen und Kochherde u. Schränke besorgt. Die Unterbringung in den Häusern war nicht bei allen leicht. Manche haben kein Verständnis für solche Not. Darum müssen manchmal Zimmer einfach beschlagnahmt werden von der Behörde. Durch den Flüchtlingsstrom nach Westfalen wird die Lebensmittelversorgung sehr erschwert. Die tägl. Brotration wird um die Hälfte gekürzt. (Monatlich 5000 gr. Statt 10000) Es droht Hungersnot !Das Dorf überlaufen von Bettlern und Hamsterern. Meistens will man gegen Lebensmittel, Lederartikel, Spinnstoffe, technische Dinge eintauschen. Man bettelt um 4 - 5 Kartoffeln. Sehr viel wird gestohlen. Vieh wird auf den Wiesen abgeschlachtet und ausgemolken. Sogar die Mühle in Erkeln ist zeitweilig ohne Mehl. Bei Ridder sieht man "Schlangenstehen" wegen Brot. Dazu kommt die Knappheit an Kohlen u. Holz. Erkeln muß in Rheder Holz hauen, unerhört ! Ständig gehen Leute mit Tauschwaren von Haus zu Haus. Eine deutsche Zigarette wird mit 5 RM, eine englische Zig. Mit 7 RM gehandelt !!! Im Juli ist die neue Schwesternwohnung (altes Jugendheim) bezugsfertig geworden. Die Hauptunkosten hat dafür die polit. Gemeinde getragen. Der Pfarrer hat die neue Wohnung eingesegnet und dabei Ansprache gehalten. Wieder kommen neue Flüchtlinge 90 Personen, meist evangelisch. Ihre Betreuung macht allmählich große Schwierigkeiten. Überfluß ist wohl kaum noch in hiesigen Familien, da sie bereitwillig zu den Caritas-Sammlungen beigesteuert haben. Die Eheleute Jos. Kurtz feierten ihre 50jährige Jubelhochzeit, auch der Amtsdirektor aus Brakel war zur Gratulation erschienen. Vereinzelt kommen auch jetzt Kriegsgefangene aus Rußland, aber noch viele fehlen, manche haben noch kein Lebenszeichen von sich gegeben zur großen Sorge ihrer Angehörigen. 3 Todesnachrichten über bisher Vermißte kamen an. Freitag, 19. Sept. wurden in Beller zwei neue Glocken eingeweiht, geliefert von Junker,Brilon. Der Pfarrer unter Assistenz des P. Pähler SVD Driburg, der das Tritnum aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Kapellengemeinde abhielt, nahm die Zeremonien der Segnungen vor. Das Jubiläum selbst wurde am Sonntag kirchlich und außerkirchlich im Hause Kronenberg feierlich begangen. Sonntag, 22. Nov. Veranstaltete die Pfarrcaritas eine Feierstunde im Saale Wulf, die glänzend besucht war von der ganzen Gemeinde bes. auch von den Flüchtlingen. Gedichte, gemischte Lieder, dramatische Szenen von den Jungfrauen dargeboten. Eine Sammlung ergab die schöne Summe von RM 400,- Vom 4. - 8. Dez. hielt der P.Frisse SVD aus Driburg ein Männer Tritnum. Besuch hätte besser sein können. Um den Flüchtlingen u. Evakuierten eine Weihnachtsfreude machen zu können wurde wieder eine Caritas-Sammlung durchgeführt. Hausrat Kleidung, Spielzeug wurden zusammengetragen von den Jungfrauen mit gutem Erfolg. Die Jünglinge eiferten mit einander in der Herstellung u. Reparatur von Spielzeugen für die Kinder. Mehl, Fett, Zucker, Eier u. Syrup wurde gespendet, um Weihnachtsgebäck für die Flüchtlinge herzustellen. So konnte in der Weihnachtsfeier von Sonntag vor Weihnachten im Saale Wulf allen Notleidenden eine kleine Weihnachtsfreude gemacht werden. Über 60 Familien und ca. 20 Ostsoldaten erhielten je eine große Tüte mit Gebäck u. manche noch schöne Geschenke, dazu wurden insgesamt 1200 RM an die Notleidenden verteilt. Ein Dankschreiben der Ostflüchtlinge gab der Freude darüber Ausdruck, Neue Evakuierte aus Lüdenscheid, von belgischer Besatzung vertrieben, kommen an, Erkeln und Beller jetzt insgesamt 350 Fremde 1947 Anfang des Jahres starke Kälte ! Mangel an Holz und Kohle. Elektr. Stromsperren wegen Kohlenmangel. Ganze Betriebe liegen still. Ende Januar konnte an die Flüchtlinge eine Caritasspende verteilt werden. Schmalz Bohnen, Zucker u. Conserven aus USA., dazu Milch- u. Fleischkonserven. Es löste große Freude aus. Kälte hält immer noch . Tiefer Schnee ! Die Kirche ohne Heizung läuft Wasser an den Wänden herunter. Die schöne Malerei wird gewiß großen Schaden erleiden Ende Februar wurden 3 alte Kastanien abgehauen auf dem Kirchplatz nach Westen. Diese waren wiederholt durch Sturm sehr mitgenommen, Krone heraus gebrochen, bildeten große Gefahren für die Kirchgänger. Dienten nun als Ofenholz für Kirche. Eine Papstspende ging ein ! Fett, Conserven etc... Konnte an über 60 Familien verteilt werden. Dazu Kleidung u. 6 Paar Schuhe. In der Industrie immer größere Hungersnot, daher die Streiks der Zechen u. Fabriken. Täglich ziehen Leute von Haus zu Haus, bieten Gebrauchsgegenstände an gegen Lebensmittel, Tauschgeschäfte. 6 Pfd. Fett für 1 Paar Schuhe. In Geld bezahlt u. gefordert für 1 Paar Schuhe RM 750,-. Zigarette 1 Stck.5-7RM. Das freudigste Ereignis dieses Jahres war sicher die Heimholung unserer 2 Glocken, die für Kriegszwecke in das Hüttenwerk Lünen zwangsweise 1939 abgeliefert werden mußten. Am 2. Juni hat Herr Joseph Roßbach mit 2 Begleitern mit Motorwagen die Glocken abgeholt. Am 3.Juni, abends 11 Uhr kam der Wagen mit der kostbaren Last hier an.. Im Nu war das ganze Dorf auf den Beinen, Kinder sprangen aus den Betten, alten Leuten standen Freudentränen in den Augen, die Jungmannschaft ruhte nicht eher, bis die Glocken noch in die Kirche geschafft waren. Gegen ½ 1 Uhr nachts war es geschafft. Am Tag vor Fronleichnam wurden die Glocken von kundigen Männern wie Franz Giefers, Stellmacher, - Anton Rampe, Schmied,- Engelbert Zimmermann, Maurerpolier, auf den Turm gezogen u. aufgehängt. Um 8 Uhr abends läuteten die 3 Glocken seit 5 Jahren wieder das 1. Mal. Welche Freude überall, alles stand und lauschte, wenn das Geläut erklang. Auch die Flüchtlinge aus Schlesien waren entzückt über das prächtige klangvolle Werk. Und wie feierlich war die schöne Fronleichnamsprozession begleitet von unseren weittragenden Glocken. Möge nie wieder ein männermordender Krieg diesen kostbaren Schatz uns vom Turm holen. Das war unser Gebet ! Am 8. Sept. 1947 waren es 200 Jahre, daß der Erbauer unserer Kirche Hermann Detmar Schmitz in Erkeln verstorben ist. Aus diesem Anlaß gedachte der Pfarrer in der hl. Messe in einer Predigt dieses großen Wohltäters unserer Gemeinde. Am 15. September wurde der Umbau der Pfarrhaus-Scheune begonnen. Es soll ein Pfarrheim entstehen, das vor allem der Jugend des Ortes dienen soll. Im Beisein des Bürgermeisters Ludwig Willeke, des Pfarrers Goebel, des Unternehmers Ferd. Meyer wurde der Grundstein gelegt. Die Freitreppe war am 20. Sept. fertig gestellt. Erst nach Weihnachten wird wohl der Umbau zu Ende gehen. Es gibt noch manche Schwierigkeit zu überwinden. Infolge der lang anhaltenden Dürre in den Sommermonaten war der Ernteertrag bedeutend geringer als Jahr davor. Daher alle Tage Scharen von Hamsterern im Dorfe. In ein par Monaten sind hier 13 größere Lebensmittel-Sammlungen für Caritas-Anstalten gehalten worden, Krankenhäuser, Altersheime, Waisenhäuser u.s.w. Zuletzt noch für die Dombauhütte. Unsere Leute taten durchweg ihr Möglichstes. 1948. Ste. Petre protege gregem et patronem ! Erkeln in vis. can. die 5 m. Ami 1948. Laurentius, Archiepiscopus Paderbornensis. Ein gelinder Winter, Lebensmittelnot hält noch an. Unser neues Pfarrheim erhält Innen-Einrichtung, Tische, Stühle, Bilder etc... Schon können diesen Winter die Heimatabende gehalten werden. Öfen machen es gemütlich. Schützenbruderschaft neu errichtet, seit 1709 bestehend, jetzt wieder kirchlich. Als erster Brudermeister (Oberst) wird Peter Willeke gewählt. Caritas hat wieder Kleidung und Baby-Wäsche verteilt, drei Säuglingskörbe komplett bereit, bes. Flüchtlingsmütter. Rest nach Caritasverband Pad. Das größte Ereignis war die Firmung und der Besuch unseres Erzbischofs, er wohnte 3 Tage im Pfarrhaus. Am 5.Mai (Tag vor Himmelfahrt) war Firmung. 125 Firmlinge aus Erkeln u. Beller. Alles prächtig im Dorf geschmückt Via triumpfolis von Loog bis Pfarrhaus .Kinder sperrten dem Erzbischof den Weg, er mußte das Auto verlassen und mit der jubelnden Kinderschar "seinen" Weg gehen. Der Höhepunkt war die Einweihung des Pfarrheimes durch den Erzbischof am 6. Mai, Himmelfahrtsabend. Ganze Gemeinde versammelt, Jugend mit Fackeln, Schützen bildeten Spalier. Gesang "Lobt froh den Herrn". 2 Festprologe v. Grete Willeke u. Elis. Kröger. Dann Ansprache des Erzbischofs, Freude u. Wunsch, daß es immer fleißig besucht werde bes. v.d.Jugend. Nach dem Rituale eingesegnet, Licht von brennenden Pechfackeln der Jugend. Nach einem Schlußwort des Pastors wird "Großer Gott..." gesungen, ein dreifaches "Hoch " auf den Erzbischof beschließt die Feierstunde4. Dann wollen alle das Pfarrheim, das festlich geschmückt war, besichtigen. Man freut sich des neuen Heimes. 6.Juni 1. Bruderschafts-Schützenfest in kirchl. Rahmen. Königskrönung in der Kirche vor dem Altar. Am 20. Juni neue Währung, o weh ! Die Kirchengelder 62.000 RM nur noch 6.200 DM. Auf einmal wieder alles zu kaufen, Läden wieder voll von Waren. Aber alles sehr teuer. Zigarren bis 1,- DM das Stück, Zigaretten bis 30 Pfg. Schuhe 40 - 50 DM, Anzug bis 200 DM. Wer kann das kaufen ! Am Christ-Königsfest 31. Okt. Verpflichtung von 130 Jugendlichen für den "Bund kath.Jugend". Mannes- u. Frauenjugend. Jeder erhält das kl. Silberkränzchen, ein neues Christusbanner (schwarz-gelb) prangt auf dem Chor jetzt neben dem Marienbanner. Im Pfarrheim war Feierstunde mit Gesang, Ansprache, Film u. Musik, Klavier u. Geige. "Christkönig ganz durch die Jahrhunderte". Für Allerseelen wurde eine neue Tumbe beschafft, die bei Sterbeämtern aufgestellt werden soll. Ein alter Brauch wieder neu belebt. Vidi. Erkeln 20.XII.49 Schulte, Dech. 1949. Im Januar das "Sebastiansfest" der Schützenbruderschaft in üblicher Weise. Die Spielschar des Bundes kath. Jugend spielte 3x das Festspiel "Rosa v. Tannenburg" für gemischte Bühne, musikalische Einlagen, Reigen, Chor, in den Pausen mit Geige und Klavier. Februar feierte Herr. P. Goeng in Beller sein 50jähriges Priesterjubiläum. Eine Münchener Spielgruppe führte in der Kirche das Mysterienspiel "Hl. Messe" mit Erfolg auf, gut besucht. In Paderborn der große Diözesantag der Schützenbruderschaften , 10.000 Mitglieder aus Diözese, von hier 30 . 40 Mann. Die Siedlungsfrage wird hier akut. Kirche stellt 3 Morgen Land zur Verfügung. Neuwahl des Kirchenvorstandes. Dekanatsfrauenjugendwallfahrt nach Kleinenberg. Katholikentag in Bochum im September, 30 - 40 Männer u. Frauen u. Jugend per Rad u. Eisenbahn. Im Pfarrheim eine Radio- Übertragung, Ansprache des Hl. Vaters, Gelegenheit wurde gern wahrgenommen. Mütter gingen nach Werl wallfahren, 2 Autobusse 62 Mütter u. Frauen. Größtes Ereignis des Jahres unsere Volksmission, letzte war 1939. Gehalten von den Patres Redemeyer Sovisten Pater Georg Brauer u. P. Anton Kronz, in Beller von P. Gerhard Gotteralt, vom 16. -30. Oktober. Vom Sonntag den 16, Oktober bis Mittwoch für die Kinder, dann Anfang für die Erwachsenen bis zum 30. Oktober. Feierlicher Schluß mit Segnung des Missionskreuzes. Der Eifer der Gläubigen war groß, schon der Rosenkranz als Vorbereitung sah eine volle Kirche. Bei der 1. Morgenpredigt um ¼ vor 6 sah man schon viele junge Leute, die früh zur Arbeit mußten. Die Abendpredigten besonders stark besucht. Möge die Mission lang dauernden Segen stiften ! Unsere Pfarrgemeinde übernahm die Patenschaft für das Diasporadekanant Egeln bes. Gemeinde Langenweddigen b. Magdeburg. Lebensmittelsammlungen hatten guten Erfolg. Die erste brachte 25 schwere Pakete a 13 Pfd., eine ganze Reihe Kilopakete. Das neue Gesangbuch konnte mit einer verbilligten Ausgabe von Bigge, Preis 4,50 ca. 200 Stück gut u. schnell eingeführt werden. 1950. Das Hl. Jahr wird mit feierlichem Glockengeläut eingeläutet. Eröffnung der Hl. Pforte. Radio Vatikan übertrug die Feierlichkeiten. Theo Funnekötter vom Männerwerk der Erzdiözese hielt im Pfarrheim 3 Vortragsabende mit interessanten, aktuellen Aussprachen, gut besucht. 12. Februar das Festspiel Genovefa von Spielschar des Bundes kath. Jugend, 3x aufge führt, guter Erfolg ! In Brakel Pfarrheim große Jahresversammlung der histor. Schützenbruderschaften für die Kreise Höxter u. Warburg. Fast 300 Vertreter anwesend aus den einzelnen Gemeinden, Generalpräses Dr. Louis, Köln, Diözesanpräses Studienrat Schilling, Lippstadt, u. Direktor Körner hielten neben dem Kreispräses u. Diözesanbeauftragten Dechant Goebel wichtige Referate. Der hiesige Oberst Peter Willeke wurde zum Brudermeister für Kreis Höxter ernannt. Am 2.Ostertage feierte der hiesige Pfarrer unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde sein 40jähriges Priesterjubiläum. Im feierlichen Levitenamt hielt Herr Pfarrer (Dekan) Phomann. Rheder, die eindrucksvolle Festpredigt. Die Glückwünsche der Gemeinde u. der Behörden wurden in einer Feierstunde nach dem Festamt in Ansprachen, Gedichten u. Lieder des gemischten Chores überbracht. In dem geschmückten Pfarrheim waren die von der Gemeinde für die Kirche aus diesem Anlaß geschenkten Paramente, Weiß u. Rosa-Meßgewänder , Altardecke, Alben, 6 moderne Messingleuchter u.a. ausgestellt. Die Pfarrkinder hatten sichtlich selbst viel Freude an dem neuen Kirchen- u. Altarschmuck. Im Mai wurde das Licht aus dem Altenberger Dom, der Staffettenläufer bis Brakel gebracht , auch von unserer Mannesjugend per Rad u. mit Fackelbegleitung eingeholt und bis zur Lichtfeier des Abends in der Marienkapelle aufbewahrt, in Prozession abends zur Kirche getragen wo eine feierliche Maiandacht von der gesamten Jugend veranstaltet wurde. Libori fuhr ein Autobus mit Männern u. Jungmännern nach Paderborn. Gute Beteiligung. Petri-Ketten feierliches Levitenamt, bei dem erstmalig die neu beschafften Gewänder und Geräte nebst Altarfahnen die Feier verschönten. Von der Rompilgerfahrt berichteten in der Generalversammlung der Mütter im Saale Pott Herr Pfarrer Wächter aus Rheder mit schönen Lichtbildern. Später anfangs Dezember rief Herr Rektor Lüke aus Brakel die ganze Gemeinde in den Saal Wulf, wo er vor den zahlreich Versammelten interessant u. spannend über seine Erlebnisse auf der Romfahrt zu plaudern verstand. Reicher Beifall dankte den beiden Rednern. Der Pfarrer konnte leider an vielen Veranstaltungen wegen Krankheit schon seit Monaten nur für kurze Zeit teilnehmen. 1951. Anfang des Jahres war in Brakel eine Tagung des Dekanats Katholiken Ausschusses. Wegen Krankheit hatte der Dechant Herrn Dr. Hengsbach aus Paderborn zum Vortrag u. zur Leitung der Versammlung im Pfarrheim zu Brakel gebeten. Die gut besuchte Versammlung war auch vom Kathol. Ausschuß in Erkeln u. Beller beschickt. Am 15. Februar nahmen die 3 Vinzenzschwestern aus Paderborn, die seit 1945 in der Krankenpflege, Kindergarten u. Nähschule hier so segensreich gewirkt haben, von der Gemeinde Abschied. Alle Bemühungen des Pfarrers diese Schwesternstation für die Pfarrgemeinde zu erhalten, waren erfolglos. Nachwuchs-Mangel, der katastrophale Ausfall an Kräften durch Tod u. Arbeitsunfähigkeit erhöhten die Not des Mutterhauses in Pad. Der Pfarrer hob in einer Abschiedspredigt die segensreiche Wirksamkeit der Schwestern hervor, besonders der Schw. Oberin Heladia, die volle 6 Jahre hier tätig war und dankte im Namen der ganzen Gemeinde, bes. der Kranken, Hilfsbedürftigen, der Kinder u. heranwachsenden Jugend. Vor der Wohnung versammelten sich dann am Reisetag die Schuljugend mit den Lehrpersonen um in Lied u. Gedicht den Dank u. die Segenswünsche aller den ehrw. Schwestern auf den Weg mitzugeben. Allgemein bedauerten die Pfarrkinder das Scheiden der Barmherzigen Schwestern Heladia, Aucharis u. Veremunda. Der Pfarrer versprach alles zu tun, um die Station zu erhalten. Ordensschwestern kommen nicht mehr in frage, da alle Klöster absagten. Caritasdirektor Dr. Dietrich versprach, wenigstens eine Caritas-Schwester für uns frei zu geben. Am 1. April hat dann Caritaschwester Magdalene Hecken ihre Tätigkeit als Gemeindeschwester aufgenommen. Wir hoffen auf eine lange gesegnete Tätigkeit. Am 4, März begannen die Gnadentage der Missions-Erneuerung, die vom H.H.P. Girlich S.V.D. abgehalten wurde. 2 Predigten, morgens, abends, die Hauptpredigt. Gemeinde beteiligte sich gut. Fleißiger Sakramentenempfang. Passions Sonntag war feierlicher Schluß mit Generalkommunion der ganzen Gemeinde. Mögen diese Tage beigetragen haben, den Glaubensgeist und Bekanntnistreue in den Herzen aller Pfarrkinder fester zu verankern. Das Missionskreuz draußen möge Erinnerungs- u. Mahnmal sein ! Die Krankheit des Pfarrers verschlimmerte sich. Er mußte monatelang aussetzen. Aushilfe war unzureichend. Ein Cooperator konnte nicht angestellt werden, wegen des katastrophalen Priestermangels. Da ein wichtiger Teil der Seelsorgearbeit, Religionsunterricht für die Schuljugend, Betreuung der schulentlassenen Jugend in Glaubensstunde u. Heimabenden, dazu die Amtsgeschäfte als Dechant nicht mehr die rechte Erledigung finden konnte, glaubte der Pfarrer den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof bitten zu müssen, ihn vom Pfarr- u. Dechantsamt zu entbinden. Das geschah am 28. Februar. Als Cooperator wurde H.H.P. Emmanuel Fick O.S.D. aus der Abtei Beuron ernannt. Am 1. Juni 1951 trat der Pfarrer in den Ruhestand, er bliebt im 2. Stock des Pfarrhauses wohnen. Zu seinem Nachfolger wurde Herr Pfarrvikar Herm. Aufenanger in Holsen ernannt. Gott segne den Hirten u. die Herde ! Ad multos annos ! Erkeln, 1. Juni 1951 Bernhard Goebel, Ehrendechant u. Pfarrer i.R. Vidi in vis datione. 12.XII.52 Schneider "Ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden". (Philipperbrief 3,10) Primizspruch des Pfarrers Herm. Aufenanger. Eingeklebter Zeitungsausschnitt mit Bild "Feierliche Einführung des neuen Seelsorgers durch Dechant Schneider in Erkeln". Lebenslauf. Ich, Hermann Josef Aufenanger, bin geboren zu Willegassen, Pfarrei Peckelsheim, Kreis Warburg, am 7.1.1901. Mein Vater war dort Lehrer. Von seinen 4 Söhnen und 4 Töchtern ließ er 6 Kinder studieren: 2 Priester, 2 Lehrpersonen und 2 Akademiker. Meine eigentliche Heimat ist Schweckhausen, Pfarrei Peckelsheim, wohin mein Vater bereits am 7.4.1901 verzog. In unserm Elternhause herrschte eine sehr strenge Erziehung und Sparsamkeit, worauf seine Erziehungserfolge gründen. Von Ostern 1911 bis Ostern 1914 besuchte ich ausser der Volksschule die Privatstunden des hochverdienten Herrn Kaplans Gustav Schrage in Peckelsheim, der zu der Zeit 7 Privatschüler hatte. Einmal hat damals mein Vater bis 24 Uhr 30 mit mir ausgehalten, bis ich zu den Aufgaben für die Volksschule auch die für die Privatstunden fertig hatte. Von Ostern 1914 bis Ostern 1920 besuchte ich das Gymnasium zu Warburg. Es waren Jahre furchtbarer Hungersnot, die meiner Gesundheit sehr zugesetzt haben. Die geistlichen Studienräte Ferdinand Höhler, aus Schweckhausen gebürtig, und Eberhard Mündelein waren mir sehr gute Vorbilder für das Priestertum. Der jetzige Domprobst Josef Brockmann, als Konviktspräses in Warburg festigte den noch sehr schwachen Entschluß zum Priestertum. Von Ostern 1920 bis Herbst 1926 studierte ich in Paderborn und ein Semester in Freiburg im Breisgau. Sehr viel zu verdanken habe ich den Professoren Bartmann, Peters, Feldmann, Romano Guardini und der Jugendbewegung, dem Quickborn insbesondere. Vom Tage meiner Priesterweihe an, 8.8.1926, war ich 3 Jahre 8 Monate Vikar in Esbeck, 6 Jahre in Altenbeken, 6 ½ Jahre in Stassfurt und 8 ¾ Jahre in Holsen Kreis Büren. Am 1,7,1951 wurde ich feierlich in Erkeln eingeführt. Letzte Tage Dechant Goebels. Herr Dechant Bernhard Goebel blieb noch einige Monate oben in der Pastorat wohnen. Er hat hier sehr fleißig und vielseitig gearbeitet, besonders hat er auch eifrig gebaut. Er folgte einer Einladung und zog nach Dortmund-Dorstfeld, ins Altersheim St. Antonius, am 1.10.1952 starb, nachdem er an demselben Tage noch unbedingt die Hl. Messe feiern wollte und in seiner Schwäche zum 2. Male vom Altar herunterstieg, um in seiner Verwirrung noch einmal das Staffelgebet zu beginnen. Introibo ad altare Dei. Unsere Gemeinde fuhr mit einem Omnibus, mit etwa 50 Vertretern zu seiner sehr feierlichen Beerdigung auf dem Probsteifriedhof Gelsenkirchen. Es folgt ein Zeitungsausschnitt vom 6.10.1952 (eingeklebt) "Zum Gedenken an Dechant i.R. Goebel", und ein Totenzettel. Volkstanz. Zur Hebung des Niveaus der Feste wurde ein Volkstanzkreis gegründet. Der Bürener Volkstanzkreis führte den Volkstanz mit Volksliedern und Stegreifspielen abwechselnd, so ein,daß das ganze Dorf begeistert ist. Die Jugend lernte, ein schönes Fest ohne Rauchen und Alkohol, bei Tage, in schöner Gemeinsamkeit zu feiern. Am achttägigen Volkstanzkursus unter dem "Altmeister des deutschen Volkstanzes" Otto Ilmbrecht nahmen 64 Jugendliche teil, Ende November 1951 An den wöchentlichen Volkstanz-Übungsabenden nahmen niemals unter 40 Jugendliche teil. Jungmännermessedienst. Im Zusammenhange damit entstand der regelmäßige Jungmänner-Messedienst, an dem sich 16 Jungmänner beteiligten. Sonntag für Sonntag dienten sie jede Frühmesse und jedes Hochamt. 1 Vinzentinerin. Margarete Neitmann trat bei den Vinzentinerinnen zu Paderborn ein. Sie ist geboren am 7.11.1928 als Tochter des Maurers Franz Neitmann und der Elisabeth N. geb. Reitemeier Legion Mariens. Herr Pater Heinrich Aufenanger, S:V.D., Bruder des Pfarrers Hermann Aufenanger, kehrte nach 18 jähriger Tätigkeit in Neu-Guinea in die Heimat zurück und wurde an der Nethe- Brücke feierlich unter Ansprachen und Glockengeläute empfangen, am Sonntag vor Weihnachten. Ihm verdankt unsere Gemeinde unter anderem die Gründung der Legion Mariens im August 1952. | + Primiz. Am 10.8.1952 feierten wir die Primiz von Hochwürden, Herrn Walter Pott. Sein Vater war der Bruder des jetzigen Inhabers der Wirtschaft Pott und stammte aus Erkeln. Die erste Stelle des tüchtigen und dabei bescheidenen Primizianten ist eine Vertretung des für die Landvolkaktion eingesetzten Vikars Wilhelm Garg in Höxter. Es folgt ein eingeklebter Zeitungsausschnitt vom 10.8.1952 über die Primizfeier. Männermessdiener. Als Messdiener dienten bei der Primiz 1 Pfarrer, 1 Lehrer, 1 verheirateter Laie und 1 Jungmann. Damit waren die ersten drei Männermessdiener an den Erkelner Altar getreten. Nur einer davon war ein Erkelner, der Maurer Franz Kanand von der oberen Bache. Danach wurden zweimal Männermessdiener systematisch angeworben. Beidemale sagten etwa je 10 - 12 Männer zu, die Hälfte kam zum Übungsabend, je 2 traten danach wirklich den Männermessdienst an, sodaß es im ganzen 4 waren. Dann wurden von diesen 4, privat, noch 2 dazu geworben. Auf Wunsch der Männer wurde jetzt der Männer- und Jungmänner-Messdienst auch auf die Andacht ausgedehnt. Oben genannter Franz Kanand übernahm es, die Liste dieser Messdiener regelmäßig an der Kirchentür zu veröffentlichen Bei der Abständigkeit und abwartenden Haltung der heutigen Männerwelt, die sich besonders nach diesem Kriege zeigten, stieß, bei aller Freude der Gesamtgemeinde über diese Einrichtung, die Sache auch auf Widerstand. Einer sagte: "Man sollte einen Karabiner nehmen und Euch vom Altare wegschießen !" Diesen Ausspruch mag aber wohl ein Neiderfüllter getan haben. Legion Mariens .Die 3 Männermessdiener für die Primiz hatte der zeitige Pfarrer geworben, die weiteren warb die Legion Mariens an, die oben bereits erwähnt wurde. Der oben erwähnte Pater Aufenanger war im Kriege für 3 Jahre von Neu-Guinea zwangsweise nach Alburg in Australien evakuiert. In dieser Stadt von 15.000 Einwohner hat er 2 Praesidia der Legion Mariae geleitet und ist sehr davon begeistert. Als Pfarrer Aufenanger aber immer noch zögerte mit der Einberufung der Legion, sagte er: "Wenn Du die Legion nicht einführst, tust Du mir nicht mehr leid !" Das so tief religiöse und zugleich sehr praktische Handbuch der Legion Mariens tat das Übrige. Die Werbung vollzog sich ähnlich wie bei den Männermessdienern. Folgende Aufgaben hat die Legion ganz oder teilweise bereits erfüllt: Sie warb 6 Legionäre, 83 Hilfslegionäre, 6 Männermessdiener im Alter von 30 - 40 Jahren, 4 weitere Jungmänner-Messdiener im Alter von 25 - 30 Jahren, 5 Exerzitantinnen, 12 Freistellen für Diaspora- Erstkommunionkinder, darunter für 9 Jungen, viele Werktagsmessbesucher und Kommunikanten fürs Sonntagshochamt, deren es am Sonntag nach Allerheiligen 72 waren, von allen Altersstufen. Seitdem ist das Sonntagshochamt nie ohne Kommunikanten gewesen. Die Legion begann ihre katholische Aktion im August 1952. Am 24.11.1952 war die Gesandtin der Legion für Deutschland hier und gründete das Praesidium "Königin der Priester" offiziell. Zur Führung wurde als Praesidentin gewählt Caritasschwester Magdalene Hecken. Ende 1952 gehörte weiter zur Legion Mariens Franz Kanand und Heinrich Merswolke, beide Männermessdiener, Alois Löneke, Klara Reissmeier und Frl. Luise Hoischen. Volkstanz. Am 7.9.1952 feierte unser Volkstanzkreis ein gut geformtes Volkstanzfest mit etwa 500 Leuten, darunter eine Reihe geistlicher Herren. Es folgt ein eingeklebter Zeitungsausschnitt und verschiedene Fotos bezügl. des Volkstanzfestes. Im Zusammenhang mit dieser Jugendarbeit machte unsere Jugend manche Fortschritte, darunter auch aus Sympathie zu ihrem Seelsorger. Es sei erinnert an obengenannten Jungmännermessdienst. Ferner fastete die Jugend am Freitag vor dem Namenstage ihres Pfarrers, selbst solche Jungmänner, die an dem Freitag Holz fahren mussten. Krankenschwester. Caritas.Krankenschwester Magdalene Hecken wurde am 1.10.1952 von der Kirchengemeinde abgegeben und von der politischen Gemeinde übernommen, da es der Kirchengemeinde auf die Dauer unmöglich war, das Gehalt aufzubringen. Lehrer- Am 30.9.1952 war die Abschiedsfeier für Hauptlehrer Meyer. Er ist auch in den Tagen eines Hitler seinem Glauben treu geblieben und hat weiter Religions-Unterricht erteilt und Orgel gespielt. (Zeitungsausschnitt über die Abschiedsfeier für Hauptlehrer Meyer eingeklebt). Die beiden Lehrer Unterstein und Dierkes betätigen sich auch als Vorbeter und Vorleser in den Werktagsmessen. Fräulein Lehrerin Josefine Heinemann verwaltet treu und gut die Borromäusbibliothek. Hauptlehrer Meyer zieht nach Paderborn, Pestalozzistr. 7. 1953. Landjugendgruppe. Am 22.1.1953 wurde durch den Diözesanjugendführer Hans Werneke hier eine katholische Landjugendgruppe gegründet. Der Führer ist Bruno Johlen von hier, der zugleich Diözesanobmann für die Landjungend und neben anderem das jüngste Mitglied des Kreistages und Vorsitzender des Vereins ehemaliger Schüler der landwirtschaftlichen Schule Brakel ist. Durch seine Vermittlung sind schon verschiedene gut besuchte Fach- und allgemeinbildende Vorträge gehalten worden. Vortragende waren Lehrer und Lehrerinnen der Landwirtschaftsschule und der Kreisgeschäftsführer des Bauernverbandes. Letzterer hinterliess hier 30 schöne Liederbücher mit Noten, im Werte von 90,- DM. Man sieht, dass die Dorfjugend vom Stande her angesprochen werden kann. Triduum für Männer. Vom 29.1. - 1.2. wurde ein Triduum für Männer gehalten durch Herrn Pater Pauls aus Köln, von den Vätern vom Hl. Geiste. Die Männer machten gut mit. "Wir müssen unseren Katholizismus voranbringen auch in den Räumen der Welt, uns vereinigen mit dem gekreuzigten Auferstandenen". Privat äusserte der sehr tüchtige Herr Pater dem Pfarrer gegenüber: "Unsere Vereine treiben alle Inzucht. Nur 3 Sachen sind wirklich missionarisch: Das Kölner Männerwerk, die Christliche Arbeiterjugend und die Legion Mariens." Landvolktag. Am 11.2.1953 hielt Herr Vikar Garg von Höxter den Landvolktag in Erkeln und am 13.2. in Beller. Er redete vor den Erwachsenen 2 ½ Stunde lang in einem Stück, und die Leute hörten mit gespanntester Aufmerksamkeit zu. Sie haben wirklich mal gesehen, in welch grossen Gefahren das heutige Dorf schwebt, und wo sie ansetzen müssen. Im Saale Kukuk waren am Nachmittag um 15 Uhr etwa 110 Frauen und um 20 Uhr 130 Männer. Priester. In unseren Kirchenbüchern werden neben anderen folgende aus Erkeln gebürtige Priester erwähnt: 1. Bachs (Backhaus ?) Johannes Adam, geb.8. 2. 1713. Eltern: Stoffel Backhs. Und Anna Kath. Frische. 2. Behler, Friedrich Wilhelm, geb. 15.2.1720. Eltern: Heinrich Behler und Elsbein Backhaus. 3. Knoke Johann Hermann, getauft 6.1.1739. Eltern Johann Knoke und Anna Maria Lages. 4. Koering Gregor, geb. in Beller 13.9.1833, getauft 16.9.1833. Eltern: Ackermann Johann Koering und Giefers Elisabeth in Beller. In Amerika verstorben um 1890. Auf Vollständigkeit macht dieses Verzeichnis keinen Anspruch. Es folgt ein Foto mit der Eintragung "Weißer Sonntag 1952, 3 Männer, 8 Jungmänner. Lehrer. Herr Lehrer Franz Unterstein kam von hier an die Domschule zu Paderborn. Herr Lehrer Kaspersmeier aus Hembsen wurde Hauptlehrer in Erkeln. Pfarrer. Pfarrer Aufenanger hat aus Gesundheitsrücksichtigen zum 1. Juni 1953 auf die Pfarrstelle Erkeln verzichtet. Ernennung des neuen Pfarrers Heinrich Hülsmann 1. Juni 1953 Feierliche Einführung in Erkeln Sonntag, den 14. Juni 1953. (Anschließend eingeklebte Zeitungsausschnitte mit Bildern bezügl. der Einführungsfeierlichkeiten.) " Dem König mein Werk "! So steht es auf meinem Primizandenken - dieses Wort soll auch stehen über dem Beten und Arbeiten in Erkeln ! Lebenslauf des Pfarrers Heinrich Hülsmann. Geboren bin ich 7. September 1902 in Bochum. Nach dem Abitur 1923 in Attendorn studierte ich Theologie in Paderborn und Freiburg. 16. März 1929 zum Priester geweiht im Dom zu Paderborn vom Erzbischof Dr. Caspar Klein wurde ich Ostern 1929 Vikar in Halberstadt St. Katharinen. Nach den Vikarstellen in Verne und Westenholz, übernahm ich 1946 die total ausgebombte Pfarrei Witten St. Marien. Nach anstrengender Bautätigkeit ging ich vorübergehend in den Ruhestand 1. Januar 1952, Übernahme während dieser Zeit die Seelsorge in dem Sauerländer Dorf Schöndelt " Pfarrei Oestingen". 1. Juni 1953 übertrug mir der Hochwürdigste Erzbischof Dr. Lorenz Jäger die Pfarrgemeinde Erkeln - Hl. Petrus, bitte für uns ! Schützenfest 21./22. Juni. Der neue Pfarrer übernimmt das Amt des Schützenpräses. Als solcher hält er das Schützenhochamt und am zweiten Tage das Amt für die gefallenen Schützenbrüder. Nach dem Amt Gedenkfeier am Ehrenmal der Gefallenen mit Gedenkrede des Pfarrers. - Im Übrigen verlief das Fest in guter Harmonie. Patronatsfest - Petriketten - 26. Juli In althergebrachter Weise feireten wir das Patronatsfest Petri Ketten. Beim Levitenamt und bei der Prozession assistierten die beiden Driburger Patres Schoppmeier und Lorbach. Bei der Marienkapelle hielt der Pfarrer die Predigt über das Thema: Petrus in Krone und Ketten. Die Beteiligung und Haltung war gut. Einquartierung englischer Truppen - 15. - 29. August.. Anläßlich eines Manövers lag vom 15. - 29. August eine englische Trainabteilung in Erkeln. Die Truppen waren zurückhaltend, verkauften allerdings viel Zigaretten und Kaffee, um sich dafür Lebensmittel zu erstehen. Einige Engländer waren Sonntag, den 23. August im Hochamt. Sie gaben auch eine Spende bei der Kollekte. Neuer Weihbischof - 29. September. Der hl. Vater ernannte zum Weihbischof von Paderborn Prälat Dr. Franz Hengsbach an der Consecration im Paderborner Dom am Michaelsfeste nehmen wir innigen Anteil. Ad multos a Deo benediktos annosd ! Erntedankfest - 4.Oktober. Träger des Ernedankfestes war unsere Landjugend. Das Gotteshaus war mit Erntekrone und Erntegaben würdig geschmückt. In der Festandacht brachten Schulkinder die Gaben des Feldes zur Weihe an den Altar. Im Festzug erfreuten 5 Erntewagen sinnvoll von der Landjugend zusammengestellt die Gemeinde. Nachher war die Landjugend zusammen in Stunden der Freude bei Volkstanz, Lied und Spiel Firmung, 25. November. Der Herr segne Hirt u. Herde von Erkeln ! Am Tage der seligen Firmung, 25. Nov. 1953 # Franz Hengsbach, ...... Pad. Bei strahlendem Sonnenwetter zieht der neue Paderborner Weihbischof DR. Franz Hengsbach in Erkeln zur Firmung ein. Die Schützen begrüßten den Hochwürdigsten Herrn auf der Nethebrücke und begleiten ihn von dort durch die prächtig geschmückte Gemeinde bis zum Ehrenbogen bei Moenikes. Dort Grußwort aus Kindermund und aus dem Mund des Pfarrers. In der Kirche Pontifikal- Gemeinschaftsmesse -Predigt und Katechese des Weihbischofs über das Thema: Taufe - Firmung - Gotteskinder - Streiter Gottes. Anschließend empfingen 94 Firmlinge - darunter 5 Erwachsene - das Sakrament des Hl. Geistes. Nach der Feier geleiteten die Schützen, die Schulkinder, die Meßdiener und der Nachbarklerus den Hochwürdigsten Herrn zum Pfarrhaus. Dort Aussprache mit Lehrerschaft, Kirchenvorstand und Vereinsvorständen. Trotz des späten Herbstes war die Gemeinde herrlich geschmückt. Beim Abschied sagte der Weihbischof: "Ich möchte eigentlich ganz hier bleiben" - Hierbleiben - lebendig bleiben soll hier der Hl.Geist, den der Weihbischof uns gebracht, der Geist Gottes, der Schatz, der siebenfältig ziert ! (Einige Firmungs-Fotos eingeklebt). Im Jahre 1953: Taufen 24, davon 3 außerhalb Trauungen 10, davon 3 außerhalb Todesfälle 8, davon 1 Kind. 1954. Januar. Neuwahl bei den Schützenbrüdern . Am 10. Januar wählten die Schützenbrüder den neuen Vorstand. Neuer Schützenoberst wurde Anton Lüke. Dem scheidenden Oberst Peter Willeke wurde der Dank der Schützenbruderschaft ausgesprochen. Der Präses hielt an dem Abend einen Vortrag: "Die Verantwortung des Schützenbundes im Reiche Gottes". Bei der Generalkommunion am Sebastiansfeste waren die Schützenbrüder gut angetreten. Februar. Diasporakinder in Erkeln. Am 3. Februar kamen 16 Kinder aus der Diasporagemeinde Delmenhorst in Oldenburg. Sie bleiben bis zum 12. Mai. Sie nehmen teil am Erstkommunionunterricht und gehen hier Weißen Sonntag zur ersten hl. Kommunion. März. Schulentlassenen. Am 21. März begingen wir die kirchliche Schulentlassungsfeier. Entlassen wurde der 8. Und der 9. Jahrgang. Jugendarbeit. In den Heimabenden und Versammlungen der Pfarrjugend wurden im Winter 1953/54 die Themen behandelt 1) Kirche - 2) Ehe und Familie. Kirchplatz. Die südliche Hälfte des Kirchplatzes bekommt ein neues Gesicht. Die Jugend hilft beim Umgraben und Säubern des Platzes. Es werden Blumenbeete gemacht und neues Buschwerk angelegt. April. Osterliturgie Die Osterliturgie - Feuer - Taufwasserweihe und I. Hochamt - hielten wir Karsamstag abend 21 Uhr Die Feier muß sein I. Ostertag in der Frühe. Dann kämen auch die Männer Weißer Sonntag.. Am 25. April gingen 27 Kinder zum erstenmal zum Tisch des Herrn - 11 Kinder aus der Pfarrgemeinde Erkeln und 16 Kinder aus der Diasporagemeinde Delmenhorst in Oldenburg. Die 16 Diasporakinder waren in Erkelner Familien untergebracht. Mai. Feierliche Eröffnung d.Maiandacht .Silbernes Priesterjubiläum des Pfarrers. Am 1. Mai eröffneten wir in einer feierlichen Andacht das Marienlob im Maienmonat. Diese Feierstunde war zugleich Einleitung und Vorbereitung zum Silbernen Priesterjubiläum des Pfarrers Heinrich Hülsmann - geweiht 16. März 1929. - Die Predigt am Vorbereitungsabend hielt Pater Superior Fiene S.D.S. Sennelager über das Thema: "Maria und der Priester". Sonntag, den 2. Mai hielten wir die äußere Feier des Priesterjubiläums. Die ganze Gemeinde nahm freudigst teil an dieser Feier. Beim Festhochamt war Presbyterass. Dechant Schneider Brakel, es ministrierten als Diakon Vikar Schemut Herne und als Subdiakon Rel.-Lehrer Poggel, Paderborn, beide frühere Vikare des Jubilars in Witten, St. Marien. Die Festpredigt hielt Herr Generalvikar Dr. Tuschen, Paderborn, über das Thema "Priester und das Kreuz". (Eingeklebt folgen jetzt Zeitungsausschnitte und Fotos von den Feierlichkeiten mit entspr. Anmerkungen zu den einzelnen Fotos). Licht v. Lourdes - 19.Mai -. Das Licht von Lourdes getragen über Altenberg holten wir am 19. Mai von Brakel durch Fackelträger. Am Abend Lichtfeier in der Kirche unter großer Beteiligung der Gemeinde, vor allen der Jugend. "Laß Deine Lichter hell und gut an allen Straßen brennen". Juni Schützenfest 7. und 8. Juni. In diesem Jahre feierte die Schützenbruderschaft ihr Fest am II. Und III. Pfingsttag. Die Beteiligung am Schützenhochamt, sowie am Hochamt für die gefallenen Krieger der Schützenbruderschaft war gut. Das Fest verlief harmonisch. Fronleichnamsprozession - 17, Juni. Die Prozession nahm den hergebrachten weg. Das Dorf hatte Festschmuck angelegt. Wallfahrt der Frauen und Mütter nach Verne - 28.Juni. 117 Frauen und Mütter wallfahrten heute zum Gnadenort Verne bei Salzkotten. Wir fuhren mit drei Omnibussen. Auf der Fahrt wechselten Gebet und Lied. In Verne Pilgermesse und Predigt. - Am Nachmittag fuhren wir über Bielefeld - dort Besichtigung der Oetkerwerke - und Detmold mit Hermannsdenkmal - Externsteine wieder heim. Der Tag war für unsere mit Arbeit überlasteten Mütter Entspannen für Seele und Leib. 1. Juli - Katholikentag des Nethegaues in Brakel. Am 11. Juli hielten die Katholiken des Dekanates Brakel, darüber hinaus die Glaubensbrüder des Nethegaues, in Brakel einen großen Katholikentag. Den ganzen Tag goß es in Strömen vom Himmel. Trotzdem starke Beteiligung - auch von Erkeln. Das Levitenamt am morgen feierte H.H. Generalvikar Dr. Tuschen, Paderborn. Die Predigt hielt der Herr Generalvikar. Er predigte über "Ehe und Familie" - Der ganze Tag stand unter diesem Thema. 11 - 13 Uhr waren drei Arbeitskreise 1) Pfarrausschüße u. Dekanatsausschuß, 2) Ehe und Familie, 3) Landvolkfragen. In der großen Kundgebung 15 Uhr in der Brakeler Stadthalle sprachen Bundesminister für Familienfragen Dr. Wuermeling über : "Wir schützen die Familie" und Frau Dr. Med. Pannhoff, Ahlen, über "Ehe und Familie in der Gegenwart". Zwei gewaltige Reden ! - Möge von diesem großen Katholikentag in dem Nethegau neues Leben einströmen ! - 1. Juli Petri Ketten. Sonntag, den 25. Juli feierten wir in altehrwürdiger Weise das Patronatsfest. Die Beteiligung war gut. 12.September Großwallfahrt nach Dalhausen. Mehrere Dekanate hielten am 12. September Großwallfahrt in Dalhausen. Die Pilger von Erkeln gingen in der Frühe in Prozession zum Gnadenort.Am Nachmittag kam ein großer Teil Pilger nach mit Omnibus. Die Predigt in Dalhausen hielt Weihbischof Dr. Hengsbach. 1. Oktober Erntedankfest. In diesem Jahr haben wir das Erntedankfest größer aufgezogen. 10 Uhr Festhochamt, 13,30 Uhr Dankandacht mit Weihe des neuen Banners der Landjugend, 15 Uhr Traktorensegnen vor der Kirche, anschließend Festzug und Feierstunde im Saale Kukuk mit Festansprache des Herrn Rektor Brüggemann, Paderborn. (Hierzu eingeklebt, Zeitungsausschnitte und Fotos) 1. November Film "Die Glocken von Nagasaki". P.Konrad aus Driburg zeigte am 10. November dreimal den großen Missionsfilm "Die Glocken von Nagasaki" Der Film hinterließ einen tiefen Eindruck. 1. November Diasporasonntag. Den diesjährigen Diasporasonntag hielt Vikar Goethe aus Lage. 1. November Elisabethfeier der Frauen und Mütter. Nach der Andacht versammelten sich die Frauen und Mütter im Kindergarten zu einer Elisabethfeier. Nach einem Vortrag des Präses über "Das Leben der hl. Elisabeth" verblieben die Frauen und Mütter bei Kaffee, Lied und Spiel noch frohe Stunden. 21. November Einweihung des neuen Kriegerehrenmales. Sonntag, den 21. November erhielt das neue Kriegerehrenmal die kirchliche Weihe. Die Feier vor dem Ehrenmal war würdig und ergreifend. (Hierzu eingeklebte Zeitungsausschnitte und Fotos). Vidi in visit. 6.XII.1954 Schneider, Dech. Abschluß des Marianischen Jahres - 10.12. Am Sonntag nach Immaculata - 10. Dezember - begingen wir in einer besonderen Feierstunde den Schluß des Marianischen Jahres. Die Gemeinde war zahlreich angetreten. Statistik des Jahres 1954. Taufen: 11, davon 1 auswärts Trauungen: 12, davon 9 auswärts Beerdigungen: 15 Hl.Kommunionen: 16.000 1954 war die Zahl der Särge größer als die Zahl der Wiegen. Abtrennung der Filialgemeinde Beller nach Hembsen. Am Ende des Jahres sei auf ein besonderes Ereignis hingewiesen: Am 9. Juli 1954 dekretierte der Erzbischof von Paderborn: Die Filialgemeinde Beller wird aus der Gemeinde Erkeln ausgepfarrt und der Pfarrgemeinde Hembsen eingegliedert. Der Abpfarrung gingen Verhandlungen des Kirchenvorstandes und des Kapellenvorstandes Beller mit der Erzbischöflichen Behörde voraus. Die Trennung wurde aus seelsorglichen Gründen vollzogen. Beller liegt zu Fuß 6 Minuten von Hembsen, 30 Minuten von Erkeln entfernt. Praktisch kamen die Berlleraner nach Erkeln nur zur Taufe und Beerdigung - abgesehen von Einzelgängern - 5 - 8 Mann - zu Fronleichnam, Petri Ketten und Ewige Anbetung - ein unnatürlicher Zustand In einem Abschiedsgottesdienst des Pfarrers von Erkeln übergab in Beller der Pfarrer von Erkeln dem Pfarrer von Hembsen - Pfarrer Paul Schneider - den Tabernakelschlüssel. - Die Umpfarrung gilt als laut Urkunde vollzogen: 1. August 1954 Die Pfarrei Erkeln zählt nach der Abpfarrung Bellers 798 Katholiken. 1955. Januar. Hausweihe. Im Januar hielten wir Hausweihe. Die Einteilung in neun Bezirke hat sich gut bewährt. Die Opfergaben - 675,- DM - waren für den neuen elektrischen Nummernanzeiger. Pfarrausschuß. 18. Januar hielten wir Pfarrausschußsitzung. Zum Pfarrausschuß gehören je ein Vertreter aus den Standesvereinen, eine Lehrperson, ein Vertreter des Kirchenvorstandes, der Bürgermeister, die Caritasschwester. Der Pfarrer ist Beirat. Der Vorsitzende ist ein Laie, gewählt ist der Vorsitzende der Landjugend: Bruno Johlen. Aufgestellt wurde nach guter Aussprache der Jahresplan des Pfarrlebens. Ziel ist die Koordinierung der Kräfte, Ausgleich bei Spannungen, Harmonie in Pfarrei und Gemeinde. Nähkursus. Im Januar und Februar läuft seitens des Frauen- und Müttervereins ein gut besuchter Nähkursus. Februar. Elektr. Liedanzeiger. Der neue elektrische Liedanzeiger wird eingebaut. Derselbe wurde geliefert von der Fa. Lütkefend, Paderborn. Säuglingskursus. Durch den Mütterverein ist ein Säuglingskursus eingerichtet. Durch den ; Kursus gehen 24 Teilnehmerinnen. März. Religiöse Woche. Vom 13. - 21. März hatten wir eine religiöse Woche. Gehalten wurde die Woche von Jesuitenpater Johannes Westerbarkey, Büren. Am Sonntag waren 5 Predigten, werktags morgens und abends. Die Beteiligung war gut, am Schluß starker Andrang zur Kommunionbank. Thema der Woche: "Kann Erkeln noch Heimat sein "? - Die Antwort lautete: Ja - wenn die Kirche Herzmitte des Dorfes bleibt ! April. Osterfeier. Auf dem Osterberg hatte die Landjugend alles vorbereitet zu einem würdigen Osterfeuer. Die ganze Gemeinde war bei der Feier. Feuersprüche und Feuerlieder hörten wir von den Landjugend. Durch diese neue Art sollten alle Auswüchse beseitigt werden. Es ist gelungen. Möge es so bleiben ! Ostervigilfeier. Die Ostervigilfeier hielten wir Karsamstag abend. Der Besuch war mittelmäßig bis gut. Weißer Sonntag. 3 Knaben und 4 Mädchen gingen zu ersten Mal zum Tisch des Herrn Mai. Bittprozessionen. In diesem Jahr konnten wir alle drei Bittprozessionen halten. Am zweiten Tag gingen wir nicht nach Beller - da Beller jetzt zu Hembsen gehört - sondern nach Wittrocks Kreuz. Fahrt nach Altenberg. 21./22. Mai fuhren wir mit 40 Jungmädchen nach Altenberg. Am 1. Tag morgens hl.Messe in Hardehausen, wir fuhren weiter über Fredeburg, Kloster Grafschaft nach Schöndelt, Pfarrei Oedingen. Dort Maiandacht, Maiabend mit dem Dorf, übernachten. Sonntag in der Frühe hl. Opfer, dann Abfahrt nach Köln, Besuch des Kölner Domes und des Funkhauses, von Köln Fahrt über Altenberg - Besuch des Domes und des Altenberghauses - Wuppertal mit Zoo-Besuch, Hagen, Soest, Paderborn, Erkeln. Eine frohe Fahrt ! Schützenfest. 30./31. Mai Schützenfest nach alter Sitte. Das Erkelner Schützenfest 1955 wurde von der Diözesan- Filmstelle gefilmt. Eine Kopie des Filmes liegt für spätere Zeiten beim Bürgermeister. Schützenkönig war Engelbert Zimmermann, Schützenkönigin Frau Erna Backhaus. Die Beteiligung an den Gottesdiensten war gut. Juni. Fronleichnam u. Ewige Anbetung. Am Fronleichnamstag konnten wir bei günstigem Wetter Prozession halten. Am Sonntag hielten wir in der Oktav des Fronleichnamsfestes Ewige Anbetung. Dieselbe war in diesem Jahr verlegt vom 17. April - Weißer Sonntag - auf den Samstag nach Fronleichnam. 25./26. Fahrt der Landjugend. Die Landjugend Erkeln zwei Tage auf Fahrt durchs Sauerland. Hauptpunkte der Fahrt: Hardehausen, dort hl. Messe, anschließend Kaffee; Meschede Besichtigung der Hoeschwerke; Fredeburg, Schmallenberg, Kloster Grafschaft, Bilstein, Attendorn - Übernachtung in Ennest bei Attendorn - . Sonntag, 26.6. Fahrt zur Wallfahrtskapelle Waldenburg, dort Gemeinschaftsmesse, anschließend Besichtigung der Attenhöhle, Sorpetalsperre, Arnsberg, Paderborn, Erkeln. Solch eine Fahrt bildet und formt Gemeinschaft ! Juli. Petri Ketten. Am 24. Juli feierten wir in hergebrachter Weise das Patronatsfest "Petri Ketten". In diesem Jahre erhielt das Fest eine besondere Note durch die Teilnahme des früheren Pfarrkindes Pater Johannes Fleckner S.V.D. Pater Fleckner hat in Erkeln Primiz gefeiert und kam vor einigen Wochen zurück aus der Mission in China. Pater Fleckner war aus Rot.China ausgewiesen. In seiner Festpredigt über die Kirche schilderte Pater Fleckner ergreifend von der Verfolgung der Kirche im Osten. August. Lourdesfahrt. 12. - 19. August machte der Pfarrer von Erkeln - als Leiter des Diözesanpilgerzuges - mit 5 Pfarrkindern eine Pilgerfahrt nach Lourdes. Wir trugen die Anliegen der Gemeinde Erkeln in Lourdes der Gottesmutter vor. September. Neuwahl des Kirchenvorstandes. Am 11. September war Neuwahl des Kirchenvorstandes. Ergebnis: Bernhard Gehlen, Josef Moenikes, Eduard Welling, Heinrich Backhaus, Hermann Saken, Franz Kanand - Straße nach Beller -. Als Ersatzmitglieder Bruno Johlen und Franz Kanand, obere Bache. Oktober. Erntedankfest. Im Gotteshaus hielten wir eine Feierstunde zum Erntedankfest. Die äußere Feier war in diesem Jahr gemeinsam mit den anderen Gemeinden des Kreises Höxter in Brakel. Dort sprach der Bundeskurat der katholischen Landjugend Wissing. Die Teilnahme war gut. November. Diasporasonntag. Am 13. November hielt Pfarrer Trinn aus Lage in Lippe den diesjährigen Diasporasonntag. Bei der Kollekte erhielt er für den Bonifatiusverein 235,- DM Vidi in vis. 24.11.55 Schneider, Dechant. Ländliches Seminar. 28. November Beginn des ländlichen Seminars in Brakel. Aus Erkeln nahmen 9 Jugendliche teil. Dezember. Feierstunde der Frauen und Mütter. Am 4. Dezember hielten im Kindergarten die Frauen und Mütter eine Adventsfeierstunde bei Kaffee, Lied und Spiel. Die Jungmädchen erfreuten mit dem Spiel "Eva-;Maria". Paketaktion für die Patengemeinde Langenweddigen. Im Dezember wurden 50 Pakete in unsere Patengemeinde Langenweddigen geschickt. Die Jungmädchen schickten 7 Pakete mit selbstgefertigten Stricksachen für die Kinder der Patengemeinde. Vor Absendung hielten die Jungmädchen eine gut besuchte Ausstellung der Sachen ab. Statistik. 17 Taufen, davon 1 außerhalb 10 Trauungen, davon 4 außerhalb 13 Sterbefälle, davon 3 Kinder, 1 Ortsfremder 1 Kirchenaustritt ausgeteilt wurden 18.000 hl. Kommunionen. Deo gratias ! 1956. Januar Sebastiansfest. Zum Sebastiansfest: Wie in früheren Jahren Festhochamt der Schützenbrüder mit Generalkommunion. Die Schützenbrüder waren gut angetreten. Am Abend Sebastians-Ball im Saale Kukuk. Februar. P. Brockmöller. 23. Februar hielt P. Brockmöller S.J. auf der Brede in Brakel einen Vortrag: "Christentum am Morgen des Atomzreitalters" . Der Vortrag war von Erkeln aus gut besucht. März. Romfahrt. Zum 80. Geburtstages des Papstes Pius XII. - 2. März - veranstaltete die Erzdiözese Paderborn eine Romfahrt. 256 Pilger fuhren im Sonderzug nach Rom. Der geistliche Leiter dieses Diözesanpilgerzuges war der Pfarrer von Erkeln. Er durfte die Glückwünsche des Erzbischofs und der Diözese überbringen. Reliquien des hl.Papstes Pius X u.der hl.Maria Goretti in Erkeln. Von dieser Romfahrt brachte der Pfarrer für Erkeln mit Reliquien des hl. Papstes Pius X. und der hl. Maria Goretti. Die Urkunden liegen im Archiv. 29. März - Gründonnerstag - übertrugen wir feierlich die Reliquien des hl. Papstes Pius X. in die Pfarrkirche Karfreitag. Auf Grund der neuen liturgischen Anordnungen zum ersten Mal die Karfreitagsliturgie nachmittags 15 Uhr mit Austeilen der hl. Kommunion. Es kommunizierten 50 Gläubige Ostern. Die Ostervigilfeier hielten wir Karsamstag 20 Uhr. April. Osterfeuer. Am II. Ostertag Feierstunde am Osterfeuer. Die Feier gestaltete die Landjugend. Weißer Sonntag. 4 Jungen und 4 Mädchen gingen zum 1. Mal zum Tisch des Herrn. Mai. Neue Orgel. Am 13. Mai spielte zum letzten Mal die alte Orgel. Laut Gutachten hat die alte Orgel Vierenfraß und Bleizucker. Die Gemeinde begrüßt den Bau einer neuen Orgel. Beim Abbruch helfen Männer und Jungmänner tatkräftig. Die neue Orgel ist nach Genehmigung der Erzbischöflichen Behörde zum Bau übergeben der Orgelbauanstalt Anton Feith, Paderborn. Der Preis beträgt 26.900,- DM. Die neue Orgel erhält 18 Register. Paderborn gab als Beihilfe 3.000,- DM. Die übrigen Gelder wollen die Gemeindemitglieder opfern. Jeder erklärte sich bereit, 1 % des Einheitswertes zu zahlen. Die Lohnempfänger im gleichen Verhältnis. Alle erklärten sich bereit, in 4 Raten ihre Summe im Laufe des Jahres zu zahlen. Die neue Orgel soll am Vorabend der 1100 Jahr-Feier - 16.Juni - weingeweiht werden. Rheinfahrt der Jungmädchen. 12.,13. U. 14 Mai waren wir mit 40 Jungmädchen auf Fahrt. I. Tag, Fahrt mit Bus nach Fulda, am Grabe des hl. Bonifatius Aufnahme der neuen Mitglieder. Übernachten in der Jugendherberge Gelnhausen., II. Tag. Fahrt nach Mainz. Gemeinschaftsmesse in der Domkrypta. Fahrt nach Bingen, von Bingen bis Koblenz Dampferfahrt auf dem Rhein. Von Koblenz Weiterfahrt nach Herdorf a.d.Sieg. Dort Gemeinschaftsabend mit der Pfarrgemeinde bei Lied und Spiel. III. Tag. Herdorf, Limburg, Marburg, Erkeln. Wallfahrt der Frauen und Mütter. 17. Mai machten die Frauen und Mütter eine Wallfahrt nach Werl. In Werl hl. Messe mit Predigt, Betstunde. Weiterfahrt über das Felsenmeer und Hagen nach Haspe mit Besichtigen der Brandts-Zwieback und Kekswerke. Dann Beieinanderbleiben mit den Frauen und Müttern in Witten St. Marien, Heimfahrt. Fronleichnam. Bei gutem Wetter hielten wir die Fronleichnamsprozession. Die Predigt hielt Pater Mohn aus Rom. Am Abend hielt P. Mohn einen Buntbildervortrag über Rom und Italien. Juni 1100 Jahrfeier der Gemeinde Erkeln. 16.,17. U. 18. Juni große Tage für die Gemeinde Erkeln. Erkeln 1100 Jahre alt. Werden des Gemeinde- Lebens in der Gemeinde siehe Festschrift. 16. Juni: Am Abend als Einstimmen Weihe der neuen Orgel. Die Weihe nahm vor Herr Prälat Generalvikar Dr. Tuschen, Paderborn. Beim Einbau der Orgel haben alle tatkräftig geholfen. Abgenommen wurde die Orgel vom Herrn Domorganist Alfred Schürmann, Paderborn. Das Gutachten liegt in den Akten. Bei der Weihefeier spielte die Orgel Herr Domorganist Schürmann, Paderborn. - 20 Uhr Heimatabend. 1. Juni : Zum ersten Mal in Erkeln Pontificalamt. Mit seinem Besuch beehrte uns unser Hochwürdigste Herr Erzbischof Dr. Lorenz Jäger. Groß war unsere Freude beim Empfang zum Pontificalamt und der Festpredigt des Erzbischofs. Nach dem Pontificalamt freute sich Exzellenz an dem Ständchen der Jungmädchen und an den Volkstänzen unserer Landjugend, sowie an dem plötzlich improvisierten Ständchen der Jäger. Am Nachmittag Festzug und Festfeier mit Festspiel Alles Nähere siehe Bericht. 2. J uni: Gottesdienst für die Gefallenen, Gedenkfeier für die Gefallenen an der Kriegerehrung. Am Nachmittag wiederholen des Festspieles, Ausklang. Von dem Großen und Schönen dieser Tage künden die folgenden Berichte und Bilder. (Zeitungsausschnitte, Fotos usw.) Juni. Peter u. Paul. Neues Petruslied Zum Fest Peter und Paul haben wir das neue Petruslied eingeübt. Der Text des alten Liedes sprach nicht mehr an. Der neue Text schließt sich der Liturgie des Festes Petri Ketten an. Die Gläubigen erhielten den Text des neuen Liedes auf dem diesjährigen Osterkommunionandenken. Die Melodie blieb die alte. Der Text - von der Erzbischöflichen Behörde genehmigt - wurde von der Gemeinde gut aufgenommen. Juli. Film von der 1100 Jahrfeier. Die Diözesanfilmstelle zeigte am 15. Juli 3 mal den von ihr hier gedrehten Film von der 1100 Jahrfeier. Der Film ist von der politischen Gemeinde angekauft worden. 1. Juli - Petri-Ketten. Das Patronatsfest feierten wir in gewohnter Weise. Levitenamt und Prozession. Die Anteilnahme von auswärts war diesesmal nicht so groß, da die gebürtigen auswärts wohnenden Erkelner noch vor kurzem zur 1100 Jahrfeier hier waren. August. Orgelrate. Im August zahlten alle wie ausgemacht die nächste Rate für die Orgel. September. 77. Katholikentag, Köln. Zum 77. Deutschen Katholikentag Köln fuhr ein Sonderzug Höxter-Köln mit 1200 Teilnehmern. Die geistige Leitung dieses Tages hatte der Pfarrer von Erkeln. Aus unserer Gemeinde fuhren 35 Personen mit. 23.Sept. Fahrt der Schützenbrüder in den Harz. Sonntag, den 23. September, fuhren die Schützenbrüder in den Harz. Stationen: Gandersheim, Goslar, Bad Harzburg, Claustal-Zellerfeld, Osterode, Beverungen. Die Fahrt verlief in voller Harmonie. 25.Sept. Wallfahrt der älteren Frauen und Mütter. Am 25. September fuhren 45 ältere Frauen und Mütter mit Bus nach Dalhausen, dort Predigt und Andacht. Anschließend fuhren wir noch durch den Solling mit Ausklang in Neuhaus. 30. September - Erntedankfest -. Wir feierten Erntedank im feierlich geschmückten Gotteshaus in Festhochamt und in der Feierstunde am Nachmittag. Danach Feier mit Lied und Volkstanz im Saale Kukuk. Am Abend Tanz für alle. Oktober. Fahrt der Landjugend. Die Landjugend machte dieselbe Fahrt wie die Schützenbrüder am 23. September. Am Abend Ausklang im Bergschlößchen zu Beverungen. Am 23. Oktober ernannte Erzbischof Dr. Lorenz Jäger den Erkelner Pastor zum Pfarrer in Lippstadt, St. Nicolai. November. Pfarrer von Erkeln wird Pfarrer in Lippstadt, Nicolai. Mein letzter Sonntag in Erkeln. 18. November Kirchweihfest. Ich bete zum Abschied die Worte Jeremia 1,7: "Gehe nur, wohin ich Dich sende, fürchte Dich nicht, ich bin ja bei Dir"!. Mein Wunsch für Erkeln das Gebet: "Der Herr sei und bleibe bei Dir - beim Hirten und der Herde - immerdar "! 1. Heinrich Hülsmann, Pfarrer. 1957. Ernennung des neuen Pfarrers Bernhard Knoche am 21. November 1956. Feierliche Einführung in Erkeln am 13. Januar 1957. (Hierzu große Zeitungsbildberichterstattung eingeklebt.) "Ad majoram gloriam Die" so schrieb ich es 1936 auf mein Primizandenken. Dieses Wort soll auch über meinem Wirken in der Pfarrei Erkeln stehen. Lebenslauf des Pfarrers Bernhard Knoche. Am 27. August 1909 in Werpe Kr. Meschede (Sauerland) geboren, machte ich 1930 mein Abitur am Gymnasium Attendorn, studierte dann Theologie in Paderborn und Innsbruck. Am 28.3.1936 wurde ich im hohen Dom zu Paderborn zum Priester geweiht von Erzbischof Dr. Kaspar Klein. Meine erste Stelle erhielt ich in Ovenhausen Kr. Hlöxter. Von dort wurde ich 1941 als Marinesoldat eingezogen. Oktober 1941 wurde ich zum Marinekriegspfarrer ernannt und war bis zur Kapitulation (8.Mai 1945) beim kom. Admiral Atlantikküste in Nantes als Wehrmachtspfarrer tätig. Mai 1945 kam ich in der Festung St. Nasaire in Gefangenschaft, blieb dann bis 28. November 1948 als Gefangenenpfarrer in Nantes u. St.Nasaire. Am 1. Januar 1949 übernahm ich 4 Monate die Aushilfsstelle in Höxter. Am 1.Mai 1949 erhielt ich die Pfarrvikarstelle in Hovestadt Kr. Soest. Am 21. November 1956 übertrug mir der Hochwürdigste Herr Erzbischof Dr. Lorenz Jäger die Pfarrstelle in Erkeln. Möge St. Petrus mein Wirken und Arbeiten segnen ! Sebastian 20.1.1957. Gleich am ersten Sonntag übernimmt der neue Pfarrer sein Amt als Schützenpräses auf dem traditionellen Sebastiansball im Saale Kukuk, nachdem er morgens das Amt für die Leb. U.++ Schützenbrüder gefeiert hat. Das Fest verlief harmonisch. Hausweihe 29.1.57. Die Hausweihe, die sonst in der Weihnachtswoche stattfand, wird nachgeholt. Der neue Pfarrer verbindet mit der Hausweihe die Hausbesuche, für jede Familie etwa 20 Minuten. Religiöse Jugendwoche 10.2.-17.2. Pater Guntram OFM. Hält eine religiöse Jugendwoche: Entferntere Ehevorbereitung für Jungmänner und Jungfrauen über 17 Jahre. Beteiligung der Jungen und Mädchen war gut. Feierstunde für die Frauen 24.2. Im Kindergarten ist nach der Andacht eine Feierstunde für die Frauen und Mütter. Die Jugend, vor allem die Kinder und der Mandolinenklub unter der Leitung von Lehrer Josef Dierkes verschönern die Stunden. Verbunden war die Feierstunde mit einer Ausstellung der Sachen, die für die neue Orgel verlost werden sollten. Die Verlosung ist nicht genehmigt worden. Der Erlös ist für die Orgel. Kirchl. Schulentlassung 17.3. Nach einem Einkehrtag, den Pfarrer Knoche hielt, war am Sonntag, den 17.3., nachmittags in der Andacht die kirchl. Schulentlassung. 12 Jungen und 2 Mädchen wurden entlassen. Verabschiedung von Frl. Heinemann. Am 1. April schied unsere Lehrerin Frl. Heinemann aus Bad Driburg aus dem Schuldienst. 38 Jahre war sie als Erzieherin in der Gemeinde Erkeln tätig. In all den Jahren kannte sie nur eins: Dienen, ihren Dienst in Schule, Kirche und Gemeinde. In Anerkennung ihres treuen Dienstes wurde ihr der päpstl. Orden: pro ecelesia et pontificis verliehen. Im Beisein der Lehrerschaft, Herrn Bürgermeister Backhaus, des Pfarrers überreicht ihr mein Vorgänger Pfarrer Hülsmann, der eigens nach hier gekommen war, - der auch den Orden für Frl. Heinemann beantragt hatte - als Dank die hohe päpstl. Auszeichnung. Am Freitag , den 29.3. wurde mit der gesamten Gemeinde eine hl. Messe in der Meinung von Frl. Heinemann gefeiert und am 1.4. schied sie dann wehmütig aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Erzieherin der Jugend, um ihren Wohnsitz in der Heimatstadt B ad Driburg zu nehmen. Palmensonntag 14.4.57. Zum 1. Male wurde die Palmenweihe an der Marienkapelle vorgenommen. Von dort feierliche Palmprozession durch die neue Straße, Dorfstraße, Rosenstraße zur Kirche. Die Beteiligung war gut. Ewige Anbetung 17.4. Das erzbischöfl. Generalvikariat genehmigt die Verlegung der ewigen Anbetung für die Gemeinde Erkeln in die 1. Hälfte des Monats Juli. Die ewige Anbetung wird festgelegt auf den 7. Juli. Weißer Sonntag 57. Am 28.4. gingen 16 Kinder - 6 Jungen und 10 Mädchen - zum ersten Male zum Tische des Herrn. Das Taufgelübde wurde am Taufbrunnen abgelegt. Ausflug der Frauen und Mütter 21.5. Die Frauen und Mütter fahren nach Telgte und Münster. Auf dem Rückwege Besuch bei Pfarrer Hülsmann in Lippstadt. Pfarrer Schneider aus Hembsen begleitet die Frauen, da die Mutter von Pfr. Knoche schwer krank ist. Maiandacht 57. 2 Mal wöchentlich wird die Maiandacht in der Marienkapelle an der Rißkuhle gehalten. Ausflug der Mädchengruppe 26.5. Mit der Führerin Frl. Kemper fahren die Jungmädchen am 25.5. nach Lippstadt, wo Pfarrer Hülsmann Quartier besorgt hat. Am 26.5. mit Pfr. Hülsmann und der Mädchengruppe an St. Nicolai, Lippstadt, Ausflug ins Sauerland. Einweihung des Lausekreuzes und Ehrenmals am Teufelsberg 30.5. Nach der Andacht auf Christi Himmelfahrt Prozession zum Teufelsberg. Die Jugend hat das Lausekreuz, das neu errichtet ist, geschmückt und ebenfalls das Ehrenmal, das der Kr. Höxter für die 14 erschossenen Soldaten errichtet hat. Die Gemeinde versammelte sich am Kreuz der Heimat (Lausekreuz) mit den Ehrengästen Kreisdirektor Buss, Amtsdirektor Gerke und viele andere. Bürgermeister Backhaus begrüßt zunächst die Gäste und spricht über die Geschichte des Lausekreuzes, das eine Verpflichtung ist, der Heimat treu zu bleiben. Der Pfarrer weiht dann das Kreuz und der Jugendchor singt das Lied der Heimat, das Lehrer Dierkes gedichtet und vertont hat. 1. Wo die Wälder ringsum grüßen, Wo die Nethe leise zieht, Wo am Bach die Weiden sprießen Und am Hang die wilde Rose blüht, Da steht mein Vaterhaus. Kehrreim: Heimatau, du ewig - schöne du, Erkeln mein, dir wink ich scheidend zu In der Fremde, überall Grüß ich dich, du schönes Tal. Heimatau, du ewig - schöne du, Dir bleib ich auf ewig treu 2. Wo schon früh vor Tageshelle, Dort im grünen "Vogelsang", Bei der kleinen, klaren Quelle Froh der Nachtigallen Lied erklang, Da steht mein Vaterhaus. 3. Wo im fahlen Frühlichtsdämmer Vor dem Wald der Rehbock tollt, Und des Spechtes laut Gehämmer Schallend durch den Wald herüberrollt, Da steht mein Vaterhaus. 4. Wo die Burschen fröhlich singen, Und so hell das Mädchen lacht, Wo die Mandolinen klingen Und das Kind im Bett dann lauschend wacht Da steht mein Vaterhaus. 5. Wo hoch auf der "Schanzen" Kuppen Ich als Kind so froh gespielt, Und in alten Wiesenschuppen Nach dem frechen Spatz einst gezielt, Da steht mein Vaterhaus. 6. Wo am grünen Waldesrande Dich das "Kreuz der Heimat" grüßt, Wenn du müd’ aus fremden Lande Hier im Tal das schöne Dörflein siehst, Da steht mein Vaterhaus. 7. Wo an meinem letzten Ende, Nach der schönen Lebenszeit, Ich so gerne Ruhe fände, Letzte Ruh zur lichten Seligkeit, Da steht mein Vaterhaus. Vom Kreuz der Heimat zieht die Prozession zu dem 200 m entferntliegenden Ehrenmal für die 14 erschossenen Soldaten, das Bildhauer Löneke aus Beller gestaltet hat (siehe Chronik von 1945). In einer würdigen Feierstunde wird das Ehrenmal geweiht. Kinder sprachen ein Gedicht, das Lehrer Dierkes für die Feierstunde verfasst hat. Das Kreuz im Walde. Bei Erkeln im Walde Da falte die Hände. Bei Erkeln im Walde Steht ein Kreuz. Stumm zogen Trauer im Auge Vierzehn Soldaten nach heldischer Tat. Sieg ihr Hoffen, Tod ihre Beute, Gefangen zogen sie dunklen Pfad. Heimat im Herzen, Jugend und Leben, sie baten vergebens den Feind um Gnad. Bei Erkeln im Walde Da blühen die Veilchen. Bei Erkeln im Walde Tranken sie Blut. Vierzehn Soldaten, Peitschende Schüsse. Weine nicht, Mutter, um deinen Sohn. Vierzehn Soldaten, Vom Feinde erschossen. Ruhm ist edlen Kriegers Lohn. Schweige, Wanderer ! Räche nicht, Bruder ! Trag dein Weh vor des Ewigen Thron. Bei Erkeln im Walde Da falte die Hände Bei Erkeln im Walde Mahnt ein Kreuz: Versöhnen ! Im Anschluß sprach der Pfarrer Worte des Gedenkens und weihte das Ehrenmal. Oberkreisdirektor Buss übergibt dann das Kreuz der Gemeinde Erkeln zu treuen Händen. Er und Bürgermeister Backhaus legen bei dem Lied vom guten Kameraden - von Blockflöten und Mandolinen gespielt - Kränze am Ehrenmal nieder. Schützenfest 10./11.Juni. In althergebrachter Weise wird an Pfingstmontag u. Dienstag das Schützenfest gefeiert, zu dem viele Erkelner aus der Fremde in die Heimat kommen. Der Schützenpräses feiert das Schützenhochamt und am zweiten Tage das Amt für die gefallenen Schützenbrüder. Anschließend Gefallenenehrung am Kriegerdenkmal. Das Fest verlief harmonisch. Bekenntnisfeier der Jugend 16.6. In Brakel fand die Bekenntnisfeier der Jugend statt. Motto: Du kannst die Welt verändern ! Festpredigt hielt der Pfarrer von Erkeln. Die Jugend nahm zahlreich teil. Zu Fuß ging es nach der Feier nach Erkeln zurück. Ewige Anbetung 7.7. Erstmalig wird die ewige Anbetung am 7. Juli begangen. Die Zeit ist günstig, weil die Arbeit gerade in der 1. Hälfte des Juli nicht sehr drängt. Verkehrsunterricht für die Jugend. Die Verkehrspolizei Höxter führt für die Landjugend, die Jungenschaft und die Mädchen einen Verkehrsunterricht durch an Hand von Lichtbildern. Der Kursus wird an 4 Abenden auf dem Schulplatz gehalten. Der letzte Abend im Saal der Wirtschaft Pott. Patronatsfest 28.7. Am 28.7. feierten wir in altehrwürdiger Weise das Patronatsfest. Leider mußte wegen schlechten Wetters die Prozession ausfallen. Die Festpredigt hielt Rektor Lücke von der Brede. Katholikentag in Brakel. Am 14.7. hielt das Dekanat in Brakel einen Katholikentag. Thema: Die Verantwortung der Christen im öffentl. Raum. Das Levitenamt hielt Dompropst Brockmann. Es sprach Dr. Kaspar Schulte. Alle Arbeitskreise waren gut besucht, auch von Erkelnern. In der Schlußkundgebung sprach Landtagspräsident Gockeln. Tod von Frl. Heinemann 11./9. Frl. Heinemann, die am 1.4. die Gemeinde Erkeln verlassen hatte, starb am 11.9. in der Heimatstadt Bad Driburg. Groß war die Beteiligung der Gemeinde Erkeln an der Beerdigung ihrer geliebten Lehrerin, die Lehrerschaft, alle Schulkinder und viele Männer und Frauen nahmen teil. Der Pfarrer sprach im Namen der Gemeinde Worte des Dankes und des Gedenkens. Von uns ging eine Lehrerin, die 38 Jahre als Erzieherin in der Gemeinde tätig war. Von uns ging eine große Lehrerin, die Tag für Tag vor dem Tabernakel kniete. Von uns ging eine Marienseele, die nichts anderes kannte als dienen. (Zeitungsabschnitt mit Bild als Nachruf). Die ganze Gemeinde steht trauernd am Grabe dieser großen Lehrerin. R.i.p. Bundestagswahl in der Gemeinde Erkeln 15.9.57. (Zeitungsausschnitt vom Wahlergebnis der Gemeinden des Amtes Brakel eingeklebt und vom Gesamtergebnis der Bundestagswahl). Erntedankfest 129.9.57. Das Erntedankfest wird in unserer Gemeinde am 29.9. gefeiert. In der Erntedankandacht segnet der Pfarrer die Erntegabe, die Kinder auf Opferschalen zum Altare bringen. Nach der Andacht ist auf dem Platze vor dem Jugendheim eine Feierstunde mit Ansprache von Vikar Halbfaß, Brakel, Volkstanz und Lied. Abends trifft sich die Landjugend im Saale Kukuk zum Erntetanz ! Am 6.10. feiert die gesamte Landjugend des Kreises Höxter in Brakel das Erntedankfest. Die Landjugend unter Leitung von Frl. Kemper gestaltete das Fest mit Erntetanz, Volkstanz und Sprechchören. Nikolausfeier der gesamten Jugend 6./12. Die gesamte Jugend, Schulkinder mit der Lehrerschaft, Jungmädchengruppe, Jungenschaft und Landjugend, gestaltet am Nikolaustag im Saale der Wirtschaft Pott mit den Eltern eine Nikolausfeier. Vikar Halbfaß aus Brakel ist Nikolaus. Mit Lied und Spiel schließt die Feier gegen 21 Uhr. Die Landjugend bleibt noch in gemütlicher Runde beisammen. Statistik des Jahres 1957. 11 Taufen, 4 Trauungen, 8 Beerdigungen. Ausgeteilt wurden 17300 Kommunionen. Die Gemeinde Erkeln zählt am 31.12.1957 - 730 Katholiken, 95 Andersgläubige. Brand eines Wohnhauses. Am 15.11.1957 klang schwer die Brandglocke durch das Dorf. Das Haus des Bauern Anton Wulff- Kosmeier stand in hellen Flammen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Brandursache wahrscheinlich Unvorsichtigkeit beim Dreschen. Der Bauer hatte den ganzen Tag maschient. Der Bauer Anton Wulf baut das Haus an der alten Stelle nicht wieder auf, sondern siedelt aus. Die politische Gemeinde Erkeln erwirbt das Grundstück zum Bau einer Turnhalle und eines Jugendheimes. Vidi: 30.IV.57 # Rinteln. 1958 Sebastiansball. Wie alljährlich feiert die St. Petrus Schützenbruderschaft nach gem. hl. Messe und Kommunion am 26.1. den Sebastiansball im Saale Kukuk. Das Fest verlief harmonisch. Osterfeuer. Der alte Brauch des Osterfeuers wird von der Landjugend hochgehalten.. Auf dem bestimmten Platz zum Steinberg wird das Holz am Karfreitag aufgeschichtet. Am 1. Ostertag abends 20 Uhr wird das geweihte Feuer aus der Kirche mit Pechfackeln zum Steinberg gebracht und unter dem Gesang von Osterliedern und dem Te Deum das Osterfeuer abgebrannt. Diasporakinder. Nach Weißen Sonntag kommen 6 Kinder aus der Norddeutschen Diaspora nach Erkeln (Ratzeburg). Die Kinder werden bei Familien im Dorfe gut untergebracht und 3 von Ihnen, die noch nicht zur hl. Kommunion geführt wurden, vom Pfarrer vorbereitet. Am 26.6. ist die Erstkommunionfeier für die Diasporakinder. Es war keine reine Caritas, sondern die Kinder kamen nach Erkeln, um die 3. Lehrerstelle in Erkeln zu erhalten. Die Kinderzahl in Erkeln war auf bis auf 80 zurückgegangen. Bischofsempfang in Brakel. Bei herrlichem Frühlingswetter wird am 29.4. der Hochw. Herr Weihbischof Dr. Rinteln von Magdeburg, der im letzten Augenblick von den Zonenbehörden die Ausreisegenehmigung erhielt, von dem gesamten Klerus des Dekanates und den Spitzen der Behörden feierlich empfangen. (s.Bericht der Westfalenpost vom 1. Mai 1958, eingeklebt.). Firmung in Erkeln am 30.4. Nach der Firmung in der Stadt Brakel war Erkeln die erste Gemeinde im Dekanat, in die der Hochw. Herr zur Firmung kam. Das Dorf hatte Festschmuck angelegt. Beim Ehrenbogen bei Josef Moenikes wurde der Hochw. Herr Weihbischof von den Kindern und vom Pfarrer begrüßt, dann von der ganzen Gemeinde mit den Bannern der Jugend und der Schützen in die Kirche geleitet. Dort feierte der Bischof mit der Gemeinde und den Firmlingen eine Gemeinschaftsmesse, nach dem hl. Opfer Predigt und Katechese für die Kinder. Es waren 57 Firmlinge, darunter einige Erwachsene. Möge die 7fache Kraft des Hl. Geistes aus diesen jungen Menschen mündige Christen formen, die sich der Aufgaben bewußt sind, der Aufgabe in Kirche, Volk und Zeit. Außerordentlicher Missionstag. Am 1. Pfingsttage hält ein Pater aus aus Driburg in der Gemeinde einen außerordentlichen Missionstag, um den Missionsgedanken zu vertiefen und allen die Verantwortung zum Bewußtsein zu bringen, die sie für das Reich Gottes tragen. Vor allem die Traditionschristen auf dem Lande müssen lernen über ihren eigenen Kirchturm hinauszuschauen. Schützenfest am 26.5. Nach alter Sitte wurde das Schützenfest in Erkeln am 2. Pfingsttage gefeiert. Das Festzelt war bei Bauer Hoischen aufgeschlagen. Unter großer Beteiligung des Dorfes, auch die Erkelner, die in der Fremde sind, waren da, feierte das Dorf am II. U. III. Pfingsttage. Schützenkönig war Albert Kemper und Frl. Hildegard Kemper Schützenkönigin. Kirchenchor von St.Nikolai Lippstadt am 12.6. Mit Pfarrer Hülsmann an der Spitze kommt der Kirchenchor der Nikolaigemeinde Lippstadt, in der Pfarrer Hülsmann jetzt tätig ist, nach Erkeln. Nach einem feierlichen Hochamt, in dem Pfarrer Hülsmann die Predigt hält, Treffen vor dem Jugendheim. Unter Singen und Volkstanzvorführungen erleben alle eine frohe Stunde. Ausflug der Frauen 15.7. Der Harz war in diesem Jahre das Ziel der Frauen und Müttergemeinschaft. Mit 2 Bussen geht es durch den Solingen nach Goslar, Ockertal, über Clausthal-Zellerfeld zurück nach Erkeln. 1. Pater Leppich S.J. in Brakel. 10.000 waren zusammengeströmt, als Pater Leppich S.J. in seiner volkstümlichen derben Sprache vor der Stadthalle in Brakel sprach. Die Erkelner waren zahlreich vertreten. Eine Anzahl Männer, Frauen u. Jugendliche sind bereit im Aktionskreis von Pater Leppich sich einzusetzen für apostolische Aufgaben. 13 -17.August Katholikentag in Berlin. "Des Volkes Heil bin ich". Unter diesem Leitsatz standen die Tage der Katholiken Deutschlands in Berlin, zu denen Hunderttausende aus Ost- und Westdeutschland gekommen waren. 2 Erkelner nahmen teil an den Tagen in Berlin. Wallfahrt der Frauen. 24.9. Vor allem für die älteren Frauen und Mütter, die am Ausflug nicht teilnehmen konnten, ist am 24. 9. Eine Wallfahrt nach Kleinenberg. Pfarrer i.R. Inkmann Kleinenberg hält den Frauen und Müttern in der Wallfahrtskapelle eine Ansprache. Einkehrtag für die Frauen. 12.11. Pfarrer Inkmann aus Kleinenberg hält in Erkeln einen Einkehrtag für die Frauen und Mütter. Teilnahme 80 Frauen. Die Vorträge wurden in der Kirche gehalten. Bastelkursus für die Mädchen und Frauen. Schwester Magdalene und Schwester Gertrud geben den Mädchen und Frauen an den langen Winterabenden im November und Dezember eine Einführung in die Bastelarbeit. Es entstehen herrliche Arbeiten, Wandteller, Brotkörbchen etc. Am 14.12. ist im Jugendheim eine Ausstellung. Ausgestellt wurden die neuen Krippenfiguren und die selbstgebastelten Arbeiten. Neue Krippe. Weihnachten 1958 steht die neue Krippe in der Kirche. Die alten Figuren aus Gips verdemoliert. Der Pfarrer bestellt neue Figuren bei der Bonifatiusdruckerei Paderborn. Preis der Krippe 1658,75 DM. Die Krippe findet guten Anklang. Statistik 1958. 11 Taufen, 8 Trauungen, 11 Erstkommunikanten + 3 Diasporakinder, 57 Firmlinge, 9 Beerdigungen. Ausgeteilt wurden 17500 hl. Kommunionen. 1959. Bezirksmission 1960. Herr Dechant Schneider, Brakel, regte auf einer der 1. Konferenzen des Jahres 1959 an im folgenden Jahre eine Mission in allen Dörfern des Dekanates zu halten. Jede Pfarrei soll sich möglichst bald um Patres bemühen. Für Erkeln bekommen wir 2 Franziskanerpatres aus der rheinischen Provinz. Pater Westermeyer O.F.N. gibt das ganze Jahr hindurch für die verschiedenen Stände Einführungsvorträge. Möge die Mission für das ganze Dekanant Brakel eine Glaubenserneuerung werden. Landjugend. Am 7.1. weilt Präses Becker, Paderborn, in Erkeln und hält der Jugend einen Lichtbildervortrag. Thema: Lenin oder Bruder Klaus. 29.1. Eine Missionsärztin aus Lüchtringen, die mehrere Jahre als Ärztin in Indien war, hält der Jugend einen Lichtbildervortrag über Indien 1.2.Feierstunde für die Frauen. Für die Frauen und Mütter ist am 1.2. eine Feierstunde mit gemeinsamen Kaffeetrinken . Die Schuljugend bereitet den Müttern einige frohe Stunden im schönen Kindergarten. 1. Kollekte für die Völker Asien u. Afrikas. Zu Beginn der Fastenzeit rufen die deutschen Bischöfe in einem gemeinsamen Hirtenbrief auf, auf Passionssonntag zu opfern für die hungernden und leidenden Völker Asiens und Afrikas. Die Koll. wurde ein Riesenerfolg: 35.000.000 DM. Erkeln opferte 1510,- DM. Ein schöner Erfolg, doch im Vergleich mit dem Lebensstandard, auch auf dem Lande, war es für die meisten kein Opfer. Ostern 59. Lehrerwechsel in Erkeln. Ostern 1959 wird die Hauptlehrerstelle in Erkeln aufgehoben. Nur 79 Kinder besuchen die Volksschule. Die Klassenfrequenz beträgt 42 Schulkinder. Von Weihnachten bis Ostern ist das Verhältnis zwischen den Lehrpersonen unerträglich. Das ganze Dorf ist in den Streit mit hineingezogen und geteilt. Frl. Kemper, die mit dem Hauptlehrer Kaspersmeier auf Kriegsfuß stand und das ganze Dorf aufwiegelte - sie war als Junglehrerin in dem Heimatdorf Erkeln angestellt - mußte Ostern das Feld räumen. Sie kam nach Erwitzen an die einklassige Schule. Nebenbei lebt der frühere Pfarrer Aufenanger von Erkeln in Erwitzen als Einsiedler. Juni verlässt dann Hauptlehrer Kaspersmeier Erkeln und nimmt die Hauptlehrerstelle in Wünnenberg an. Über einen Monat ist nur eine Lehrperson, Lehrer Dierkes in Erkeln. Kurz vor den Ferien im Juli kommt Lehrer Jung, ein Junglehrer aus Gelsenkirchen, nach hier. Doch leider kann dieser tüchtige Lehrer nicht in der Gemeinde bleiben, weil die zweite Stelle eine Lehrerinnenstelle ist. So kommt nach den großen Ferien Frl. Lehrerin Kalb, der Vater ist Lehrer in Altenbergen Kr. Höxter, nach Erkeln. 1. Schützenfest- Wieder am 2. Pfingsttage feiert das Dorf sein Schützenfest. Frohe Feste müssen sein, doch nimmt die Feier der Schützenfeste Ausmasse an, daß sie wirklich keine Erholung mehr sind und keine Volksfeste mehr im eigentlichen Sinne. Schützenkönig war Elektriker Johann Sievers und Schützenkönigin Frau Elisabeth Behler geb. Loog. 1. Ausflug der Frauen. Den ganzen Sommer war in diesem Jahre in Dortmund die Bundesgartenschau und Dortmund war deshalb auch das Ausflugsziel für die Frauen und Mütter. Wir verlebten einen schönen Tag, nachdem wir am Morgen kurz bei der Gottesmutter in Werl die Fahrt unterbrochen hatten. 1. Männerwallfahrt nach Werl. Der Bischof rief die Männer der Diözese auf zum Gebet in den großen Anliegen der Zeit, für den Frieden und die Einheit unseres Vaterlandes. Sonderzüge wurden eingesetzt, die die Männer nach Werl brachten. Von Erkeln waren etwa 20 Männer mit dabei. 1. Ausflug der Meßdiener. Meßdiener und die Sammlerinnen für die Missionsvereine machen mit dem Pfarrer und den beiden Schwestern einen Ausflug zur Diemeltalsperre, Obermarsberg, Fischteiche Paderborn und zurück. Wegen des trockenen Sommers waren die Fischteiche bald ausgetrocknet und wir konnten nur im Schlamm paddeln.Doch es gab viel Spaß. 1. Selbstmord in Erkeln. Am Abend des Annenfestes in Brakel, am Sonntag den 2.8.59 beging Felix Wulff- Kosmeyer, Sohn des Anton Wulff-Kosmeyer, Selbstmord. Er hat sich vor den Eilzug, der gegen 10 Uhr abends zwischen Brakel und Ottbergen verkehrt, geworfen und am anderen Morgen fand man die Leiche total verstümmelt. Gründe für die Tat sind nicht bekannt geworden. 1. Wallfahrt der Frauen. Außer dem Ausflug machen die Frauen jährlich eine Wallfahrt. Mit einem großen Bus fahren wir in diesem Jahr nach der Mutter der Betrübten in Werl. 1. Erntedankfest. In diesem Jahr wird das Erntedankfest groß aufgezogen. Nach der feierlichen Dank- andacht am Nachmittag sind vor dem Jugendheim fast alle Traktoren des Dorfes aufgefahren zur Weihe. Auf der Risskuhle hat die Landjugend eine Bahn abgesteckt für die Traktorgeschicklichkeitsfahrt. Es beteiligen sich an diesem Wettbewerb etwa 40 Jungen und Mädchen mit ihren Traktoren. Schöne Preise erhielten die ersten 10 Sieger. Am Abend Erntedanktanz im Saale der Wirtschaft Pott. An diesem Tage zeichneten die Erkelner für die Ausmalung ihrer Kirche 1100,- DM. Zeugen Jehowas. Die Sekten, vor allem die Zeugen Jehowas, suchen auch auf dem Dorfe Anhänger zu gewinnen. Jeden Monat überschwemmen sie die katholischen Dörfer, besuchen alle Familien, lassen ihr Schrifttum zum Lesen da, und suchen auf diese Weise überall Fuß zu fassen. Unsere Katholiken sind durchweg dem Redeschwall dieser Sektenprediger nicht gewachsen, zumal die Glaubenskenntnisse im allgemeinen sehr gering sind. In der zeit vom 13. - 15. November ist in der Stadthalle Brakel Delegiertentagung der Zeugen Jehowas. Quartiere suchen sie z.T. auf den Dörfern, um so in die Familien Einlaß zu finden. Zu bewundern an ihnen ist die Zivilcourage. Wir Katholiken könnten von ihnen den apostolischen Einsatz lernen. Wanderausstellung der Landjugend. Die kath. Landjugendarbeit im Kreise Höxter ist sehr gehemmt durch den Widerstand des Westf.Lipp.Landschaftsverbandes. Die Landvolkhochschule Hardehausen veranstaltet deshalb in Brakel (Stadthalle) eine Wanderausstellung der kath. Landjugendbewegung in der Zeit vom 22. - 27.11.59. Die Ausstellung, zu der auch die Landjugendgruppe Erkeln einen Beitrag lieferte, war gut besucht. 13.12.Mütterkaffee im Kindergarten. Für einige frohe Stunden sind die Frauen und Mütter im Kindergarten beisammen. Gerade die Landfrauen sind in unserer Zeit überlastet. Urlaub und Erholung kennen sie nicht, zumal sich der Arbeitskräftemangel gerade in Landwirtschaft auswirken Betriebe, die früher 3 oder 4 Knechte hatten, stehen heute allein da. Personenstandsaufnahme 1959. 1959 wird eine Personenstandsaufnahme und Betriebsaufnahme durchgeführt. Diese Aufnahme ist sehr interessant für unsere Dörfer, zeigt wie die Dörfer fast durchweg überaltert sind, daß die Einwohnerzahl in den Dörfern, trotzdem die Haushalte infolge des Flüchtlingsstromes gestiegen sind, abgenommen haben. Im folgenden die Statistiken: (Eingeklebt die Zeitungsausschnitte mit den Ergebnissen von 1939 und 1959). Wetter 1959. Das Jahr 1959 war ein sehr trocknes Jahr, die Weiden waren braun gebrannt, das Korn wurde notreif, doch die Ernte war guter Durchschnitt. Den ganzen Sommer hat es kaum einen Tag geregnet. Ich füge den meteorologischen Rückblick auf das Jahr 1959 bei. (Eingeklebter Zeitungsausschnitt). Statistik 1959. 18 Taufen, 6 Trauungen, 15 Erstkommunikanten, 11 Tote (darunter 2 Kinder und ein Selbstmord), 18000 hl. Kommunionen, Zahl der Kirchenbesucher 563 (Durchschnitt an den beiden Zähltagen, etwa 20 besuchen die hl. Messe nicht mehr). Erkeln zählt Ende 1959 718 Katholiken, 75 evangelische Christen. Das Jahr der Volksmission 1960. Schon am Neujahrstage weist der Pfarrer der Gemeinde hin auf die Volksmission, die vom 16. - 30.10.1960 stattfindet, und fordert auf zum gebet für ein gutes Gelingen der Mission. Generalversammlung der Bruderschaft 321.1. Einen Sonntag nach dem herkömmlichen Sebastiansball halten die Schützen Generalversammlung. Auf der Tagesordnung stand die Neuwahl des Vorstandes. Oberst Anton Lüke wird mit großer Mehrheit wiedergewählt. Adjutant wurde Elektriker Johannes Sievers, Dechen Heinrich Güthoff und Johann Sievers. Dem Pfarrer wurde für die Ausmalung der Kirche von der Bruderschaft 500,- DM bewilligt. Jagdverpachtung in Erkeln 13.2. Die Jagd (Wald und Feldflur) wird öffentlich verpachtet. Für die Jagd wird die Summe 12.300.- DM erzielt. Ich erwähne die Begebenheit hier, einmal um zu zeigen, wie wertlos das Geld in unserer Zeit ist. Dann aber auch, weil die Jagdverpachtung Neid, Haß und Feindschaft in der Gemeinde aufflackern ließ. Es kam sogar zu einer Schlägerei mit gerichtlichem Nachspiel. Möge die Volksmission den Erfolg haben, alle Feindschaften zwischen den Familien zu begraben ! Missionssammlung für das Driburger Missionshaus.13.3. Pater Konrad S.V.D. hält einen ausserordentlichen Missionssonntag. Der Erlös soll dem Missionshaus in Driburg zu Gute kommen. Es wurden geopfert 540,- DM. Fastenkollekte. Alljährlich am Passionssonntag soll nun auf Anordnung der Bischöfe für die hungernden und leidenden Völker Asiens und Afrikas gesammelt werden. Die Gemeinde opfert 2000,- DM. Ausflug der Frauen. 31.5. Die Frauen wallfahrten in diesem Jahre nach Verne, dort hl. Messe mit Predigt. Nächstes Ziel war das Grab der hl. Ida in Hersfeld Kr. Beckum. Von dort über Gütersloh wieder heim. Schützenfest. In diesem Jahr fällt das Schützenfest aus. Die Bruderschaft hoffte im nächsten Jahre die neue Halle, deren Bau die politische Gemeinde in Angriff genommen hat auf dem vom Bauer Anton Wulff- Kosmeyer erworbenen Grundstück, für das Fest benutzen zu können. Bisher wurde immer ein Festzelt aufgeschlagen. 1. Wanderung der Landjugend. Am Tage der Deutschen Einheit, einem staatlichen Feiertage, wandern 20 Mitglieder der Landjugend über Drenke nach Beverungen. Von Beverungen bis Höxter schließt sich eine schöne Dampferfahrt an. Von Höxter nach Ottbergen wird die Bahn benutzt. Ottbergen, Bruchhausen nach Erkeln wieder Fußwanderung. Ein schöner Tag ! 1. Dekanatskonferenz in Erkeln. Die offizielle Dekanatskonferenz des Dekanates Brakel ist in diesem Jahre in Erkeln. Nach dem feierlichen Levitenamt hält der Pfarrer eine Katechese für die Oberklasse. Anschliessend tagt die Konferenz im Jugendheim. Gemeinsames Mittagessen in der Wirtschaft Kukuk. 1. Ewige Anbetung. Die ewige Anbetung für die Gemeinde Erkeln ist nun endgültig auf den 7.7. gelegt. Lt. K.A.Bl. Stück 17 vom 24. November 1959, 1. Patronatsfest Petri Ketten. Unwetter in Erkeln. Wie üblich wird das Patronatsfest der Gemeinde mit Prozession und der Predigt an der Marienkapelle begangen. Da der Pfarrer erkrankt war, hielt Pfarrer Schneider aus Hembsen die Prozession, Pater Reintges S.V.D. aus Driburg die Predigt. Am Abend des Patronatsfestes ging über dem Dorf ein schweres Gewitter nieder. Die Ernte war z.T. durch Hagelschlag vernichtet und lag wie gewalzt am Boden. Bäume waren wie Streichhölzer umgeknickt. Die Strasse nach Brakel am Wasserfall war durch die umgestürzten Bäume stundenlang gesperrt. 1. Eucharistischer Weltkongress in München. Der 37. Eucharistische Weltkongress ist in diesem Jahre auf deutschen Boden in München vom 31.7. - 7.8. Die gesamte kath. Welt war in ihrer Elite in München versammelt mit ihren Bischöfen und Kardinälen. 3 Erkelner nahmen an den erhebenden Tagen in München teil. 1. Diözesantag der Landjugend, In Velmede Kr., Meschede versammelt sich die kath. Landjugend der Diözese. Von dem Eucharistischen Kongress war noch eine indische Tänzergrupppe anwesend. 10 Mitglieder der Erkeler Landjugend nahmen teil. 1. Volksmission in Erkeln. Größtes Ereignis des Jahres war die Volksmission in allen Pfarreien des Dekanates. In Erkeln begann die Mission am Sonntag nachmittag für die Kinder, abends 20 Uhr für die Erwachsenen. Gehalten wurde sie von den beiden Franziskanermissionaren aus der rheinischen Provinz Pater Paulinus O.F.M. und Pater Lucas O.F.M.. Feierlicher Schluß mit Segnung des neuen Missionskreuzes (Kreuz am alten Kriegerdenkmal) am 30. Oktober. Der Eifer der Gemeinde war sehr groß. Für die Kinder war eine Woche lang morgen 7 Uhr hl. Messe mit Ansprache, nachmittags 15 Uhr eine 2. Predigt, für die Erwachsenen 8 Uhr hl. Messe mit Missionspredigt, nachmittags 17 Uhr u. 20 Uhr die 2. Missionspredigt. Die Predigten waren gut besucht, etwa 90 % der Gemeinde machte die Mission mit. Möge die Mission lange Segen und Frieden in der Gemeinde stiften. 1. Unglück in Borgholz. Am zweiten Tage der Volksmission verunglückte in Borgholz der Dachdeckergeselle Günther Kukuk aus Erkeln. Er war bei Arbeiten auf dem Dach der Transformatorenstation mit der Hochspannung in Berührung gekommen und war auf der Stelle tot. Eine erschütternde Predigt in den Tagen der Volksmission ! 1. Bruderschaftstag in Erkeln. H.H. Generalpräses Lambertz hält in Erkeln im Anschluß an eine gemeinsame hl. Messe für die Bruderschaften Tietelsen, Rothe, Erkeln und Rheder einen Bruderschaftstag, in dem er die Schützenbrüder hinweist auf die Aufgaben der Bruderschaften in heutiger Zeit. Der Tag wurde gehalten in der neuen Turnhalle, die soweit fertig gestellt war. Etwa 100 Schützenbrüder nahmen teil. Statistik 1960 15 Taufen, 6 Trauungen, 8 Erstkommunikanten, 12 Beerdigungen, 20000 Kommunionen. Kirchenbesucher 564 im Schnitt, Teilnahme an der Mission 90 %. Wetter 1960. Nach dem trockenen Jahr 1959 brachte uns das Jahr 1960 Regen und nochmals Regen. Die Ernte, die eine Rekordernte zu werden versprach, verdarb zum großen Teil. Das Korn wuchs aus, Roggen wurde teilweise gar nicht gemäht. Sondern auf dem Felde angesteckt.( Anschließen eingeklebter Zeitungsausschnitt. 1961. Mit dem 1. Januar 1961 tritt die Reform der Rubriken im Brevier und Messfeier in Kraft. Für Erkeln insofern wichtig, weil in Zukunft das Patronatsfest Petri Ketten am 1. August ausfällt. Ausmalung der Kirche. Gleich zu Beginn des Jahres am 9.1. wird mit der Ausmalung der Kirche begonnen. Die Pfarrkirche war in einem unwürdigen Zustand. Die neue Turnhalle war im Rohbau fertig gestellt und die politische Gemeinde sowie das Erzbischöfl. Generalvikariat erlauben den Gottesdienst während der Zeit der Ausmalung in der neuen Turnhalle. Die Bänke werden aus er Kirche in die Turnhalle geschafft und so entsteht ein schöner und würdiger Gottesdienstraum. Bei der Ausmalung wurden folgende Änderungen in der Kirche vorgenommen: 1. Die beiden Seitenaltäre werden auf die ursprüngliche Höhe gebracht (nur noch eine Stufe, vorher 3 Stufen). 2. Die Beichtstühle versetzt. Vorher standen sie in der Mitte der Kirche. Die Nischen werden zugemauert und für den Kreuzweg, der neue Rahmen erzielt, entsteht jetzt eine gute Möglichkeit im Mittelschiff. (Vorher waren 8 Stationen unter der Orgelbühne). 3. Die Statuen Maria und Josef, die jetzt unter der Orgelbühne stehen, standen früher am Eingang des Chores, z.T. verdeckt durch die Seitenaltäre. Die Podeste wurden abgebrochen, um den Blick zum Altar frei zu bekommen. 4. Der Verputz in der Kirche wurde zum großen Teil erneuert. Der alte Lehmputz fiel ab, es entstanden dadurch bedeutend höhere Kosten. Da die Finanzen nicht reichten - Erkeln opfert für die Ausmalung 17000,-DM - bleiben die Altäre, Kanzel und Beichtstühle zurück. Ausführende Firma war Johann Mühlenbein, Niedermarsberg. Ostern ist die Ausmalung der Kirche fertig. Erwachsenenfirmung auf der Brede. Auf der Brede in Brakel hält der Hochw. Herr Erzbischof eine Erwachsenenfirmung für die Dekanate Brakel, Höxter und Beverungen. 2 Erwachsene von Erkeln wurden mit gefirmt. Gemeindewahlen 19.3. Nordrhein-Westfalen hatte die Kommunalwahlen auf den 19.3. festgelegt. In Erkeln wurden gewählt 4 Vertreter der CDU, 2 Vertreter vom Zentrum, die aber in Wirklichkeit der S.P.D. u.d. F.D.P. angehören. Am 2. Ostertag, den 3.4., feiert die Gemeinde das 25 Priesterjubiläum ihres Pfarrers..Die ganze Gemeinde nahm freudig teil an dieser Feier. Beim feierlichen Hochamt ministrierten als Diakon Pfr. Kämper, Natzungen, der frühere Heimatvikar des Pfarrers, und Dechant Schneider als Subdiakon. Die Festpredigt hielt Pfr. I.R. Inkmann, Kleinenberg, der auch die Primizpredigt gehalten hatte. Nach einer feierlichen Dankandacht versammelte sich die ganze Gemeinde am Abend in der neuen Turnhalle, um ihre Verbundenheit mit dem Pfarrer auszudrücken. Die politische Gemeinde schenkte den roten Chormantel, die Frauen und Mütter das Vortragekreuz, die Schützen eine schöne Stola, die Meßdiener 2 silberne Meßkännchen. Der Gesangverein umrahmte die Feier mit passenden Liedern. 1. Erstkommunion Erstmalig gehen in diesem Jahre 2. Und 3. Schuljahr zur ersten hl. Kommunion - 17 Kinder, 6 Jungen und 11 Mädchen. 1. Schützenfest Am 2. Pfingsttage feiert die Gemeinde in diesem Jahre wieder das Schützenfest. Das Festzelt war auf der Risskuhle aufgeschlagen. Schützenkönig Karl Güthoff und Schützenkönigin Elisabeth Hoischen. 1. Bekenntnistag in Erkeln. Der Bekenntnistag für die Jugend wird in diesem Jahre in Erkeln selbst gehalten. Teilnahme gut - etwa 120 - 130 Jugendliche. 1. Neuer Weihbischof. Am 17.6. ernannte Papst Johannes XXIII Dr. Paul Nordhues Regens im Erzbichöfl. Priesterseminar Huysburg über Halberstadt zum neuen Weihbischof der Erzdiözese. Weihbischof Dr. Tuschen war schon lange arbeitsunfähig. Genau 4 Tage nach der Ernennung von Dr. Paul Nordhues ist er gestorben am 21.6. Brand in Erkeln. Die beiden jüngsten Kinder von Bauer Hoischen (3 und 5 Jahre) fanden auf dem Hofe Streichhölzer, spielten damit und steckten die Scheune in Brand. Fast alle Maschinen konnten gerettet werden. Die Scheune brannte bis auf die Umfassungsmauer nieder. Patronatsfest. Die Gemeinde Erkeln feiert jetzt, da durch die Reform der Rubriken das Fest Petri Ketten am 1. August ausfällt, das Patronatsfest auf Peter und Paul.Am darauffolgenden Sonntag die äussere Feier des Patronatsfestes mit der üblichen Petri Ketten Prozession. Asrbeitsmässig liegt das Patronatsfest jetzt günstiger als am 1. August, zu dem fiel vorher das Fest gewöhnlich mit Libori und Annenfest in Brakel zusammen. Das waren auch die Gründe, warum der Pfarrer keine Eingabe machte, das Fest am 1. August zu belassen. 1. Ausflug der Kranken und Alten. Der Leppich-Kreis, der in der Gemeinde sehr aktiv ist, organisiert 13 Privatwagen des Dorfes und am 8.7. fahren die Kranken und Alten des Dorfes, die sonst nie mehr aus dem Dorfe kamen, nach Dalhausen und Höxter. Im Weserberghof in Höxter ist für die Fahrer, Kranken, Alten und Helfer die Kaffeetafel gedeckt und alle erleben ein paar frohe Stunden. Es waren 32 Kranke und Alte, 13 Fahrer und 12 Helfer Ausflug der Frauen und MütterDie Frauen und Müttergemeinschaft hatte sich in diesem Jahre ein schönes Ausflugsziel ausgewählt. Die Fahrt ging zunächst nach dem Wallfahrtsort Germershausen bei Duderstadt, von dort nach Duderstadt, Zonengrenze und Lager Friedland. Vor allem das Lager Friedland war für die Frauen ein Erlebnis. Glaubenskundgebung der Männer. Die Männer des Dekanates Brakel versammelten sich zu einer Glaubenskundgebung an der Waldkapelle in Riesel. Thema Der: Mann in Kirche und Öffentlichkeit. Das Referat hält Alfons Müller von der Hauptstelle der Männerseelsorge in Fulda. Von Erkeln nehmen 30 Männer teil. 1. Unglückstag für Deutschland. Das Zonenregime Ulbricht zieht mitten durch Berlin Stacheldrahtverhaue und eine Schandmauer. Die Teilung Deutschlands scheint für immer besiegelt. 1. Bundestagswahl. CDU. Bleibt stärkste Partei, verliert aber die absolute Mehrheit im Bundestag. Gewinner der Wahl ist die liberale Partei FDP. Auch in Erkeln, s.Statistik. (Die Wahlergebnisse sind mit Zeitungsausschnitte eingeklebt. Ebenso die Gemeindewahlen vom 19.3. im Amt Brakel). 1. Erntedankfest. Nach der feierlichen Dankandacht mit Segnung der Erntegaben versammelt sich die Landjugend mit den ehemaligen aktiven Mitgliedern der Landjugend im Jugendheim zum gemeinsamen Kaffeetrinken. Die Mädchen der Landjugend hatten dazu Kuchen gebacken. Abends versammelt sich die Landjugend im geschlossenen Kreis im Saale Pott zum Erntetanz und einigen frohen Stunden. Die Jugend hatte eigens für den Abend ein kleines lehrreiches Theaterstück eingeübt. Vidi in vis. 28.11.61 Schneider, Dech. Ländliches Seminar. Erstmalig wird in diesem Jahr für die Jugend ein ländliches Seminar gehalten. Für die 10 Abende konnten auswärtige Referenten gewonnen werden. Die Jugend beteiligte sich sehr gut - 59 Teilnehmer, 15 Auswärtige aus anderen Gemeinden: Tietelsen (11) Hembsen (2) Rheder (1) Drenke (1). Weihnachten. Die Krippe wird in diesem Jahr hinter dem Altare aufgebaut. Das Relief von Petrus in Ketten wurde bis zur Wand zurückgeschoben und so hatten wir einen schönen Raum geschaffen für die Krippe, allen Kirchenbesuchern sichtbar. Statistik 1961. 18 Taufen, 17 Kommunionkinder (2. U. 3. Jahrgang), 6 Trauungen, 13 Tote (dazu kommen 2 Gefallene. Die Angehörigen erhielten durch das Rote Kreuz die Nachricht vom Tode der vermissten Soldaten). 20000 Kommunionen. Wetter 1961. 1961 war ein schlechtes Erntejahr. Die Erträge pro Morgen lagen weit unter denen der Vorjahre. Von einem Morgen Roggen wurden im Schnitt 7 - 10 Ztr. Gedroschen. Das Korn hatte eine sehr schlechte Blütezeit. ( Es folgen Zeitungsausschnitte eingeklebt. Meteorologischer Rückblick auf das Jahr 1961 usw.). Erkeln - Musterdorf ! Die Argrarsoziale Gesellschaft Göttingen führte im Jahr 1960 in 4 Test-Dörfern eine Untersuchung durch über das starke Zwischengefälle zwischen Stadt und Land. Eines dieser Dörfer war Erkeln. Im folgenden nun der Bericht der im Mai 1961 in der "Welt am Sonntag" erschienen ist. )Es folgt der eingeklebte Zeitungsausschnitt). Vidi in vis. 17.12.62 Schneider, Dech. 1962. Das Jahr 1962 begann mit einem sehr gelinden Winter. Schnee fiel erst im März (1.3.), am 7.3. war strenger Winter, am 9.3. kam dann Tauwetter. Die Felder konnten in diesem Jahr sehr spät bestellt werden. Am 17.4. setzte erst das Frühlingswetter ein. Das Jahr 1962 sollte nach Voraussagen ein Jahr der Katastrophen und der Unglücke sein. Am 12.2.1962 setzte ein orkanartiger Sturm ein. Tausende von Bäumen wurden entwurzelt. Im Brakeler Forst waren es 2600 Festmeter Buchen und Tannen, im Kreise Höxter etwa 12000 Festmeter. Erkeln hatte Glück, nur wenige Festmeter. An der Nordseeküste kam es zur großen Sturmflut, bei der in Hamburg die Dämme brachen und 400 Todesopfer forderte. Jahresversammlung der Bruderschaft. Am 7.1. fand die jährliche Generalversammlung der Schützenbruderschaft statt. Es wurde beschlossen, in diesem Jahre kein Schützenfest zu feiern, statt dessen will die Freiwillige Feuerwehr ihr 50jähriges Jubelfest feiern mit den Feuerwehren des Kreises Höxter. Am 21.1. war der traditionelle Sebastiansball der Bruderschaft im Saale der Wirtschaft Pott, weil die neue Halle noch nicht freigegeben ist für die Dorffeste. Das Fest verlief harmonisch. Mütterkaffee in der Turnhalle am 25.2. Die Frauen und Mütter konnten in diesem Jahre ihren gemeinsamen Kaffee in der neuen Turnhalle halten. Der Gesangverein hatte gerade Theater gespielt - für 6 kulturelle Veranstaltungen darf die neue Halle Laut Erlass des Kultusministeriums in Düsseldorf benutzt werden. - und so durften die Mütter in diesem Jahre auch die Halle benutzen. Die Frauen und Mütter verlebten einen schönen Nachmittag mit humorvollen Einlagen und kleinen Theaterstücken. Am selben Abend schloß das ländl. Seminar in Erkeln mit einer Gemeinschaftsveranstaltung für alle ländl. Seminare des Kreises Höxter in der Stadthalle zu Brakel (17 Seminare im Kreise Höxter). Internationaler Tag der Landjugend. 20.5. war für die Jugend von Tietelsen und Erkeln am Lausekreuz (Kreuz der Heimat). Die internationale Feierstunde mit Koll.f.d. Entwicklungshelfer. Die Jugend von Erkeln war verhältnismässig gut beteiligt. Ein Teil der Jugend ist immer noch der Meinung, Landjugend sei nur etwas für die Bauern. Feuerwehrfest in Erkeln. Aus Anlass des 50jährigen Bestehens der hiesigen freiwilligen Feuerwehr wurde am 3.6. und 4.6. in Erkeln für alle Wehren des Kreises Höxter statt des Schützenfestes Feuerwehrfest gefeiert. Bekenntnisfeier der Jugend. Die Bekenntnisfeier der Jugend am Dreifaltigkeitssonntag wurde in diesem Jahre für unsere Jugend in Erkeln gehalten, wie im Jahre zuvor. Die Teilnahme war gut. Patronatsfest am 1.7. Die Feier des Patronatsfest auf dem Fest Peter und Paul hat sich schon eingespielt. Es wird nicht mehr gemeckert und geschimpft. Ewige Anbetung und Ausflug der Turner. Am 7.7. war in der Gemeinde Ewige Anbetung. Am selben Tage wie am folgenden Tage, der ein Sonntag war, machten die Turner einen Ausflug zum Rhein. Keiner von den Teilnehmern hat an dem Sonntag die hl. Messe besucht. Der Chronist erwähnt das aus dem Grunde, um zu zeigen, wie der moderne Zeitgeist auch auf dem Dorfe immer mehr um sich greift. Bei einer Fahrt der Westf.-Lippischen Landjugend nach Berlin, an der etwa 60 Jugendliche aus dem Kreise Höxter teilnahmen zu 95 % katholisch, nahmen an dem Sonntag 10 am Gottesdienst teil, obwohl eigens Freizeit für den Gottesdienst gegeben war. Kirchturm erneuerungsbedürftig. Im Sommer 1962 musste der Pfarrer den Weg vor dem Hauptportal der Kirche absperren , weil der herabfallende Schiefer die Passanten gefährdet. Der Turm muß notwendig erneuert werden. Brand in Erkeln. Am 23.9. brannte das älteste Haus der Gemeinde Erkeln - gebaut 1723 - bis auf die Grundmauern nieder. Eigentümer der Bauer Sagurna, früher Meier 5. Die gesamte Ernte des Jahres verbrannte. I. Vatikanum. Am Fest der Mutterschaft Mariens eröffnete der Hl. Vater Papst Johannes XXIII das II. Vatikanum Durch dieses allgemeine Konzil soll die katholische Kirche erneuert werden. In der Gemeinde Erkeln wurde vorher eine Novene gehalten, an der die Gemeinde zahlreich teilnahm. Ausgeschlossen hatten sich nur die Lehrpersonen. Es waren zu der Zeit 2 Junglehrer als Praktikanten in Erkeln. Jeden Abend, als die Novene gehalten wurde, spielten sie mit den hiesigen Lehrpersonen und den weiblichen Mitgliedern des Turnvereins in der Halle Tischtennis. Was soll aus den Kindern werden, wenn die Lehrer selbst kein Verhältnis mehr zur Kirche und Religion haben. Erntedankfest. 14.10. Am 14.10. feierten wird das Erntedankfest. Nach der feierlichen Dankandacht machte die Landjugend eine Fahrt nach Berlebeck zur Adlerwarte, von da nach Himmighausen. Bei dem Heimatdichter Fritz Kukuk, der an dem Abend aus seinen Werken las, verlebten wir einige frohe Stunden. Dekanatstreffen der Jugend in Bad Driburg.28.10. Am Christkönigsfeste war für die Jugend des Dekanates Brakel in Bad Driburg großes Treffen. Von Erkeln nahm niemand teil, weil die Turner an dem Abend, ohne mit dem Pfarrer zu überlegen, einen Ball oder besser ein großes Besäufnis bei der Wirtschaft Pott veranstalteten. Ölheizung in der Kirche. Im Spätherbst des Jahres wurde die Heizung in der Kirche erneuert. Die alte Heizung war schon seit Jahren nicht mehr in Takt. Firma Mohr, Aachen, lieferte eine neue Ölheizung. Mütterbildungswerk. Im Rahmen des Mütterbildungswerkes wurde am 5.11. und 14.12. Vorträge über die Massenmedien gehalten. Am 13.12. ein Backkursus für die Frauen und Mütter. Auch die Bräute waren eingeladen. Etwa 20 Personen nahmen teil. Ländl. Seminar in Erkeln. Für Tietelsen, Erkeln, Rheder und Drenke wurde in Erkeln wieder ländliches Seminar gehalten. Thema: Jugend und Familie. Am 4.11. wurde das Seminar begonnen. Teilnehmer: 66. Davon 39 Erkelner. Generalversammlung der Bruderschaft. Die Schützenbruderschaft hielt in diesem Jahre schon am 30.12. ihre Generalversammlung mit Neuwahl des Vorstandes. Neuer Oberst wird Bruno Johlen, Adjutant Elektriker Johannes Sievers. Das Schützenfest für 1963 wird beschlossen. Statistik des Jahres 1962. Erkeln hat laut Volkszählung im Juni 1961 784 Einwohner, davon 713 Katholiken, 71 evangelisch. 206 Haushaltungen. Von den 713 Katholiken sind 239 im päpstlichen Werk der Glaubensverbreitung, 140 Kinder im päpstlichen Werk für die Kinder.Die Misereror-Kollekte am Passionssonntag brachte 2210,- DM, die Adveniat-Aktion (Weihnachten) 1100.-DM sowie die Unterstützung von 3 Theologen in Südamerika. Im Jahre 1962 waren : 17 Taufen, 7 Beerdigungen (5 aus der eigenen Pfarrei), 14 Trauungen, 20000 Kommunionen. Weißen Sonntag waren es 6 Kinder, die zur ersten hl. Kommunion geführt wurden. Ausserdem erstmalig in der Gemeinde 2 rechtzeitige Kommunion (Jungen von 6 und 5 Jahren). 1963. Dreikönigssingen der Messdiener. Erstmalig wurde in diesem Jahre das Dreikönigssingen durchgeführt. 2 Messdienergruppen sangen für die Missionen. Der gesammekte Betrag erreichte die Höhe von 547,41 DM. Religiöse Woche in Erkeln. Vom 13.1. - 21.1. hielt Pater Wüste aus Menden in der Gemeinde eine religiöse Woche. Trotz der schneidenden Kälte war der Besuch gut. Die Gemeinde ging zu 60 % zu den Sakramenten. Mütterbildungswerk. Ende Januar (31.1.) wurde für die jungen Mütter ein Säuglingskursus gehalten (Teilnehmerzahl 30) und am 11.3. ein Webkursus für die jungen Frauen und Bräute (Teilnehmer: 12). Heimatabend der Schützenbruderschaft. Im Saale der Wirtschaft Pott ist am 10.3. ein Heimatabend mit dem Heimatdichter Fritz Kukuk aus Himmighausen. Ernste Gedichte werden im ersten Teil des Abends gelesen, ein humorvoller beschliesst den Abend. Die Teilnehmer - etwa 100 mit den Frauen - sind begeistert Etwa Mitte März geht der Winter zu Ende. Es war ein harter und langer Winter. Von Weihnachten an bis Mitte März lag ununterbrochen Schnee. Strenge Kälte hatte schon vor Weihnachten eingesetzt. Kälte über 22 Grad werden gemessen. Die Wasserleitung von Erkeln war z.T. zugefroren, bis zu einem Meter war der Erdboden gefroren. Die Kälteschäden zeigten sich erst, als Tauwetter eintrat. Die Saat hatte unter der Schneedecke keinen Schaden genommen. Brand in Erkeln. 27.2. Am Aschermittwoch (27.2.) brach ein Brand aus bei Bauer Wulff-Kosmeyer. Ursache war eine Infrarotlampe im Ferkelstall. Das Wohnhaus blieb erhalten, nur der Dachstuhl brannte zur Hälfte ab. Königsschiessen am 1.5. Am 1. Mai hatte die Bruderschaft Königsschiessen angesetzt. Die Beteiligung war sehr schlecht. Es wurde zwar ein König ermittelt für einen Tag. Wegen ungebührlichen Benehmens am selben Abend wieder abgesetzt. Ein nochmals angesetztes Schiessen führte zu keinem Erfolg. Es wurde dann ein Schützenkönig gewählt und zwar Johannes Giefers, Stellmacher, und Frau Elisabeth Johlen als Königin. Internationaler Tag der Landjugend in Tietelsen am 7.5.63. Der internationale Tag der Landjugend wurde in diesem Jahre in Tietelsen gehalten. Die Landjugend von Tietelsen weihte gleichzeitig ihr Landjugendbanner, 30 Jugendliche von Erkeln nahmen teil. Deus omnipotens repleat vos omni benediktone. Erkeln, in visstatione canonica die 24 Maji 1963 # Laurentius Archiepiscopus Paderbornensis. Firmung in Erkeln am 24.5.1963. Festliche Tage erlebten die Gemeinden des Dekanates von Christi Himmelfahrt bis Freitag vor Pfingsten 1963. Es waren die Tage der Firmung. Dieses mal kam der Hochw. Herr Erzbischof selber. Auf dem Fest Christi Himmelfahrt gegen 18 Uhr wurde der Erzbischof in Brakel von der Gemeinde Brakel im Beisein des gesamten Dekanatsklerus feierlich empfangen. Am anderen Tage, den 24.5., war morgens Firmung in Hembsen, nachmittags 16 Uhr in Erkeln . Das Dorf hatte Festschmuck angelegt. Empfangen wurde der Hochw. Herr am Kriegerdenkmal auf dem Kirchplatz, zur Kirche geleitet, wo er dann nach einer Ansprache und Katechese 52 Mitglieder unserer Gemeinde das hl. Sakrament der Firmung spendete. Am Freitag vor Pfingsten Schlußkonferenz und der Hochw. Herr kehrte nach Paderborn zurück. Schützenfest am 3.6.1963. Das Schützenfest, das unter einem schlechten Vorzeichen stand (s.o.), verlief harmonisch. Fronleichnamsfest 1963. Das Fronleichnamsfest bekam eine besondere Note dadurch, daß die Erkelner Musik zum 1. Male aufspielte. In den letzten Jahren war es nicht möglich, eine Musik von ausserhalb zu bekommen. Der Gesangverein gründete eine Bläsergruppe unter Leitung des Herrn Lehrer Dierkes und Herrn Bänsch. Die politische Gemeinde wie auch die Kirchengemeinde halfen bei der Anschaffung der Instrumente mit. Die Kirchengemeinde gab 500,- (fünfhundert) DM. Ausflug der Frauen und Mütter am 16.7. u.14.10. Marburg, die Stadt der hl. Elisabeth, war in diesem Jahre das Ziel. Es war ein sehr schöner und heisser Sonntag. Mehr für die älteren Mütter gedacht war die Wallfahrt nach Marienloh bei Paderborn am 14.10.63 Kulturarbeit der Bruderschaft. Die schon im Frühjahr begonnene Kulturarbeit der Schützenbruderschaft wurde in diesem Herbst fortgesetzt. Der Oberst Bruno Johlen hielt einen Lichtbildervortrag über eine Englandfahrt. Es folgte ein Film mit dem Titel: "Die Eltern hatten keine Ahnung" . Es sprach dann noch Pater Reintges S.V.D. aus Driburg über das Aufklärungsproblem, das großen Anklang fand. Alle Abende waren mit den Damen der Schützenbrüder. Nach meiner Ansicht ist das eine sehr wichtige Aufgabe der Bruderschaft. 1. Sitzungsperiode des II. Vatikanums. Im Herbst dieses Jahres kamen die Bischöfe der Welt zur 2. Sitzungsperiode des Konzils zusammen, die bis zum Dezember dauerte. Das Ergebnis war die Constitution über die Erneuerung der Liturgie und der Massenmedien. Wenn das die einzigen Ergebnisse des Konzils blieben, hätte sich die Mühe schon gelohnt. Vidi in vis. 25./1.1964 Schneider, Dech. Ländliches Seminar in Erkeln 1963/64. Die Landjugend führte auch im Spätherbst des Jahres 1963 bis 1964 ihre Seminararbeit für die Jugend des Dorfes wieder weiter. Die Jugend von Tietelsen nahm an diesen Bildungsabenden teil. Es waren etwa 50 Teilnehmer. Jahresübersicht. Im Jahre 1953 waren in der Gemeinde Erkeln: 17 Taufen (18 Geburten) 13 Tote (12 aus der eigenen Gemeinde) 5 Trauungen, 61 Firmungen, 7 Erstkommunikanten. Es wurden 18000 Kommunionen ausgeteilt - das sind 2500 weniger als im letzten Jahr. Das religiöse Leben nimmt unter dem Einfluß der Massenmedien auch auf dem Lande immer mehr ab. Missereror Kollekte 1963 - 2018.- DM, Adveniat Koll. 1320.- DM, Weltmissionskoll. 360,- DM. Meteorologischer Rückblick auf das Jahr 1963. (Bericht aus der Tageszeitung eingeklebt - Der kälteste Winter seit 130 Jahren). 1964. Generalversammlung der Bruderschaft. Auf der Generalversammlung der Schützenbruderschaft am 29.12.63 war der traditionelle Sebastiansball auf den 19. Januar 1964 festgelegt. Es wurde im Saale der Wirtschaft Pott gefeiert. Das Schützenfest wurde am 2. Pfingsttage, den 18.5., gefeiert. In diesem Jahre wurde in der Scheune von Bauer Hoischen das Fest gefeiert. Die Königswürde errang Schützenbruder Ludwig Behler vom Spielmannszug, als Königin erwählte er sich Frau Gisela Willeke. Im übrigen setzte die Bruderschaft im Winter und im Herbst des Jahres 1964 ihre Kulturarbeit fort. Dreikönigssingen der Meßdiener. Die Schuljugend führte auch in diesem Jahr das Dreikönigssingen durch. Begleitet von der Musikgruppe sangen sie und spielten sie an allen wichtigen Punkten des Dorfes. Beginn der Turmarbeiten. 6.4.1964. Der Kirchturm der Pfarrkirche war schon jahrelang baufällig. Herabfallende Schiefersteine gefährdeten die Passanten. Der Kirchenvorstand hatte deshalb die Neueindeckung des Kirchturmes mit Kupferplatten beschlossen. Ausführende Firma war Herr Berendes aus Lohne in Oldenburg. Voranschlag 22481,-DM. Von dieser Summe erhielt die Kirchengemeinde 15481,- DM von der erzbischöfl. Behörde , 7000,-DM mußte die Kirchengemeinde aufbringen. Der tatsächliche Preis erhöhte sich um 2000,-DM, die ebenfalls die erzbischöfl. Behörde Paderborn übernahm. Lehrerwechsel in Erkeln. Ostern 1964 verläßt Frl. Kalb aus Altenbergen die kath. Volksschule Erkeln. Sie heiratet und kommt an die Volksschule nach Brenkhausen. Ihre Nachfolgerin wird Frl. Fröhlingsdorf aus Brakel. Erstkommunionfeier auf Christi Himmelfahrt. In diesem Jahre wurde die Erstkommunionfeier vom Weißen Sonntag auf das Fest Christi Himmelfahrt verlegt, da in diesem Jahre Ostern aber sehr früh war. Ausserordentl. Missionstag. Am 26.4. führte ein Pater aus Münster in der Gemeinde einen ausserordentlichen Missionstag durch. Das Interesse der Gemeinde an der Missionsarbeit der Kirche ist im allgemeinen sehr groß. Fast alle Familien sind Mitglied im päpstlichen Werk der Glaubensverbreitung, ebenso viele Jugendliche. Erste Hilfekursus für häusl. Krankenpflege. Schwester Magdalene führte im Sommer des Jahres einen erste Hilfekursus für die Mädchen durch. Im Spätherbst für die Frauen und Mütter einen Kursus für häusliche Krankenpflege. Beide Kurse waren gut besucht. Ausflug der Frauen und Mütter. 1.6. In diesem Jahre machte die Frauen und Müttergemeinschaft ihren Ausflug nach Hildesheim zum tausendjährigen Rosenstock und der berühmten Michaelskirche. Pater Leppich in Brakel. Zum zweiten Male sprach Pater Leppich S.J. vor der Stadthalle in Brakel. Die Versammlung war gut besucht. Messdienerausflug. 19.8. Mit den Messdienern und den Helferinnen und Sammlerinnen der Missionsvereine wurde am 19.8. ein Ausflug zum Edersee und Fritzlar und zum Herkules nach Kassel gemacht. Kirchenvorstandswahl. 13.9.64. Am 13.9.64 wurden 3 Mitglieder des Kirchenvorstandes neu gewählt. Herr Josef Moenikes schied freiwillig wegen seines Alters aus dem K.V. aus. Gewählt wurden bei sehr schwacher Wahlbeteiligung Franz Kanand, Friedrich Bobbert und als neues Mitglied Johannes Giefers, als Ersatzmitglieder Johannes Güthoff, Siedlung, und Bauer Josef Nutt. Gemeinderatswahlen. 27.6.1964. Am 27.9.1964 wurde der Gemeinderat der Gemeinde neu gewählt. Nach hartem Wahlkampf siegte die Christliche Wählergemeinschaft mit dem Altbürgermeister Backhaus an der Spitze. Sie errang 4 Sitze von 7, die CDU 2 Sitze u. das Zentrum 1 Sitz. Mord in Erkeln. 28.11. Am letzten Sonntag des Kirchenjahres wurde von dem Dominikanerpater Bernhard ein Wertesonntag für Diaspora-Niva durchgeführt. Der Pfarrer war in der Zeit verreist. Am Sonntag Abend wurde an der neuen Turnhalle ein junger Mann aus Brakel mit Namen Blum erschossen. Bei einem Zechgelage in Brakel war es mit den Jungen der Familie Erkeling zum Krach gekommen. In der Nacht erschienen dann die Gebrüder Blum in Erkeln und randalierten vor dem Hause Erkeling und versuchen in das Haus einzudringen. Der Sohn des Hauses Franz Erkeling nimmt sein Kleinkalibergewehr und trifft den einen der Gebrüder tödlich. Abschied von Schwester Magdalene Hecken. Am 15. Dezember verlässt Schwester Magdalene Hecken nach 14 jähriger Tätigkeit in der Gemeinde Erkeln die Gemeinde, um eine neue Tätigkeit in Dortmund zu übernehmen. 14 Jahre hatte Schw. Magdalene die Kranken des Dorfes versorgt. Deshalb auch hier an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Schw. Magdalene und ebenso an Schwester Gertrud Vohwinkel, die jahrelang die Kirchenbücher und die Kirchenkasse geführt hat. (Eingeklebter Tageszeitungsausschnitt "Dank an Schwester Magdalene"). Jahresübersicht 1964. Im Jahre 1964 waren in der Gemeinde Erkeln: 16 Taufen, 9 Trauungen, 12 Tote, 18500 Kommunionen, Zahl der Kirchenbesucher durchschnittlich 510 (etwa 30 - 40 Mitglieder der Gemeinde besuchen Sonntags nicht mehr die hl. Messe). 13 Kinder wurden zur 1. Hl. Kommunion geführt. Meteorologischer Überblick 1964 ( wird durch eingeklebte einschlägige Tageszeitungsausschnitte erbracht.) 1965. Bildungsarbeit im Winter 1964/65. Die Landjugend führt das ländliche Seminar durch (Tietelsen hat erstmalig selbst ein ländl. Seminar.) Die Bruderschaft hat monatlich für ihre Mitglieder mit den Frauen einen Vortragsabend. Unter anderen spricht Rektor Knauer, Hardehausen, über die Massenmedien, der Pressereferent der Erzdiözese über Pressefragen. Für die Frauen und Mütter wird monatlich ein Bibelabend gehalten Am 10.1. hält die Bruderschaft ihre Jahresversammlung. Sebastian wird am 24.1. gefeiert. In diesem Jahre ist kein Schützenfest, da der Sportverein ein grösseres Fest durchführt. Liturgiereform. 7.3.65. Auf Anordnung der deutschen Bischöfe wird am 1. Fastensonntag, den 7.3.1965, in allen Gemeinden die Liturgiereform durchgeführt. Nach mehreren Einführungspredigten wird auch in Erkeln am 7.3. die hl. Messe erstmalig in deutscher Sprache gefeiert. In der Kirche wurde ein Altar, an dem der Priester zur Kirche gewandt steht, aufgestellt. Aus dem herausgeschnittenen Teil der Kommunionbank, der auf dem Hausboden stand, wird er vom Tischlermeister Friedr. Balke gearbeitet. Die Teilnahme der Gemeinde an der Feier der hl. Eucharistie ist vom 1. Tage an reger. Kardinalernennung. 22.2.65. Am 22. Februar hat Papst Paul VI. unseren Erzbischof Dr. Lorenz Jäger zum Kardinal ernannt, wohl in Anbetracht seiner aktiven Teilnahme am Konzilgeschehen in den drei Sitzungsperioden. Mit Erzbischof Jäger hat Paderborn seit seiner Gründung erstmalig einen Bischof, der den Kardinalshut trägt. (s. die Beilage am Ende der Chronik.) Neue Krankenschwester f. Erkeln. Am 1. März 1965 hält Schwester Elisabeth Westkamp aus Soest ihren Einzug in Erkeln . Sie ist die Nachfolgerin von Schwester Magdalene Hecken. Die politische Gemeinde Erkeln hatte sich lange bemüht, um die Krankenstation, die ein Segen für die ganze Gemeinde ist, neu zu besetzen. Mein Wunsch an Schw. Elisabeth: Auf viele Jahre ! Lehrerwechsel in Erkeln und Schulumbau in Erkeln. Am 1.4.1965 verlässt Lehrer Josef Dierkes aus Dalhausen Erkeln und geht zur Mittelschule in Beverungen. Lehrer Dierkes hat sich bei der letzten Gemeinderatswahl in nicht gerader kluger Form gegen den Altbürgermeister Backhaus gestellt. Als die Wahl für den Altbürgermeister ein 100% Erfolg wurde, war seines Bleibens nicht länger mehr in der Gemeinde. Als Vertreter kam Lehrer Kluge aus Brakel, da ein neuer Lehrer für Erkeln nicht zu finden war. Mit dem Weggang von Lehrer Dierkes wurde auch mit dem Schulneubau begonnen. Die sanitären Anlagen der Schule waren katastrophal. Da ein Schulneubau von der Regierung abgelehnt wurde, musste der Schulumbau in Angriff genommen werden. Die Kirchengemeinde tritt an die politische Gemeinde für den Umbau der Schule 5 m in der Länge des Pfarrgartens ab und erhält dafür das Grundstück hinter dem Kindergarten. Während des Umbaues zieht die Schule in die Jugendräume der Turnhalle und so kann der Schulunterricht geordnet und geregelt durchgeführt werden. Flutkatastrophe in Ostwestfalen. Der Sommer des Jahres 1965 war der regenreichste seit vielen Jahren. Wolkenbruchartige Gewitter lösen einander ab. Der schwärzeste Tag war der 16.7. Im Raum Paderborn, im Diemeltal und auch diesseits der Egge fordern die Unwetter zwölf Menschenleben und richten verheerende Sachschäden an. Die Tiere auf den Weiden wurden von den Wasserfluten mitgerissen. Auch in Erkeln kam die Nethe über die Ufer und überflutete alle Häuser an der Nethe bis zu einem halben Meter. (s.auch den meteorologischen Überblick am Ende des Jahres). Messdienerausflug u. Mütterausflug. Am 16.8. fahren die Messdiener und die Helferinnen der Missionsvereine zur Tropfsteinhöhle nach Warstein und zum Möhnesee. Die Bootsfahrt auf der Möhne löst viel Freude aus. Die Frauen und Mütter fahren am 30.8. nach Hannov.-Gemünden, Sababurg und Trendelburg. Bundestagswahl am 19.9.65. Bei guter Wahlbeteiligung im Landkreis Höxter von über 90% wird der Diözesanbrudermeister der Schützenbruderschaften Landrat Heinrich Wilper aus Verne in den Bundestag gewählt. Aus dem Amte Brakel füge ich die Tabelle bei. (Auszug aus der Tageszeitung eingeklebt.) Jugendwoche in Brakel. Auf Dekanatsebene wird vom 18.10. - 22.10. in Brakel eine Jugendwoche durchgeführt, um die Jugend tiefer in die neue Liturgie einzuführen. Neben Diskussions- und Quizabenden wurde eine Messfeier mit modernen Gesängen gehalten. Die Jugend war 100% begeistert. Meiner Meinung nach gehören diese Gesänge in den Urwald, aber nicht in den abendländischen Kulturraum. Bildungsarbeit im Spätherbst. Das ländl. Seminar mußte in diesem Jahre leider ausfallen, da keine Räume zur Verfügung standen wegen des Schulumbaues, ebenso die Schulungsabende für die Frauen und Mütter. Die Bruderschaft begann mit der Winterarbeit im November. Als erstes wird ein Erste Hilfe Kursus vom Roten Kreuz aus Höxter gehalten. Am 5.12. spricht der Diözesanbrudermeister Wilper über die Aufgaben der Bruderschaft in der heutigen Zeit. Schütze sein heisst Schützer sein von Glaube und Sitte. Neubau des Pfarrhauses. In der Sitzung vom 17.12. beschloß der K.V. endlich den Neubau des Pfarrhauses. 60 Jahre sollte schon das Pfarrhaus gebaut werden. Der Neubau war immer wieder verschoben worden. Es wird folgender Finanzierungsplan aufgestellt: a.) Erzb. Behörde Paderborn 110.000.- DM b.).Innenanleihe 8.000,-DM c.) Polit. Gemeinde 20.000,-DM d.) Kirchengemeinde durch Sammlung 30.000,-DM e.) Eigenleistung 19.000,-DM 187.000,-DM Die Erz. Behörde genehmigt den Plan und bewilligt 110.000,-DM. Ebenso be- schliesst die politische Gemeinde Erkeln, in 3 Jahren einen Zuschuß von 20.000,-DM für den Bau des Pfarrhauses zu geben. Statistik 1965. 14 Taufen, 3 Trauungen, 11 Tote, 10 Erstkommunionen, 19500 Kommunionen, etwa 500 besuchen regelmässig den Sonntagsgottesdienst. Die Miserero-Koll. brachte dieselbe wie im vorigen Jahre 1888,30 DM, die Adveniat Koll. zu Weihnachten 1633,72 DM, im Jahre 1964 waren es 1485,-.DM. Die Missionskoll. 370,-DM. Ausserdem hat die Gemeinde seit 1963 3 Adveniat-Patenschaften übernommen für die Ausbildung von 3 argentinischen Priestern (1800,-DM). Vidi in vis. 13.1.1966 P.Schneider, Dech. Meteorologischer Überblick 1965. (Die entspr. Tageszeitungsausschnitte sind eingeklebt. Für 1965 ist noch nachzuholen, daß am 8.12.1965 das II. Vatikanische Konzil endete. Das Konzil ist wohl das wichtigste Ereignis, das wir in unserer Zeit erleben durften. Doch das Konzil bleibt unfruchtbar, wenn die Beschlüsse in den einzelnen Gemeinden und Diözesen nicht in die Tat umgesetzt werden, eine Arbeit die Generationen in Anspruch nehmen wird, um die Kirche wieder zur Stadt auf dem Berge zu machen. 1966 Generalversammlung der Bruderschaft. Am 2.1. hielt die Bruderschaft ihre diesjährige Generalversammlung mit Neuwahlen. Gewählt wurde der alte Vorstand mit Oberst Bruno Johlen an der Spitze. Der Sebastiansball erhielt in diesem Jahre ein eigenes Gepräge. Er konnte am 31.1. erstmalig in der neuen Turnhalle gefeiert werden. Weihbischof Nordhues in Brakel. Am 16.1. hielt Weihbischof Dr. Nordhues in der Stadthalle in Brakel ein Podiumsgespräch über das Konzil. Die Stadthalle war bis zum letzten Platz gefüllt. Generalversammlung der Landjugend. Auf der Tagesordnung der diesjährigen Generalversammlung der Landjugend standen Neuwahlen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Franz Löneke gewählt. Schulendtage für Jungen und Mädchen. In der Zeit vom 28.3. - 3.3. werden für die Jungen und Mädchen, die aus der Schule entlassen werden, in Hardehausen und Maria Anger in Detmold Schulendtage durchgeführt. Alle Jungen und Mädchen aus Erkeln nahmen teil. Schule bezugsfertig. Anfang April zum neuen Schuljahr ist die Schule soweit fertig gestellt, daß die Klassen wieder aus der Turnhalle in die Schule verlegt werden können. Der Umbau der Schule ist nach meiner Meinung wirklich geglückt. Anfang April erhält Erkeln dann auch wieder einen ständigen Lehrer. Lehrer Kluge, der ein Jahr die Vertretung in Erkeln hatte, geht wieder nach Brakel. Es kommt als neuer Lehrer Herr Karl Kraus aus Hückeswagen im Bergischen Land. Auf viele Jahre ! Schützenfest. Beim Königsschießen am 8.5. hatte der Jungschütze Hermann Pott die Königswürde erlangt. Er erkor sich Frl. Maria Hoischen zur Mitregentin. So konnte das Schützenfest nach alter Tradition am Pfingstmontag und Pfingstdienstag, den 30. Und 31. Mai, gefeiert werden; in diesem Jahre erstmalig in der neuen Turnhalle ! Ausflug der Frauen und Mütter. Der Ausflug der Frauen und Müttergemeinschaft ging in diesem Jahre nach Kleinenberg, Diemelsee und Schloß Arolsen. Leider hat es den ganzen Tag gegossen. Sportfest der Landjugend. 31.7. Am 31.7. fand in Erkeln ein Sportfest der katholischen Landjugend des Kreises statt. Am Abend gemütliches Beisammensein in der Halle mit Tanz und Musik. Ausflug der Messdiener. 21.8. Die Messdiener und die Helferinnen der Missionsvereine fuhren in diesem Jahre zum Diemelsee und zum Kahlen Asten. Auf dem Diemelsee wurde bei herrlichem Wetter eine Bootsfahrt unternommen. Pfarrhausneubau u.Siedlung auf der "Gellen Breite". Im Spätsommer des Jahres war es so weit, daß mit dem Bau des neuen Pfarrhauses begonnen werden konnte. Der Pfarrer räumt z.T. das alte Pfarrhaus und zieht in die neu gebaute Lehrerinnenwohnung, die z.Zt. leer steht, da Frl. Fröhlingsdorf täglich zu ihren Eltern nach Brakel fährt. Ebenso wird mit der neuen Siedlung an der Tietelser Straße begonnen. Die Kirchengemeinde hat an die Aachener Siedlungsgesellschaft das Vikarieland und das Pfarrland zu Siedlungszwecken in Erbbaupacht zur Verfügung gestellt. Die Bildungsarbeit des Jahres. Die Bildungsarbeit für die Erwachsenen und für die Jugend wurde getragen von der Frauen und Müttergemeinschaft, der Schützenbruderschaft und der Landjugend. So sprach in der Frauengemeinschaft Herr Breitenstein, Frau Rubart: Die Familie in unserer Zeit, die Kardinaltugenden. Bei den Schützen waren es aktuelle Themen: Dorf ohne Gemeinschaft - ohne Solidarität, die Kirche auf dem Wege ins 3. Jahrtausend. (Rektor Kühne). Im November konnte wieder das ländl. Seminar beginnen. Thema: In Freiheit die Zukunft gewinnen in der Kirche, in Europa, in einer technisierten Welt. 39 Jungen und Mädchen nahmen teil. Für die Jugend war vor Christkönig eine religiöse Jugendwoche in Brakel und über den ganzen Winter 1966/67 ein Jugend-Film-Forum in Brakel. Brand in Erkeln. Am 2.12. schreckten die Brandsirenen die Einwohner auf. Im Hause des Johannes Sonst brannte es. Gott sei Dank konnte der Brand bald gelöscht werden, sonst wäre der Hof des Bauern Bruno Johlen ebenfalls ein Opfer der Flammen geworden. 1. Ausflug der Landjugend. Die Landjugend unternahm ihren Ausflug sehr spät. Doch das hatte seinen Grund. Ziel war die Hirschfütterung im Forsthaus Ihrige beim Jagdhaus Niese. In Winterberg lag schon ½ Meter Schnee. Zu der Fütterung sahen wir etwa 20 Hirsche. Schriftenstand und 2 Aushangkästen. In diesem Jahre erhielt unsere Kirche einen Schriftenstand. Auf dem Kirchplatz wurden 2 Aushangkästen für Bekanntmachungen und Plakate aufgestellt. Schulreform. 1966 brachte den Übergang zur Schulreform. Die Einschulung soll fortan am 1. August eines jeden Jahres sein, ebenso wird ein 9. Schuljahr Pflicht. Als Übergang wird 1966 Ostern und am 1.12. eingeschult (2 Kurzschuljahre). Ab 1.12. muß das 9. Und 8. Schulj. Von Erkeln nach Brakel zur Hauptschule, da Erkeln nur 2 Lehrkräfte hat (Lehrer Kraus und Frl. Fröhlingsdorf). Statistik 1966. 16 Taufen, 3 Trauungen, 14 Erstkommunikanten, 9 Tote, 21000 Kommunionen wurden ausgeteilt. Die Misereorkollekte brachte in diesem Jahre 1961,70 DM, die Adveniat-Koll. 1879,-DM. Die Missionskoll. 500,70 DM. 1967. Das Jahr 1967 begann mit einem sehr milden Winter. Schnee gab es kaum, die Kälte war gering. Dreikönige, als die Messdiener zum Dreikönigssingen rüsteten, war herrlicher Sonnenschein. 339,-DM war das Ergebnis. Am 8.1. fand die Generalversammlung der Schützenbruderschaft statt. Das Programm für 1967 wird festgelegt. Der traditionelle Sebastiansball ist am 29.1. Ebenso soll die Bildungsarbeit in der Bruderschaft auch im 1. Vierteljahr fortgesetzt werden. Es spricht am 19.2. Militärpfarrer Dornschneider, Höxter,:"Was sagt das Konzil über Ehe und Familie." 100 Schützenbrüder mit ihren Frauen nahmen teil. Am 14.3. spricht Herr Wichmann aus Holland: Einer unter Millionen - 11 Jahre in Sibirien. Dieser Abend war zusammen mit der Landjugend. Besuch war mäßig. Erstmalig soll das Schützenfest nicht an Pfingsten, sondern am 16. Juli gefeiert werden. Ein recht begrüssenswerter Gedanke ! Die Pfingstfeiertage gingen sonst unter im Schützenfesttrubel. Am 22.2. erkrankte der Pfarrer an Gelbsucht und mußte für 9 Wochen ins Krankenhaus nach Brakel. Die Mitpriester des Dekanates übernahmen die Vertretung und Aushilfe. Nur in der Karwoche und Ostern war der Hochwürdigste Herr Bischof Körner aus Bad Driburg zur Vertretung in Erkeln. Wegen der Erkrankung konnten die Kinder am Weißen Sonntag nicht zur Kommunion geführt werden. Erstkommunionsonntag war der 7. Mai, der 6. Sonntag nach Ostern. Am Tag der Deutschen Einheit ((17.6.) hielten wir mit den evangelischen Brüdern und Schwestern in unserer Gemeinde eine ökonomische Andacht für die Einheit und den Frieden. Der evangelische Pfarrer aus Brakel wirkte mit. Gemeinderatswahl. 9.7. Um ein Hauptanliegen des Konzils "Die Mitarbeit und Mitverantwortung der Laien im Reiche Gottes" zu verwirklichen, sind in allen Gemeinden Kirchen- Gemeinderäte zu bilden. Bei uns fand die Wahl am 9. Juli statt. Gewählt wurden in direkter Wahl: Herr Bürgermeister Ludwig Backhaus, Frau Erna Backhaus, Herr Franz Kanand. Delegiert wurden von den Verbänden: Vom Kirchenvorstand Herr Johannes Giefers, von der Bruderschaft Herr Johannes Sievers, von den Frauen und Müttern Frau Irene Balke, von der Jugend Herr Franz Löneke. Ich hoffe, daß die Pfarrgemeinderäte wirklich aktiv werden. Schützenfest 67. Vor Beginn der Ernte am 16. Juli wurde in diesem Jahre das Schützenfest gefeiert. Die Königswürde errang Herr Josef Saaken (Post) und zu seiner Königin wählte er sich seine Frau Lydia Saaken. Meines Wissens das 2. Mal in der Geschichte der Bruderschaft, daß der König seine Frau zur Königin erwählte. Taufe mich, Heiliger Geist ! 26.5.68 # Dr.Nordhues, Weihbischof Neues Pfarrhaus. Am 1.9.1967 ist das neue Pfarrhaus bezugsfertig. Das alte Pfarrhaus mit der früheren Scheune, die z.T. als Jugendheim umgebaut war, wurde dem Erdboden gleich gemacht. Fertig gestellt ist noch nicht der Büchereiraum, der zugleich als Jugendheim gedacht ist und die Aussenanlagen. Der Büchereiraum sollte zuerst in Eigenleistung fertiggestellt werden. Da aber im Herbst 1967 eine wirtschaftliche Flaute war, wurde der Bau an Firma Friedr. Meier in Brakel vergeben. Ebenso die Aussenanlagen. Die Finanzierung ist soweit sichergestellt. Allerdings sind etwa 10 Familien in der Gemeinde, die sich überhaupt nicht beteiligen. Es sind immer dieselben bei der Ausmalung der Kirche, beim Hausbau etc. Schulreform. Nach den grossen Schulferien Anfang September verließ Frl. Schürmann aus Bad Driburg Erkeln und wurde nach Ottbergen versetzt. Die Gemeinde Erkeln war deshalb im Interesse der Kinder gezwungen das 7., 8. Und 9. Schuljahr nach Brakel zu schicken, wo die Hauptschule errichtet werden soll. Um die Kinder nicht ganz der Pfarrgemeinde zu entfremden wurde nachmittags 2 x wöchentlich Schulmesse gehalten. Zu etwa 90% kamen die Kinder. Kirchenvorstandswahl. Die ausscheidenden Mitglieder des K.V. Bruno Johlen, Bernhard Hoffmann und Johannes Güthoff wurden wiedergewählt, als Ersatzmitglieder wurden gewählt Bauer Josef Nutt und Maurer Franz Rehrmann. Erntedankfest. Am 1.10.1968 feierte die Gemeinde das Erntedankfest, verbunden mit einer Segnung der Landmaschinen und Autos. Es wurde festgestellt, daß über 90 Trecker und eben so viele Autos in der Gemeinde sind. Zudem 8 Mähdrescher ! Angetreten zur Segnung waren etwa 60 Autos und eben so viele Trecker. Bildungsarbeit für die Erwachsenen in der Gemeinde. Oktober 67, in den Wintermonaten begann wieder die Bildungsarbeit für die Erwachsenen. Das ländliche Seminar der Landjugend hatte zum Thema die päpstliche Enzyklika "Progressio popedloreum". Besuch war in diesem Jahre sehr schlecht, etwa 15 Teilnehmer. Ebenso begann die St. Petrus Bruderschaft unter der Leitung von Bruno Johlen ihre Winterarbeit. Themen: Was hat uns das Konzil gebracht ? Dr. Mohr ,Hardehausen.: Die Deutsche Wirtschaftslage,. Fahrt nach Corvey, dem alten Kulturzentrum des Weserraumes. Auch die Frauen- und Müttergemeinschaft hatte mehrere Vorträge über die Aufgaben der Frau und Mutter in der modernen Welt. Ende November setzte der Winter ein mit starkem Schneefall und Kälte, die bis kurz vor Weihnachten anhielt. Weihnachten selbst war kein Schnee. Ende des Jahres kam wieder Schneefall, der dann bis in den Januar hinein liegen bliieb. Im weiteren Verlauf war der Winter mild. Statistik 1967. 11 Taufen, 2 Trauungen, 4 Tote (davon 3 aus der Gemeinde), Kommunionkinder 15, Kommunionempfang 22.500. An Kollekten wurden nach Paderborn gesandt 6368,-DM, davon für Misereo 2228,-DM, für Adveniat 1776,-DM. Für die Missionen wurde gespendet: An den Missionstagen 638,-DM, an Beiträgen 759,-DM, das Dreikönigssingen 339,- DM, Beitrag der Kinder für das Missionswerk 500,-DM. Zudem lässt die Gemeinde 3 Priester in Argentinien ausbilden, für die jährlich 1800,-DM zu zahlen sind. Für den Hausneubau brachte die Gemeinde 12000,-DM auf. 1968. Auch der Winter des Jahres 1968 war sehr mild. Auf Dreikönige war herrliches Wetter. Das Dreikönigssingen, das die Messdiener in 4 Gruppen durchführten, brachte 378,-DM für aussätzige Kinder in Indien. Auf der Generalversammlung der Schützenbruderschaft am 7.1. wurde beschlossen, das diesjährige Shützenfest als Jubiläumsfest zu feiern allerdings nicht mit auswärtigen Vereinen. Die Bruderschaft wurde laut Akten 1708 gegründet. Von dieser Zeit an sind Akten und Protokolle vorhanden. Meiner Meinung nach besteht die Bruderschaft schon seit dem 16. Jahrhundert. Herr Ludw. Willeke soll die Akten durchsehen und auf dem Schützenfest soll dann Montag das Interessanteste aus der Geschichte den Mitgliedern der Bruderschaft bekannt geben werden. Der Sebastiansball soll am 29.1. gefeiert werden, das Schützenfest selbst am 21.7.1968. Oberst Bruno Johlen hat es durchgesetzt, daß das Fest nicht mehr auf Pfingsten gefeiert wird. Gott sei Dank ! Kornsammlung der Landjugend u.Aktion Rumpelkammer ! Um einen Entwicklungshelfer mit dem Notwendigsten auszurüsten, führt die Landjugend im Februar in Erkeln eine Kornsammlung durch, die den Betrag von 400,-DM brachte. Aus demselben Grunde führte die Landjugend des Kreises Höxter zusammen mit der Kolpingsfamilie die Aktion "Rumpelkammer" durch, die im Kreise Höxter eine Summe in Höhe von 23.500,-DM einbrachte. Die Summe wurde zwischen Landjugend und Kolpingsfamilie geteilt. Die Landjugend des Kreises konnte dem Entwicklungshelfer eine Summe von 16000,- bis 17000,-DM zur Verfügung stellen. Misereor.Kollekte. Misereor brachte in diesem Jahre 600.-DM weniger als im Vorjahr, 1606,72 DM, bedingt durch die wirtschaftliche Flaute 1967 und Anfang 1968. Bischofsbesuch in Erkeln: Weihbischof Dr. Nordhues. Vom 18. Mai bis zum 26. Mai hatte das Dekanat Brakel Bischofsbesuch. Weihbischof Dr. Paul Nordhues wurde Samstag, den 18.5., feierlich in Brakel empfangen, um hier im Dekanat das hl. Sakrament der Firmung zu spenden. Die Pfarre Erkeln war am 26.5., am letzten Tage, an der Reihe. 16 Uhr wurde der Bischof auf dem Kirchplatz vor dem Kriegerdenkmal empfangen und vom Pfarrer begrüßt. Es folgte dann für die Firmlinge mit ihren Eltern und Paten eine hl. Messe, in der der Bischof an 65 Kinder das Sakrament der Firmung spendete. Es war eine sehr schöne Feier. Neuordnung der Ewigen Anbetung. In diesem Jahre begannen die großen Schulferien schon Ende Juni, so daß der Tag der Ewigen Anbetung schon mitten in die Ferien fiel. In diesem Jahre trat zum 1. Male die Neuordnung in Kraft. Die Pfarre Erkeln hat den Tag der Ewigen Anbetung am 7.7. und zwar von 12 Uhr Mittag bis 20 Uhr. Ausflug der Messdiener und der Frauen. Am 9.7. war der Ausflug der Messdiener und der Missionshelferinnen: Ziel Hermannsdenkmal, Adlerwarte und Externsteine. Die Frauen und Mütter waren 10.7. an der Reihe. Die Fahrt ging zum Wallfahrtsort Kohlhagen im Sauerland, dann Biggesee, Attahöhle und Wildgehege am Rhein, Weser Turm bei Oberhunden. Schützenfest am 21,7, Wie auf der Generalversammlung am 7.1.68 beschlossen war, wurde am 21. Juli das Schützenfest gefeiert. Die Königswürde errang Gerhard Tilly, Königin wurde seine Frau Gertrud geb. Hagemann. Interessant war der Montag des Festes. Nach der Ehrung der Gefallenen war das traditionelle Frühstück, bei dem dann der von Herrn Willeke ausgearbeitete Bericht über die Geschichte der Bruderschaft seit 1708 bekanntgegeben wurde. Neues Schulgesetz. Nach den großen Sommerferien trat das neue Schulgesetz in Kraft. Alle Jungen und Mädchen vom 5. - 9. Schuljahr gehen nach Brakel zur Hauptschule, obwohl Brakel nicht genug Schulräume hat, um die Kinder von den Dörfern alle aufzunehmen. Die Brakeler Kinder werden deshalb auf die Schulen in den Dörfern gefahren. Hier in Erkeln war in der 1. Zeit das 3. Schuljahr der konfessionellen Grundschule von Brakel. Nach einem harten Schulkampf hat Brakel eine konfessionelle Grundschule behalten. Die Hauptschule ist vorläufig eine Gemeinschaftsschule, obwohl 600 Eltern den Antrag auf eine konfessionelle Hauptschule gestellt hatte. Es wurde einfach keine Abstimmung durchgeführt. Schöne Demokratie, in der das Elternrecht so mit Füßen getreten wird. Eine Schulreform war unumgänglich notwendig, aber bei dieser Schulreform ging es den Politikern in Düsseldorf, vor allem dem Kultusminister Holthoff S.P.D., darum die kath. Konfessionellen Schulen zu zerschlagen. Erkeln behält vorläufig die Grundschule vom 1. - 4. Jahrgang. Allerdings ist auch die Grundschule bei uns in Gefahr, da nur 60 Kinder da sind, es müssten wenigstens 76 sein. Ernte 1968. Ende August war die Ernte von den Feldern eingebracht. Es war in diesem Jahre eine Rekordernte, man sprach von 25 - 28 Zentner pro Morgen. Die Witterung war hier in der Gegend im allgemeinen gut, während anderswo, vor allem im Rheinland Katastrophen die Ernte vernichtet hatten. Kreislandjugendfest in Erkeln. 29.9.68. Die Kreislandjugend feierte das Erntedankfest in diesem Jahre in Erkeln, verbunden war das Fest mit einer Autogeschicklichkeitsfahrt auf dem Platz vor dem Kriegerdenkmal. Nach einer Dankandacht gehalten von Kreislandjugendpräses Weber aus Lütmarsen, begann die Geschicklichkeitsfahrt. Der Pacours war von unserer Landjugend mit Hilfe des Fahrlehrers Giefers aus Brakel aufgebaut worden. Einer der Erkelner Landjugend Hermann Wulf errang den 2. Preis. Abends in der Stadthalle zu Brakel wurden die Preise verliehen bei Tanz und gemütlichem Beisammensein. Neues Pfarrheim. Anfang Oktober wurde das neue Pfarrheim fertiggestellt, gedacht als Versammlungsraum für die Heimabende und als Büchereiraum. Bildungsarbeit. Für die Jugend begann Anfang November das ländl. Seminar.Jahresthema: "Frieden ist möglich". Unter anderem sprach Kreisjugendpräses Weber über das Thema, es wurden 2 Dokumentarfilme : "Angst vor der Gewalt " und der Film 1984 zu dem Thema gezeigt. Am 9./10. November war im Jugendheim Brakel ein Ehevorbereitungskursus. Für die Frauen und Mütter sprach in Brakel Frau Glöckner zu dem Thema: Die Bibel im Leben der Christen. Jeden 2. Donnerstag im Monat war für die Frauen eine Gemeinschaftsmesse mit anschliessendem Heimabend, der sich mit demselben Thema befasste. Für die Bruderschaft sprach am 15.12. Rektor Kühne, Hardehausen, Thema: "Frieden zwischen den Konfessionen". Statistik. Im Jahre 1968: 12 Taufen, 12 Tote, 15 Kinder empfingen die 1. Hl. Kommunion, 65 Kinder wurden gefirmt, Trauungen waren keine in der Gemeinde. Der Kommunionempfang stieg von 22000 auf 25000. Durchschnittlich besuchten 500 Gemeindemitglieder die Sonntagsmessen. Der Messebesuch auch in den ländl. Gemeinden nimmt immer mehr ab, ebenso der Empfang des Bußsakramentes. Die Adveniat-Koll. an Weihnachten brachte 2100,-DM. 6 Jahre lang hat die Gemeinde für Adveniat-Patenschaften in Argentinien 1800,-DM jährlich aufgebracht. 1. Generalversammlung der Bruderschaft. Die Generalversammlung wird deshalb erwähnt, um zu zeigen, wie weit die Entchristlichung auf dem kath. Lande schon geht. Es wurde der Antrag gestellt und auch angenommen, daß das Sebastiansfest am Samstag Abend gefeiert werden soll. Die Schützenmesse wurde 10,30 Uhr am folg. Sonntag gehalten. 1969. Das Jahr 1969 begann mit einem milden Winter. Im Januar, der sonst gewöhnlich die größte Kälte bringt, herrschte frühlingshaftes Wetter. Schnee und Kälte kam erst Anfang Februar. Der Schnee lag bis zu 40 cm hoch, hier im Nethegau eine aussergewöhnliche Schneehöhe. Der Winter hielt sich mit Schnee und Frost bis Ende März - Anfang April. Sebastiansfest der Bruderschaft. Das Sebastiansfest wurde, wie auf der Generalversammlung beschlossen, am Samstag, den 26.1. gefeiert. Das ganze Fest war eine Pleite, noch weniger Besucher als am Sonntag. Hoffentlich zieht man daraus die Konsequenz ! Die Bildungsarbeit in der Bruderschaft wurde im Februar und März fortgesetzt: Februar sprach Herr Mohr, Hardehausen, über das Thema: Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, März Rektor Schwingenheuer, Brede Brakel, über den ökunomischen Weltrat der Kirche, Tagung in Uppsala mit Lichtbildern. Er r selbst hatte als kath. Priester an der Tagung teilgenommen. Neue Kirchenbänke f.d.Pfarrkirche in Erkeln. Die alten Bänke in der Pfarrkirche waren noch aus der Zeit, als die Kirche erbaut wurde. Sie waren unbequem und die reinsten Marterwerkzeuge. Deshalb war man schon seit über 60 Jahren an der Arbeit, neue Kirchenbänke anzuschaffen. Schon Pfarrer Kümmel hatte bei seinem Abschied von Erkeln im Jahre 1926 eine Musterbank der Gemeinde geschenkt; entworfen wurden die Bänke von dem damaligen Dombaumeister Matern in Paderborn. Doch die Fertigstellung der Bänke wurde immer wieder hinaus gezögert. Schon vor 7 Jahren hatte die politische Gemeinde Erkeln aus dem Erkelner Wald 18 Festmeter Eiche der Kirchengemeinde geschenkt. Die Eichen wurden in Beller geschnitten und fachmännisch im Hof der alten Pastorat gestapelt. In diesem Jahre war es nun so weit, daß die Eichen verarbeitet werden konnten. Angebote wurden eingeholt und der Zuschlag der Firma Dommes in Wormbach Sauerland erteilt. In der Woche vor Passionssonntag waren die Bänke fertig gestellt und wurden in der Kirche aufgestellt. Auf jeder Seite fielen 3 Bänke im Mittelschiff und eine Bank unter der Orgelbühne fort, so daß im ganzen 8 Bänke weniger da waren. Doch es blieben mit Orgelbühne über 260 Sitzplätze. Das reichte für Erkeln. Jeden Sonntag besuchen etwa 520 die hl. Messe. Der Preis der Bänke betrug 11.???DM. Krankheit des Pfarrers. Am 1. Ostertag war Pfr. Knoche gezwungen wegen einer sehr starken Grippe und des alten Leberleidens ins Krankenhaus nach Brakel zu gehen. Am Weißen Sonntag hat ein Pater aus Bad Driburg die Kinder zur ersten hl. Kommunion geführt. Leichenhalle auf dem Friedhof Erkeln. Es war eine Notwendigkeit geworden, auch auf den Dorffriedhöfen Leichenhallen zu errichten. Der zunehmende Verkehr lies es nicht mehr zu, daß die Leichenzüge vom Sterbehaus zum Friedhof gingen. Zudem hatten viele Neubauten keinen Platz, die Leichen bis zur Beerdigung in den Häusern zu stellen. Am 21, Juni wurde die Leichenhalle auf unserem Friedhof in Erkeln in einer Feier ihrer Bestimmung übergeben. Von jetzt ab findet die Einsegnung der Leichen in der Leichenhalle statt. Auf Allerheiligen wurde in der Leichenhalle ein Wortgottesdienst gehalten mit der Segnung der Gräber. Preis der Baukosten, wie der Bürgermeister Backhaus bei der Einweihung bekannt gab: 55.000,- DM. Ausflug der Frauen. Der diesjährige Ausflug der Frauen und Mütter ging zur Weserschleuse bei Minden, zur Porta und nach Bückeburg, wo das Schloß besichtigt wurde. Es war ein regenreicher Tag. Wahl für die Errichtung einer kath. Bekenntnisschule. Es wurde nochmals der Versuch unternommen in Brakel eine kath. Bekenntnishauptschule zu erhalten. Bei ca. 800 Schülern, die die Hauptschule in Brakel besuchen, ist eine 2zügige Gemeinschaftsschule und eine 2zügige Bekenntnisschule möglich. Die Eltern wurden in den einzelnen Gemeinden zur Wahl aufgerufen. Von den 721 stimmberechtigten Eltern gingen 280 zur Wahlurne. Davon gaben 256 ihre Stimme der katholischen Bekenntnisschule. Gleichgültigkeit der kath. Eltern hat die Bekenntnisschule zu Fall gebracht. In Erkeln gingen von über 40 Stimmberechtigten nur 29 zur Wahl, einer gab seine Stimme der Gemeinschaftsschule. Hoffentlich müssen die Eltern ihre Interessenlosigkeit nicht noch einmal bitter bereuen. Der Trend geht dahin, die Religion ganz aus den Schulen zu verbannen. (Näheres s. beiliegenden Zeitungsbericht, der eingeklebt ist.) Schützenfest 1969. 21.7. Die Königswürde errang in diesem Jahre Wilhelm Kukuk, alte Schule, der sich seine Frau Christa geb. Kemper zur Königin erkor. Am Kriegerdenkmal am Schützenfestsonntag sprach in diesem Jahre Bundestagsabgeordneter Ernesti. Erntedankfest 1969. 5.10. Das Erntedankfest wurde am Morgen mit Dankgottesdiensten in den einzelnen Gemeinden begonnen, nachmittags war für die Landjugend eine Orientierungsfahrt durch den Kreis Höxter, abends in der Stadthalle Brakel Tanz. Die Ernte war in diesem Jahre gut bis sehr gut, weit über den Durchschnitt. Bundestagswahl am 29.9.1969. Am 29.9. fanden die Wahlen zum 6. Deutschen Bundestag statt. Die Wahl brachte im Wahlbezirk 102 einen Sieg der C.D.U., doch verlor die C.D.U. im Bundesgebiet vor allem in rein katholischen Gebieten, während in evangelischen Gebieten die Christdemokraten sogar noch gewannen. Die Regierung wird gebildet aus SPD und FDP. Die letztere verlor bei den Wahlen fast 4%. Näheres für Erkeln und dem ganzen Wahlbezirk s. beigefügte Statistiken (eingeklebter Tageszeitungsausschnitt). Die Gemeinderatswahlen fallen in unserem Bereich in diesem Jahre aus, da ab 1.1.1970 Erkeln zur Großgemeinde Brakel gehört. In Zukunft trägt Erkeln als Ortsbezeichnung den Namen: Brakel-Ortsteil Erkeln. Die Wahlen werden im März 1970 nachgeholt. Bildungsarbeit. Erwachsenenbildung ist das Hauptanliegen. 2 Brautleutekurse wurden gehalten in Brakel 19./20.4. u. 13./14.9. Beteiligung gut. Ländliches Seminar: Zukunft alten Menschen wurde von 20 Jugendlichen besucht. Die Bildungsarbeit der Bruderschaft nahm ihren Fortgang (November u. Dezember 2 Vorträge), die Frauen und Mütter auf Dekanatsebene sowie auch in der Gemeinde (monatlich eine gemeinsame Eucharistiefeier und ein Heimatabend, auf dem aktuelle Themen dissertiert werden). Auf Dekanatsebene findet in Brakel ein theologisches Seminar statt (5 Abende, an dem aktuelle Glaubensfragen besprochen wurden, fanden vor Weihnachten statt.) Auf Dekanatsebene ebenfalls eine Jugendwoche: Kirchl. Berufe. Allgemeiner Bericht über 1969. 1969 war ein wunderschöner Herbst. Auch der Sommer war verhältnismässig gut, die Ernte war erstklassig. November wurde das Wetter unbeständig, am 23.11. kam der erste Frost mit leichtem Schneefall. Der ganze Dezember war kalt, der Schnee blieb den ganzen Monat hindurch, das Thermometer sank auf 20° minus. Weihnachten leichtes Tauwetter, aber Schneefall und Kälte setzten nach den Weihnachtstagen erneut ein. Das Jahr 1969 war ein Jahr des technischen Fortschrittes. Am 21. Juni betrat der 1. Mensch den Mond. Man hat die Mondlandung das Ereignis des Jahrhunderts genannt. Die Landung auf dem Mond wurde am Fernsehschirm übertragen. Kirchl. Statistik 1969. 1969 wurden in der Gemeinde Erkeln 11 Kinder getauft, 10 Gemeindemitglieder starben, 6 Paare heirateten und 21 Kinder (2. U. 3. Schuljahr) empfingen die 1. Hl. Kommunion. 25000 Kommunionen wurden empfangen. Für Misereor-Koll. wurden 2000,73 DM, für Adveniat-Koll. 1943,25 DM gespendet, ausserdem 1 Adveniat Patenschaft 600,-DM. Für die Mission wurden 742,--DM, für die Diaspora 402,-DM geopfert (nicht mitgezählt sind die Mitgliederbeiträge). Vidi. Erkeln, 13.1.71 Hillebrand, Pfr. 1970.Mit dem 1. Januar 1970 hat die politische Selbständigkeit der Gemeinden im Kreise Höxter aufgehört. Seit dem 1.1.1970 gehört Erkeln zur Großgemeinde Brakel, Bezeichnung: 3942 Brakel-Erkeln. Die politische Gemeinde Erkeln hat 1400 Morgen Wald (herrlicher Buchenwald und Fichten). Was wird aus diesem wunderbaren Hochwald werden, da die Stadt Brakel bis zum Hals in Schulden steckt ! Der Januar begann mit starkem Schneefall. Schon im November des letzten Jahres fiel Schnee. Den ganzen Januar bis zum 19. Februar lagen 40 - 50 cm Schnee. Am 19.2. kam das 1. Tauwetter. Am 22.2. überschwemmte die Nethe die ganzen Wiesen. Das Wasser kam sogar bis zu 20 cm in die Häuser an d. Nethe. Dann wurde es wieder kälter und es fiel Schnee, der bis Mitte März liegen blieb (bis zu 40 cm). Am 28.12.1969 hielt die Schützenbruderschaft St. Petrus ihre Jahresversammlung. Am 24.1. soll nach einer Schützenmesse am Sonntag Abend der Sebastiansball gefeiert werden. Das Dreikönigssingen, das die Messdiener wie in den vergangenen Jahren durchführten, erbrachte 372,03 DM für die Mission und die Entwicklungsländer. Im Januar schenkte Herr Friedrich Bobbert für das Archiv eine alte Truhe aus dem Jahre 1712. In der Truhe sollen die alten Kirchenbücher aufbewahrt werden. Herzlichen Dank ! Für die Eltern der Kommunionkinder wurden 2 Abende veranstaltet. Die 1 hl. Kommunion wurde auf den 6. Sonntag nach Ostern verschoben, da das Osterfest in diesem Jahre auf den 29.3., also sehr früh, fiel. Für die Eltern, vor allem für die Frauen war in Brakel ein Elternseminar, gehalten von Studienrat Seppmann Bad Driburg. Etwa 15 Frauen und Männer nahmen teil. Die Misereor-Kollekte für die Not in der Welt erbrachte in diesem Jahre den Betrag 1957,- DM, 50,-DM weniger als im letzten Jahre. Am 15. März wurden im Kreise Höxter die Gemeinde- und Kreisparlamente neu gewählt. In Erkeln siegte die UWG mit dem Altbürgermeister knapp vor der CDU. Herr Ludwig Backhaus wird wieder Ortsbürgermeister. 2 Vertreter von Erkeln ziehen in das Stadtparlament von Brakel Herr Bruno Johlen CDU und Herr Ludwig Backhaus UWG. Herr Johlen wird Kreistagsabgeordneter. 29.3.Osterfeuer. Die Jugend hat wieder Holz gesammelt für das Osterfeuer.Leider wird dazu immer der Karfreitag genommen und es besteht die Gefahr, dass dieser Bußtag entwertet wird durch Trinken etc. Deshalb ist der Pfarrer gegen das Osterfeuer. Zum Abbrennen des Osterfeuers wird ein Zeichen mit der Glocke gegeben. Am 5. Sonntag nach Ostern, am 3. Mai, ist in unserer Gemeinde ein ausserordentlicher Missionstag. Die Kollekte ist in Erkeln mässig. Allerdings sind die meisten Familien Mitglieder im päpstl. Werk der Glaubensverbreitung. Bei der Fronleichnamsprozession sind wir in diesem Jahre nochmals den alten Weg gegangen Kapelle, Kreuz an der Nethe, Ortmanns Kreuz, Wellings Kreuz, Kirche. Doch wegen des starken Verkehrs kann die Hauptstrasse bei der Prozession nicht mehr benutzt werden. 31.5.1970 Goldenes Priesterjubiläum von Papst Paul VI. Eine feierliche Andachtsstunde wurde aus diesem Anlaß gehalten, die gut besucht war. Am 14.7.1970 wurde im Lande Nordrhein-Westfalen der Landtag neu gewählt. Die CDU wird zwar stärkste Partei, doch SPD u. FDP, die 5,5% der Stimmen erhielt, bildete die Regierung mit Ministerpräsident Kühn. In Erkeln hatte die CDU 321 Stimmen, die SPD 87, die FDP 11. Vertreter des Kreises wird der OKD. Sellmann. 1. Patronatsfest mit Prozession (gewohnter Weg), doch wurde zum 1. Male die hl. Messe an der Kapelle unter der alten Linde, die unter Naturschutz steht, gefeiert. Am Tage nach der Ewigen Anbetung 7.7. (12 Uhr bis 20 Uhr) Ausflug der Frauen und Mütter nach Kassel. Es war ein gelungener Erholungstag für die Frauen. Am 19, 7. Sportfest in Erkeln. 8 Uhr am Sonntag hl.Messe f.d. ++ u. Gefallenen, anschl. Gefallenenehrung am Kriegerdenkmal. Am 20.9. Kirchenvorstandswahlen in Erkeln. Die ausscheidenden Herren Franz Kanand, Friedrich Bobbert, Johannes Giefers wurden erneut vorgeschlagen und auch gewählt. Die Wahlbeteiligung war sehr schlecht. 9.9. - 13.9. Katholikentag in Trier. Trotz wiederholter Propaganda hat keiner aus der Gemeinde teilgenommen 27.9..Erntedankfest. Es war eine gute Ernte. Der Sommer war im Allgemeinen gut. Am Tage vorher wurden 100 Minibrote in der Gemeinde verkauft. Der Er- lös ist für die Entwicklungsländer. 1. Mütterkaffee in der Halle. Die Frauen und Mütter erlebten ein paar frohe Stunden. Die langjährige Vorsitzende Frau Erna Backhaus dankte ab nach 25 jähriger Tätigkeit. Gewählt wurde Frau Marlies Schürmann, Tietelserweg 1. Am 19.10. war für die älteren Frauen Wallfahrt nach Dalhausen. Am 20.10. Messdienerausflug nach Stukenbrock. Es war sehr schön. Anschliessend besuchten wir den Liboriberg in Paderborn - es war gerade Klein-Libori. Fast hätte der Ausflug traurig geendet, weil in Paderborn ein Messdiener vor ein Auto lief. Gott sei Dank war es glimpflich abgegangen. In diesen Wintermonaten wurde die Bildungsarbeit fortgesetzt. In Erkeln selbst war ein ländl. Seminar: Thema: Kirche von morgen - unsere Verantwortung ! 15 - 20 Teilnehmer Jungen und Männer. In Brakel wurde das theolog. Seminar fortgesetzt. Allerdings war die Beteiligung von den Dörfern nicht gut. Ebenso wurde die Bildungsarbeit in der Schützenbruderschaft in den Wintermonaten wieder aufgenommen. Gewöhnlich werden 4 solcher Abende durchgeführt. Die Jugend v.d. Kolpingfamilie, sowie Pater Wiecher, Spiritaner, führten in diesem Jahre eine Papier- u. Kleidersammlung durch. Der Erlös war für die Entwicklungsländer. Die Adventskoll. Zu Weihnachten brachte den Erlös von 1865,- DM. Dazu hat die Gemeinde eine Adventspatenschaft, für die an jedem Herz-Jesu- Freitag gesammelt wird. 27.12. >Generalversammlung d. Bruderschaft. 23.1.1971 Sebastiansball u. 18.7.1971 Schützenfest. Im Jahre 1970 werden in Erkeln: 3 Trauungen, 17 Taufen, 6 Mitglieder der Gemeinde starben, 21000 Kommunionen wurden ausgeteilt, davon 507 Osterkommunionen. Die Zahl der Kirchenbesucher durchschnittlich 490. Viele sollen nach Brakel zur Sonntagsabendmesse gehen, wie ich immer wieder höre. Ob es auf Wahrheit beruht bleibt dahingestellt ! Grundsätzlich ist der Berichterstatter gegen die Abendmesse, weil der Sonntag dadurch seine Seele verliert. Erkeln, den 31.12. 1970 Knoche, Pfr. Vidi in die visitationis 10..5.73 # Degenhardt, Episcopus auxiliaris Paderbornensis